„HU(h)R..RA(h)..HURRA“ (2012)

Frank Rosin, Autounfall

Aktualisiert am 22. November 2016, 22:02 Uhr

Frank Rosin: Krankenhaus nach Autounfall

Schock bei Frank Rosin: Der „Rosins Restaurant“-Chef war am Dienstag auf der A 31 bei Gladbeck in einen Autounfall involviert und musste ins Krankenhaus. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung musste Rosin bremsen, woraufhin ihn zwei weitere Wagen ins Auto prallten. Auf Facebook berichtet der Koch seinen Fans von dem Unfall, gibt aber zeitgleich Entwarnung. Ihm ist nichts passiert.

Direkt darunter schreiben die Fans, er möge doch bitte

den Helfern ein Dankeschön-Menü kochen. (abi)

(Anm. d. AUTORIN: Und ich bitte eventuelle

Rechtschreib-/Tippfehler zu entschuldigen)

Kirchensteuer

Die Geschichte:

Zwei Männer sitzen bei einem Becher

Pfefferminztee am Feuer eines alten Hauses.

Der alte Mann ist ein Schreiber und er heißt Echilar, sein Schüler ist noch recht jung und heißt Joso. Joso möchte sich bei seinem Lehrer verabschieden, da er zusammen mit den anderen Schreibern dem neuen Pharao in die alte Hauptstadt Theben folgen möchte. Die Zeit unter Echnaton ist glücklicher Weise endlich vorbei und alle hoffen, dass diese schreckliche Ära wirklich für immer zu Ende ist, und die alten Götter wieder wie früher verehrt werden dürfen. Joso und seine Familie hatten immer schon den alten Staatsgott Amun und die Göttin Isis verehrt, auch unter Echnaton. Da allerdings nur ganz heimlich, denn Echnaton duldete keinen anderen Gott als seinen Aton.

Der alte Schreiber versucht nicht Echnatons schlimme Taten während seiner Regentschaft zu verteidigen, aber er ist wie Echnaton auch ein Anhänger Atons. Er will darum auch nicht mit zurück nach Theben, er will in Achet-Aton bleiben und bald sterben. Sein Schüler versucht ihn umzustimmen, aber der alte Mann sagt: „Mache Dir keine Sorgen, ich weiß, der Tod ist nicht das Ende für mich, sondern erst der Anfang einer großartigen Reise.

Und dann entschließt er sich seinem Schüler

eine absolut verrückte Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte von Satan, Monalisa

und dem lieben Gott.

*

Königin Teje lebte mit ihrem Sohn auf ihrem Landgut, weit weg von der Hauptstadt Theben. Sie wollte ihren Sohn damit vor den Gefahren bewahren, die für jeden Anwärter auf den Thron des Pharao bestanden. Ihr Sohn wuchs daher in der Ruhe und relativen Bescheidenheit des Landlebens auf. Echnaton, der damals noch wie sein Vater Amenophis hieß, interessierte sich jedoch weder für die Jagd noch für die beliebten Kampfspiele, er war ehr ein Bücherwurm und so machte er die Bekanntschaft mit einem der jüngeren Schreiber seiner Mutter, Echilar. Sie wurden schnell gute Freunde. Amenophis, also Echnaton, versuchte sich in seinen ersten Gedichten und Echilar war meistens der Erste, dem er seine Gedichte vorlas. An einem sonnigen Tag, sie saßen wie so oft in dem ruhigsten Teil des großen Gartens, wollte Echnaton mal wieder sein neuestes Werk seinem Freund vorlesen, da beginnt die phantastische Geschichte. Denn, plötzlich sahen Beide ein grelles Licht vor ihnen aufscheinen und zwei Männer traten daraus hervor. Sie waren sehr ungewöhnlich gekleidet, aber sie verneigten sich höflich. Echnaton und Echilar waren zunächst sehr erschrocken, doch es zeigte sich, die beiden Männer sprachen ihre Sprache, wenn auch mit einem unbekannten Akzent und sie baten höflich um Audienz. Echnaton und Echilar verloren daraufhin ihre Furcht und Echnaton lud die beiden Männer, die er irgendwie für Götter hielt, ein, sich zu ihnen zu setzen.

Doch was die Beiden dann zu erzählen hatten,

das war einfach unglaublich.

Justin Bieber

Jetzt ist er ein „Sohn Gottes“

Der ältere der Beiden hieß Thomas und der jüngere Michael.

