30.09.2018

Bild zu ICE Spam

Chemnitz: Mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat in Sachsen und Bayern sechs deutsche

Männer festnehmen lassen. Sie werden beschuldigt, in Chemnitz

eine rechtsterroristische Vereinigung gebildet zu haben…

Oktoberfest 2018:

CIMG7211 Bild zu Mann in Tracht

Das ist Liebe: Ein Amerikaner hatte auf dem

Oktoberfest so viel getrunken, dass er sich nicht mehr

an seinen Namen erinnern konnte. Die Handynummer

seiner Frau, die wusste er allerdings noch

auswendig…

Tag des Kaffees:

Junges Heidelberg, altes Suhl - Demografie in West und OstGMX News per WhatsApp oder Facebook Messenger Sulawesi01. Oktober 2018, 18:31 Uhr

Interessante Fakten rund um

den Wachmacher …

@954

Kanada US FreihandelCIMG7411 CIMG7441 CIMG7867 CIMG7909 CIMG7887 CIMG7211

Allianz für Menschen mit Demenz

Ein neues Gesetz soll dem Lohndumping in der Pflegebranche ein Ende bereiten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte an, die Gesetzesnovelle ermög/

liche, dass sich Tariflöhne für Mitarbeiter von ambulanten Kranken/

pflegediensten etablieren. Doch Beobachter

sind skeptisch…

Bild zu Fahrverbot für bestimmte Diesel-FahrzeugeAktualisiert am 01. Oktober 2018, 18:58 Uhr

Die Große Koalition ringt um eine Einigung für ein neues

Diesel-Konzept. Es soll ein Paket geschnürt werden, auf das

die verunsicherten Diesel-Besitzer schon lange warten. Die

deutschen Autobauer wollen Umtauschprämien anbieten,

sehen eine pauschale Hardware-Nachrüstung aber

skeptisch. Gelingt der Durchbruch?

Fruchtsaft:

Bild zu FruchtsaftAktualisiert am 01. Oktober 2018, 18:25 Uhr

Gesünder als man denkt…

@678

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Heißluftballon stürzt in Stromleitung

Bild zu Heißluftballon stürzt in Stromleitung

Dramatisches Ende eines Ausflugs:

In Bottrop stürzte ein Heißluftballon in eine

Stromleitung. Die Rettung der sechs Insassen stellt

die Hilfskräfte vor eine große Herausforderung. Es ist

bereits der zweite Unfall mit einem Ballon im

Westen Deutschlands innerhalb

kurzer Zeit…

Guido Maria Kretschmer, Frank Mutters Winona RyderAktualisiert am 30. September 2018, 21:04 Uhr

Heizöl ist teuer wie lange nicht

Bild zu Heizöl

Heizöl, Sprit, Nahrungsmittel: Das Leben in Deutschland ist derzeit teuer

wie lange nicht. Zuletzt lagen die Verbraucherpreise im November 2011

auf einem höheren Wert. Lediglich beim Strom sind für Privathaus/

halte Einsparungen möglich – und die sind eher

rechnerisch und marginal…

Mein..un-g..s-forscher:

Türkischer Präsident in Deutschland - Köln Russland Formel 1 - Grand PrixEintracht

Die Frankfurter Eintracht feiert gegen Hannover 96

den ersten Heimsieg der Saison. Weiterhin sieglos rut/

schen die Hannoveraner nach sechs Spielen auf

den letzten Tabellenplatz ab…

Türkischer Präsident in Deutschland - Kanzleramt Redhead DaysCDU, CSU, Union

Hat die Union ihre schlechten Umfragewerte ihrem

wirtschaftlichen Erfolg zu verdanken? Meinungs/

forscher kommen zu dem Schluss…

Große Größen für DamenBild zu Führerschein

PROGRAMM f[r den RUHETAG

„Die Höhle der Löwen“:

Bild zu Absperrband an der Ditib-Zentralmoschee"Die Höhle der Löwen"

Kein Impressum? Schlechtes Zeichen – Erfundener Inhalt, falsche Zitate

Wer in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ sein Produkt vorstellen und vielleicht sogar einen der Investoren überzeugen kann, hat bei an die drei Millionen Zuschauern gute Werbung für sich gemacht. Die Bekanntheit der Sendung nutzen seit einiger Zeit aber auch Betrüger aus, indem sie im Internet gefälschte Anzeigen und Artikel platzieren.

Wir erklären die Masche, damit Sie nicht

darauf hereinfallen…

Bild zu Richard Bond - aus "Danke, mir geht's gut" von Paul Joynson-Hicks & Tom Sullam - Riva-VerlagAktualisiert am 30. September 2018, 15:18 Uhr

PROGRAMM f[r MON DAY

Bild zu Busunfall, A5, Baden-Württemberg

Sport1-„Doppelpass“ gestürmt:

Bild zu Doppelpass

Demonstranten haben sich ins Studio des Sport1-„Doppelpasses“

eingeschlichen. Es kommt zu einem kurzen Zwischenfall.

Die Proteste richten sich gegen den DFB…

„Supertalent“

SupertalentNach Erdbeben in Indonesien Recep Tayyip Erdogan Auto rutscht von Neckar-Fähre Vor der Wahl in Brasilien: Protest gegen Bolsonaro

„Weltklasse!“ – Dieses Urteil vergibt Dieter Bohlen nicht besonders oft.

In dieser Ausgabe des „Supertalents“ allerdings schon.

© teleschau – der mediendienst GmbH

Lena Meyer-Landruth hat es satt

Bild zu Lena Meyer-Landrut Bild zu Flaschen, Alkohol, IranOscar-Anwärter "Werk ohne Autor" feiert Deutschlandpremiere!

Die Oscar-Hoffnung „Werk ohne Autor“

feiert Deutschlandpremiere.

 © Promiflash

CIMG7211

WO..CHE-N..ENDE!!

25. Juni 2012

Empire Millenium Wars spielenBild zu Gwyneth PaltrowAktualisiert am 30. September 2018, 12:12 Uhr

Das Mittagessen ist gerade vorüber, ich habe

einen Kaffee getrunken und natürlich dazu geraucht.

Jetzt habe ich noch fast eine Stunde frei, dann geht es zum Ernährungsvortrag. Ich will die Zeit nutzen um etwas zu schreiben. Zum Beispiel über meinen Traum von letzter Nacht, denn der lässt tief blicken. Ich träumte ich läge im Bett mit meinem Freund. Es war nicht Wolfgang, sondern ein Caruso, zumindest nannte ich ihn so, weil er dem jungen Caruso etwas ähnlich sah.

Und wir hatten Sex, irgendwo im 5. Stock eines großen Hauses, in dem

sich auch ein kleines Restaurant mit netten Leuten befand.

Alles war prima und Caruso wollte sexuell gerade so richtig loslegen, da kommt plötzlich meine Mutter herein. Sie war total aufgeregt, bekam überhaupt nicht mit, in welche Situation sie gerade einfach so hereinplatzte, und sie überfiel mich mit irgendwelchen Dingen. Es ging um kleine, bemalte Weihnachtsbaumfiguren, die ich unbedingt anschauen und möglicherweise verkaufen sollte. Sie und Egon hätten sie einmal in stundenlanger Kleinarbeit hergestellt. Ich hatte dafür allerdings überhaupt kein Ohr und ich wollte meine Mutter aus dem Zimmer weisen, doch mir fehlte die Stimme. Außerdem fühlte ich mich körperlich total schwach. Sie ließ sich einfach nicht beruhigen und übte einen immer größeren Druck auf mich aus.
Ich war am verzweifeln und dann ärgerte ich mich über Caruso, der jetzt Wolfgang sehr ähnlich sah, weil dieser in gewisser Weise Partei für meine Mutter ergriff. Ich wurde immer wütender und erst als mir die Leute aus dem Restaurant zu Hilfe kamen ging es mir etwas besser und ich konnte sagen: „Meine Mutter gehört in die Reha, schafft sie endlich fort von hier.“ Da wurde meine Mutter aus den Raum geführt und ich war erlöst.
Dann änderte sich die Szenerie und ich stand plötzlich draußen, vor dem schön geschmückten Restaurant. Es sollte ein riesiges Stadtfest geben. Und ich sollte an diesem großen Tag meinen Caruso heiraten.

Die Leute aus dem Restaurant versprachen mir alles

auf das Schönste dafür vorzubereiten.

Danach wurde ich wach.

Ich lag erst mal ziemlich geschafft im Bett, denn der

Vorfall mit meiner Mutter nahm mich auch da noch ziemlich mit.

Ich denke, dies ist zum Beispiel so ein Traum, der mit einem Therapeuten eine gute Grundlage für ein grundsätzliches Gespräch über mein Verhältnis zu meiner Mutter sein könnte.Ich war immer noch ziemlich mit meinem Traum beschäftigt, als ich hinunter zum Frühstück ging und auch noch als ich auf meinen Termin zur Ernährungsberatung wartete. Dort wurde ich über die roten und grünen Punkte des Büffets aufgeklärt. Ich musste mein Essverhalten skizzieren und die Frau sagte, mein Gewichtsverlust wäre wahrscheinlich nicht so sehr auf das was ich verzehre, sondern ehr auf die Menge zurückzuführen. Außerdem fragte auch sie nach meinen Medikamenten, denn Psychopharmaka sind auch bei ihr berüchtigt.

Danach ging ich zur Basisgruppe, wieder mit Dr. Süß als Gruppenleiter.

Es sollte eine offene Gesprächsrunde werden, in der einer das Thema vorgab und die anderen darauf reagieren sollten. Erst war alles still, doch dann meldete sich eine Frau zu Wort. Es ginge bei ihr um Abgrenzung, sie würde sich einfach ständig verantwortlich fühlen und sie wäre immer schon die starke Kümmerin für alle in ihrer Familie gewesen, doch nun wüsste sie, sie müsse sich schützen, doch es gelänge ihr einfach nicht. Darauf antwortete ihr Sitznachbar, ihm ginge es ganz genauso und auch noch eine weitere Frau erklärte, auch sie hätte dieses Problem. Sie beschrieben sich gegenseitig ihre Hilflosigkeit und stellten die Frage: „Was kann ich tun? Hat jemand einen guten Rat?“ Da meldete ich mich. Ich sagte, ich würde dieses Problem nicht kennen und würde überlegen, was ich anders mache. Ich meinte, es wäre wichtig auch selbst von seinen eigenen Problemen zu reden. Wenn man immer nur die Päckchen der anderen aufmacht und sich damit beschäftigt, selbst aber mit den eigenen Sachen hinter dem Berg hielte, dann entstünde ein ungesundes Ungleichgewicht. Man könne und müsse seinem Gesprächspartner auch selbst etwas zumuten und klar machen, mich gibt es auch.
Auch Eva, die mit mir in der Basisgruppe sitzt, meldete sich zu Wort mit einem wie ich fand guten Beitrag. Sie meinte man solle nicht immer nur darauf schauen was alles noch nicht klappt, sondern auch die kleinen Fortschritte würdigen. Auch meine Sitznachbarin gab einige vernünftige Ratschläge. Dann sprach Dr. Süß noch mal und wandte sich dann aber den Leuten in der Gruppe zu, die bisher geschwiegen hatten.

Eine Frau war darunter, die gerade, ganz aktuell in einer tiefen Depression steckte.

Sie meinte, sie könne dem Gespräch gar nicht wirklich folgen, sie sei zu sehr mit sich beschäftigt.Dann ging es noch mal um das Thema Abgrenzung und ich meinte zu der Frau, die dieses Thema in den Raum gegeben hatte: „ Du sagst, Dein Mann sei schon eine Hilfe, er wäre jetzt überraschender Weise ziemlich selbstständig. Ich frage Dich, reicht das als Anforderung, dass er sich selbst sein Frühstück macht oder wäre es nicht noch besser, wenn er Dir Deinen Toast gleich mit toastet oder noch besser Dir vielleicht das ganze Frühstück mal ans Bett bringt?“ Da mussten die anderen lachen und Dr. Süß beendete die Gesprächsrunde mit den Worten:

„Das war doch wirklich ein ganz gutes Schlusswort.“

Als ich später unter dem Pavillon auf der Bank saß kam meine Sitznachbarin aus der Gruppe noch mal auf mich zu und meinte sie hätte meine Beiträge sehr gut gefunden und wie ich bestimmt gemerkt hätte, die anderen auch. Ich sagte ihr, es sei meine erste Gruppentherapiesitzung gewesen, ich hätte nicht so recht gewusst, was man dort sagen kann. Sie meinte daraufhin: „Es war gut, jetzt weißt Du wie es funktioniert.“ Ich muss sagen, ich habe mich über das Lob gefreut. Von mir aus kann die nächste Sitzung kommen. So jetzt muss ich zum Vortrag, bis später.

Ich war bei dem Ernährungsvortrag und jetzt

weiß ich auch was Wolfgang und ich falsch gemacht haben.

Wir haben viel zu große Portionen gegessen. Nun ja,

es war klar, irgendwoher mussten die Kalorien schließlich kommen.

Das werden wir ändern müssen, wenn wir wieder schlank werden wollen. Mehr Bewegung und kleinere Teller. Den Rest habe ich eigentlich schon ganz richtig gemacht. Also, ich werde erst mal versuchen die Energiezufuhr einzuschränken, aber wenn das nicht geht, weil ich einfach zu großen Hunger habe, dann kommen die Tabletten weg. Aber natürlich muss ich es erst mal versuchen, schließlich ist es mir schon eine Warnung, wenn ich höre, dass die meisten Psychosen nach Absetzen oder Reduktion der Medikamente zurückkommen.
Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass Eva in der Basisgruppe davon sprach, dass sie sich öfter mal zurückgeziehen würde, wenn ihr ein Gespräch oder eine Diskussion zu viel würde. Sie hätte dies erst kürzlich hier in der Klink praktiziert und es sei ihr damit gut gegangen. Ich habe mich sofort an den Abend erinnert, an dem ich mich mit Simone über die Psychose unterhalten habe. Da hatte Eva zunächst nur still nebenbei gesessen und dann war sie plötzlich aufgestanden und gegangen. Ich habe sie deshalb nach der Gruppe darauf angesprochen und sie bestätigte meineVermutung. Sie würde mir dies auch gerne einmal näher erklären, doch nicht unter weiteren Zuhörern. Ich werde sie also, wenn wir mal alleine sind, noch einmal darauf ansprechen, denn mir ist es wichtig, was sie dazu sagt und denkt. Schließlich hat sie noch eine viel umfassender Erfahrung mit wiederkehrenden Psychosen.

Meine Gedanken dazu sind bestimmt nicht repräsentativ.

Trotzdem glaube ich, dass an meinen Überlegungen ist etwas dran.

Ich war übrigens in der Cafeteria und habe Kuchen bestellt und einen schönen, großen, runden Tisch reservieren lassen. Die Frau will den Tisch schön eindecken und auch der alkoholfreie Sekt wird kaltgestellt. Gerade habe ich auch Marianne, die, welche mit in dem kleinen Restaurant gewesen ist, zu meiner Kaffeetafel eingeladen. Ich hoffe sie kommt. Außerdem sind da noch Anita und eine weitere Eva, die Frauen vom Sommerwendfest, die werde ich vielleicht, wenn es sich ergibt, auch noch bitten zu kommen. Es sind alles sehr nette Frauen. Das wird mal ein ganz anderer Geburtstag als üblich, aber ich hoffe er wird dennoch sehr schön.

So jetzt muss ich gleich hinunter zur Physiotherapie, ich bekomme mal

wieder eine Packung, doch dann ist Feierabend.

Bin gleich wieder da.

Es hat dann doch etwas länger gedauert, denn

wiedereinmal bin ich in ein zufälliges Gespräch geraten.

Sie heißt Jutta und ist von Beruf Erzieherin. Ich hatte mich gerade auf die Bank vor dem Raucherpavllion mit einem Milchkaffe und einer Zigarette gesetzt, da fragte sie mich, ob sie sich dazu setzten dürfte. Und dann fing sie eigentlich auch schon gleich zu erzählen an. Sie lebt in der Nähe von Berlin und hat ein Haus, einen Schrebergarten, einen Dauerplatz auf einem Campingplatz, arbeitet in einer großen Kita mit 35 Kolleginnen, und, und, und. Da habe ich sie gefragt, warum sie denn dann hier sei, das höre sich schließlich alles ganz wunderbar an. Da wurde sie dann doch etwas zugeknöpfter. Über ihre Probleme kann sie offensichtlich nicht offen reden, zumindest nicht mit einer Fremden. Aber das verstehe ich natürlich, auch wenn ich mit dem Erzählen meiner Krankengeschichte keine Probleme habe. Aber sie hat erzählt, sie leide unter einem Tinitus und hätte viele schlimme Dinge erlebt. Außerdem habe sie Schwierigkeiten mit ihren Kollegen auf der Arbeit. Aber sie bezweifle, dass sie eine Depression habe. Sie ginge zwar schon seit drei Jahren zu einem Psychologen wegen ihrer Probleme, aber die Medikamente habe sie abgesetzt. Sie ist nun schon seit drei Wochen hier und eine Verlängerung istbeantragt, also wird es schon einen guten Grund für ihren Aufenthalt hier geben.

So ist das hier, wenn man will kann man jeden Tag jemand Neues kennen lernen.

Zu meinem Geburtstag habe ich vorhin dann wie schon angekündigt Anita und Eva 2 eingeladen. Sie haben sich sehr gefreut und so werden wir jetzt wohl 6 Frauen sein. Ich bin ja mal gespannt, Eva 1 und Marianne kennen Eva 2 und Anita auch schon ganz gut und so denke ich, ich habe eine nette Runde zusammen bekommen.

Hoffentlich ist meine Kamera bis dahin

wieder aufgeladen, damit ich Fotos machen kann.

Das mit meinem Rauchen wird hier wohl nicht wirklich besser werden, ich habe das letzte Päckchen in zwei Tagen leer bekommen. Aber das liegt an den vielen Gesprächen in der Raucherecke, da macht man sich schnell immer wieder eine Neue an. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass ich zu Hause zumindest nicht mehr schon um 4 Uhr früh eine an mache. Das war wirklich ziemlich besessen.
Gleich gehe ich hinunter zum Abendessen und dann freue ich mich schon auf Wolfgangs Anruf, denn ich habe natürlich wie immer viel zu berichten. Von der Basisgruppe, vom Zeichnen, von dem Ernährungsvortrag, von meiner Kaffeerunde und von Eva und dem Gespräch, welches wir noch einmal führen wollen. Mir ist dies sehr wichtig, denn ich möchte nicht, dass wir unsere Offenheit einander gegenüber verlieren. Sie ist mir sehr sympathisch und ich hoffe, dass wir am Ende der Kur die Telefonnummern austauschen. Sie wohnt nicht weit weg, da könnte man den Kontakt durchaus aufrechterhalten. Aber natürlich nur, wenn sie dies auch möchte.

Eva 2 lebt in Köln. Sie ist äußerlich

eine ganz lustige und hat immer einen Spruch parat.

Doch heute traf ich sie auf dem Weg hinein ins Haus und sie erzählte mir, dass sie gerade ein paar Tränen bei dem therapeutischen Einzelgespräch verdrückt hätte. Sie wäre zwar eigentlich nur co-erkrankt, ihr Sohn leide nämlich leider seit Jahren an einer Psychose, aber sie wäre dennoch ziemlich fertig mit den Nerven. Das merkt man ihr zunächst gar nicht an, aber ich habe mich gefreut, dass sie mir von ihren Sorgen erzählt hat. So stellt sich einfach bei jedem heraus, niemand ist hier nur auf Urlaub. Ich vielleicht. Ich fühle mich nämlich, zur Zeit wenigstens, wirklich noch sehr gut. Aber, man weiß schließlich nie, was da noch alles so in einem hoch kommt während der Zeit. Man denke nur an den Traum mit meiner Mutter. Davon muss ichWolfgang auch unbedingt erzählen. Er kennt meine Mutter ja durch die 2 Wochen im Winter ganz gut.

Sie ist wirklich keine leichte Natur.

Sie raucht eine nach der anderen und ist eigentlich ständig nervös.

Das Unangenehmste ist jedoch ihre Unzufriedenheit. Sie merkt es selbst nicht, aber sie hat ständig an allem etwas auszusetzen und sagt dies auch. Wir waren zum Beispiel bei unserem Lieblingschinesen mit ihr Essen. Es war wirklich schlimm, sie hat uns das Essen mit ihrem herumkritteln ziemlich verdorben. Die Frühlingsrolle war ihr zu salzig. Doch statt sich einfach am Büffet etwas anderes auszusuchen, stocherte sie im Essen und lamentierte in einer Tour. Wenn sie dies hier lesen würde, sie würde das ganz anders in Erinnerung haben, aber Wolfgang und ich sind uns in diesem Punkt wirklich einig.
Auch an ihrem Haus in Ungarn hat sie einiges auszusetzen, man stelle sich vor, die frischgebaute Pergola ist zu hoch. Die Mauer ist zu weiß. Die Menschen sind Kulturbanausen. Kati, meine Schwester ist zu dick und zu frech. Was sicherlich sogar stimmt. Dennoch, es ist anstrengend sich mit jemanden zu unterhalten, der eigentlich immer nur kritisiert. Bei uns gefiel ihr auch das Fernsehprogramm nicht und ich weiß nicht, was sie, wieder in Ungarn, noch alles nicht in Ordnung bei uns fand. Nur meine Figur, die hatte sie sich schlimmer vorgestellt. Ich hatte sie nämlich vorgewarnt, weil ich ja weiß wie sie tickt.

Ich komme gerade von einem unheimlich interessanten Abendessen.

Ich saß mit Monika zunächst alleine und wir kamen ins Gespräch. Ich fragte sie, welchen Beruf sie eigentlich habe und da meinte sie, sie sei Pfarrerin. Das war eine wirkliche Überraschung, denn eine Pfarrerin habe zum Einen noch nie kennen gelernt und zum Anderen hatte ich mir eine evangelische Geistliche ganz anders vorgestellt. Monica hingegen hat lange, dunkelblonde Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz gebunden trägt, ihre Klamotten würde ich ehr als alternativ bezeichnen und außerdem sieht sie wirklich sehr interessant aus. Sie interessiert sich für Buddhismus und kennt auch das Tao. Ich meinte zu ihr, jetzt würde ich auch verstehen, wieso sie ebenfalls der Meinung sei, es gäbe mehr zwischen Himmel und Erde als man gemeinhin annimmt.

Und dann habe ich ihr von meinem Gotteserlebnis erzählt.

Sie fand das ausgesprochen interessant und wir sprachen über meine Empfindungen und Erfahrungen bezüglich einer von Gott geleiteten Welt. Ich erzählte ihr, welche sonderbaren Zufälligkeiten mein Bombini-Projekt begleitet hatten, und dass ich michdie ganze Zeit in Gottes Hand gefühlt hätte. Er habe mich durch vermeintliche Zufälle durch das Projekt geführt. Der Weg des Tao eben. Wir waren uns dann auch einig, dass wir nicht zufällig am gleichen Tisch sitzen würden. Ich meinte zu ihr, dass ich es schade finden würde, dass andere mein Projekt als Irrsinn betrachten würden, denn ich sähe darin meine von Gott gegebene Aufgabe. Gott habe mir die Idee dazu eingegeben und mich auch nach Kräften dabei unterstützt.