Sie erklärten, sie kämen aus der Zukunft, aus einer Zeit 3800 Jahre nach ihrer Zeit. Sie waren mit einem Schiff unterwegs, dass durch das Weltall und in der Zeit reisen konnte und nun wollten sie verschiedene großen Persönlichkeiten der Geschichte besuchen und sie erklärten Echnaton, dass auch er einmal zu einer der ganz wichtigen Menschen zählen würde, die die Welt maßgeblich beeinflussen würden. Sie wollten ihn einfach nur mal kennen lernen und ihm auch, wenn er interessiert wäre, ihr Raumschiff zeigen. Echnaton und Echilar waren sehr erstaunt und konnten die Geschichte kaum glauben, aber ihre Neugierde siegte und so gingen sie mit den beiden Männern durch das Licht, welches plötzlich wieder auf der Wiese aufstrahlte. Die Männer hatten versprochen, sie zur gleichen Zeit wieder in den Garten zurück zu bringen, auch wenn ihr Aufenthalt auf dem Raumschiff vielleicht etwas länger dauern würde.

Im Licht eingetaucht, kribbelte es etwas unter ihrer Haut, doch ehe sie sich versahen, waren sie an einem für sie völlig befremdlichen Ort angekommen und sie brauchten eine Weile, bis sie die Dinge um sich herum richtig verstehen und einordnen konnten. Es gab zum Beispiel keine Türsteher, die die Türen öffneten, sondern sie öffneten und schlossen sich von Geisterhand. Die Wände des Ganges, durch den sie gingen, waren überwiegend weiß und der Boden war mit einem durchgehenden, hellgrauen Teppich belegt. Überall gab es geschlossene Türen. Dann kamen sie in einen größeren Raum mit Tischen und gepolsterten Sesseln, hier wurden sie vom Kapitän des Schiffes empfangen. Er hieß Reinhard Keller, doch er bot ihnen gleich an, ihn auch beim Vornamen zu nennen, denn so sei es bei ihnen üblich.

Echnaton und Echilar wurde etwas zu Trinken angeboten und nach ein paar erklärenden Worten wurden ihnen das Herz des Raumschiffs gezeigt, die sogenannte Kommandozentrale. Hier blinkte und leuchtete es überall und ihnen wurde ein Teil der Mannschaft vorgestellt. Richard der erste Offizier, Johannes und Josefine, beide waren für die Zeitreisen zuständig, ein Mann namens Klaus hatte die Technik im Visier und viele andere, deren Namen sich Echilar so schnell gar nicht alle merken konnte. Er hatte leider sein Schreibzeug nicht mitgenommen und so würde er sich alles einfach so merken müssen,

…denn, Papyrus und Feder

hatte man auf dem Raumschiff nicht.

Ryan Dorsey, Naya Rivera, Scheidung

Dann wurden ihnen zwei weitere

Gäste des Raumschiffes vorgestellt.

Der eine war ein Mann namens Leonardo da Vinchi. Er war einer der größten Erfinder und Wissenschaftler seiner Zeit und außerdem ein begnadeter Maler, und noch ein gewisser Einstein. Beide waren sie jedoch, zumindest in den Augen der jungen Ägypter, schon ziemlich alt, und tatsächlich, sie hatten ihre Zeit auf der Erde so gut wie hinter sich, wie sie erklärten und sie wollten oder sollten mit dem Raumschiff in die Zukunft reisen um zu sehen, was aus ihren Errungenschaften einmal werden würde. Aber Beide kannten Echnaton und sie versicherten ihm, er würde einmal eine große Berühmtheit werden, kaum ein Pharao würde jemals so bekannt wie er. Echnaton war geschmeichelt, doch Echilar flüsterte er zu, dass er sich dies eigentlich kaum vorstellen könne, denn er sei weder ein großer Kämpfer noch würde er Pyramiden bauen, wenn er einmal an der Macht sein würde. Einstein konnte ihm allerdings ein Gedicht vortragen, welches Echanton einmal in den entscheidenden Kreisen bekannt machen würde.

Ein Gedicht über den Gott Aton:

Schön ist Dein Erscheinen im Lichtort des Himmels,

Du lebender Aton, der von Anbeginn lebte!

Dein leuchtendes Aufgehen im östlichen Lichtort

Erfüllet alle Lande mit Deiner Schönheit;

Du bist gütig und groß, glanzvoll und hoch über den Landen,

Deine Strahlen umfassen die Länder bis zum Rand Deiner Schöpfung! ….“

Echanton und Echilar wurden gefragt, ob sie mit auf eine Reise in die Zukunft kommen wollten und da man ihnen noch einmal versicherte, sie würden spätestens zur Abendessenszeit wieder zurück in ihrem Garten sein, zeigten sie sich einverstanden, denn sie waren von all dem Erlebten völlig beeindruckt. Sie ließen sich alles zeigen und auch ganz genau erklären, doch wirklich verstanden sie das Gesagte nicht. Es gab einfach zu viele Worte, für die es keine Entsprechung in ihrer Sprache gab. Den anderen Gästen ging es irgendwie ganz ähnlich. Überraschender Weise verstanden sie sich jedoch untereinander alle sehr gut. Der Kapitän erklärte den erstaunten Ägyptern, dass sie innerhalb des Raumschiffes durch das sogenannte Torsionssfeld in der Lage waren, in einer universalen Sprache zu reden. Mit einem gewissen Lächeln im Gesicht meinte er: „Es ist wohl die Sprache der Götter.“ Und Echnaton fühlte sich in seinem Eindruck bestätigt, mit diesen Reisenden, wohl tatsächlich den Göttern begegnet zu sein.

Es wurde ein kleines Willkommensmahl aufgetischt und sie probierten die unterschiedlichsten Speisen und Getränke. Es gab Brot, Wein und Käse, Obst, Gemüse und etwas das aussah wie Fleisch, doch der Kapitän erklärte ihnen, dies sei molekulare Küche, wenn man interessiert sei, dann würde er seinen Gästen durchaus auch einmal den Koch vorstellen, doch nun sollten sie lieber erst mal genießen und sich entspannt unterhalten, sie würden jetzt gleich losfahren und in eine für alle unbekannte Zukunft reisen. Einzig Einstein würde wahrscheinlich so einiges wiedererkennen, doch für alle anderen wäre sicherlich Vieles sehr erstaunlich.

Der Kapitän erklärte, sie würden ca. 3400 Jahre in die

Zukunft reisen, in eine Stadt namens Düsseldorf.

Bayer Leverkusen, ZSKA Moskau

Einstein hielt diese ganze Fahrt immer noch für einen seiner verrückten Träume, denn, er wollte einfach nicht glauben, dass man tatsächlich schneller als das Licht unterwegs sein konnte. Schon mal gar nicht in einem solchen Raumschiff, und auch die Sache mit der universellen Sprache fand er sehr mysteriös um nicht zu sagen traumhaft. Er zwickte sich daher immer wieder in seinem Arm, doch er erwachte nicht in seinem Bett sondern er war nun schon seit Tagen in diesem UFO gefangen. Er hatte nämlich als Einziger nicht mit gewollt. Er hatte die beiden Reisenden, die sich Thomas und Michael nannten, für ausgefuchste Spinner gehalten, die sich mit ihm einen Spaß machen wollten. Er hatte sie sogar mit einem Stock vertreiben wollen, doch die Beiden nahmen ihn einfach unter ihre Arme und drückten auf ein Knöpfchen eines kleinen Gerätes, dass sie bei sich führten, und schon war da dieses Licht, das leichte Kribbeln und er befand sich in diesem Raumschiff. Seit dem glaubte er einfach nur noch zu träumen.

Sie flogen angeblich in mehrfacher Lichtgeschwindigkeit und dadurch in der Zeit rückwärts. Das hatte er zwar auch einmal überlegt, dass dies vielleicht möglich wäre, doch war er letztendlich zu der Überzeugung gelangt, dass dies nicht machbar ist. Aber jetzt saß er mit diesem beeindruckenden Leonardo und diesem jungen Echnaton zusammen und die Welt schien sich nicht an seine Gesetzte zu halten. Er hatte sich das alles genauestens von den beiden Crewmitgliedern, Johannes und Josefine, erklären lassen, wie das mit der Torsionsfeldimplosion funktionierte, doch war er bisher immer noch nicht überzeugt. Gleich würde er bestimmt aufwachen und seine Welt wäre wieder in Ordnung. Torsionsfelder! Davon hatte er wirklich noch nie etwas gehört. Angeblich besaß alles, was magnetisch war so ein Feld. Es sollte sich dabei um Wirbelfelder im Vakuum handeln, die ganz wunderbare Eigenschaften besaßen, und, wenn sie implodierten, überlichtschnelles Reisen ermöglichten. Wenn man die Geschwindigkeit genau berechnete, dann kam man zu einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit in der Vergangenheit an. Man konnte auch in die Zukunft reisen, dann, wenn man nahe der Lichtgeschwindigkeit unterwegs war. Das hatte er allerdings auch schon herausgefunden. Sein berühmtes Zwillingsbeispiel beschrieb diesen Zusammenhang. Doch hier sollte es angeblich auch über die Torsionsfelder funktionieren. Er hatte sich irgendwann einfach geweigert sich diesen unglaublichen Mist anzuhören und erklären zu lassen. Er wollte einfach nur noch zurück in sein Zimmer, in sein Bett. Aber der Traum hörte einfach nicht auf.