Nur als ich den Gedächtnisverlust erlitt, da

habe ich mich von ihm doch ziemlich

verraten gefühlt.

Es hätte tatsächlich etwas länger gedauert, bis ich begriffen

hätte, dass dieses Stopschild zu meinem Schutz ausgefahren worden sei.

Denn, hätte ich damals die Internetseite veröffentlicht, ich hätte wegen des strengen und nicht mehr zeitgemäßen Urheberrechtes den größten Ärger bekommen. Mich konnte nur diese Katastrophe stoppen, von alleine hätte ich auch die warnendsten Träume und deutlichsten Eingebungen garantiert nicht zur Kenntnis genommen.
Nun, auf jeden Fall war dieses Gespräch wieder einmal ganz wunderbar und ich freue mich, an diesem Tisch platziert worden zu sein. Vielleicht tausche ich ja mit Monika auch die Telefonnummer aus. Ich würde mich darüber sehr freuen.

Jetzt scheint die Abendsonne durchs Fenster.

Den ganzen Tag über war der Himmel meistens mit dicken, schweren Wolken verhangen und mindestens einmal kam es sogar zu einem heftigen Wolkenbruch. Ich bin froh, dass ich meine dicke Strickjacke mit habe, die konnte ich schon gut gebrauchen. Ab Donnerstag soll es dann aber wieder richtig sommerlich sein.
Wolfgang hat wie immer pünktlich angerufen, aber wir haben diesmal nicht so lange telefoniert, ich war einfach zu müde. Auch jetzt, ich kann irgendwie gar nicht mehr richtig tippen, ich denke, ich muss heute früh ins Bett.

Ich werde vielleicht noch etwas lesen, aber dann muss ich

Kraft für den morgigen Tag sammeln.

Darum, Gute Nacht!

26. Juni 2012

Es ist jetzt 6 Uhr früh, ich habe mir einen Kaffee am

Automaten gezogen und sitze schon wieder an meinem Schreibtisch.

Gelesen habe ich gestern keinen Satz mehr, ich bin direkt eingeschlafen und habe wieder wild geträumt. Diesmal von Mord und Totschlag. Alles drehte sich in dem Traum um Bert, den Bordellbesitzer aus Düsseldorf. Er oder einer seiner Kumpane hatte eine junge Frau umgebracht, weil sie ihr eigenes Ding machen wollte. Dann hat man sie öffentlich über Plakate bloßgestellt, obwohl ich die Fotos sehr schön fand. Aber so richtig bekomme ich das nicht mehr hin. Danach ging es noch um zwei Kaninchen und die Frage ob sie schwimmen können oder nicht. Aber wie das mit Träumen so ist, meistens verflüchtigen sie sich ganz schnell und ich denke, dann waren sie auch nicht wirklich wichtig. Anders ist das mit dem Traum von meiner Mutter, der ist mir sogar jetzt noch präsent.
Nur, dass ich überhaupt von Bert träume, das ist natürlich schon interessant. Er war vor meinem endgültigen Bankrott meine allerletzte, große Hoffnung gewesen. Allein mit ihm hätte ich vielleicht kein „Paradies der Frauen“ bauen können, aber er kannte Hinz und Kunz, er war und ist in Geschäftskreisen eine bekannte Nummer.
Aber damals war ich letztendlich auch nicht selbstbewusst genug. Ich traute mich nicht, ihm auf den Wecker zu gehen, dort auf der Rethelstraße immer wieder selbst vorstellig zu werden und Druck in der Sache zu machen. Das war nicht meine Art, ich dachte, ich habe eine gute Idee, ein schönes Konzept, jetzt muss auch eine Reaktion erfolgen. Doch so einfach ist das nicht. Überhaupt muss ich sagen, den Vorwurf kann man mir schon machen: Ich war nicht hartnäckig genug.

Wenn ich merkte, ein Projekt ging nicht voran oder ich stieß auf ein Hindernis, dann habe ich mich nicht lange damit aufgehalten und meine Energie in ein anderes Projekt gesteckt. Ich hatte einfach keine Zeit fürs Bohren dicker Bretter, was ich brauchte war ein schneller Erfolg. Doch der stellte sich leider in dem Jahr nicht bei mir ein. Und dann waren meine finanziellen Mittel ausgeschöpft und ich musste aufgeben, zumindest erst einmal.
Ich stellte einen Antrag zur Hilfe aus der Sozialhilfe in die Selbstständigkeit. 150 Euro sollte es dann für 18 Monate zusätzlich geben, damit man dringende Ausgaben auchtätigen konnte. Papier und Briefmarken kosten Geld, Imagebroschüren, auch selbst gemachte, kosten Geld, ein anständiges Geschäftsoutfit für Bankbesuche und Kundengespräche, Telefonate und erste wichtige Anschaffungen, was immer es auch sein mag, das alles kostet Geld und Energie.

Ich brauchte an sich nicht viel Geld um weiterzumachen, ich hatte ein kleines Auto,

ich hatte schöne Klamotten, ich hatte PC und einen DIN A3-Drucker,

ich wäre mit den 150 Euro sicherlich erst mal hingekommen.

Die Arbeit eines Designers ist vor allen Dingen eine Denkarbeit. Dann braucht er gutes Papier und einen Stift, etwas Farbe und schon ist ein Entwurf machbar. Damit kann man dann zu seinen Kunden gehen. Die muss man natürlich erst mal finden, dafür brauch man etwas Geld und viel Zeit am Telefon. Ich will damit sagen, ich hatte eigentlich alles um weiterzumachen, die 150 Euro wären für mich aber auch ein wichtiges Zeichen gewesen: „Mach weiter, dies ist Dein Weg!“ Da mein Antrag aber abgelehnt wurde, von einem Herrn Henkel, ich erinnere mich noch gut an sein Schreiben, da gab ich auf. Er schrieb mir, dass die Allgemeinheit für meine künstlerische Selbstbetätigung nicht zuständig sei.

Das sei meine Privatangelegenheit!

Das war der Hammer für mich. Meine künstlerische Selbstbetätigung?

Verdammt, das war mein Beruf! Ich war doch eine studierte Objektdesignerin, und dass ich damit gutes Geld verdienen konnte, das hatte ich schließlich schon bewiesen. Ich war wirklich total frustriert und verlor die Lust an dieser Arbeit vollständig. Das war einfach zuviel Frust auf einmal. Erst die gescheiterten Projekte, und dann auch noch das. Für mich war es ein Zeichen, dies war nicht mehr mein richtiger Weg. Ich musste etwas anders machen.
Gut, man kann auch hier sagen, ich hätte Widerspruch einlegen und für meine Sache kämpfen können, doch dazu reichte meine Energie nicht mehr. Ich war ausgepowert und suchte lieber nach etwas Neuem, etwas, dass mich auf andere Weise aus meiner fatalen Situation herausbringen konnte.
Nun, und ich hatte ja mit dem Buch, dieser superlangen Innenweltreise, begonnen, dieses Projekt machte mir Spaß und ich sah in ihm die Chance, bei einer Veröffentlichung damit auch Geld zu verdienen.

Also legte ich nun alle meine Energie in mein Buchprojekt und vergaß die Designerei.

Und als Bert mich dann zu seiner großen Party einlud, da war ich schon weit weg von meinen gestalterischen Projekten, ich machte da schon meine ersten Schritte hin zurforschenden Wissenschaft, ich wollte nun 100 000 Volt Gleichspannung produzieren um das Experiment von Thomas Thaunsend Braun nachzuvollziehen. Ich wollte ein Bombini entwickeln. Natürlich habe ich mir das ganze überhaupt nicht so schwierig und aufwendig vorgestellt, ich dachte auch hier, na investiere 3-4 Monate und dann kannst Du weiter sehen. Das daraus dann 3-4 Jahre geworden sind, das hatte ich nicht auf meinem Schirm, wie man so schön sagt.
Denn, was mein Bombini anging, da entwickelte ich plötzlich eine ungeahnte Hartnäckigkeit. Nichts und niemand konnte mich bald schon davon abbringen. Ich wollte am Liebsten mit dem Kopf durch die Wand, ich wollte es unbedingt möglich machen, mein kleines, zauberhaftes Spielzeug.

Ich habe mein Bombini wirklich sehr geliebt.

22.Foto

Gleich beginnt der Frühsport, aber ich wollte nicht noch eine Zigarette davor rauchen gehen.

Da komme ich gerade her und ich habe mich ein weinig mit Klaus unterhalten. Er ist schon Rentner und er leidet unter Angstzuständen. Allerdings überfallen sie ihn nur, wenn er alleine ist. Hier in der Klinik und auch sonst unter Menschen ist er frei davon. Ich habe ja auch schon einmal so einen undefinierten Angstzustand kennen gelernt, allerdings war er durch einen zu dicken Joint verursacht. Aber immerhin, ich kann mir vorstellen, was der Mann dann durchmacht. Sein Therapeut meinte, gegen diese Angst gäbe es keine wirkliche Therapie.

Fernsehschauen, lesen, unter Leute gehen, dass ist das Einzige was hilft.

Und er hat Klaus auch gesagt, diese Ängste würde sein Leben lang bleiben. Klaus meint, die Ängste kämen aus seiner schlimmen Kindheit. Er ist viel geschlagen worden. Und so lerne ich immer neue Gründe kennen, warum die Menschen diese Reha verordnet bekommen haben. Ich habe ihm vorgeschlagen in eine WG zu ziehen, eine altersgemischte WG. Auch er hat schon daran gedacht und er glaubt, bei ihm Zuhause würde es vielleicht auch so etwas geben. Nun, ich habe ihm dann noch einen schönen Tag gewünscht und das Gespräch beendet. Jetzt muss ich mir die Turnschuhe anziehen und zum Sport. Danach geht es gleich zur orientierenden Sozialberatung und dann zur Wassergymnastik. Darum sage ich erst mal, bis später.

So, jetzt bin ich warmgeschwommen und frisch geduscht.

Bis jetzt war es wirklich ein schöner Tag. Besonders das Gespräch mit der Sozialberaterin war aufschlussreich.Die Frau meinte, ich solle doch einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen. Damit könnte ich steuerliche Erleichterungen bekommen oder, solange ich noch bei der Arge bin, auch mehr Geld. Außerdem wäre ich damit schwerer kündbar, sollte ich doch noch mal eine feste Anstellung finden. Ich denke, schaden kann es in meinem Fall nicht, im Gegenteil, als Freiberufler muss ich schließlich nicht wenige Steuern zahlen, sollte ich entsprechende Umsätze machen. Und wenn ich etwas mehr Geld von der Arge bekäme, dann wäre das auch nicht schlecht.
Sie hat mir vorgeschlagen einen Neigungstest zu machen, in dem wird ermittelt welche Stärken man hat und für welche Tätigkeit ich unter Umständen noch geeignet wäre. Sie meinte, vielleicht wäre ein Halbtagsjob neben meinen kreativen Aktivitäten eine Lösung. Meine Vorhaben wie die Ausstellung und das Buch schreiben fand sie total gut und überhaupt meine Art und Weise mich mit meiner Situation auseinander zu setzten interessierte sie sehr. Es wird also noch weitere Termine bei ihr geben und ich freue mich schon darauf. Ich muss wirklich sagen, man versucht hier das Problem der einzelnen Patienten wirklich ganzheitlich zu betrachten. Sozial, gesundheitlich und emotional.

Man bleibt hier mit seinem Problem wirklich nicht allein.

Das Schwimmen war auch sehr schön.

Die Übungen waren nicht zu anstrengend und nach den 20 Minuten Wassertreten und ähnlichem, da hatte ich noch genug Energie noch weitere 10 Minuten meine Bahnen zu ziehen. Vielleicht gehe ich ja doch abends mal eine halbe Stunde dort hinunter und schwimme mich müde.
Jetzt habe ich zum Glück noch etwas Zeit zum Erholen bis zum Mittagessen. Danach kommt Nordic Walking dran und im Anschluss noch die Tanztherapie. Heute steht der ganze Tag unter dem Zeichen des Sports. Aber das finde ich eigentlich sehr gut so. Morgen geht es wieder mehr um die Seele und die Emotionen. Da habe ich nach dem Frühsport die Basisgruppe und dann das therapeutische Einzelgespräch. Anschließend noch eine Packung und das war es.

Aber dann will ich ja auch meinen Geburtstag feiern.

Donnerstag habe ich auch nur wenige Termine, da werde ich dann wohl mal in den Kraftraum gehen. Zwei mal, wie vorgegeben werde ich es diese Woche wohl nicht schaffen, denn man soll nicht zwei Tage hintereinander Krafttraining machen und am Wochenende ist der Kraftraum geschlossen.Sie sehen also, es geht mit mir gut voran, ich denke wirklich, diese Kur, diese Reha ist gut für mich. Ich schaue kein Fernsehen mehr, ich bewege mich mehr, ich esse weniger, ich lerne am laufenden Band neue Menschen kennen, ich schließe sogar fast so etwas wie Freundschaften, ich öffne mich für eine Fülle an Therapien, lerne neue Sportarten wie das Walken kennen, ich setzte mich endlich mal wieder hin und zeichne, ich kümmere mich um meine berufliche Zukunft, und ich schreibe fleißig an meinem Tagebuch. So, jetzt ist fast Mittag, ich muss mich langsam fertig machen, denn um 13 Uhr kommt die Sache mit den Stöcken.

Ich melde mich, wenn ich wieder Feierabend habe.

So, jetzt habe ich alles hinter mir. Gerade komme

ich aus dem einstündigen Vortrag des Dr. Süß zum Thema Gehirn.

Die Geschichte der wissenschaftlichen Forschung, Besonderheiten zwischen Mann und Frau, Wirkungsweise von Medikamenten. Es war ein unterhaltsamer und interessanter Vortrag. Aber jetzt kann ich wirklich nichts mehr aufnehmen, jetzt ist Feierabend, gleich gibt es Abendessen.

Vor dem Vortrag war ich in der Tanztherapie.

Das war mal eine Therapie wie man sie sich so vorstellt.

Es ging um Führung und führen lassen. Wir mussten uns einen Partner suchen und uns über zwei Stöcke miteinander verbinden. Und dann hieß es zur Musik gemeinsam bewegen. Erst völlig frei, dann mit Absprache wer führt und wer lässt sich führen, dann mit geschlossenen Augen desjenigen der geführt werden sollte und dann umgekehrt das selbe. Anschließend gab es dann einen Gesprächskreis in dem man über seine Erfahrungen während der Übung sprechen sollte. Dabei war im Grunde nur eines interessant, denn eigentlich berichteten alle von guten Gefühlen bei den Übungen. Nur eine, die Letzte in der Fragerunde, die polterte ziemlich los über ihre Partnerin. Und diese Partnerin war ausgerechnet Simone, die Psychologin. Ich habe sie nach der Tanztherapie gefragt, wie sie diese Kritik aufgenommen habe und Simone meinte, auch sie sei etwas irritiert über die Äußerungen gewesen, denn sie hätte die gemeinsame Stockführerei anders empfunden. Aber sie nahm die Situation trotzdem gelassen. Die Frau hat ihrer Meinung nach ein Problem, nicht sie.Kurze Zeit später kam ich etwas mit der Polterfrau ins Gespräch und ich hatte schon den Eindruck, dass die Achtsamkeitsgruppe, für die sie spontan für heute eingetragen worden war, eine wichtige und notwendige Therapiesitzung für sie ist.
Ich habe mit einer Elke zusammengetanzt. Ich traf sie später beim Vortrag und setzte mich neben sie. Wir haben uns über unsere Erfahrung unterhalten und ich denke, wir fanden es beide so la la. Wir haben beide bisher durch die Depression unser Körpergefühl und unsere Tanzfreude verloren. Auch sie berichtete, dass sie beim Frühsport und bei der Bewegungstherapie Koordinationsprobleme habe. Ich kann das nur bestätigen.

Auch beim Nordic Walking wurden meine Schwierigkeiten deutlich.

Ich habe mich nicht gerade geschickt angestellt. Ich bekam das mit dem Schwenken der Arme gegenläufig zur Beinbewegung nicht wirklich hin. Und sobald ich darüber nachdachte kam ich ganz aus dem Rhythmus. Die Trainerin meinte, ich solle demnächst beim Laufen und Wandern verstärkt darauf achten und etwas üben. Aber alles in Allem war es heute ein guter Tag, die einzelnen Therapien waren nicht so lang und dadurch auch nicht so anstrengend wie es sich auf dem ersten Blick vielleicht anhört.
So jetzt gehe ich gleich runter in den Speisesaal, es wird Brote mit Käse und Aufschnitt sowie Salat angeboten. Dazu gibt es Tee. Heute habe ich auf jeden Fall ziemlichen Hunger und ich freue mich auch darauf Monika wieder zu sehen. Sie ist wirklich eine ganz besondere Frau mit der ich mich gerne unterhalte.

Jetzt scheint wieder die Abendsonne in mein Zimmer und beleuchtet die Tastatur.

Den ganzen Tag war es verhangen, so wie gestern, aber abends ändert sich das Wetter hier offensichtlich öfter und verspricht uns so einen schönen kommenden Tag. Mal sehen wie das Wetter dann letztendlich morgen ist, denn es ist Siebenschläfer und wie jeder weiß, das morgige Wetter zeigt an, was wir in den nächsten 7 Wochen zu erwarten haben.

Das Gespräch am Abendbrottisch war wieder sehr interessant.

Monika hat erzählt wie sie zu der Entscheidung gekommen war Theologie zu studieren und anschließend ging es um unsere Erfahrungen mit der Wüste. Wir alle Drei, also auch Gudrun, waren schon mal in der Wüste. Jede in einer anderen. Gudrun war in Israel in einer Steinwüste und sie meinte, obwohl sie selbst nicht an Gott glaube, sie könne nachvollziehen, warum die Menschen dort die Religionen entwickelt hätten. Monika war in Ägypten und hat eine Zweitagestour in eine ganz besondere Sandwüste gemacht. Dort hatte der Wind bizarre und vielfältige Skulpturen ausgeformt. Nun, und ich war in Marokko am Rande der Sahara, also einer reinen Dünenwüste. Gudrun ist schon oft in ferne Länder gereist, Monica ist auch schon weiter herumgekommen, ich hingegen war in meinem Leben noch nicht so oft auf Reisen.

Ich war drei mal in Portugal, auf einer Weinlese in Südfrankreich, zwei Wochen an der Cote d’Azur, ein paar mal in Dänemark und eben in Marokko und mit Heiko einige Male in Holland. Als junges Mädchen war ich zudem mit meiner Schwester und unserem Vater in den Sommerferien auf Mallorca. Das ist in 35 Jahren nicht so viel, denke ich. Mehr Urlaube konnte ich mir aber einfach nicht leisten. Michael wäre gerne viel öfter verreist, doch ich fand es sinnvoller das Geld und die Zeit in Renovierungen zu stecken.
Nach dem Abendessen war ich natürlich wieder beim Pavillon und habe mit Eva und Marianne eine Zigarette geraucht. Die beiden sind jetzt noch etwas walken gegangen, sie fragten mich auch ob ich mit wolle, aber ich bin jetzt nach diesem Sporttag einfach schon zu geschafft. Ich merke es in den Beinen. Außerdem will ich Wolfgangs Anruf nicht verpassen.

So, jetzt habe ich mit Wolfgang telefoniert. Ihm und dem Hund geht es gut. Wolfgang ernährt sich von Pizza und Nudeln und der Hund wird jetzt noch mehr mit Streicheleinheiten verwöhnt.

Ich sage ja, das wird noch ein richtiger Männerverein.

Hier ist dafür alles voller Frauen.

Ich war gerade noch mal in der Cafeteria, ich

habe mir dort einen Kaffee geholt, trotz der späten Stunde.

Aber ich war schon wieder so fürchterlich müde, da dachte ich, einer kann bestimmt nicht schaden, ich schlafe sicherlich trotzdem gleich ein. Jedenfalls ist heute in der Cafeteria Disco. Ich habe mal kurz hineingeschaut und es waren auch nicht wenige da, einige tanzten sogar recht engagiert. Aber für mich ist das nichts, vielleicht ist mir ja am Ende der Kur nach so einem Gesellschaftsabend. Ich bin mit Cora, die ebenfalls keine Lust auf Disco hatte, auf die Bank vor dem Pavillon gegangen und wir haben in aller Ruhe unseren Kaffee getrunken und die Abendsonne genossen.Es stellte sich dann eine Frau zu uns, ihren Namen kenne ich noch nicht, und die beschwerte sich über diese Disco. Ihr liefen dort viel zu viele Kinder herum. Sie hätte die Abwechslung gerne angenommen, aber mit den tobenden Kindern um sich herum hatte sie die Lust verloren.
Ich fand die Kinder ehr süß und darum habe ich sie gefragt, ob ich sie mal fotografieren dürfe und so ist glaube ich ein ganz nettes Gruppenbild von ihnen entstanden. Es gibt einige Mütter, die ihre Kinder mit dabei haben. Ich schlafe auch in so einem Familienzimmer, doch die Tür zum Kinderzimmer ist verschlossen.
Die Kinder können hier zur Schule oder in den klinikeigenen Kindergarten gehen. Sie werden den ganzen Tag von Erziehern beaufsichtigt und unterhalten. Sie können mit ins Schwimmbad und in die Turnhalle. Es gibt ein großes Spielzimmer für sie und überhaupt können sie sich auf dem ganzen Gelände austoben.
Ich glaube, die Kinder fühlen sich wohl hier. Sie finden immer Spielkameraden und es gibt für sie auch Nutella zum Frühstück.

Trotzdem, ich werde jetzt in meine Koje schlüpfen und vielleicht

schaffe ich heute ja noch ein paar Seiten in meinem Schätzing

zu lesen. Morgen haben ich Geburtstag. Ich hoffe,

es wird ein schöner Tag.

27. Juni 2012

Es ist noch sehr früh, aber ich habe mir schon einen

Milchkaffee am Automaten gezogen. Heute feiere ich Geburtstag.

Für mich ist der ganze Tag ein Besonderer und meistens genieße ich jeden Moment und ich erlebe ihn auch intensiver als die anderen Tage im Jahr. Das Wetter scheint gut zu werden, es sind nur ein paar Schleierwolken am Himmel. Noch ist es etwas diesig, aber sobald die Sonne richtig draußen ist, wird es schön sein. Das war in den letzten Tagen wahrlich nicht so, zwischenzeitig war es sogar richtig kalt. Nun ja, auf jeden Fall scheint der Sommer nicht verregnet zu werden, dass ist ja schon mal etwas.

Heute muss ich wieder zum Frühsport bei Frau Krause.

Sie hatte gestern auch die Wassergymnastik geleitet. Sie ist eine drahtige Rothaarige, eine ziemlich resolute, eine die anfeuert. Sie hat eine gewisse, nicht unsympathische Strenge, denn sie lächelt dabei. Der Frühsport ist die einzige Therapie, bei der nicht kontrolliert wird, ob man auch da ist. Ich werde trotzdem nicht fehlen, ich denke, ich werde meine Koordinationsprobleme sonst nie los. Mir fehlt einfach die Übung, ich habe vor dem Fernseher nicht nur meine Kondition verloren. Es ist wirklich ein Jammer, was mich dieses Abhängen alles gekostet hat. An das Übergewicht will ich dabei gar nicht denken. Obwohl, ich darf sagen, ich schätze, morgen beim wiegen wird es messbar sein, ein paar Fettzellen haben sich bestimmt schon geleert. Andere sprechen davon, dass sie in den 5 Wochen 3 oder sogar 5 Kilo verloren haben. Ich wäre froh, wenn ich auf jeden Fall unter die 80 Kilo komme, und zu Hause wird mich Wolfgang mit dem Fahrrad über das Feld jagen, dann verschwindet auch der bedrückende Rest.Ich muss auch nicht unbedingt 62 Kilo wiegen, in meinem Alter sind 68-70 auch o.k..

Aber dahin muss ich mich entwickeln, sonst bleibe ich unglücklich mit mir.

Es ist wirklich schlimm, ich schaue jeder Frau auf den Bauch. Ist er flach, empfinge ich Neid, ist er auch dicker, dann fühle ich mich plötzlich nicht mehr so einsam. Ich frage mich dann wie die Betreffende mit den überflüssigen Pfunden umgeht und ob sie wohl auch darüber verzweifelt ist. Hier in der Klinik gibt es einige solcher Kandidatinnen. Aber ich habe den Eindruck, die meisten haben sich mit ihrer Figur abgefunden und tragen ihren Bauch mit einem gewissen, trotzigen Selbstbewusstsein. Das kann ich nicht. Ich versuche Kleidung zu wählen, die das Gröbste umspielen. Gestern bei der Tanztherapie ging das allerdings nicht, ich hattemeine Sportsachen an und wir mussten vor einem Spiegel hin und herlaufen. Es war für mich kein leichter Anblick. Ich erkenne mich einfach nicht in der Figur, die ich jetzt habe. Langweile ich sie jetzt mit meinem Gejammer? Oder kennen sie das auch? Nun, ich hoffe jedenfalls sehr, dass diese Gefühle bald der Vergangenheit angehören wobei mein Einfühlungsvermögen in dicke Menschen dann gehörig gewachsen sein wird.
Heute habe ich im Grunde nur 2 größere Termine, die Basisgruppe und das Einzelgespräch, beides bei Frau Doerfert. Sie wird nächste Woche in Urlaub gehen, ich bin ja mal gespannt, wer dann für mich zuständig sein wird. Es gibt einige, die von diesem Urlaub betroffen sind und ich habe auch schon Klagen darüber gehört. Für viele scheint so ein Therapeutenwechsel ein Problem zu sein. Für mich irgendwie gar nicht. Ich bin ehr neugierig auf die neue Person. Gut, man muss dann inhaltlich möglicherweise von vorne anfangen, aber ich gehe davon aus, der oder die Neue liest sich in den Mitschriften und Unterlagen ein bisschen ein.

Ich habe gerne viele Reaktionen unterschiedlicher Personen, dann kann ich

einen Mittelwert ermitteln und mich vielleicht daran orientieren.

Eine einzelne Meinung ist immer eine Einzelmeinung.

Deshalb fand ich das Gespräch mit der Sozialberaterin auch so gut.

Sie fand, dass was ich mache gut und interessant, sie war neugierig und interessiert für mich die bestmögliche Lösung zu finden. Also eine gute Ausgangslage für eine erfolgreiche Beratung. Die Dame heißt Frau Krech, ich werde sie sicher wiedersehen. Ich habe übrigens ausgerechnet heute meine Tage bekommen. Dies ist wirklich eine Periode, die keine wirkliche mehr ist. Jetzt sind wieder fast 2 Monate verstrichen. Nun, mich stört es nicht, aber leider kann ich so keine empfängnisfreien Zeiten mehr ausrechnen. Wenn man nicht weiß, wann man seine nächste Periode bekommt, dann weiß man auch nicht wann der Eisprung stattfindet. So ist Sex ohne Verhütung ein problematisches Vergnügen. Ein zugegebener Maßen seltenes in meinem speziellen Fall.

Nach der Sache mit Mansur ist mir das überhaupt erst richtig

bewusst geworden mit der veränderten

Periodenlänge.

Ich befürchtete schon schwanger von diesem einen Mal

geworden zu sein, obwohl das eigentlich nicht hätte möglich sein dürfen.

War esdann ja auch nicht, aber ich hatte mir schon ernste Sorgen gemacht. Ein weiteres Kind, und das in meinem Alter, das kommt nicht in Frage. Ich bin so froh wieder für mich zu sein, keine jahrelange Verantwortung, kein schlechtes Gewissen, weil man auch noch für sich selbst etwas tut, keine Geldsorgen, denn Kinder kosten immer mehr als ich zur Verfügung haben würde, keinen Wolfgang, der bei dieser Sachlage garantiert das Weite suchen würde und, und, und.

Ich war für Felix gerne Mutter, er war wirklich ein ganz süßes Baby, ein freundlicher kleiner Junge, ein problemloses Grundschulkind, abgesehen von einem Punkt, aber davon später vielleicht noch mal etwas mehr, er war ein lieber Pupertierender, ein liebenswerter Jugendlicher, doch nun leider ein entfremdeter Erwachsener. Oft komme ich mir vor, als hätte ich gar kein Kind. Aber ich gestehe, das Gefühl ist nicht so schmerzhaft wie man es vielleicht annehmen könnte. Er lebt ja schließlich und das wie ich annehme auch ganz glücklich. Ich hoffe nur, dass er irgendwann bei mir vorbei kommt und wir offen miteinander reden können. Vielleicht sagt er mir dann ja was ich alles so Schreckliches gemacht habe. Ich habe nämlich keine Ahnung was das alles in seinen Augen ist. Sicherlich, es gibt ein paar Situationen, die ich auch nicht so gut fand, aber ganz ehrlich, ich finde nicht, dass er viel Grund zum Meckern hat. Ob ich heute eine SMS von ihm bekommen werde?

So, ich habe den Frühsport gerade hinter mir.

Zuvor habe ich meinen zweiten Kaffee in der Raucherecke getrunken und viele Gratulationen und gute Wünsche entgegen genommen. Monica und Gudrun habe ich am Frühstückstisch nicht angetroffen, so dass ich mein Brötchen und mein Ei alleine verzehrt habe. Früher, so erzählte man mir, hatte das Haus einem zum Geburtstag einen Blumenstrauß auf den Tisch gestellt, doch das spart sich die Klinik heute. Alle müssen sparen, auch so ein Haus wie dieses hier. Aber das macht nichts, ich fühle mich dennoch heute wie ein Geburtstagskind. Ein ziemlich altes zwar, aber immerhin.
Leider sieht man mir mein Alter langsam richtig an. Früher habe ich immer erheblich jünger ausgesehen als ich war, ich denke auch, ich war ziemlich hübsch und entsprechend gekleidet auch recht attraktiv. Doch mittlerweile kann ich mir vorstellen wie sich mein Gesicht im Alter verändern wird. Ich bedaure das ein bisschen, andererseits, manche Menschen müssen ihr ganzes Leben ohne äußere Schönheitauskommen und die sind trotzdem glücklich.

Ich sollte also zufrieden mit dem sein, was ich habe, nicht wahr?

Ich werde mir jetzt noch mal einen Milchkaffee ziehen und eine rauchen. Leider ist es draußen nicht so sonnig wie es vorhin noch zu werden versprach, aber vielleicht treffe ich ja jemanden zu Quatschen, also, bis nach der Basisgruppe.

Ich habe mich ein bisschen zu Eva gesetzt und

mit ihr gemeinsam auf die Basisgruppe

gewartet.

Ich empfinde große Sympathie für Eva, sie lächelt mich auch oft an, doch trotzdem glaube ich, sie findet mich ein bisschen zu persönlich. Ich bin ein Mensch, der gerne redet und auch gerne über Persönliches. Das ist nicht jedem immer Recht. Als Kinder haben Kati und ich zum Beispiel täglich auf dem Schulweg beim Busfahrer gestanden und wir haben ihm alles Mögliche, was uns bewegte, erzählt. Oft kam dann später unser Mutter zu uns und forderte uns auf etwas zurückhaltender zu sein, denn eine Kollegin erlebte uns oft auch in dem Bus und erzählte ihr dann, was wir wiedereinmal alles ausgeplaudert hatten. Oft ging es um sehr private Dinge, wie zum Beispiel, dass unser Mutter einen neuen Freund habe und ähnliches. Unsere Mutter erklärte uns immer wieder, dass dies andere Leute nichts anginge, doch wir konnten unseren Mund einfach nicht halten.

Heute denke ich, ich bin etwas vorsichtiger, aber eigentlich finde ich es interessanter über die eigentlich bewegenden Dinge zu reden, als es bei einem Smal talk zu belassen. Ich denke, ich erfahre einfach von meinem Gegenüber mehr, wenn ich auch bereit bin mich offen auszutauschen. Ich habe heute Eva zum Beispiel gefragt, warum sie keine Kinder habe, ob dies ihr Wusch gewesen wäre. Sie erzählte mir daraufhin, dass sie die Entscheidung zur Kinderlosigkeit ganz bewusst nach ihrer 2 Psychose getroffen habe. Die zu diesem Zeitpunkt gestellte Diagnose machte ihr klar, dass eine mögliche nochmalige Erkrankung mit Kind einfach nicht zu bewältigen war. Sie hatte dabei das Wort Psychose allerdings nicht in den Mund genommen. Ich aber sagte dann: „Klar ein Kind und eine Psychose, dass wäre wirklich sehr schwierig.“
Diesen Satz hatte man auch etwas weiter weg mitgehört und Eva meinte: „Bingo, jetzt weiß es jeder.“ Ich habe mich sogleich entschuldigt, ich hatte vergessen, dass sie mit ihrer Diagnose nicht hausieren geht. Richtig böse war sie wohl nicht, aber es wird mir schon deutlich, ich gehe mit meiner Erkrankung wirklich erheblich freier und offener um. Ich empfinde darüber keine Scham.

Im Gegenteil, ich bin sogar ein bisschen stolz auf mich, denn ich weiß,

ich habe zu dieser Zeit, sehr subjektiv natürlich, Großes geleistet.

Und ich bin davon überzeugt, meine Erlebnisse hätten

jeden anderen genauso verwirrt wie mich.

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Danach ging es zur Basisgruppe.

Frau Doerfert fragte in die Runde, wer mit einem Thema das Gespräch eröffnen wolle.

Wieder wurde es erst mal ganz still, doch dann meldete sich eine Frau, ich weiß ihren Namen nicht, und sie wollte über das Thema, „Die eigenen Erwartungen an sich selbst“ reden, denn sie habe das Problem, dass sie gerne wieder so leistungsfähig wie vor ihrer Depression wäre, dass sie aber nun wüsste, das würde sie nur wieder in Schwierigkeiten bringen. Es sei aber gleichzeitig so, dass sie immer auch sehr viel Anerkennung und Bestätigung in ihrer großen Anteilnahme gefunden hatte. Sie habe für andere gerne nach Lösungen für deren Probleme gesucht und sie sei deswegen als sehr stark und patent wahrgenommen worden. Jetzt jedoch hätte sie verstanden, sie dürfe nicht immer so perfekt sein wollen. Und dann beschrieb sie ihr Problem an Hand einer Vase, die sie im freien Gestalten getöpfert habe. Sie meinte, eigentlich habe sie natürlich eine perfekte Vase machen wollen, doch sie habe dieses Ziel irgendwie nicht erreicht. Jetzt fehle ihr daher das Gefühl etwas Gutes geleistet zu haben. Sie wissen einfach nicht woher sie nun ihre Bestätigung ziehen solle, wenn sie doch ihre Ansprüche herunterschrauben soll.
Da griff Frau Doerfert ein und meinte: „Niemand hindert sie daran 150% zu geben, machen sie ruhig die perfekte Vase.“ Das irritierte die Frau etwas, denn sie hatte verstanden, sie solle eben nicht mehr das Bild der Perfekten abzugeben versuchen.
Ich meinte daraufhin, zum Einen, habe etwas Geduld mit der Vase, in ein paar Wochen wirst Du sie schön finden und auch stolz auf Dich sein, doch den Perfektionismus im Probleme lösen anderer, und ständig die Starke und Belastbare zu geben, da kann es wirklich gut sein auch mal Schwäche zu zeigen. Dies mache einen unter Umständen für die anderen menschlicher und sympathischer. Außerdem erzählte ich von meinem ähnlich gelagerten Problem, was die künstlerische Arbeit anging. Ich wäre seit meiner Erkrankung auch selten stolz auf meine Arbeiten, doch wenn ich ein paar Wochen später darauf schauen würde, dann würde ich doch soetwas wie Stolz entwickeln, auch bei meinen letzten Bildern wäre es so verlaufen und heute plane ich mit diesen unperfekten Bildern sogar ganz frech eine Ausstellung. Da hatte ich ein paar Lacher auf meiner Seite. Auch Eva sagte etwas zu diesem Thema und auch der Mann, der Montag schon engagiert mitdiskutiert hatte, meldete sich wieder.

Aber was mir auffiel, im Gegensatz zu Dr. Süß stellte Frau Doerfert

hartnäckige Fragen und gab auch Einschätzungen und Tipps an die Gruppe.

Es ging dann darum, woran man erkennt, dass man sich in einer Situation überfordert, und zum Beispiel wütend wird. Ich erinnerte mich in diesem Moment an die Situation mit dem obersten Geschäftsführer bei Bildwerk. Seine Fragen und Bemerkungen hatten mich in dem Gespräch total gefordert und ich merkte wie mein Magen anfing heftig zu zittern. Ich hatte richtig Angst, dass er es sieht. Außerdem dachte ich an meine Zeit vor dem Bankrott und die heftigen Kopfschmerzen, die ich erst bemerkte, als sie wieder weg waren. Auch die anderen erklärten, sie bekämen in Stresssituationen Kopf- Und Magenschmerzen. Bei den Tinituspatienten wurde ihr Pipen sehr laut und enervierend. Und so erklärte Frau Doerfert, unser Körper gäbe eigentlich immer rechtzeitig Signale, wann etwas zu viel für einen sei. Wir müssten nur darauf hören und dann dort Grenzen ziehen. Wenn man die Warnsignale jedoch überhöre und unterdrücke, dann würde der Körper nach einiger Zeit eben richtig krank.
Dann wünschte sie uns noch einen erfolgreichen Aufenthalt in der Klinik und sie verabschiedete sich in den Urlaub.
Ich werde nachher allerdings noch ein Gespräch mit ihr haben, mal sehen wie es verlaufen wird. So, jetzt ist auch schon wieder Mittagszeit und der Speisesaal ruft.

Ich melde mich gleich nach der Mittagszigarette noch mal.

Da bin ich wieder.

Ich komme gerade vom Pavillon und habe mich noch mal etwas mit Jutta unterhalten. Sie ist ja schon ein bisschen merkwürdig und ich kann verstehen, dass viele Abstand von ihr halten. Dennoch, jetzt habe ich sie einmal kennen gelernt, da werde ich auch in Zukunft mit ihr die eine oder andere Zigarette rauchen. Natürlich ist es völlig in Ordnung, sie hat ein selbstbewusstes Bild von sich, nur es klafft so eine Lücke zwischen Selbstwahrnehmung und äußerer Betrachtung.

Aber was soll’s.

Dieser Raucherplatz ist wirklich etwas ganz Besonderes,

dort finden unter den Frauen häufig sehr persönliche Gespräche statt.

Man kommt nicht um hin das Eineoder Andere mitzubekommen. Ich denke dieser Ort wird für viele in guter Erinnerung bleiben, hier wurden Freundschaften geschlossen und Gemeinschaft gelebt, heute fing eine Frau zum Beispiel wegen ihrer großen Traurigkeit zu weinen an und gleich kamen Kameradinnen herbei und nahmen sie in den Arm um sie zu trösten. Ich weiß nicht wie Nichtraucher das Ganze hier erleben und sicherlich ist es gesünder nicht zu rauchen, dennoch, ich finde dieser Pavillon ist ein Ort der gelebten Therapie.

Oh je, neben mir im Zimmer findet wohl gerade eine Art Tanzkurs statt.

Die Musik ist ziemlich laut und eine Frauenstimme zählt im Takt die Schritte und gibt Bewegungsanweisungen. So etwas ist bestimmt auch fast so etwas wie Therapie. Leider nervt es mich etwas, aber so ist es nun mal, schon gut, wenn dies nicht mitten in der Nacht passiert.
Gerade im Gespräch mit Jutta ging es um ihre Enkelkinder, sie hat 7 Stück und sie erzählte, dass ihr erstes Enkelkind als es im Kindergartenalter war sehr oft bei ihr im Haus gewesen wäre, und dass sie deswegen sehr an diesem Kind hängen würde. Da erzählte ich ihr von meiner Mutter. Auch sie war eine total verliebte Großmutter. Felix war schon als Baby viel bei ihr, als er 1 Jahr alt wurde sogar fast täglich, denn ich begann mit meinem Biologiestudium.

Dann jedoch mit 3-4 Jahren entwickelte er ein ernstzunehmendes Problem.

Er machte regelmäßig einen kleinen Haufen in seine Hose. Alles Schimpfen nützte nichts, im Gegenteil, es schien immer schlimmer zu werden. Diese Problematik war neben meinen plötzlichen, künstlerischen Ambitionen mit ein Grund wieso ich mein Studium abbrach. Ich wollte ihn lieber mehr bei mir zu Hause haben, weil ich dachte vielleicht liegt es an meiner häufigen Abwesenheit. Leider muss ich sagen, an dem Problem änderte sich dadurch nichts, er behielt diese Unart bis er in die Pupertät kam. Da wurden plötzlich Mädchen wichtig und er kam zu der Einsicht, dass die so einen Stinker nicht gerade bevorzugten. Dieses in die Hose machen brachte mich nicht selten zur Verzweiflung und ich erzählte meiner damaligen Therapeutin davon.
Sie sagte auf meine Schilderungen hin: „Der Junge scheißt ihnen etwas. Das ist ein Protest.“ Ich fragte mich natürlich, was es denn jetzt noch geben könnte, gegen dass er rebellierte und so nahm ich ihn einmal mit zur Therapiesitzung. Er saß neben mir und die Therapeutin fragte ihn etwas. So wie ich es gewohnt war begann ich für ihn zu antworten, denn mein Sohn war immer schon sehr zurückhaltend. Da erkanntemeine Therapeutin das Problem. Sie sagte zu mir: „Ich habe ihren Sohn gefragt, nicht Sie. Geben Sie ihm doch einfach mal Zeit in Ruhe zu antworten.“
Da fiel es mir dann plötzlich auch auf. Ich neigte tatsächlich dazu für ihn zu sprechen. Ich versuchte sogar seine Gefühle zu formulieren. Das ging natürlich gar nicht, ich sah es sofort völlig ein. Sollte dies vielleicht das Problem gewesen sein? Nun, jedenfalls bemühte ich mich seit dem möglichst nicht mehr diese Sprecherrolle zu übernehmen und ich denke es ist mir auch weitestgehend gelungen.

So, ich habe zwar noch etwas Zeit bis zu Einzelgespräch,

aber ich habe mich schon mal etwas

schön gemacht.

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Ich habe mir mein blaues Kleid angezogen

und auch ein wenig die Augen

geschminkt.

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Als Gastgeberin will ich schließlich hübsch aussehen.

Eva hat heute, aber eigentlich wie immer, auch schöne Sachen an. Sie achtet schon darauf, dass sie trotz ihrer Figur gut gekleidet ist. Es sind eigentlich alles Sachen, die ich in meiner Größe auch tragen würde.
Einige der Frauen hier kleiden sich wie ich beobachte sehr modisch, ich bin da ja gerne ein bisschen anders. Für mich muss es vor allen Dingen praktisch und bequem sein. Natürlich soll es auch gut aussehen, aber ich habe halt nur wenige Anziehsachen mit. Mein Hängerchen ist sein Geld wirklich wert. Es hat aufgenähte Taschen, was hier alleine schon wegen des Zimmerschlüssels sehr von Vorteil ist.
Und natürlich passt auch mein Tabak da gut hinein. Vielleicht, wenn ich hier mal in eine Stadt komme, dann kaufe ich mir noch etwas Ähnliches, damit ich nicht immer das Selbe am Leib trage. Das ist wirklich ein großes Manko, als Hartzianerin hat man nur sehr wenig Geld für Klamotten übrig, eigentlich hat man gar kein Geld dafür. Ich weiß nicht wie der Staat den Warenkorb für die Hartzianer festlegt, aber an die  modischen Interessen und Notwendigkeiten einer Frau denken die so glaube ich überhaupt nicht.

So, es ist zwar noch etwas früh, aber ich mache mich schon mal auf den Weg, bis später.

Nun, mein Kaffeekränzchen hat stattgefunden.

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Es war ganz schön, ich habe von den Frauen eine Sonnenblume für mein

Zimmer geschenkt bekommen und den alkoholfreien Sekt haben sie ebenfalls spendiert.

Doch das Allerschönste war, mein Sohn hat angerufen, gerade als ich mit den Frauen zusammensaß. Er fragte mich, obich die Blumen bekommen hätte, doch da musste ich ihn enttäuschen, die stehen jetzt bei mir zu Hause. Er hatte sie über Fleurop dort hin geschickt, er wusste schließlich nicht, dass ich hier zur Kur bin. Aber ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut. Jetzt rufe ich ihn am Samstag zu seinem Geburtstag an, er arbeitet an dem Tag nicht und ist tagsüber also gut zu erreichen. Abends geht er in ein Musical. Es ist wirklich eine große Erleichterung für mich, ich hatte schon befürchtet es gäbe wiedereinmal nur eine trockene SMS, wie zu Weihnachten. Aber anscheinend sind Steinis Worte nicht so nachhaltig und mein Sohn will den Kontakt nicht wirklich völlig abreißen lassen. Ein guter Anfang, vielleicht renkt sich doch alles auch wieder ein.

Aber nun zu dem therapeutischen Einzelgespräch.

Es war wirklich ausgesprochen interessant.

Sie fragte mich zunächst wie es mir ginge und wie ich meinen Geburtstag verbringen würde. Ich erzählte ihr, ich hätte mich gut eingelebt und auch Anschluss gefunden. Mit einigen Frauen wolle ich gleich zusammen Kaffeetrinken.
Das freute sie und dann fragte sie mich, ob ich ein spezielles Thema anschneiden wolle. Die Gelegenheit musste ich natürlich nutzen und ich bat darum über meine Medikamente zu sprechen. Ich erklärte ihr, dass ich der Meinung sei, meine Psychose wie auch die Schizophrenie mit Hilfe meines Tagebuches endgültig verarbeitet zu haben, und dass ich mein Leben zur Zeit völlig stressfrei leben könne, so dass ich davon überzeugt sei, ich bräuchte die Medikamente nicht mehr.

Mein Unterbewusstsein habe einfach keinen Grund mehr und

das schizophrene Spiel sei schließlich ausgespielt.

Sie meinte, darüber könne ich gerne mit der Ärztin ausführlich reden, vielleicht sei eine Reduzierung um 20 Milligramm Zeldox möglich. Auch ihre Nachfolgerin stünde für die Klärung dieser Frage zur Verfügung. Dann jedoch meinte sie, sie wolle mir etwas aufzeichnen, damit ich besser verstünde was die Medikamente bei mir bewirken sollen. Sie zeichnete ein Koordinatensystem und zeichnete ein Quadrat auf die X-Achse, weit darüber zeichnete sie eine Parallele zur X-Achse und sie meinte dies sei die Grenze zur Psychose. Dann packte sie auf das Quadrat mehrere Kästchen und es entstand ein Turm, der bis an die obere Linie heranreichte. Die einzelnen Kästchen stellten Stressfaktoren dar. Existenzieller Stress, beruflicher Stress, Trennungen und andere beispielhafte Faktoren. Nun meinte sie, das untere Quadrat sei meine Stressempfindlichkeit, die sei bei mir von Geburt an höher als bei nicht Psychose gefährdeten Personen. Darauf kämen dann die aktuellen Stressfaktoren und bei mir sei die Grenze weit überschritten worden. Das konnte ich alles sehr gut nachvollziehen, der Stress nach meinem Bankrott war ja tatsächlich zunehmend größer geworden. Das Bombini-Projekt hatte dem Ganzen natürlich die absolute Krone aufgesetzt, denn wenn man die Welt verändern will, dann hat man Stress.
Dann kam die Sache mit der Erinnerung an die vermeintlichen Hypnosesitzungen in meiner Jugend, alles stürzte damals auf einmal auf mich ein und hat mich sehr verwirrt. Außerdem der starke Cannabiskonsum, er erhöht die Dopaminausschüttung und verstärkt das Ganze noch. Der Auslöser der Psychose ist also ziemlich offensichtlich.

Sie meinte mit meiner Stressempfindlichkeit müsse ich leben, die sei angeboren.

Und die Medikamente bildeten um dieses Quadrat sozusagen einen Mantel, sie machten mich ruhiger und gelassener. Und das ist es ja auch, was ich merke, ich finde ja eben, ich bin etwas zu gelassen.

Für Kreativität und beruflichen Erfolg als Designerin benötige

ich allerdings etwas mehr Feuer.

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Sie meinte daraufhin, der Beruf einer freiberuflichen

Designerin sei sehr stressig, der wäre für mich eigentlich total ungesund.

Ich solle mir ernsthaft überlegen ob ich mir dies noch mal antun wolle. Die Gefahr wieder psychotisch zu werden sei auch mit Medikamenten durchaus gegeben. Ohne aber sei es noch gefährlicher für mich.
Sie fragte mich, wann ich glaube, dass meine Krankheit zum ersten Mal aufgetreten sei. Nun ich erzählte ihr von dem Besuch in meinem Kinderzimmer. Sie fragte mich, welche Stressfaktoren es damals denn gegeben habe und ich erzählte ihr, dass meine Eltern sich hatten scheiden lassen als wir gerade 6 Jahre alt waren, und dass wir dann auch noch von 7-9 in einem Internat untergebracht worden waren. Danach, also zur Zeit des ominösen Besuches, hatten wir wieder bei unserer Mutter gelebt, doch habe ich mich dort nicht wohl gefühlt. Ich hatte damals sogar heimlich von einer Telefonzelle aus meinen Vater angerufen und ihn gebeten mich zu sich zu nehmen, doch er meinte, das ginge nicht, er habe nun eine neue Familie.

Frau Doerfert meinte, dies seien sehr große Stressfaktoren für ein Kind, für jedes Kind, und es wäre durchaus vorstellbar, dass ich mich auf Grund der Probleme in eine Scheinwelt geflüchtet habe und die Schizophrenie ihren Anfang dort genommen hat.Ich sei daher als chronisch krank zu bezeichnen und eigentlich sage man, bei einer ersten Psychose zwei Jahre Medikamente, bei einer Zweiten 5 Jahre und bei mir müsse man eigentlich von Lebenslang ausgehen. Ich solle mir das mit den Medikamenten wirklich sehr gut überlegen, eine weitere Psychose könne dazu führen, dass ich gar nicht mehr davon wieder herunter käme. Sie schlug mir vor, einen Antrag auf berufliche Reha zu stellen. Ich fragte sie was das sei und sie erklärte mir, die Rentenversicherung würde in meinem Fall möglicherweise eine berufliche Umschulung in einem geschützten Rahmen bewilligen. Ich sollte mir überlegen, ob ich nicht einen stressfreieren Halbtagsjob machen wolle, danach könne ich ja im privaten Rahmen immer noch an meinen kreativen Projekten arbeiten. Puh, das ist natürlich ein schwieriger Vorschlag. Will ich wirklich akzeptieren, dass ich beruflich als Designerin nicht mehr arbeiten kann, nicht mehr sollte? Gut, so voll einsteigen wollte ich sowieso nicht mehr, den Stress wollte ich mir schon von selbst nicht mehr zumuten, aber eine Umschulung? In meinem Alter? In geschütztem Rahmen? Ist das wirklich notwendig? Ich denke, das muss ich erst mal eine Weile auf mich wirken lassen. Und deshalb gehe ich jetzt auch erst mal eine Rauchen, denn gleich gibt es Abendessen. Ich komme später wieder hoch.

So, jetzt bin ich wieder Oben und warte auf Wolfgangs Anruf.

Ich bin irgendwie noch ganz eingenommen von dem Gespräch zwischen Gudrun, Monika und mir. Sie haben mir ebenfalls zum Geburtstag ein kleines Geschenk gemacht. Eine kleine Rankpflanze, die ich, weil sie noch sehr klein ist, später auch mit nach Hause nehmen kann. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe ihnen von meinem Kaffeekränzchen und vor allen Dingen auch von Felix Anruf erzählt und was dies für mich bedeutet. Daraus ergab sich dann ein Gespräch über meine Psychose und die Wirkung, die diese auf das Verhältnis zu meinem Sohn hatte. Ich habe ihnen dann auch von meinem Therapiegespräch und den Empfehlungen, die ich dort bekommen habe, erzählt. Sie sind sehr intensiv auf mich und meine momentanen Empfindungen eingegangen und Gudrun meinte dann, es sei interessant wie Völker in Afrika mit psychischen Erkrankungen umgehen würden. Sie würden die Vorstellung vertreten, dass ein Geist, oft ein negativer Geselle, Besitz von dem Betroffenen ergriffen hätte.

Und sie kannten erprobte Methoden, diesen Geist wieder zum Weggehen zubewegen. Ich habe ihnen erzählt, dass ich genau dieses Gefühl gehabt hätte, irgendjemand habe sich meiner bemächtigt, er habe sich in mir breit gemacht und auch durch mich gesprochen. Irgendwann hat er sogar durch meine Augen geschaut, doch das habe ich dann schon überhaupt nicht mehr lustig gefunden.
Monika meinte am Ende unseres längeren Gespräches, sie fände meine Berichte sehr interessant, vor allen Dingen, weil sie bisher keine Ahnung über und Berührung mit Psychosen gehabt habe. Ich bedankte mich für ihr Interesse und dann ging ich noch schnell eine rauchen, damit ich auch rechtzeitig zu Wolfgangs Anruf wieder in meinem Zimmer sein konnte.

So, jetzt hat Wolfgang angerufen und wir haben eine Stunde miteinander telefoniert.

Ich habe ihm alles über das Gespräch mit der Therapeutin erzählt und natürlich auch nach den Blumen gefragt. Er wollte mich ja eigentlich mit den Blumen überraschen, aber natürlich fand er es noch viel besser, das Felix zusätzlich auch noch selbst angerufen hat. Zu den Dingen mit der Therapeutin hatte er sehr viel zu sagen. Er findet den Vorschlag einer Umschulung sehr gut und überhaupt hat er den Eindruck jetzt würde mir endlich mal richtig geholfen. Er käme immer mehr zu der Überzeugung, dass die Kur genau das Richtige für mich sei. Dort würde nicht nur einfach viel Geld mit mir verdient, sondern man würde sich wirklich ernsthaft um mich kümmern. Er erzählte noch mal viel aus seiner eigenen Psychose und wie er den Absprung geschafft hatte.

Aber davon berichte ich ein anderes mal, jetzt muss ich erst mal wieder hinunter

um eine Zigarette zu rauchen, denn mir raucht jetzt langsam der Schädel.

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Ich bin wieder Oben.

Ich habe mich unter den Pavillon zu Cora

gesetzt und sie hat ein bisschen mit mir geplaudert.

Sie hatte sich wirklich sehr über die Einladung zum Kaffeeklatsch gefreut. Sie hat es sogar ihrem Therapeuten in ihrem Einzelgespräch erzählt und er hat es sich auch gleich in sein Notizheft geschrieben. Sie hat mir ein kleines Geschenk gemacht, einen Ball aus blaugemustertem Papier, mit zwei Perlen daran. Dieser Ball hängt an einem Faden und kann vor ein Fenster gehangen werden. Sie hat ihn selbst gebastelt. Ich werde ihn vor das Sprossenfenster im Treppenhaus hängen, dann denke ich immer an sie, wenn ich dort vorbei gehe.Sie ist so eine zarte Person und hat mit den Männern ihres Lebens wirklich viel Schlimmes erlebt. Sie hatte sogar mal einen Kurschatten, erzählte sie mir heute Abend. Der hatte sie angebetet und ihr viele Geschenke gemacht. Doch sie war noch mit dem Alkoholiker verheiratet, und auch obwohl die Scheidung schon eingeleitet war, war an eine echte Beziehung nicht zu denken. Es war noch zu DDR-Zeiten und es hatte sogar ein Parteiverfahren deshalb für den Mann gegeben. Aber er habe ihren Namen nicht verraten. Ich weiß ja nicht wie die Verhältnisse in der DDR so waren, aber das hört sich doch sehr kompliziert an. Was interessiert eine Partei, in wen man sich verliebt?

Doch trotz ihrer Geschichten, ich konnte irgendwie nicht abschalten.

Mir hängt der ganze Tag im Kopf herum. Vor allen Dingen die Sache mit der beruflichen Reha. Soll ich mich wirklich damit abfinden, beruflich nicht mehr als Designerin zu arbeiten? Was ist mit meinem Klappstuhl? Was mit meinem „Paradies der Frauen“? Was ist mit meiner Filmerei? Sollte das alles in die zweite Reihe treten und darauf warten, dass ich in meiner Freizeit, sozusagen als Hobby, die Dinge verwirkliche?
Werde ich nach einem Halbtagsjob noch die Energie haben mich um diese Dinge zu kümmern? Werde ich dann trotzdem noch Ausstellungen vorbereiten und durchführen? Oder liege ich nach getaner Halbtagstätigkeit müde auf dem Sofa und mache den Fernseher an? Was soll das für eine Arbeit überhaupt sein? Kann ich mich damit abfinden als nicht voll leistungsfähig betrachtet zu werden?
Ich glaube über diesen Vorschlag werde ich noch mehrmals schlafen müssen. Am Besten ich fange gleich damit an.

Ich lese vielleicht vorher noch etwas, aber dann fallen mir hoffentlich

die Augen zu und ich träume diesmal etwas Schönes.

28. Juni 2012

Ich habe tatsächlich etwas halbwegs Schönes geträumt,

allerdings hatte ich erst einmal große Schwierigkeiten überhaupt

einzuschlafen. Mir ging die ganze Sache von dem Einzelgespräch

immer wieder durch den Kopf herum. Aber irgendwann

muss ich endlich geschlafen haben, denn

ich träumte von Christian.

Ich war zum Haus seiner Eltern gefahren und warf dort einen Staubsauger in deren Mülltonne, er passte zunächst gar nicht hinein und ich musste ihn in kleine Teile zerlegen. Dabei kam Christians Mutter vorbei und sie reagierte ziemlich unfreundlich und meinte ihr Sohn sei nicht da. Damit hatte ich auch gar nicht gerechnet, umso erstaunter war ich dann aber, als ich bemerkte, dass dies gar nicht stimmte. Ich fiel sofort in Christians Arme und wir küssten uns. Voller Freude sind wir spazieren gegangen und bei der Düsseldorfer Universität gelandet. Ich nahm mir dort einen herumliegenden Pullover, es war ein Physikerpullover. Dabei hatte ich Christian aus den Augen verloren und ich suchte ihn auf dem Unigelände. Aber er blieb verschwunden. Ich traf mich mit seinen Geschwistern und erzählte ihnen gerade, dass Christian nicht mehr zu finden sei, da kam plötzlich eine Gruppe von Personen auf uns zu und sie sprachen mich an: „Hallo Monica, ich denke Du erinnerst Dich an das Spiel. Wir haben Christian gekidnapt und er wird solange bei uns bleiben, bis Du das Spiel zu Ende bringst. Du hast Gott um die Rückkehr Deiner großen Liebe gebeten, jetzt ist er da, und dass heißt, Du musst nun auch endlich das Spiel zu Ende bringen. Du bekommst ihn nur so wieder zurück.“

Danach bin ich wach geworden. Was soll man davon nur halten?

Bin ich wieder auf dem Weg in die ganze Geschichte?

Oder ist es einfach nur ein normaler Traum?

Zur Zeit meiner Psychose hätte der Traum auf mich eine starke Wirkung gehabt, denn ich hätte ihn unter Garantie sehr ernst genommen. Heute kann ich sagen, vielleicht hat mich der gestrige Tag zu sehr gestresst und die schizophrene Welt des Spiels meldet sich über einen Traum zurück. Ich kann das Ganze analytisch sehen und ich denke nicht, dass ich mich von dem Traum wieder einfangen lasse. Dennoch erinnert es mich natürlich an den Handel, welchen ich damals mit dem lieben Gott abgeschlossen hatte. Mein Bombini gegen Christian. Ich kämpfe mich durch das Projekt und sobald ich dies erfolgreich umgesetzt hätte, dann würde auch Christianvor meiner Tür stehen. Ich habe mich aber schon längst damit abgefunden, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Kein fliegendes Bombini – kein Christian. Und jetzt so ein Traum. Ich dachte wirklich, die Schizophrenie würde Ruhe geben, ich hatte das Spiel schließlich verloren und damit war Feierabend.
Anscheinend ruht die ganze Angelegenheit nur und wartet auf ihre Chance. Und gestern, durch den Stress wegen der Sache mit der Umschulung und Neuorientierung, meldet sich mein Unterbewusstsein frech zurück. Man muss wirklich sehr auf der Hut sein und auf seine Nerven aufpassen.

Gleich habe ich Atemgymnastik bei Frau Krause, der rothaarigen Trainerin.

Ich bin ja mal gespannt was das für eine Gymnastik ist, ich kann mir nicht viel darunter vorstellen. Vorhin, vor dem Frühstück war ich beim wöchentlichen Wiegen. Ich wiege jetzt 81,4 Kilo. Das sind runde 600 Gramm weniger als letzte Woche. Das hört sich erst mal nach nicht viel an, aber es ist immerhin ein erster Schritt. Wenn ich jede Woche ungefähr diese Menge abnehme, dann bin ich auf jeden Fall unter 80, und das wäre dann ja schon mal ein echter Anfang. Dann muss ich zu Hause nur damit weitermachen, und im Winter bin ich dann wieder bei 70 Kilo.

Da muss ich unbedingt hin.

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Um 10 Uhr habe ich kognitives Training A, was immer das ist.

Wenn es das Selbe ist wie das Training, welches Eva macht, dann werde ich vor einem Computer sitzen und Konzentrationsaufgaben lösen. Ich bin ja überhaupt kein Freund von solchen Sachen, aber da muss ich wohl durch. Viel leisten werde ich heute dabei sicherlich nicht, ich bin immer noch total geschafft von der letzten Nacht.
Aber danach habe ich frei bis 16.30 Uhr, dann muss ich wieder zu einem dieser regelmäßigen Vorträge. Ich kenne das heutige Thema noch nicht, aber da es das letzte Mal ganz interessant war, bin ich auf heute durchaus gespannt.

Ich habe mich gerade bei der Frühstückszigarette kurz mit Eva unterhalten und ihr von meiner schlaflosen Nacht erzählt. Ich hatte ihr gestern schon kurz von meinem Einzelgespräch berichtet und sie meinte heute, sie fände die Idee mit der Umschulung ziemlich gut. Vielleicht könne ich etwas in der Ergotherapie machen. Das hieße dann, anderen mit Hilfe der künstlerischen Beschäftigung bei ihren Erkrankungen zu helfen, zumindest sie zu unterstützen. Das könnte tatsächlich ganzinteressant für mich sein. Ich denke ich sollte offen sein für die jeweiligen Vorschläge und Angebote. So, ich muss jetzt los, bis später.

Bin schon wieder da.

Die Atemgymnastik war eine relativ kurze Angelegenheit.

Wir sind dazu in den Park gegangen und haben uns zu einem Kreis aufgestellt. Frau Krause machte die Übungen vor und dann haben wir tief eingeatmet und dabei unsere Arme hoch gestreckt und dann haben wir Buchstaben wieder ausgeatmet. Meine Atmung ist nicht besonders kräftig, musste ich feststellen. Das viele Rauchen macht sich ziemlich bemerkbar, denke ich.

Dennoch, die Gespräche unter dem Pavillon sind für mich einfach so wichtig,

ich werde das Rauchen wohl kaum spürbar einschränken.

Zu Hause klappt das vielleicht ehr.

Jetzt habe ich noch fast eine ganze Stunde Zeit bis zum kognitiven Training und ich denke, ich werde mir erst mal einen Kaffee am Automaten ziehen und nach draußen gehen, ich bin immer noch ziemlich müde. Das ich hier solche schwierigen Nächte haben würde, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Aber auch die Anderen sagen, nach 1-2 Wochen wurde es auch für sie schwieriger. Die Therapie ist kein Zuckerschlecken sondern harte Arbeit an sich selbst. Neue Gedanken brechen sich ihre Bahn und alte Probleme kommen noch mal hoch. Ich bin wirklich sehr erstaunt, was so eine vernünftige Therapiestunde für Wirkungen entfalten kann. So etwas habe ich mit meiner Frau Mitschuleit irgendwie nie erlebt. Da habe ich immer einfach nur berichtet, was ich in den letzten Wochen getan habe und was ich in den kommenden Wochen tun wollte. Es gab keine aufrüttelnden Fragen, keine tief bewegenden Erkenntnisse. Wolfgang meint, ich müsse mit ihr mal ein ernstes Wort reden und darum bitten, dass die Therapie intensiviert wird. Aber vielleicht, so habe ich mir überlegt, liegt es auch an mir. Ich vermittle meist den Eindruck mein Leben aktiv gestalten zu wollen und Frau Mitschuleit hat vielleicht mehr Vertrauen in meine Kräfte, als dies hier vorausgesetzt wird. Man denke nur an die Sozialberaterin. Sie war total fasziniert und sah mich auf einem guten Weg. Auch wenn sie einen Neigungstest vorgeschlagen hat. Trotzdem denke auch ich, von Frau Mitschuleit kam vielleicht doch ein bisschen wenig Anregung auch über Alternativen zu meinen Zielen nachzudenken. Von einer beruflichen Reha habe ich jedenfalls noch nie gehört.Auch eine Erklärung, was die Medikamente eigentlich bewirken und wie man sich die Anfälligkeit für Psychosen vorstellen kann, das alles sind interessante Antworten auf oft gestellte Fragen. Ich werde mit Frau Mitschuleit jedenfalls über all die Dinge reden, die hier zum Thema gemacht wurden und noch werden. Ich bin ja auch sehr gespannt auf die Psychosegruppe, da werde ich bestimmt viel Neues und Wissenswertes über die Krankheit erfahren.

Was allerdings meine vermeintliche Stressempfindlichkeit

angeht, da bin ich im Zweifel.

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Ich finde, der Stress war tatsächlich so hoch, dem hätte

auch die größte Nervenstärke nichts entgegensetzten können.

Ich hatte nämlich während der heißen Phase ganz stark den Eindruck, ich habe Nerven wie Drahtseile. Ich konnte spüren wie dieses Drahtseil immer stärker unter Zug stand und lange war ich sicher, mein Seil hält. Leider ist es dann doch irgendwann gerissen und ich stand mit einem Gedächtnisverlusst da. Überlegen Sie selbst einmal, wenn ihnen das Gleiche passiert wäre wie mir, hätten sie es nervlich besser verkraftet?

Ich komme gerade vom kognitiven Training.

Ich habe das Programm zum Gedächtnistraining gemacht und ich war doch angenehm überrascht, bis auf Wörterlisten konnte ich mir die Dinge eigentlich sehr gut merken. Ich musste zum Beispiel Wege nachzeichnen, das war überhaupt kein Problem, ich musste Bilder wiedererkennen, auch das ging ziemlich gut. Ich musste mir Begriffe zu Bildern merken und diese dann später richtig zuordnen, auch das klappte erstaunlich gut. Nur Einkaufs- und Namenslisten, da hatte ich nur um die 70% richtig. Aber das hatte ich mir schon vorher gedacht, denn in Worte merken war ich immer schon nicht gut. Ich habe eine 3⁄4 Stunde an diesen Aufgaben gearbeitet, dann ließ meine Lust und damit meine Konzentration nach und ich habe die Sache beendet.

Jetzt sitze ich mit einem weiteren Kaffee wieder an

meinem eigenen Computer, aber ich will gar nicht lang schreiben.

Draußen ist es nämlich ganz schön und eine Zigarette will ich auch. Aber ich möchte noch erzählen, dass ich mich vor dem Training mit Simone unterhalten habe über meine letzte Nacht. Sie verstand die Gedanken, die ich mir wegen einer möglichen Umschulung mache, sie steckt selbst auch an so einem Punkt. Sie weiß jetzt nach ihrer Psychose auch erst mal nicht mehr richtig weiter. Sie hatte nach einigen Umwegen gedacht, sie hätte nun endlich ihren Beruf gefunden, aber jetzt wüsste sie einfach nicht mehr was richtig für sie ist.Die Sache mit der Ergotherapie für mich als Perspektive fand sie auch gar nicht schlecht. Ich muss sagen, je mehr ich den Gedanken zulasse, desto freundlicher wird die Vorstellung. Aber ich will offen für alles sein, sollen die mich erst mal testen, dann sehe ich klarer und dann kann ich mich vielleicht tatsächlich für diesen Umschulungsweg entscheiden. Mehr kann ich dazu jetzt noch nicht sagen, ich gehe darum erst mal eine Rauchen.

Ich beiße gerade in ein kleines Kuchenstück,

welches noch von gestern übrig

geblieben ist.

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Doch wie ich gerade sehe, ist gleich schon wieder Mittag.

Danach werde ich mich etwas hinlegen und ausruhen, ich schaffe es sonst nicht dem Vortrag heute Nachmittag zu folgen. Außerdem müsste ich auch noch in den Fitnessraum, doch ob ich dafür heute die Energie habe, das weiß ich nicht recht. Eigentlich müsste ich dort wirklich hingehen, sonst schaffe ich meine Trainingseinheiten gar nicht diese Woche. Also werde ich es wohl versuchen. Schließlich müssen die zusätzlichen Kalorien abgearbeitet werden, die ich mir durch den Kuchen jetzt gerade draufgeschafft habe.

Ich hatte noch einmal ein kleines Gespräch

mit Simone über unsere Erfahrungen als Alleinerziehende.

Sie versteht sich immer noch sehr gut mit dem Vater ihrer Kinder, einen neuen Partner hat sie allerdings noch nicht und er auch nicht. Sie fahren sogar zusammen mit den Kindern in Urlaub. Ich habe mich mit Michael, trotz meiner Beziehung zu Mansur, auch noch längere Zeit ganz gut verstanden, doch seit Felix ausgezogen ist, herrscht Funkstille. Ich weiß nur, dass er meinte, es sei schon komisch, alle seine Frauen seien psychisch erkrankt, denn seine jetzige Frau hat auch Probleme und kann nicht mehr voll arbeiten. Ich würde mich gerne irgendwann mal mit ihm aussprechen und das Verhältnis normalisieren, einfach damit es Felix gut geht. Es ist für Kinder einfach belastend, wenn die Eltern sich nicht gut verstehen. Aber eigentlich dürfte es kein Problem sein, dies zu schaffen. Ich hatte sogar schon mal überlegt, ihm einen ausführlichen Brief zu schreiben. Vielleicht mache ich das auch mal. Oder es ergibt sich eine andere Gelegenheit. Jedenfalls wünsche ich mir, dass wir spätestens zu Felix Hochzeit Frieden miteinander haben.

So jetzt habe ich gegessen, eine Zigarette geraucht und trinke meinen Milchkaffee.

Das mit dem Kuchen wird bestimmt nicht so schlimm sein, denn das Essen war mal wieder etwas für die hohle Hand. Es gab drei kleine Königsberger Klopse und 6 winzige, halbe Kartöffelchen mit etwas Soße. Dazu habe ich einen kleinen Teller Salat gegessen. Zu Hause wäre das dreifache auf den Teller gekommen. Aber ich gewöhne mich so langsam an die Portionen hier. Ich werde mich jetzt etwas hinlegen und dann den Fitnessraum aufsuchen, noch hat er nicht geöffnet. Wir hören später wieder voneinander.

Ich habe tatsächlich ein Stündchen geschlafen und sogar auch geträumt.

Nur, diesmal konnte ich mir den Traum nicht merken. Ich bin sofort aufgestanden und zum Fitnesstraining gegangen, bevor ich es mir womöglich noch anders überlegen  würde. Die Trainingseinheit dauert ungefähr 45 Minuten und bis auf die Übung auf der Matte war es auch nicht zu anstrengend. Ich bin schon ganz schön faul, mir ist Anstrengung einfach zu anstrengend. Sportler lieben diese Herausforderung ja, aber ich bin ein echter Muffel in dieser Angelegenheit. Aber vielleicht gibt sich das ja auch mit der Zeit.

Danach habe ich einen Kaffee getrunken und etwas mit Cora erzählt.

Sie ist wirklich ein ganz Liebe und weil sie gerne Träume deutet, habe ich ihr von meinem letzten Traum aus der Nacht erzählt. Natürlich musste ich ihr dazu auch kurz die Hintergründe erklären. Sie meint, der Staubsauger bedeutet, dass ich die ganze Geschichte eigentlich zu den Akten legen wollte. Und die Feindseligkeit der Mutter zeigt ihr, dass die Mutter mich nicht so gerne mochte. Und das stimmt auch. Damals hatte sie ein unglaubliches Theater gemacht als sie mich eines morgens nicht im Gästezimmer sondern in Christians Bett vorgefunden hatte. Sie beschimpfte mich als Nutte und unterstellte mir, ein Kind von ihrem Sohn bekommen zu wollen. Christian wurde sehr böse auf seine Mutter und legte sich heftig mit ihr an. Mir war das Ganze sehr peinlich. Ich wollte bestimmt kein Kind, zumindest damals nicht. Für mich und auch für Christian war es das sogenannte erste Mal und natürlich hatten wir alles für die Verhütung getan. Ich war zum Arzt gegangen und hatte mir die Pille verschreiben lassen und wir warteten auch wie empfohlen 3 Monate bis wir das erste Mal so richtig miteinander schliefen. Jedenfalls, ich war der Mutter gar nicht recht. Insofern passte es natürlich, dass sie behauptete Christian sei nicht da.Doch dann stand er auf einmal vor mir und er sah genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung habe. Jung und sehr attraktiv.

Wir haben uns im Traum immer wieder auf den Mund

geküsst und sind glücklich miteinander

losgezogen.

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Dann kam die Sache mit dem Pullover.

Es hatten mehrere Kleidungsstücke dort auf einem großen Tisch gelegen.

Ich nahm mir den Physikerpullover, vielleicht war es auch ehr eine Strickjacke. Er oder sie war grau und es standen irgendwelche Dinge darauf. Aber ich wusste ganz genau, das Kleidungsstück stand für die Physik. Ich machte mir im Traum Gedanken darum, ob es richtig gewesen und erlaubt war diesen Pullover einfach an mich zu nehmen, aber letztendlich griff ich zu und trug ihn durch die Universität.

Dabei hatte ich nun Christian aus den Augen verloren und so war es ja auch gewesen.

Die Sache mit der großen Liebessehnsucht hatte während meiner physikalischen Experimente deutlich nachgelassen, auch wenn ich zwischendurch natürlich immer wieder an ihn dachte. Aber ich war ja eine Abmachung eingegangen: Erst das Bombini, dann die große Liebe. Ich wusste zwar überhaupt nicht, wie diese sich erfüllen würde, aber ich glaubte ganz fest daran. Ich dachte zum Beispiel, vielleicht, wenn ich mit meinem Bombini weltberühmt werde, dann hört Christian in seinem fernen Neuseeland von mir und es ereilt ihn ein ähnlicher Liebesschock wie mich. Es ist schließlich eine Sache der Götter, ob man sich verliebt oder nicht. So etwas kann man nicht erzwingen und auch nicht aufhalten. Wenn es passiert, dann passiert es eben. Das unterliegt keiner persönlichen Kontrolle.

Doch irgendwann merkte ich das Christian

nicht mehr da war und ich begann ihn zu suchen.

Aber er war einfach nirgendwo zu finden. Und dann kamen seine Geschwister und auch sie wussten sich keinen Rat, bis die Leute kamen, es waren junge Männer. Einer von ihnen sagte dann das schon oben erwähnte. „Das Spiel ist noch nicht aus. Wir haben ihn gekidnapt und Du bekommst ihn erst zurück, wenn Du das Spiel zu Ende gebracht hast.“ Ich sage mal, dass ist wirklich ein ziemlicher Hammer für mich. Ich hatte die Liebe zu Christian eigentlich schon längst begraben  Ich finde auch, Wolfgang passt viel besser zu mir. Er liebt mich wirklich, zumindest auf platonische Art und Weise.

Er ist mir der beste Freund, den ich mir denken kann.

Und er gefällt mir auch als Mensch. Sicher, er ist nicht so strahlend und beliebt wie Christian es zumindest früher gewesen ist. Aber er ist tausendprozentig verlässlichund er hat mir in meiner wirklich sehr schweren, depressiven Zeit zur Seite gestanden. Auch heute Abend wird er wieder anrufen und mir aufmerksam zuhören, Anteil nehmen, seine Gedanken äußern und mich in meinem Tun bestärken. Er erwartet keine Großtaten von mir, er will nur, dass ich zufrieden lebe und mich weiterentwickle. Er will, dass ich die Psychose bewältige und ein gesundes Leben lebe.

Christian hingegen stellt hohe Erwartungen an seine Partnerin.

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Er will genau die Richtige.

Damals zum Beispiel, als ich ihm von dem Missbrauch durch meinen Vater erzählte, da nahm er mich zwar tröstend in den Arm, aber später meinte er mal: „Vielleicht bist Du schon zu gestört für mich. Ich will eine perfekte Frau. “ So, oder so ähnlich war es ihm herausgerutscht. Und dann, er malte an der Staffelei gerade seine Traumfrau, eine Arbeit für die Schule, und ich lag auf seinem Bett und las. Da überlegten wir, wie wir später einmal leben wollten. Ich sagte zu ihm: „Ich fände es schön, wenn Du Dich der Malerei widmest und ich Bücher schreibe. Das stelle ich mir wunderbar vor.“ Seine Antwort war: „Vielleicht will ich ja lieber Bücher schreiben.“

Und dann war da noch so ein Erlebnis.

Ich weiß heute nicht ob es wirklich stattgefunden hat.

Vielleicht war es auch so eine Wahnvorstellung. Wir sitzen bei ihm im Zimmer und er erzählte, er hätte mit Freunden das Spiel gespielt. Natürlich unter Hypnose. Er hätte um meine Zukunft gespielt und als er dann aber das Titelbild des Spiegels gesehen hätte und erkannte, dass ich nicht darauf abgebildet war, da hätte er den Spiegel zertrümmert, also den richtigen Spiegel in dem er das Bild aus der Zukunft gesehen hatte. Er wäre sehr wütend gewesen und auch sehr enttäuscht. Ich hatte ihn damals beruhigt und gesagt, das mit dem Titelbild wäre letztendlich ganz in Ordnung so, denn ich wusste intuitiv, es hat trotzdem alles seine Richtigkeit. Das er allerdings den Zukunftsspiegel des Spieles zerstört hatte, das sah ich schon als ein Problem an. Denn das Spiel verlor seine visionäre Enthüllungskraft ohne diesen Spiegel.

Jedenfalls hat der Traum mich heute den ganzen

Tag in meinen Gedanken begleitet.

Für mein Unterbewusstsein ist das Spiel offensichtlich noch nicht zu Ende. Das überrascht mich natürlich schon ein bisschen, denn ich bin bisher davon ausgegangen: „Gut, ich habe verloren und das große Ziel nicht erreicht. Das Spiel ist aus.“ Jetzt sieht es in mir jedoch anders aus. Es ist nicht so, dass ich jetzt plötzlich wieder im Liebesrausch bin, aber es weckt schon ein wenig meine Lebensgeister.Vielleicht habe ich ja doch noch eine Chance mein Bombini-Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, es wäre für die Menschheit möglicherweise das Tor zu einer fantastischen Zukunft. Energie zum Nulltarif, Reisen in Lichtgeschwindigkeit und womöglich sogar darüber hinaus.

Wer würde so eine Zukunft nicht gerne realisieren?

Ob ich Wolfgang von diesem Traum erzählen soll? Eigentlich ist dieser schon ziemlich wichtig, nur was wird er darüber denken? Er weiß von meinem Christian-Tick. Er weiß aber auch, ich hatte ihn überwunden. Wird er jetzt denken, das ganze Drama beginnt womöglich von Neuem. Er hatte ganz am Anfang unserer Beziehung mal die Befürchtung geäußert: „Wenn ich mich auf Dich einlasse und alles für Dich tue, dann möchte ich aber nicht erleben, dass Du irgendwann mit einem reichen, schönen Prinzen verschwindest.“

Sprach dort vielleicht auch sein Unterbewusstsein heraus, ein Bewusstsein,

dass Vergangenheit und Zukunft genau kennt.

Das glaube ich nämlich.

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Das Unterbewusstsein kennt den eigenen Weg sehr genau und deshalb wird

es auch aktiv, wenn man nicht auf seinem vom Schicksal bestimmten Kurs wandelt.

Ich habe demnach auch gehörig etwas falsch gemacht, sonst hätte es mich nicht in eine Psychose abgleiten lassen müssen um mich zu stoppen. Zumindest die Veröffentlichung meiner großen Internetseite hatte es unbedingt verhindern wollen. Außerdem wollte es die Beziehung mit Wolfgang. Vielleicht hat es mir deshalb den großen, langhaarigen Christianverschnitt geschickt um ihn die Liebe mit einem Gerät weg machen zu lassen. Nur so war ich wirklich frei mich auf diesen satanisch anmutenden Wolfgang einzulassen.

Ich war unten beim Abendessen. Ich finde unser Tisch ist wirklich ein sehr Guter, denn wieder führten wir eine interessante Unterhaltung. Diesmal ging es um den Tod, denn Beide waren am Nachmittag in dem Vortrag.

Das Thema war die Trauer.

Ich fühlte mich durch dieses Thema nur mäßig angesprochen und da wir nur einen Vortrag pro Woche besuchen müssen, habe ich ihn sausen lassen. Aber es soll sehr interessant gewesen sein. Es ging zum Beispiel um die verschiedenen Trauerrituale in anderen Ländern. Gudrun war durch diesen Vortrag immer noch ein bisschen mitgenommen, denn in ihrer Familie hatte es erst kürzlich einen Trauerfall gegeben.

Monika konnte von ihren Erfahrungen als Pfarrerin berichten.

Sie erzählte von einigen besonders schönen Beerdigungen, die sie gemeinsam mit den Angehörigengestaltet und durchgeführt hatte. Als Gudrun ging, erzählten wir über die besonders lautstarke Trauerarbeit der Moslems und ich erzählte ihr von Mansurs schlimmen Verlust seiner Mutter. Er war damals in Spanien zum Auslandsstudium und er hatte seine Mutter zuvor im Streit verlassen. Er wollte die für ihn ausgesuchte Verlobte nicht heiraten, sondern mit mir zusammen sein. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung mit seiner Mutter, an deren Ende er das Haus mit einer Ohrfeige verließ. Aus Ärger darüber war er ohne nochmaligen Abschied nach Spanien abgereist und er hatte auch keine Adresse hinterlassen.

Als ich ihn dann im November besuchte, rief er einmal zu Hause bei einem seiner Brüder an, doch das war es auch schon. Als er dann zu Weihnachten zu mir nach Deutschland kam, da wollte er aber natürlich seine Mutter endlich wiedersehen und er freute sich sehr auf sie als er am 2. Weihnachtfeiertag dort hin fuhr. Ich rechnete für längere Zeit nicht mit ihm, doch auf einmal klingelte etwa 2 Stunden später das Telefon. Er war dran und sagte er käme gleich zu mir zurück. Ich fragte ihn was los sei und er antwortete: „Meine Mutter ist gestorben, und mein ältester Bruder sowie mein Onkel. Ein Autounfall. Ich bin völlig fassungslos, denn stell Dir vor, das Ganze ist jetzt schon 3 Monate her.“ Er kam dann auch schnell wieder zurück und ich wusste gar nicht was ich dazu sagen sollte. Wie tröstete man jemanden nach so einer fürchterlichen Nachricht? Wir saßen den ganzen Abend und auch die nächsten Tage zusammen am Ofen und ich konnte nicht viel mehr als zuhören.

Auf Mansur hatte die Nachricht eine verheerende Wirkung.

Er wurde schlagartig total depressiv. Und als er zwei Wochen später wieder nach Spanien flog, da ging es ihm immer noch nicht besser. Seine depressive Stimmung blieb noch 2-3 Monate bestehen. Er hatte an nichts mehr Freude, sein Studium wurde von ihm ziemlich vernachlässigt und alle Pläne, die er dort in Spanien gehabt hatte, wurden für ihn völlig unwichtig. Er schrieb mir viele Briefe und er litt. Er bedauerte es jetzt sehr, seine Mutter im Streit verlassen zu haben, und dass er auf der Beerdigung nicht dabei gewesen war bekümmerte ihn ebenfalls. Dort wird normalerweise im großen Kreis zusammen getrauert. Jetzt aber war er mit seiner Trauer und seinem schlechten Gewissen allein. Ich konnte ihm dabei auch irgendwie nicht helfen.

Als ich dann im Mai wieder nach Spanien flog um ihn zu besuchen ging es ihm so

langsam etwas besser und wir machten uns gemeinsam mit seinem kleinen,

alten Auto auf nach Marokko, wir wollten unbedingt

die Wüste kennen lernen.

25.September

Und wir beschlossen sobald wie möglich zusammen in die Türkei

zu reisen um das Grab seiner Mutter und seines Bruders zu besuchen.

Danach war die Depression so gut wie verschwunden. Aber dieses Erlebnis hatte ihn schon ziemlich verändert. Seine Sorglosigkeit, sein unbedingter Glaube an eine tolle Zukunft, sein unerschütterliches Selbstbewusstsein hatte einen Knacks bekommen. Ich denke heute, er flüchtete sich von da an in unsere leidenschaftliche Liebe und er machte mich zu seiner geistigen Mutter. Ich war die wichtigste Person für ihn und unsere Liebe sollte für einige Jahre sehr tief und ausschließlich werden. Und als ich mich dann aber doch irgendwann innerlich von ihm entfernte und meine eigenen Wege gehen wollte, da sollte er einige Zeit ziemlich leiden. Ich verbuchte es damals als reine Sexsucht, und die ging mir gegen den Strich. Heute würde ich das nicht mehr so sehen, sondern sagen, Mansur hat mich wirklich sehr geliebt. Vielleicht ein bisschen zu sehr, denn er meinte kürzlich, er hätte sich selbst dabei etwas verloren und sein Selbstbewusstsein hätte dadurch gelitten. Er hätte halt auch beruflich alles mit mir zusammen machen wollen und wäre nicht seinen eigenen Weg gegangen. Heute hat er seinen eigenen Weg gefunden und auch sein Selbstbewusstsein ist wieder da. Wir sind Freunde geblieben und für ein Abenteuer im Bett reicht es ab und zu auch noch.  So, jetzt ist Halbzeit und die Deutschen liegen gegen die Spanier 0:2 zurück.

Ich habe dieses Spiel jedoch nicht gesehen,

ich habe mich stattdessen mit Cora unterhalten.

Und sie hat mir ihr großes Lebensgeheimnis erzählt.

Nur ihr Therapeut weiß hier davon und deshalb werde ich es auch nicht in mein Tagebuch schreiben, denn vielleicht veröffentliche ich dieses ja irgendwann und ich möchte nicht, dass sie die Geschichte, die sie mir im großen Vertrauen erzählt hat, in einem Buch zu lesen bekommt. Ich muss meine Leser also enttäuschen und ihnen eine wirklich spannende und interessante Geschichte vorenthalten. Aber eines ist nun völlig klar, diese Frau hat wirklich ein unglaubliches Leben gelebt, eines was man dieser kleinen, zarten Frau überhaupt nicht zutraut. Wir haben uns aber auch über Dinge unterhalten, die ich durchaus erzählen kann. Zum Beispiel über unsere Vorstellungen von Gott. Sie schaut mit großem Interesse wissenschaftliche Sendungen über die Entstehung des Universums und sie fragt sichwie Gott das alles hat machen können.

Sie glaubt wie ich, dass er trotz der unglaublichen Größe der

Aufgabe die Schicksale aller Menschen begleitet.

Natürlich fragt sie sich auch, wie und warum er auch das Schlechte und Böse zulässt. Ihre kartenlegende Tochter meinte zu ihr, Gott kann durchaus zulassen, dass ein Mensch zum Beispiel früh durch einen schlimmen Unfall, durch Krieg oder Mord und Totschlag stirbt, weil er weiß, dieser Mensch ist nicht auf ewig tot, sondern er wird sofort wiedergeboren. Und zu ihrer Mutter hat sie gesagt: „Wenn Du Deine Putzzwänge nicht in den Griff bekommst und überwindest, dann wirst Du möglicherweise als arme Inderin wiedergeboren und musst im Dreck der Straße schlafen und sterben. Sie ist auch der Meinung, dass die Menschen, die früh versterben, zum Beispiel an einer schweren Krankheit, womöglich in ihrem vorherigen Leben etwas Böses getan haben.

Ich würde nicht unbedingt so weit gehen, aber ich glaube schon,

der Mensch lebt so oft bis seine Seele reif für das Paradies ist.

Das Leben ist eine Schule für die Seele und in jedem weiteren Leben lernt sie Wichtiges dazu. Ich glaube allerdings auch, böse Handlungen, die nicht rechtzeitig gesühnt werden, die können auch schon im aktuellen Leben zu schweren Erkrankungen führen. Zum Beispiel mein Vater, er hat sich an mir schuldig gemacht und zwar mit seinem Geschlecht. Er war jedoch leider nicht in der Lage sich dafür bei mir in angemessener Form zu entschuldigen. Im Gegenteil, sein schlechtes Gewissen führte nur dazu, dass er nur selten wirklich nett zu mir sein konnte. Dafür hat das Schicksal in Form eines Blasenkrebses zugeschlagen, woran er dann auch früh, mit Mitte Sechzig, verstorben ist.

Gott hat ihm keinen schönen Lebensabend gegönnt.

Er hatte es sich einfach nicht verdient.

So sehe ich das.

Natürlich ist nicht jeder Krebs eine Folge von unentschuldigten Sünden.

Meine Patentante zum Beispiel hat sich so gut wie ich es beurteilen kann, wirklich nichts zu Schulden kommen lassen, trotzdem ist sie ganz plötzlich mit 55 Jahren an Lungenkrebs verstorben. Mich tröstete in ihrem Fall der Satz: „Wen Gott liebt, den holt er früh.“ Man muss die Dinge also sehr im Einzelfall betrachten. An irgendwelche Zufälle glaube ich jedenfalls nicht mehr.

Und wenn es den Zufall doch geben sollte, dann ist er göttlichen Ursprungs.

Gott handelt durch den Zufall.

Hambach Forest

Man begegnet zum Beispiel meist ganz zufällig seiner Lebensliebe.

Man entscheidetzufällig in dem oder dem Laden Brötchen zu kaufen und ausgerechnet an dem Tag, zu diesem Moment kommt der Mann oder die Frau des eigenen Lebens dort vorbei, man kommt zufällig ins Gespräch und 3 Monate später ist man verheiratet. Das ist gottgewollt und er hat die Schritte eines Jeden zu dieser Begegnung gelenkt. Ich bin zufällig in dieser Klinik gelandet, und zufällig sitze ich an dem Tisch mit der Nummer 25. Zufällig sind auch meine Bekanntschaften hier und dennoch ist alles von Gott genau so gewollt. Ich glaube daran, auch wenn ich in meinem Herzen zugleich eine Möchtegern-Physikerin bin, die für alle Dinge gerne eine Erklärung hätte.

Mich beschäftigt auch die Frage, wie ist das Weltall entstanden?

Was ist Gravitation? Wie funktioniert Magnetismus? 

Was ist ein Elektron?

Münchner Konferenz 1938

Und auch wenn alles am Ende physikalisch erklärbar ist,

trotzdem glaube ich an den großen Zauberer, den lieben Gott.

Er ist halt auch ein unglaublich intelligenter Physiker, und der weiß eben wie es geht und er erschaffte sich einfach aus Interesse ein eigenes Universum. Ich habe die Vorstellung, Gott ist vielleicht ein bisschen einsam und er wartet auf den Tag, an dem wir ihn und seine großartige Lebensleistung erkennen und ihm dafür Respekt und Dank zollen. Ihn dafür womöglich bewundern und lieben. So sieht es aus. Cora und ich haben uns auch noch über andere Dinge unterhalten.

Ich habe ihr zum Beispiel von meinem „Paradies der Frauen“ erzählt und sie meinte:

„Mach das, dann komme ich und arbeite darin mit.“

Aber davon berichte ich ein anderes mal, jetzt ist es schon nach

halb Elf und ich denke, die Deutschen haben bestimmt verloren.

Aber das erfahre ich ja morgen ganz bestimmt. Ich möchte

jetzt ins Bett und endlich noch mal ein paar Seiten

in meinem „Tod und Teufel“ lesen.

Also, morgen geht es

weiter im Text.

Messerstecherein in Ravensburg

29. Juni 2012

Heute mache ich mal etwas anders als sonst, ich verkneife

mir die morgendliche Kaffeezigarette, zumindest bis nach dem Frühsport.

Diese Entscheidung hatte schon einen Vorteil, ich konnte von meinem Balkon aus ein Foto von der Frühsportgruppe machen, die vor meiner Gruppe gerade aktiv ist. Die dazugehörige Musik ist Technomusik, die bringt den richtigen Rhythmus und die entsprechende Geschwindigkeit in die Bewegungen.
Ich habe übrigens jetzt endlich auch entdeckt mit wem ich den Balkon teile, ich war nicht schlecht überrascht, es ist Stefan, der „Tinitusimker“. Wenn Sie sich fragen, wie ich geschlafen habe, dann kann ich sagen: „Gut.“ Ich hätte sogar beinahe verschlafen, denn ich hatte mir den Wecker nicht gestellt. An einen Traum kann ich mich heute nicht erinnern, dafür ging es zu schnell mit dem Aufstehen. So, ich glaube, ich muss jetzt runter zum Frühsport, bis später.
Jetzt habe ich endlich meine Zigarette geraucht. Gleich geht es zur Basisgruppe, diesmal wieder mit Dr. Süß, den Chefarzt der Klinik. Ich bin ja mal auf seine Art gespannt die freie Gesprächsgruppe zu leiten, ob er wieder nur still dabeisitzt? Danach mache ich mich auf zur Tankstelle, Tabak kaufen. Ansonsten ist dieser Tag für mich frei, ich werde also viel Schreiben können.

Morgen habe ich um 11 Uhr Wassergymnastik und danach ist Wochenende.

Habe ich schon erzählt, dass ich am Sonntag an einer Wanderung teilnehme? 10 Kilometer, das ist eigentlich nicht zuviel. Aber, wie ich ja schon sagte, Anstrengungen sind nicht mein Fall. Ich habe wohl einen ganz faulen Schweinehund vor meinem Fernseher gezüchtet. Hier schaue ich ja gar kein Fernsehen und ich muss sagen, es fehlt mir überhaupt nicht. Ich bin ja mal gespannt wie das wird, wenn ich wieder zu Hause bin. Ob ich da automatisch in mein altes Verhalten zurückfalle?

Gerade ist die Putzfrau in meinem Zimmer und macht etwas sauber, aber ich störe sie dabei nicht, meinte sie. Hier wird einem wirklich fast alles abgenommen. Ich muss nicht kochen, nicht putzen, und nicht überlegen womit ich den Tag verbringe, nur um die Wäsche muss man sich selber kümmern. Es gibt hier einen Waschmaschinenraum, doch ich habe gehört, die Maschinen sind ständig besetzt. Ich werde meine T-Shirts wohl mit der Hand durchwaschen, der Rest kann noch warten.Ich habe einfach nicht genug Klamotten, dass sich eine Maschine für mich lohnen würde.
Vielleicht sollte ich auch mal in die Sauna gehen. Nur, ich schäme mich etwas wegen meiner Speckrollen. Aber ich will sie jetzt mit Gejammer wegen meiner Figur nicht wieder langweilen.

Ich sollte ihnen vielmehr etwas von meinem „Paradies der Frauen“ erzählen.

Sind Sie interessiert? Heute Nachmittag vielleicht, dann habe ich die nötige

Ruhe, jetzt muss ich gleich zur Basisgruppe und darüber gibt es

danach bestimmt auch wieder etwas zu erzählen.

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Also, bis nachher.

So, jetzt bin ich mit Tabak für die nächsten Tage gut eingedeckt.

Auf dem Weg habe ich ein paar Fotos gemacht, ich denke so langsam kann man bei meinen Bildern einen Eindruck von diesem Städtchen gewinnen. Das nächste Mal nehme ich die Kamera mit, wenn ich die Wanderung mitmache. Vielleicht komme ich dann ja auch endlich mal in den Wald. Ich denke, da wird es dann auch kühler sein, denn zur Zeit ist der Sommer wieder da. Ich bin ziemlich durchgeschwitzt von dem kleinen Spaziergang zur Tankstelle. Ich habe mir auf dem Weg im nahegelegenen Supermarkt eine Fitnessmolke mit 0,1% Fett und eine Flasche Fructiv gekauft, ich
kann schließlich nicht immer nur Kaffee trinken.

Gleich ist schon wieder Mittag, die Zeit geht hier so

langsam aber sicher ziemlich schnell herum.

Eva ist übrigens an Angina erkrankt, ein Virus soll hier in der Klinik umhergehen. Ich hoffe, ich bleibe verschont, normalerweise fange ich mir nämlich nicht so schnell etwas ein. Aber man wird bei Beschwerden sofort angemessen behandelt, so dass auch eine körperliche Erkrankung hier in den besten Händen ist. Die Basisgruppe mit Dr. Süß war heute ein bisschen anders als das letzte Mal. Er hat viel mehr geredet. Ein allgemeines Gruppenthema entstand nicht und so fragte er zunächst einmal die Neuen nach ihrem Befinden. Danach ging es dann darum, dass Frau Doerfert in Urlaub geht. Für mich ist das kein Problem, ich kann mich gut und gerne umstellen, auch wenn ich den Eindruck hatte, die zwei Sitzungen mit ihr waren sehr gut für mich. Anderen macht es schon viel mehr aus, dass die Therapeutin wechselt. Sie haben Probleme sich so ohne Weiteres zu öffnen und über ihre persönlichen Dinge zu reden. Und jetzt hatten sie gerade Vertrauen aufgebaut und nun kommt jemand anders. Alle haben berichtet, dass sie mit Frau Doerfert sehrzufrieden waren, sie hat den einen oder anderen, so sagte es eine Patientin, „geknackt“. Mich hat sie ja auch ganz schön erwischt mit ihrer Umschulungsidee. Auch was sie mir zu meinem Krankheitsbild erklärte war sehr hilfreich. Aber ich bin dennoch offen für etwas Neues, ich sehe dem Wechsel mit Neugierde entgegen. Ich gehe jetzt eine Zigarette rauchen, die Erste aus einem neuen Päckchen schmeckt immer ganz besonders gut.

Nach dem Mittagessen reden wir dann über mein „Paradies der Frauen“.

Ich hatte mich nach dem Mittagessen etwas hingelegt und tatsächlich auch ein gutes Stündchen geschlafen. Ich habe geträumt Wolfgang wäre auch in die Kur gekommen. Wir teilten uns ein Doppelzimmer und er hatte sogar seinen Wasserkocher und ein paar Kaffeebecher mit dabei.

Ich träumte, wir hätten eine gemeinsame Therapiesitzung

bei Dr. Süß und ich war zuerst mit dem Erzählen dran.

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Ich kam auf das einzige Problem, welches wir

miteinander haben. Ich sprach über den fehlenden Sex.

Dr. Süß hörte wie es seine Art ist einfach nur zu. Dann sprach Wolfgang und er stand dabei auf und lief durch den Raum. Er griff das Thema auf und sprach davon wir seien die Angeklagten. Da protestierte ich und meinte, ich hätte das Ganze nicht als Anklage formuliert. Da lief Wolfgang aus dem Raum und ich bin ihm hinterher, doch ich fand ihn nicht. Als ich gerade zurückkam, verließ Dr. Süß fluchtartig wie mir schien diesen Raum und als ich auf die Uhr sah, war es genau halb Drei, die Stunde war also wohl zu Ende. Ich wollte mir darum einen Kaffee machen und auf der Suche nach meinem Metallbecher
bin ich dann wach geworden.

Auf diesen Traum brauche ich jetzt auch erst mal einen Kaffee und darum war

ich gerade in der Cafeteria und habe mir einen leckeren Milchkaffee geholt.

Vielleicht habe ich von Wolfgang hier in der Klinik geträumt, weil Eva heute über das Wochenende von ihrem Robert besucht wird. Ich fände es tatsächlich auch ganz schön, wenn mein Freund hier wäre. Nun, so wird die Freude am Ende um so größer sein. Heute Abend ruft er ja bestimmt wieder an und dann erzähle ich ihn von meinem Traum. Ich gehe jetzt erst mal eine Rauchen, dann komme ich und erzähle von meinem Paradies.„Das Paradies der Frauen“ wie sieht es aus? Ich stelle mir einen großen Gebäudekomplex mitten in einer großen Stadt vor. Gerne ein Altbau im Jugendstil.

Unten in der Ladenzone befinden sich zum Beispiel

eine Boutique, ein Cafe, ein Schuh-

und ein Buchladen.

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Die Auslagen in den Schaufenstern sollten hochwertig und ansprechend sein.

Aber vor allen Dingen sexy. Die Spezialität aller Geschäfte sollte es sein schöne, erotische Produkte zu verkaufen. Neben den Geschäften gibt es auch einen schön gestalteten Eingang zu dem Wellnesstempel, der sich im Innern auf der ersten Etage befindet. Hier gibt es alles was ein Frauenherz begehrt, vom Kleopatra- und Dampfbad bis zur Kosmetikerin. Es gibt kuschelige Liegelandschaften und schwule Kellner, die einem einen Cocktail bringen. Man kann auch an einer eleganten Bar sitzen und eine Kleinigkeit essen. Hier soll und wird die Frau von vorne bis hinten verwöhnt. Sie soll sich entspannen und schön machen. Vielleicht probiert sie das neue Kleid an, welches sie in einer der Boutiquen gekauft hat. Sie lässt sich enthaaren, massieren und schminken. Vielleicht ist sie mit Freundinnen in diesem Haus zu Gast und nach dem sie sich so richtig entspannt haben, gehen sie durch eine große, massive Tür und dann eine Treppe hinunter in den „Hexenkessel“.

Das ist eine Disco mit großer Tanzfläche und

verschwiegenen Nischen zum abhängen.

Alle Männer hier sind zu haben. Es gibt schöne, es gibt welche die erinnern mit ihren Muskeln an starke Handwerker, es gibt orientalische Prinzen und in schwarzem Leder gekleidete, verwegene Typen. Alle sind freundlich zu den Frauen, tanzen und flirten mit ihnen. Und vielleicht geht die eine oder andere Frau auch mit einem oder sogar zweien eine Etage höher. Von einer Galerie gehen mehrere Zimmer ab, die alle ganz unterschiedlich gestaltet sind. Vielleicht will sie zusammen mit dem Mann in einen Wirlpool, vielleicht will sie in ein Himmelbett mit Tausend seidenen Kissen. Oder sie will es ein wenig bizarr. Vielleicht ist sie Neugierig auf Lack und Leder, vielleicht will sie aber auch viele Kerzen und Romantik. Es ist einfach für jeden Wunsch gesorgt. Zum Abschluss des ganzen Tages geht sie dann vielleicht noch in den Wintergarten und wartet bei einem Kaffee auf ihre Freundinnen.
So habe ich mir damals „das Paradies für Frauen“ vorgestellt und so habe ich es auch in meinem Konzept beschrieben. Es existiert auch noch ein großer, bunter Entwurf, den ich vielleicht irgendwann einmal einrahme und an die Wand hänge.

Ich würde mich gerne wieder für die Realisierung dieses Entwurfes einsetzen, denn ich bin der Meinung, so ein Haus hätte in allen großen Städten der Welt eine Chance.Für die Frauen besteht zur Zeit einfach kein vernünftiges Angebot, wenn sie mal Lust haben etwas Verrücktes zu erleben. Ich stelle mir zum Beispiel eine Geschäftsfrau vor, die in New York oder Berlin aus einer anstrengenden Konferenz kommt und heute nur die Wahl zwischen ihrem Hotelzimmer und einer Bar hat. Dort wird sie dann von irgendwelchen, dahergelaufenen Typen angegraben und sie weiß eigentlich nie worauf sie sich einlässt, wenn sie es überhaupt tut. In meinem Paradies sind alle Profis, sie sind diskret, sie sind gesundheitlich untersucht, sie sind erfahren und pflegen einen bestimmten Stil. Man kann sich also aussuchen, worauf man gerade Lust hat.

Will man nur endlos gestreichelt werden? Will man es hart und wild?

Man bekommt genau das Gewünschte und der einzige Punkt, der überall gleich ist, es kostet Geld. Damit sind die Fronten klar. Nicht die Frau wird hier ausgenützt, sondern der Mann bringt eine Dienstleistung. Vergewaltigungen und andere böse Überraschungen sind ausgeschlossen. Ich glaube wirklich, an so einem Etablisment ist ein großer Bedarf. Die Kosten werden für einen solchen Tag nicht gering sein, das ist ziemlich klar, aber eine Frau braucht so eine Auszeit ja auch nicht täglich. Es ist was für ab und an, dann wenn in ihrer Ehe schon länger der Hund begraben ist, wenn sie auf einer längeren Reise unterwegs ist, wenn das Weihnachtsgeld überwiesen wurde oder Freundinnen für diesen ganz besonderen Polterabend zusammen gelegt haben.
Ich würde jedenfalls ein solches Haus besuchen und mich dort verwöhnen lassen. Dann würde mich die Sache mit dem fehlenden Sex in meiner Beziehung überhaupt nicht mehr stören. Wolfgang hat einfach genug andere Qualitäten.

Gerade war ich mal wieder eine Zigarette rauchen

und auf dem Weg traf ich Cora.

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Sie leidet leider zur Zeit unter Migräne,

so dass sie nicht noch mal mit zum Pavillon wollte.

Aber trotz ihrer Beschwerden wollte sie mir unbedingt noch zwei Episoden aus ihrem geheimen Leben erzählen. Es ist wirklich schade, dass ich darüber schweigen muss, denn es sind interessante Geschichten, die gut zum Thema „Paradies der Frauen“ passen würden. Aber, nun ja, dafür erzählte sie auch etwas aus der Tanztherapie, die sie heute hatte. Sie meinte, am liebsten hätte sie die fünf anderen Frauen von der Tanzfläche geschubst und ganz alleine getanzt. Sie sei richtig aus sich heraus gegangen, denn das Tanzen läge ihr im Blut. Sie kommt nämlich aus einer Zirkusfamilie. Das hatte sie bisher noch gar nicht erwähnt. Ichmuss sie darüber noch mal genauer befragen. Jedenfalls war in ihrer Tanzgruppe auch eine Frau, von der sie meint, dass diese sie nicht leiden kann. Aber die Frau hat wohl auch Talent zum Tanzen und bei der Fragerunde zum Schluss hat sie dies dann der Frau auch gesagt. Sie meinte, sie hätte auch beruflich etwas mit Tanz machen können, so gut bewege sie sich. Da war die Frau wohl ziemlich überrascht und jetzt wollen sie sich mal zusammen setzten und miteinander erzählen.

Insofern hatte Cora einen guten Tag bisher, trotz ihrer Kopfschmerzen.

Auf der Bank vor den Pavillon bin ich dann in ein Gespräch mit einem Neuankömmling geraten. Er heißt Robert und ist ein Hundeliebhaber. Er hat drei Hunde, die jetzt auch alle irgendwo untergebracht werden mussten. Einer, den er nur ungern jemandem zur Pflege gegeben hätte, weil dieser einen ausgeprägten Jagdinstinkt hat, ist jetzt im Nachbarort in einer Hundepension und gleich will er dort hin um mit ihm etwas spazieren zu gehen. Er ist sehr engagiert im Hundesport, seinen Kleinsten hat er jetzt sogar schon bei einer Weltmeisterschaft angemeldet. Ich habe ihn nicht gefragt, warum er in der Burg-Klinik ist.

Auf den ersten Blick ist jedenfalls nicht zu erraten, was ihn hergeführt hat. Tinitus ist es nicht, das habe ich gefragt, das frage ich eigentlich immer, denn ich habe den Eindruck, diese Störung tritt häufig gerade bei Männern auf. Aber es gibt auch Frauen, die darunter leiden. In unserer Basisgruppe war eine und Robert kannte diese Krankheit auch aus seinem Bekanntenkreis. Doch bei seiner Bekannten ist das Piepen schwächer geworden, zum Glück, denn wie ich schon mal sagte, diese Störung ist wirklich sehr schlimm und geht meistens auch nicht mehr weg.

Aber ich wollte noch ein bisschen über „Das Paradies der Frauen“ reden.

Finden sie nicht auch, es ist ein sehr überzeugendes Projekt? Eigentlich müsste es doch wirklich möglich sein dafür Geldgeber zu finden. Ich habe es ja mal versucht und ich bin auch auf Interesse gestoßen, aber ich war wohl einfach nicht hartnäckig genug. Wie wahrscheinlich bei einigen meiner Projekte.

Wenn man mal analysieren würde, warum ich beruflich damals gescheitert bin, dann wird man wohl zu dem Schluss kommen, ich habe zu viel zu schnell gewollt. Ich hatte einfach nicht die innere Ruhe und Gelassenheit auf meine Chance zu warten. Ich stand in dieser Zeit immer unter Strom und hoffte darauf, dass der Erfolg sich möglichst zeitnah einstellt. Ich bineigentlich ziemlich sicher, wäre ich selbstbewusster und gelassener gewesen und hätte ich mich nicht vom Rotlichtmilieu abschrecken lassen, dann wäre vielleicht etwas daraus geworden. Mein I-Ging war von vorne herein sehr skeptisch was dieses Projekt anging und es meinte es gäbe größere, wichtigere Aufgaben für mich. Damals war ich darüber ziemlich verzweifelt, schließlich war es mein letztes Projekt, alle anderen waren ja schon gescheitert. Und ich fragte mich natürlich auch, was es denn nur noch Größeres und Wichtigeres geben könne. So ein Paradies war schließlich schon eine ganz gehörige Herausforderung.

Aber es sollte wohl nicht sein, die Orakel wussten eben, dass ich

bald schon eine neue und noch viel bessere

Idee haben würde.

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Das Bombini-Projekt.

Dennoch, vielleicht werde ich „Das Paradies der Frauen“

noch einmal aufarbeiten und erneut einen Versuch starten.

Nicht weil ich unbedingt damit das große Geld verdienen möchte, ich finde einfach so etwas fehlt in dieser Welt. Ich stelle mir vor, ich fahre in die Rethelstraße und spreche noch einmal mit diesem Bert. Ich finde, er ist ein cooler, verrückter Typ. Ich habe ihn sogar schon ein paar mal im Fernsehen gesehen. Er hat über sich und sein Bordell einen Film drehen lassen und auch als er seine neue Frau gefunden hatte, da ließ er das Filmteam über sie einen Film machen.

Seine Frau ist noch sehr jung und kommt aus einem ganz normalen Elternhaus. Doch selbst ihre alte Tante hatte nichts gegen diesen langhaarigen Verlobten. Der Altersunterschied ist allerdings ziemlich beträchtlich, ich bin ja mal gespannt, ob das wirklich gut geht. Seine junge Frau arbeitet jetzt als zweite Geschäftsführerin mit auf der Rethelstrasse. Sie schient diese Arbeit völlig in Ordnung zu finden und hat auch keine Berührungsängste mit den Prostituierten, die dort arbeiten. Ich habe mit diesem Gewerbe auch keine Probleme, solange die Frauen faire Arbeitsbedingungen vorfinden. Das war auch mit ein Grund, wieso ich mein Paradies so gut fand. Ich war sicher, das gehobene Image meines Hauses würde sich auch auf das Image der sogenannten Frauenhäuser niederschlagen. Denn, was für die Kundinnen akzeptabel ist, das ist auch für die Gesellschaft annehmbar. Und wenn Prostitution aus der Schmuddelecke heraus kommt, dann bessern sich vielleicht auch die Arbeitsbedingungen für die Frauen in diesem Gewerbe.

So, jetzt ist bald schon wieder Abendessenszeit,

ich freue mich schon auf Monika und Gudrun.

Also, dann bis später.Ich habe meinen Therapieplan für die nächste Woche in meinem Fach vorgefunden. Mich erwartet drei mal Frühsport und zwei mal Atemgymnastik, zwei mal die Basisgruppe und neu hinzugekommen zwei mal eine Psychosegruppe. Außerdem Montag und Freitag Wassergymnastik und einmal Nordic Walking. Montag und Mittwoch gibt es zum Abschluss des Tages wieder eine Packung. Dann habe ich zwei mal Freies Gestalten, da werde ich bestimmt wieder zeichnen gehen. Dienstag und Freitag muss ich wieder zum Computer kognitiven Training.

Am Mittwoch gehe ich zu einer Frau Greifzu zum allgemeinen Interessenstrukturtest und am Freitag habe ich ein sozialtherapeutisches Beratungsgespräch, dort wird es sicherlich um meine Umschulung gehen. Dann muss ich noch zwei mal in den Fitnessraum. Wandern, Schwimmen, Freizeitsport sowie Sauna sind Dinge die ich freiwillig machen kann und soll. Das ist ein ganz schön volles Programm, finde ich. Hinzu kommen noch zwei Vorträge, deren Themen ich aber noch nicht kenne.

Ich kann nur sagen, so schnell wird einem hier nicht langweilig.

Zum Abendessen habe ich Monika und Gudrun leider nicht angetroffen, vielleicht sind sie heute unterwegs oder sie kamen später, als ich schon wieder auf der Bank vor dem Pavillon saß um eine Zigarette zu rauchen. Cora hat mir dort erzählt wie das war mit dem Zirkus. Sie trat zu DDR-Zeiten im großen Zirkus Busch zunächst als Seiltänzerin auf. Ihre Großmutter hatte damit einmal angefangen und so war sie auch da hinein gerutscht. Doch ihr Partner hatte sie im Alkoholrausch von Seil gestoßen und danach konnte sie diese Kunst nicht mehr ausüben und hat nur noch auf dem Boden getanzt. Doch damit hat man keine Zukunft und sie hat den Zirkus hinter sich gelassen. Ich sage ja, das Leben dieser kleinen Frau ist filmreif. Wirklich, insbesondere wenn man auch ihr Lebensgeheimnis darin offenbaren und darstellen würde. Ich kann mir diesen Film sehr gut vorstellen.

Vielleicht, irgendwann, versuche ich mal ein Buch über so ein Leben zu

schreiben und die Geschichte zumindest darin

vorkommen zu lassen.

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Doch jetzt warte ich wieder auf Wolfgangs Anruf.

Die Sonne scheint wie so oft am Abend in mein Zimmer. Heute war es wirklich sehr warm draußen, da sitze ich doch lieber in meinem relativ kühlen Zimmer. Aber vielleicht mache ich nachher noch einen kleinen Spaziergang und setzte mich mit Musik auf den Ohren an das Flüsschen, da war ich schon länger nicht mehr.Musik auf den Ohren war nicht notwendig, heute spielte ein Blasorchester auf dem Burgplatz vor der Klinik. Ich wollte dort eigentlich nicht hin, denn Blasmusik ist nicht gerade mein Fall. Aber ich wollte natürlich Fotos davon machen, die passen schließlich gut in meine Fotoserie über den Kuraufenthalt.

Und so bin ich mit Cora zum Schluss doch da vorbeigegangen.

Wir haben gerade noch die Zugabe mitbekommen und ich konnte ein paar schöne Fotos machen. Ich habe sie jetzt eben alle noch mal durchgesehen, ich finde die Bilder ergeben schnell hintereinander folgend einen richtig schönen Film. Ich hoffe, ich bin nach der Kur so energiegeladen, dass ich mich auch wirklich an den Rechner setzte und den Film fertig stelle. Dazu muss ich mich mit einem neuen Programm anfreunden und davor habe ich mich bisher immer gedrückt. Ich bin in solchen Dingen irgendwie sehr konservativ geworden, wenn ich ein Programm einmal kenne, dann mag ich mich nicht umstellen müssen. Das ist mir einfach zu kompliziert. Aber wer weiß, nach der Kur sieht auch das vielleicht wieder anders aus, früher habe ich mich schließlich immer wieder auf Neues eingelassen und dadurch viel gelernt und vor allen Dingen erschaffen.

Ich habe Cora gesagt, dass man ihr Leben eigentlich in einem Buch

erzählen oder noch besser einen Film darüber drehen müsste.

Da lachte sie und meinte, wenn einer käme und dies machen wolle, dann würde sie sich glatt dazu bereit erklären ihr Leben zu offenbaren. Ich habe ihr gesagt, dass ich ein Tagebuch schreibe, ihre geheime Geschichte aber nicht darin festgehalten habe, weil ich das Buch vielleicht veröffentlichen wolle. Ich würde schließlich nicht wollen, dass sie ihre private Geschichte darin wiederfindet. Da lachte sie nur und meinte, wenn sie das lesen würde, dann würde sie sich das Buch in ihren Schrank stellen. Ich dürfe, wenn ich es wollte sehr wohl darüber schreiben. Das ist jetzt natürlich eine Versuchung. Soll ich es wirklich machen? Es ist nicht so einfach, denn ich möchte nichts durcheinander werfen. So im Kurzraffer ist es vielleicht auch gar nicht so toll, es müsste ein richtiger Roman sein, ein gut gemachter Film. Ich denke, ich hebe mir die Geschichte auf und versuche es irgendwann einmal richtig. Dann ist es vielleicht mit viel Fantasie meinerseits geschmückt, aber für den Leser wie ich hoffe ein spannendes Vergnügen.Mit Wolfgang habe ich nicht sehr lange telefoniert, er war gerade erst mit dem Hund vom Schwimmen gekommen, er hatte die Einkäufe noch nicht ausgepackt und Siux war noch nass. Ich habe ihm von meinem Traum über ihn erzählt, allerdings habe ich das Thema der Therapiesitzung nicht erwähnt, ich wollte ihn nicht verärgern.

Das Thema Sex ist bei ihm ziemlich unbeliebt.

Er weiß, dass ich diesbezüglich mit ihm unzufrieden bin, aber er kann oder will daran nichts ändern. Für ihn ist es so gut wie es ist. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht liegt das Problem ja auch bei mir. Er wünscht sich, so wie ich es verstanden habe, eine Partnerin, die auf ihn zukommt und ihn verführt. Doch das möchte ich auch. Ich will einen Partner, der mich begehrt und dies auch zeigt. Das ist ihm aber irgendwie nicht möglich. Also findet eben gar nichts statt. Irgendwie ist es dafür wohl auch einfach zu spät, wir hätten damals nach dem Krankenhaus am Ball bleiben müssen. Jetzt ist unsere Beziehung schlicht asexuell. Lust und Leidenschaft muss man aus der Verliebtheitsphase mit in die feste Beziehung nehmen und pflegen. Doch damals war ich einfach nicht in der Lage dazu. Ich hatte es mir gewünscht und ich kann mich an viele Nächte erinnern, in denen ich voller Sehnsucht nach körperlicher Zärtlichkeit war, aber den ersten Schritt konnte ich einfach nicht tun. Ich fühlte mich wie eine total unerfahrene Jungfrau, die in ihrem Leben noch nie etwas Sexuelles erlebt hat und nun darauf wartete, dass der Mann ihr zeigt was er will und was sie tun soll. Doch Wolfgang nahm mich höchstens in den Arm, ein zarter Kuss und das war es auch schon. Ich dachte damals, klar so eine Heulsuse wie mich will keiner. Heute ist meine Erinnerung und Erfahrung im Bett durchaus wieder da, heulen tue ich auch nicht mehr, ich könnte also schon, aber ein Mann, der mich nicht begehrt, den will ich eben auch nicht verführen.

Ich weiß nicht ob wir in diesem Punkt noch mal die Kurve bekommen, vielleicht ist es einfach so, wie die Sterne es vorausgesehen haben. Wir sind wie ein liebender Bruder und eine liebende Schwester, und wenn wir mehr füreinander sein wollen, dann brauchen wir tatsächlich so einen Dr. Süß, oder besser einen Sexualtherapeuten. Denn, wenn ich meinen Traum richtig verstehe, dann fühlte sich der Dr. Süß in meinem Traum bei diesem Thema auch ziemlich unwohl. Er ist halt ehr ein Spezialist für psychosomatische Erkrankungen. Und, von zu wenig Sex wird man nun mal nicht krank, sondern nur unglücklich.

Obwohl, unglücklich bin ich deswegen nicht wirklich, ein bisschen frustriert vielleicht.

Irgendwann im Winter hatten Wolfgang und ich es einmal miteinander versucht, undes hat mir auch gefallen, aber es blieb bei diesem einen Mal, obwohl Wolfgang am nächsten Morgen meinte ich sähe auf einmal so richtig hübsch aus, er wolle am Liebsten gar nicht zur Arbeit gehen. Aber natürlich ist er gegangen. Trotzdem hat es nicht ausgereicht ihn aktiver werden zu lassen und so sehe ich morgens halt nicht so hübsch aus, wie es sein könnte.

Als ich dann später das Thema noch mal anschnitt kam es fast zu einem Streit zwischen

uns und er meinte zu mir: „Such Dir dafür einen anderen!“ Das fand

ich schon ziemlich den Hammer, aber zugleich

dachte ich: „Schon geschehen!“

Denn, zum Glück hat Mansur keine Probleme mit mir, wenn es um dieses Thema geht. Er würde sich sogar gerne öfter mit mir für ein erotisches Spiel treffen. Ich will es aber nicht überreizen, irgendwann vielleicht noch mal, wenn ich es einfach nicht mehr aushalte. Es ist für mich eine echte, aber sehr befriedigende Notlösung, denn viel lieber wäre es mir, wenn Wolfgang Lust auf mich hätte. Nun gut, ich will sie nicht langweilen, es ist irgendwie wie mit meiner Figur, Sie können daran nichts ändern, sondern nur ich selbst.

So, ich mache dann mal Schluss für heute und gehe

ins Bett noch etwas lesen, bis morgen.

30.Juni 2012

Heute hat mein Sohn Geburtstag.

Ich habe ihm schon mal eine Glückwusch-SMS geschrieben, nachher rufe ich ihn richtig an. Jetzt ist es bestimmt noch zu früh, an seinem freien Tag wird er sicherlich ausschlafen wollen. Ich bin ja wirklich so froh, dass er den ersten Schritt gemacht hat und wir zumindest wieder miteinander reden, auch wenn es nur am Telefon ist.

Ich habe heute Nacht mal wieder wild geträumt.

Ich träumte, ich ginge über eine savannenartige, große Wiese auf der viele, verschiedene, wilde Tiere standen. Ich drehte mich nach ihnen um und da sah ich einen Löwen Anlauf nehmen und auf mich zu laufen. Ich blieb stehen und dachte ganz fest: „Du wirst mir doch bestimmt nichts tun, sei bitte ganz lieb und friss mich nicht auf!“ Da sprang der Löwe mich von hinten an, ich konnte seine große Tatze auf meiner Schulter spüren, ich betete und betete, und tatsächlich, der Löwe tat mir nicht weh. Aber es war sehr knapp, er hätte mich locker umwerfen und töten können. Außerdem träumte ich auch noch von Bodo und seiner Freundin. Doch das bekomme ich nicht mehr richtig zusammen. In der Früh, so um 5 Uhr bin ich von einem starken Gewitter mit Blitz und Donner wach geworden, aber ich habe mich wieder herumgedreht und bis halb Acht träumend weitergeschlafen.

Jetzt habe ich gefrühstückt und ich war auch schon eine rauchen.

Da sah ich Cora neben einem Mann sitzen.

Ich erfuhr, er heißt Heiko, ist 45 Jahre alt und ist seit Mittwoch hier. Cora war dieser Mann schon vorgestern ins Auge gefallen und sie hatte sogar den lieben Gott wegen dieses Mannes angefleht. Sie wollte ihn unbedingt näher kennen lernen und vielleicht sogar ein bisschen mit ihm flirten. Gestern saß dieser Heiko uns gegenüber auf einer Bank, neben ihm eine schon etwas älter aussehende Patientin. Cora war sich sicher, die beiden waren gerade miteinander im Bett gewesen. Das sagte ihr deren Körpersprache, meinte sie. Solche Bettgeschichten unter den Patienten sind hier im Haus eigentlich total verboten. Man kann deswegen aus der Reha geschmissen werden.

Jedenfalls hatte Cora schon gestern zu mir gesagt, sie wolle unbedingt herausfinden, ob die Beiden etwas miteinander hatten oder nicht. Nun, und heute saß sie neben ihm und zwinkerte mir zu. Sie versuchte mir lautlos etwas zu sagen, aber ich konnte nicht verstehen, hatten sie nun oder nicht. Na ja, ich werde es sicherlich noch zuhören bekommen. Jedenfalls sah Cora heute morgen ganz frisch aus, und dies, obwohl sie meinte, sie hätte kaum ein Auge in der Nacht zu getan.

Ich war jetzt gerade noch mal unten und habe eine Zigarette geraucht.

Neben mir saß Simone, wir haben festgestellt, dass auch sie gleich um 11 Uhr Wassergymnastik hat. Ich habe ihr von meinem Traum der letzten Nacht erzählt und dabei erinnerte ich mich noch an eine weitere Episode. Ich habe nämlich auch noch geträumt, ich hätte vermutlich einen Hautkrebs auf meiner Schulter. Meine drei Muttermale waren vergrößert und die Haut drum herum stark gerötet. Außerdem hatte ich noch einen dunklen, handtellergroßen Fleck auf dem Schulterblatt. Da meinte sie, meine Träume wären ziemlich bedrohlich, aber auch sie würde hier in der Kur sehr lebhaft träumen. Dann kam Cora noch mal und ich konnte sie endlich fragen, was denn nun mit diesem Heiko gestern war. Und tatsächlich, sie hatte alles aus ihm herausbekommen.
Er hat tatsächlich mit dieser Frau etwas angefangen, obwohl er eine Frau und einen kleinen Sohn zu Hause hat. Er war wegen der Sache sehr durcheinander und hatte deshalb die Nacht nicht in den Schlaf gefunden. Cora hat ihm geraten, die Finger von der Frau zu lassen, sie meinte zu ihm: „Glaube mir, ich kenne mich da aus, die Frau ist sexsüchtig.“ Außerdem hat sie ihm gesagt, ich sei ihr Engel und eine Schriftstellerin. Nun ja, beides stimmt nicht so ganz, aber es freut mich, wenn ich ihr gut tue.

Gerade hat mich Mansur angerufen

und mir nachträglich zum Geburtstag gratuliert.

Er meinte, er hätte am 27. den ganzen Tag an mich gedacht, aber er sei so in Anspruch genommen durch seine große Baustelle, da hätte er es nicht geschafft sich zu melden. Sein Haus bekommt heute sein Grasdach und der Anbau, in den er einziehen möchte wird wunderschön. Die großen Fenster im zukünftigen Schlafzimmer seien schon drin und so langsam könnten sich auch die Anderen vorstellen wie es mal werden wird. Ich vertraue Mansurs gestalterischen Fähigkeiten sehr und ich bin sicher, das Haus wird wunderbar. Er meinte, eigentlich wollte er es gleich wieder verkaufen, doch damit hätte er jetzt Probleme, denn es würde einfach zu schön und er wolle es nicht abgeben. Nun, ich habe ihm gesagt, warte 1-2 Jahre, dann hast Du vielleicht etwas noch Schöneres gebaut und dann fällt es Dir leichter das Haus zu verkaufen. Dann hat er mich nach meinem schönen Hintern gefragt,dass tut er immer. Er möchte, dass ich ihn bald mal wieder besuchen kommen und ich denke, ich werde es auch tun. Mir klingelt es einfach noch zu sehr im Ohr: „Such Dir dafür jemand anderen!“ Warum eigentlich auch nicht? Für meine Liebe zu Wolfgang ist Mansur keine Gefahr. Für mich ist Mansur ein guter Freund aber kein Prinz mehr. Ein Freund, der Spaß daran hat mit mir Spaß zu haben. So sieht es aus.

Ich muss dabei an mein Studium denken und an das große Projekt,

welches ich gemeinsam mit Mansur durchgezogen habe.

Soll ich Ihnen davon etwas mehr erzählen?

Es ist eine längere Geschichte.

Sie begann im

Taxi.

Ich stand wie immer mit meinem Auto am Flughafen und wartete auf Fahrgäste.

Als ich dann endlich an der Reihe war, stiegen zwei Männer bei mir ein. Einer setzte sich auf den Beifahrersitz und wir kamen ins Gespräch. Er fragte mich, was ich den sonst so machen würde, denn ich sähe gar nicht wie eine typische Taxifahrerin aus.

Da erzählte ich ihm von meinem Objekt-Design-Studium.

Er fragte genauer nach und nach einer Weile meinte er, ich solle jetzt wirklich nicht denken, er wolle mich verschaukeln, aber er würde sich gerne noch einmal genauer mit mir unterhalten. Er hätte vielleicht einen Job für mich. Er gab mir seine Visitenkarte und betonte noch einmal: „Melden Sie sich bei mir, es könnte für uns alle ganz wichtig sein.“ Dann stiegen die Beiden aus und ich wusste nicht recht was ich denken sollte.
Zu Hause schaute ich mir die Visitenkarte noch mal genau an und überlegte, was ich damit nun machen sollte. War diese Begegnung ein Wink mit dem Zaunpfahl? Ich überprüfte die angegebene Adresse und tatsächlich, die Firma GFS existierte. Sie war in Düsseldorf und alles in allem machte die Sache einen realen Eindruck. Ich zeigte Mansur die Karte und fragte ihn, ob er mit mir zusammen dort hingehen würde. Alleine war mir das Ganze irgendwie zu heikel. Mansur war zunächst etwas skeptisch aber er sagte zu, mich zu begleiten. Also rief ich dort an und machte einen Termin.

An einem Dienstag fuhren wir also gemeinsam nach

Düsseldorf zu der angegebenen

Adresse.

Das Büro befand sich in einem Hinterhof

und es schien, als sei man erst gerade hier eingezogen.

Zum Teil wurde sogar noch renoviert.Wir wurden nett begrüßt, ein Kaffee wurde uns angeboten und dann ging es auch schon los. Hinter dem Kürzel GFS steckte ein Unternehmen, dass sich um die Vermarktung guter Ideen kümmerte. Und jetzt hatte man einen neuen Auftrag angenommen. Ein Musiker aus München hatte ein Musical geschrieben und wollte damit groß heraus kommen. Das Musical hieß Quasimodo, die bekannte Geschichte von dem Buckligen und einer schönen Frau. Für dieses Musical sollte ich nun ein Foyer entwerfen. Bauliche Vorgaben gab es keine, denn man hatte vor ein eigenes Musicalgebäude zu bauen. Wichtig für die Vermarktung der Idee und die Suche nach Geldgebern waren erst mal nur ein paar gute Bilder. Und ich wurde gefragt, ob ich die entwerfen könne. Das war natürlich genau die richtige Aufgabe für mich und da ich sowieso nach einem Projekt für mein Hauptstudium suchte, sagte ich, ich wolle es mir ernsthaft überlegen. Wir verabschiedeten uns freundlich und gingen zurück zu  Mansurs Auto. Mein Magen zitterte vor innerer Unruhe und auch Mansur war sehr nachdenklich. Was sollte man davon halten? War das seriös? Was war dieser Mann, ein gewisse Herr Teller, für ein Typ? Die Firma machte nicht gerade den seriösesten Eindruck, andererseits, die Aufgabe war nicht uninteressant. Ich fragte mich, was mir mein Bauch nur die ganze Zeit mitteilen wollte, denn das Zittern wurde immer stärker.

Ich sprach mit meinem Professor Dohr über dieses Projektangebot.

Es sollte auch nicht für umsonst sein, und die GFS wollte gerne dieses Projekt auch offiziell mit der Fachhochschule vertraglich untermauern. Professor Dohr meinte, so ein Angebot sei zwar eine große Überraschung, aber es hatte schon öfter solche Zusammenarbeiten mit Unternehmen gegeben. Ich rief daraufhin bei der GFS an und sagte zu. Ich wollte mir Gedanken zu den Foyer machen und dann noch mal zu einem tiefergehenden Gespräch vorbeikommen. Mein einzige Bedingung war jedoch, Mansur sollte dabei mitmachen. Man war zwar nicht gerade übermäßig begeistert darüber, aber es wurde akzeptiert.

Wir fuhren also ein paar Tage später wieder

dort hin um genaueres über das Musical zu erfahren.

In diesem Gespräch wurde klar, die Sache war noch ganz am Anfang und unausgegoren. Jetzt hieß es nämlich, wir sollten gleich das ganze Musicalgebäude entwerfen. Außerdem sei an ein, das Musicalgebäude umgebendes Freizeit- und Erlebniszentrum angedacht. Die Sache wurde also ganz schnell immergrößer und ich begann Feuer und Flamme dafür zu werden.

Neben dem Musical sollte es ein Hotel und eine Saunalandschaft für 1500 Gäste entstehen, sowie ein kleines Dorf mit Geschäften und einer großen überdachten Passage, ebenfalls mit Geschäften und Gastronomie. Ein Kinderhaus und eine Jugendherberge sollte ebenfalls vorhanden sein. Wir entwickelten in diesem Gespräch immer mehr Ideen und es wurde schnell klar, dieser Herr Teller und ich, wir harmonierten einfach wunderbar. Wir inspirierten uns gegenseitig und irgendwann war klar, diese Sache sollte ein ganz großes Ding werden. Ich sollte die Zeichnungen machen, Mansur sollte ein passendes Modell davon bauen und Herr Teller würde sich um die Investoren kümmern. Er wollte für den Bau dieses riesigen Komplexes eine eigene Fabrik kaufen, eine die ganz spezielle, ökologisch wertvolle Baumaterialien herstellte.

Er war sogar schon in entsprechenden Verhandlungen. Ich war nach diesen Gespräch einfach nur noch am sprudeln, ich war absolut infiziert. Mansur war da schon erheblich gedämpfter, er fand das Ganze ginge irgendwie zu schnell und wirke gar nicht professionell. Er hatte sich die Planung und Entwicklung eines solch großen Bauvorhabens bestimmt nicht in so einer Hinterhofgesellschaft vorgestellt. Aber ich war nicht mehr zu bremsen, ich wollte am Liebsten gleich an mein Zeichenbrett und loslegen. Doch vorher sollte es erst noch zu einem Gespräch mit dem Komponisten kommen. Er hieß Killinger und war ein sehr sympathischer, ebenfalls sehr inspirierender Mann. Er erzählte uns, wie es hinter den Kulissen eines Theaters aussah, welche Räumlichkeiten man brauchte und woran ich bei meinem Entwurf alles denken sollte, damit das Haus den Künstlern optimale Bedingungen für ihre anstrengende Arbeit bieten konnte.

So, ich habe jetzt gerade erst mal einen Kaffee trinken müssen,

denn ich habe ein sehr schönes, langes Telefonat mit meinem Sohn geführt.

Er rief gerade an, als ich mich mit meinem Kaffee an den Schreibtisch gesetzt hatte. Und was soll ich sagen, wir hatten ein wirklich gutes und ehrliches Gespräch miteinander, so offen wie früher, vor meiner Erkrankung. Er war damals mit der Veränderung, die sich bei mir zeigte, nicht klar gekommen und auch ich wusste nicht mehr mit ihm zu reden. Doch das ist jetzt alles Schnee von Gestern, heute hat sich dieses für mich sehr traurige Blatt gewendet. Ich denke, dies ist auch für ihn ein wichtiges Gespräch gewesen.

Ich bin wirklich sehr, sehr stolz auf ihn.

Beruflich macht er gerade eine richtig schöneKarriere.

Er ist in einem Hotelkonzern als Datenbeauftragter für Europa zuständig und arbeitet eng mit der Geschäftsleitung zusammen. Er betreut die Apartmenthotels und sorgt für die Einhaltung des Datenschutzes in den Häusern. Dafür muss er auch viel herumreisen. Im August ist er in Budapest, da wird er dann auch meine Mutter, dass heißt seine Oma, besuchen gehen. Die lebt dort seit fast 2 Jahren in einem kleinen Dorf und freut sich bestimmt schon riesig ihren Liebling wiederzusehen. Felix war vor einiger Zeit auch bei einem Psychologen in Behandlung. Er hat dort eine Verhaltenstherapie gemacht. Die Eltern seiner Freundin hatten ihm dies ans Herz gelegt, denn Felix war manchmal von einer tiefen Traurigkeit erfüllt. Er wusste wohl schon sehr genau, warum, aber wie er diese Traurigkeit bewältigen konnte, dabei sollte ihm die Therapie helfen. Ich denke, das war wirklich sehr vernünftig. Ich bin auch immer zu einer Therapeutin gegangen, wenn ich mit mir und meinem Leben Probleme hatte. Da sollte man sich wirklich nicht scheuen um Hilfe zu bitten. Ich denke, ihm hat diese Therapie sehr genützt und auch beruflich wird er davon nur profitieren können. Er war im Grunde immer schon sehr aufmerksam sich und seinem Leben gegenüber. Er wollte dieses immer selbst gestalten. Er hat viel reflektiert und versucht einen guten Weg durch sein Leben zu finden. Ich habe größtes Vertrauen in ihn und ich freue mich wirklich riesig, dass es ihm heute so gut geht. Jetzt hatte er endlich auch die Ruhe sich mit uns auseinander zu setzten und ich hoffe, dass ich nun viel öfter etwas von ihm höre. Besonders freue ich mich, dass er gerne mein Buch lesen möchte. Ihn interessiert, wie ich die letzten Jahre erlebt habe und was es mit meiner Erkrankung auf sich hat. Außerdem erkennte er jetzt auch wie gut und wichtig Wolfgang für mich ist. Er rechnet es ihn hoch an, dass er für mich da ist und mir zur Seite steht. Damals, als er ihn kennen lernte, da lehnte er ihn total ab, er war der Meinung, dass dieser merkwürdige Mann nicht gut für mich sei.

Heute kann er es anders sehen.

Das finde ich natürlich

sehr schön.

Ach ich kann gar nicht alles wiedergeben, was wir besprochen haben, es war ein langes ausführliches Gespräch. Nur eines noch, mit seinem Vater hat er fast keinen Kontakt, seit Jahren schon nicht. Er hat den Eindruck, dass dieser sich nicht wirklich für ihn interessiert. Michael ruft ihn einfach nie an und fragt auch nicht wie es ihm geht, was er macht und als elterlicher Ratgeber versagt er so natürlich auch total. Siehaben sich das letzte Mal im März bei der Beerdigung von Michaels Vater getroffen und da hat Felix ihn auf seine Enttäuschung angesprochen und meinte zu ihm, irgendwann würde er sich bei ihm melden und dann müssten sie sich mal aussprechen. Nun, ich weiß, Michael ist nicht gerade konfliktfähig und wird wohl nicht den ersten Schritt dazu tun. Felix verletzt dieses Desinteresse, was ich gut nachvollziehen kann, mein Vater war für mich auch nie wirklich da. Er wohnte nur einen Ort weiter, aber mehr als einen Glückwunsch zum Geburtstag war nicht drin. Und wenn ich ihn mal besuchte, dann ging es immer nur darum, wie toll doch seine Kinder aus zweiter Ehe sind. Ich jedoch, trotz meiner schulischen Erfolge und meines Studiums, wurde nie gelobt. Der sexuelle Missbrauch hatte auch noch den letzten Rest an Liebe für mich verloren gehen lassen. Er nahm mir unglaublich übel, dass ich darüber geredet hatte und ihn damit in eine sehr unangenehme Situation gebracht hatte. Obwohl er zugleich immer behauptete, darüber könne man am Osterkaffeetisch locker reden. Von wegen, darüber haben wir nie ernsthaft gesprochen. Ich hatte ihm zwar mal gesagt, dass ich es ihm verziehen hätte, aber das war ein Fehler. Jemanden zu verzeihen, ohne dass dieser sich auch entschuldigt hat, das funktioniert nicht.

Ich glaube ja, dass wir in gewisser Weise das Karma unserer Eltern weiterleben,

und so hat Felix wie ich mit einem schwachen Vater zu kämpfen.

Ich habe eine Mutter gehabt, die meistens

für mich und vor allen Dingen für mein Kind da war.

Insofern kann Felix die Hoffnung haben, dass wir ein halbwegs gutes Verhältnis haben werden. Die Entfremdung der letzten Jahre habe ich mit meiner Mutter auch erlebt. Sie ging mir damals unglaublich auf die Nerven und so habe auch ich mich nur selten bei ihr sehen lassen. Jetzt, als es mit Felix plötzlich so schwierig war, da habe ich daran denken müssen und meinte für mich, das ist die Retourkutsche, jetzt erlebe ich den selben Schmerz, den ich meiner Mutter zugemutet habe. Aber wir fanden gerade durch Felix wieder zusammen und bei aller Kritik, die ich an ihr habe, sie ist meine Mutter und ich habe sie lieb. Ich wünsche ihr das Allerbeste und vor allen Dingen, dass sie die guten Dinge auch erkennen und über die Sachen, die ihr nicht gefallen, großzügig hinwegsehen kann.
Auf jeden Fall habe ich mich riesig über diesen Anruf gefreut und die Frau in der Cafeteria, wo ich mir gleich nach dem Telefonat erst mal einen leckeren Kaffeegeholt habe, die meinte, man könne es meinem Gesicht ansehen, dass ich etwas Wichtiges und Schönes erlebt habe.

So, jetzt muss ich hinunter und mit Cora in ein Cafe hier im Ort gehen,

sie wartet bestimmt schon auf mich.

Cora war leider schon weg, sie hatte wohl nicht mehr auf mich warten wollen. Dafür bin ich aber mit diesem Heiko ins Gespräch gekommen. Ich habe ihn gefragt, was ihn in die Burg-Klinik geführt hat und da erzählte er mir, dass er unter einer Depression leiden würde. Das hat mich etwas überrascht, denn eigentlich lächelt er viel. Er meinte, dass er schon seit 2 Jahren damit zu kämpfen habe, aber immer noch nicht wisse, wieso und warum ihm seine Psyche solche Probleme bereiten würde. Beruflich sei eigentlich alles in bester Ordnung, er ist Kalkulator und berechnet die Angebote seiner Firma. Seine Vorgesetzten hätten viel Verständnis für ihn und auch mit Mobbing oder ähnlichen Dingen hätte er nichts zu tun. Er wüsste es einfach nicht zu sagen, was ihm diese Traurigkeit sagen wolle, er hätte eigentlich keinen Grund. Ich denke, hier hat er durchaus die Chance dieser Frage näher zu kommen. Die Einzelgespräche sind hier doch erheblich effektiver als es zu Hause oft möglich ist. Auch die Therapien können einen in diesen Fragen weiterbringen, zum Beispiel die Tanztherapie. Ich habe von Frauen gehört, die dabei in Tränen ausgebrochen sind und ganz starke Erfahrungen gemacht haben. Ich bin ja mal gespannt, worauf er ansprechen wird und wie weit er am Ende der Kur mit seiner Frage nach dem Warum sein wird. Ich habe ihm von Wolfgang erzählt und meinte, er hätte nicht gemerkt, dass er beruflich nicht an der richtigen Stelle war und erst durch die Psychose sei er dahin gekommen zu kündigen. Nach der verrückten Zeit habe er völlig neu beginnen müssen aber irgendwann sei er genau da gelandet, wo das Schicksal ihn haben wollte. Er hatte die Anzeige zwar schon damals gelesen, er hatte sie sich sogar ausgeschnitten, aber am Ende hatte er sich nicht beworben.
Doch nach seiner Depression sei ihm plötzlich genau dieser Job wieder angeboten worden und da war er dann auch persönlich soweit, diese Arbeit tatsächlich anzunehmen. Das Unterbewusstsein sorgt, meiner Meinung nach, durch solche Lebensumbrüche, wie Depressionen und Psychosen dafür, dass man am Ende genau da landet, wo man hingehört. Ich bin ja mal gespannt wo es mich hinbringen wird.

Werde ich vielleicht Ergotherapeutin? Oder was könnte es noch sein?

Mache ich mit der Kunst weiter oder werde ich Schriftstellerin, wie Cora ja schon so schön gesagthat? Mal sehen, ich bin jedenfalls offen für das, was da auch kommen mag. So jetzt gibt es Abendessen, ich melde mich später noch mal und dann erzähle ich wie es mit dem Musical weiter ging.
Also das Musical Quasimodo. Killinger kam um mit uns zu reden und ich machte mir eine erste Vorstellung davon, welche Ziele ich mit meinem Entwurf erreichen musste. Ich hatte mir immer, als junges Mädchen schon, abends die Zeit vor dem Einschlafen vertrieben, indem ich mir irgendwelche Gebäude ausgedacht und eingerichtet hatte.

Dadurch hatte sich bei mir ein gutes, räumliches Vorstellungsvermögen

entwickelt, welches ich nun nutzen konnte.

Und so dauerte es auch nicht lange und mein Entwurf für eine große Musicalhall war fertig. Ich hatte mich bei der die Anmutung des Gebäudes an die Gothik angelehnt und bei den Räumlichkeiten hinter den Kulissen hatte ich mich bemüht alle Wünsche des Komponisten zu erfüllen. Ich konnte im Geiste das Leben in diesem Gebäude sichtbar werden lassen und ich war überzeugt, dieser Entwurf war mir wirklich sehr gelungen.

Gerade von vorne sah das Foyer mit seinen

„gotischen“ Säulen wirklich imponierend aus.

Auch mein Professor war sehr angetan und so flogen wir bald schon auf Kosten der GFS nach München um den Entwurf Herrn Killinger zu präsentieren. Außerdem sollten wir auch einige Leute von der Stadt Erding aufsuchen und uns das mögliche Baugelände zeigen lassen. Auf dem vorgesehenen Grundstück von 50 000 qm direkt neben der Stadt Erding sollte das Freizeit- und Erlebniszentrum entstehen. Es gab dort auch heiße Quellen, die wir für das große Saunabad nutzen wollten. Der Mann von der Stadt fragte uns, wie ernsthaft das Bauvorhaben denn tatsächlich sei, denn es hätte schon häufiger Anfragen gegeben, aber nie sei am Ende etwas daraus geworden. Wir konnten ihm darauf natürlich auch keine eindeutige Antwort geben, nur, dass wir selbst es zumindest wirklich ernst meinen würden.
Die Präsentation bei Herrn Killinger fand in dessen Privathaus statt. Ich erläuterte meine Zeichnungen und als ihm klar wurde, dass ich alle seine Wünsche erfüllt hatte, da war er wirklich sehr zufrieden. Er bot uns das Du an, aber leider habe ich seinen Vornamen vergessen. Ich werde also bei seinem Nachnamen bleiben müssen und nenne ihn einfach Killinger. Er setzte wie wir große Hoffnungen in die GFS und HerrnTeller. Für ihn wäre die Realisierung dieser Musicalhall ein großer Durchbruch, so wie für uns natürlich auch.
Nach der Reise nach München machte ich mich daran die anderen Gebäudekomplexe zu entwerfen. Zunächst kam die mit hohen gotischen Bögen gestaltete Markthalle dran, daran schlossen sich das 4-Sterne-Hotel, die Herberge und das Kinderhaus an.
Dann plante ich das Saunabad. Ich orientierte mich an klassischer, römischer Architektur und ich muss sagen, bisher habe ich noch kein schöneres Saunabad entdeckt. Um uns dafür Anregungen zu holen besuchten Mansur und ich einige der größten Badelandschaften in unserer Umgebung, aber am Ende fand ich meinen Entwurf einfach viel konsequenter und auch ansprechender.

Mansur entwarf die Bögen für den Eingang und er überarbeitete auch die Säulen

des Musicalgebäudes, und ich muss sagen, er hat die

richtige Lösung gefunden.

CIMG7563Die Gotin Teil 1CIMG6348

Jetzt waren sie schlank, schön, gotisch und trotzdem sehr modern.

Außerdem beschäftigte er sich mit dem Modell. Er baute es überwiegend aus MDF, welches im Anschluss hellgrau lackiert wurde. Da er gelernter Tischler war wurde das Modell wirklich sehr schön. Es war riesig. Dann wollte Herr Teller aber auch noch ein Freizeitbad und eine Technikhall. Das Freizeitbad sah aus wie eine riesige Muschel, das Dach sollte dabei aus einem Industrietextil bestehen. Das große Thema dieser Anlage war die Unterwasserlandschaft, mit Grotten und Lagunen, Wasserfällen, Restaurants und Liegewiesen. Ich fand gerade die wasserführenden Höhlen super, ich stellte mir vor, dass an den Wänden eingelassene Aquarien das entsprechende Unterwasserfeeling erschaffen würden, dass es einen gigantischen Wasserfall in der Lagune geben würde, dass in dem großen Freizeitbecken riesige, aufblasbare Inseln schwimmen würden und überhaupt alles ganz einfach nur wunderbar würde, so wie ich es geplant hatte.

Die Technikhall sollte eine Präsentationshalle für Autos,

Computertechnik, Umwelttechnik und

ähnlichem werden.

Sie hatte in meinem Entwurf die Form eines

riesigen Diamanten, der in ein Schmuckstück eingefasst war.

All diese Gebäude sollten in einer schönen Parklandschaft ober- wie unterirdisch zu erreichen sein. Ich muss wirklich sagen , ich habe mich in mein Zentrum total verliebt. Ich bin eigentlich gar kein großer Freund von solchen künstlichen Welten, meistens machen sie bei näherem Hinsehen einen billigen Eindruck, schnell hochgezogen um Kasse zumachen. Bei meinem Entwurf achtete ich jedoch ganz besonders darauf, dass dieses Monstrum auch in die romanische Architektur Bayerns passte. Man muss die Entwürfe sehen und auch das Modell auf sich wirken lassen, dann wird auch ein Laie erkennen, dieser Entwurf eines Freizeit- und Erlebniszentrums ist wirklich sehr gelungen.
Als das Modell fertig war schafften wir es zu Herrn Teller und dieser präsentierte es dann den verschiedensten Investoren und wir bekamen erst mal unser Geld, 5000DM und eine Einladung zu einer einwöchigen Urlaubsreise in ein Hotel nahe Insbruck.
Felix durfte mit und dort einen Skikurs machen. Alles war wunderbar, wir besichtigten auch die neue Fabrik, die Herr Teller gekauft hatte und machten uns mit dem besonderen Baumaterial und Verfahren vertraut. Wir hofften sehr darauf, dass die notwendigen Gelder für dieses Megaunternehmen zustande kamen und als wir Silvester mit Herrn Teller gemeinsam in der Hotelbar saßen, da bot er uns das Du an.

Wir tranken Brüderschaft und die Zukunft sah rosig aus.

Wir sollten ein Büro in dem Hinterhofhaus bekommen und dort an den Entwürfen mit einem Architekturbüro zusammenarbeiten. Außerdem suchte Herr Teller, der jetzt für uns Peter war, noch einen jungen Bauingenieur. Nun, ich kannte einen, meinen Cousin Jörn und so kam es, dass wir bald schon in dem neuen Büro zusammen saßen und das Glück kaum fassen konnten. Auch unsere Professoren waren jetzt ganz begeistert, so einen tollen Aufstieg ihrer Studenten hatten sie auch noch nicht oft erlebt. Die Präsentation hatte in der Fachhochschule stattgefunden und nicht wenige waren ganz schön neidisch auf unsere Erfolg. Doch so sollte es nicht Enden. Aber davon erzähle ich später, ich muss jetzt erst mal eine Rauchen gehen, denn das was jetzt kommt hat mich damals fast an die Belastbarkeitsgrenze meiner Nerven gebracht.

So, jetzt komme ich gerade von Pavillon.

Dort habe ich mit diesem Heiko und meiner Cora gesessen und sie hat uns von ihren Erfahrungen mit der Wende und überhaupt mit dem Leben in der DDR erzählt. Wie sie sich über die Westpakete zu Weihnachten gefreut hat und von ihrem Kulturschock, als sie das erste Mal zu einem Westbesuch ausreisen durfte. Ich sage es ja, ein Buch über sie und ihr Leben wäre wirklich sehr interessant. Ich habe ihr vorgeschlagen, dass ich sie irgendwann mit einem Aufnahmegerät besuchen komme und sie mir dann noch einmal in aller Ruhe alleserzählt. Ich kann mir all die vielen Kleinigkeiten sonst einfach nicht merken. Vielleicht kommt Wolfgang dann ja mit und wir verbinden diesen Besuch mit einer Reise in seine Vergangenheit. Er war nämlich mit seinen Eltern fast jedes Jahr in der DDR die Oma und später den Onkel besuchen und hat in einem dieser typischen, kleinen Dörfer seine Ferien verlebt. Ich denke, diese Reise könnte ihn interessieren.
Normalerweise fahren wir ja nicht zusammen irgendwo hin, das ist uns viel zu teuer, aber in die EX-DDR, das wäre schon etwas, was wir mal machen könnten.

Landschaftlich ist es hier sehr schön, die Menschen sind freundlich

und wenn am Ende ein gutes Buch dabei herauskommt,

dann war es eine sehr gute Idee.

Nichts ungewöhnliches in Thailand

Bild zu ZielerCIMG5740

Schlangen sind in Thailand keine Seltenheit. Doch ein vier

Meter langer Python vor dem Getränkeregal im Super/

markt? Das sieht man auch dort nicht oft…

Aber wir waren ja bei dem Musical.

Wie schon gesagt, wir arbeiteten nun also in einem Büro der GFS.

Über die Bezahlung hatten wir zwar geredet, aber erst mal machten wir einfach weiter wie bisher und vertrauten darauf, dass sich schon alles in unserem Interesse entwickeln würde. Allerdings sah ich irgendwann auch die Briefe, die bei dem Geschäftsführer, sein Name fällt mir jetzt nicht mehr ein, auf dem Tisch offen herum lagen. Es waren alles Schreiben von Anwälten und Gerichten. Ich war mit diesem Mann und seinen Kindern zusammen mit meinem Sohn auch einmal nach Hamburg gefahren. Dort hatten wir ein Varietetheater besucht und wir waren mit den Kindern in einem feinen Restaurant Hummer essen gegangen.

Der erste und einzige Hummer meines Lebens bisher.

Das Essen war eine absolute Geschmackserfahrung für mich.

Es war einfach nur köstlich und ich konnte nun endlich verstehen, was die Leute an diesem Hummer nur so toll fanden. Der Geschäftsführer der GFS kannte den Geschäftsführer des Lokals und so durfte ich mir die Küche genau ansehen und wir unterhielten uns anschließend lange und ausführlich über das besondere Design seines Ladens. Er hatte sich bei allem etwas gedacht und ich war durchaus beeindruckt. Heute denke ich, der Geschäftsführer der GFS hatte es ein bisschen auf mich abgesehen, aber ich weiß es nicht genau. Das Verhältnis zu der GFS war also ziemlich gut und so vertraute ich den beiden Männern. Doch dann wollte ich nun doch so langsam mal so etwas wie einen Vertrag haben und ich sprach Peter direkt darauf an. Er wich mir aus und wurde sehr unkonkret. Da leuchtete das erste Mal meine rote Warnleuchte auf. Und dann kam die Reise nach Berlin. Mansur und ich sollten uns dort mit einem Akustiker und einemFilmemacher treffen. Wir fuhren also nach Berlin und saßen bald schon mit diesem Filmemacher in dessen Lieblingskneipe.

Ein sehr uriger Laden und der Mann, auch seinen Namen habe

ich vergessen, erzählte über sich und seine Arbeit.

Bild zu Boris JohnsonAktualisiert am 01. Oktober 2018, 10:27 Uhr

Da gingen wieder meine Lampen an, denn der Mann hatte in Südafrika

Filme gemacht und die waren ganz offensichtlich etwas rassistisch angehaucht.

Wir übernachteten auch bei ihm in der großen Wohnung und Mansur und ich fühlten uns irgendwie gar nicht gut dabei. Ich denke, wenn Mansur nicht dabei gewesen wäre, ich hätte den Typen nachts an meinem Bett sitzen gehabt. Am nächsten Tag ging es zu dem Akustiker in eine Art Studio. Es lag außerhalb und es gehörte auch ein Restaurant dazu. Dort saßen wir und wurden von zwei Leuten bedient. Die kamen mir und Mansur total verängstigt und irgendwie komisch vor. Bald schon hatte ich den Eindruck, diese Leute sind fast so etwas wie Sklaven. Uns wurde dieser ganze Tag total unheimlich. Das Gespräch mit dem Akustiker wiederum war sehr professionell und interessant. Es ging vor allen Dingen darum, was wir bei dem Bau des Theaters alles bedenken mussten.

Abends riefen wir dann Killinger an und fragten ihn, was er von diesen Leuten halten würde und schnell war klar, ihm war dieser Filmemacher auch total suspekt. Er war nämlich auch Produzent von irgendwelcher Musik und wir fanden alle CDs, die er uns geschenkt hatte, ziemlich schlecht gemacht. Killinger sah das ganz genauso und wir entschieden, mit diesem Mann wollten wir nur sehr ungern zusammenarbeiten. Und so verfassten wir ein Schreiben an Peter Teller in dem wir unsere Bedenken mitteilten. Nun, damit waren wir dann wohl etwas zu weit gegangen und wir bekamen umgehend die Kündigung per Fax.

Das, so dachte ich, das durfte doch wohl nicht wahr sein und ich versuchte Peter

telefonisch zu erreichen. Aber ich kam nicht durch zu ihm.

Es herrschte absolute Funkstille zwischen uns.

Da begann mein großes Leiden.

Ich konnte an nichts anderes mehr denken, in meinen Gedanken führte

ich ständig Gespräche mit diesem Peter, ich tat nachts kaum noch ein Auge zu.

Es war wirklich total schrecklich für mich. Mansur nahm das Ganze nicht so schwer, nur dass die GFS jetzt unser Modell hatte, das machte ihm Sorgen, denn dieses wollte man uns nicht zurückgeben. So ging das zwei Wochen lang. Dann endlich erreichte ich Peter in einem Hotel in Österreich. Das Gespräch war nicht lang, er erklärte mir seine Entscheidung nicht, sondern sagte nur, als ich von Vertrauensprach: „Jetzt weißt Du, dass Du nur Dir selbst vertrauen kannst.“ Ich war total enttäuscht, denn gerade unsere inspirierende Zusammenarbeit war für mich wirklich sehr wichtig geworden. Unsere Fantasie bekam zusammen einfach große Flügel. Doch nun war alles vorbei und aus meinem tollen Projekt wurde ein totaler Reinfall.
Wir erkämpften uns zwar unser Modell zurück, aber Geld für die Zeit unserer Arbeit sahen wir natürlich nicht. Wir gingen deshalb zu einem Anwalt.

Er hieß Auler und war spezialisiert auf Designrecht und so freundlich für einen

relativ geringen Betrag unsere Rechte bei Gericht zu vertreten.

Doch darauf komme ich später noch mal zurück.

Zunächst ging es jetzt erst mal um mich.

Mir ging es nämlich gar nicht gut.

Ich hing so sehr an meinem Musical-Projekt, ich wollte

mir einfach nicht von einem Teller oder Dauser, jetzt fällt mir der

Name des Geschäftsführers auch wieder ein, mein Projekt kaputt machen lassen.

Ich wollte unbedingt weiter daran arbeiten und so überredete ich Mansur das Musicaltheater weiterzuentwickeln. Ich wollte, dass wir ein Modell 1:100 bauten. Mit Beleuchtung und Innenausstattung so weit das möglich war. Ich muss sagen, nur aus Liebe zu mir sagte er Ja. Er hätte lieber die ganze Sache vergessen und abgehakt, ich aber wollte auf jeden Fall und unbedingt weitermachen. Und so bauten wir in den nächsten 5 Monaten ein riesiges Theatermodell aus MDF. Ich habe es immer noch, denn es wurde einfach wunderschön. Natürlich verdanke ich dieses Modell den handwerklichen Fähigkeiten von Mansur, aber auch ich verbrachte viel Zeit in der Werkstatt und tupfte beispielsweise die Farbe an die Wände.

Am Ende hatten wir ein wundervolles Objekt erschaffen und zusammen mit meinem

schriftlichen Konzept sowie den vielen Zeichnungen machten wir dann

fast alle anstehenden Prüfungen des Hauptstudiums.

„Revolution Chemnitz“

Aktualisiert am 01. Oktober 2018, 13:54 Uhr

Killinger kam zu der großen Präsentation

und war ebenfalls wie viele Andere ziemlich beeindruckt.

Unser Theater war einfach toll. Ich hatte auch ein Bühnenbild erschaffen und unter den Sitzreihen leuchteten viele kleine Lämpchen aus Glasfaser und ließen den Reatsurantbereich erstrahlen. Auch im Hinterhaus leuchten die vielen langen, schmalen Fenster, vor dem Haus standen kleine Matchboxautos und hinter den Fenstern konnte man die Menschen über die vielen Treppen flanieren sehen. Wir machten super Fotos und ein Mitarbeiter der Fotoabteilung drehte einen Film aus derHubschrauberperspektive. Das Ding war einfach wunderschön geworden und immerhin Mansur und ich bekamen in fast allen Fächern unsere Eins. Nur in Fotografie bekam ich eine 2+, denn dort hatte ich eine Aufgabe, sie gehörte nicht zu dem Musical sondern war eine Pflichtaufgabe, nicht wirklich gut gelöst. Ansonsten konnten wir sehr zufrieden sein, jetzt fehlte nur noch die Diplomarbeit und wir waren mit unserem Studium fertig.
Die ganze Geschichte ist hiermit jetzt noch nicht erzählt, aber es ist jetzt schon halb Zwölf und morgen ist ja auch noch ein Tag. Ich habe mich morgen zwar auch noch für die Wanderung angemeldet, aber abends ist ja meistens genug Zeit, dann erzähle ich von meinem Versagen bei der Verhandlung.

Jetzt gehe ich ins Bett und lese noch etwas in meinem

Schätzing, den kriege ich hier

sonst nie aus.

Cheyenne Savannah Ochsenknecht, Celina Jada Kerr, Pia Riegel, Toni Dreher-Adenuga, Taynara Wolf

Also, bis morgen

monalisatv