Echnaton, sein Schreiber und Leonardo, die sich gerade in einem angeregten Gespräch befanden, bezweifelten allerdings gar nichts. Sie nahmen es einfach hin,

…obwohl sie erst recht nicht nachvollziehen

konnten, wie das alles möglich war.

Chef sein zahlt sich aus

Der Kapitän, Reinhard Keller, war Einstein mit

größtmöglicher Ehrerbietung entgegengetreten,

aber Einstein verhielt sich trotzdem ziemlich verstockt.

Er hatte ihm erklärt worum es bei dieser Reise eigentlich gehen sollte und Einstein war nach dem Gespräch einfach am Boden zerstört. Angeblich sollte eine junge Frau, eine arbeitslose Physikerin eine derart bahnbrechende Erfindung machen und eine absolut verrückte Teilchenphysik formulieren, die in der darauf folgenden Zukunft zu diesem Raumschiff hier führen sollte. Man war mit ihm sogar extra in die ferne Zukunft gereist, um ihm die Auswirkungen dieser Theorie vor Augen zu führen. Man hatte ihn mitgenommen in das Jahr 2184, dem Jahr, in dem das Erste dieser Raumschiffe startete, er war sogar bei der Inbetriebnahme anwesend und einer der VVIPs des Tages gewesen, aber er hatte sich schlicht geweigert, diese Zukunft als echt zu betrachten. Irgendwer hatte ihm etwas in den Tee getan und er befand sich einfach auf einem dieser wahnsinnigen Drogen-Tripps. Anders war einfach nicht zu erklären, was er in der angeblichen Zukunft gesehen hatte. Überall rauschten kleine MiniUFOs durch die Lüfte, die Energie, für alles was mit Strom betrieben wurde, bezogen diese Menschen aus dem Vakuum, wie sie ihm erklärt hatten. Es gab schon lange keine Ölgesellschaften mehr und so gut wie alle Errungenschaften des 20. Jahrhunderts galten als absolut veraltet und unverantwortlich, denn die Welt litt immer noch an den zu hohen CO2-Werten. Das Ozonloch schloss sich zwar so langsam wieder, aber die unglaublich verantwortungslose Hinterlassenschaft des Atommülls bereitete immer noch ungeheure Probleme. Ja, an dem 20. Jahrhundert ließen die Menschen des Jahres 2184 kein gutes Haar. Ihm schob man auch die Sache mit der Atombombe in die Schuhe und es nützte gar nichts, dass er sich mit dem Hinweis auf diesen Massenmörder Hitler zu verteidigen suchte. Schließlich war die Welt auch mit konventionellen Mitteln dieses Mannes Herr geworden. Aber die vielen unschuldigen Japaner, die diese Bomben dann getötet hätten, die gingen angeblich alle auf sein Konto.

Es war also kein Wunder, dass Einstein sich alles andere

als wohl in diesem Raumschiff fühlte.

Anders war es bei Leonardo.

Das Leben eines Instagramstars

Er war mit Freuden den beiden Männern gefolgt, die sich als Thomas und Michael vorgestellt hatten. Sicherlich, auch er war zunächst etwas irritiert gewesen, aber dann hatte ihm die Idee einer Zeitreise sehr gefallen. Auch er war einer der VVIPs bei der Inbetriebnahme gewesen, aber anders als Einstein musste er sich keine Vorwürfe machen lassen. Im Gegenteil, man ging mit ihm in ein großes Museum genanntes Haus und er konnte dort seine Monalisa hängen sehen. Auch andere Bilder von ihm hingen mit vielen anderen Bildern in solchen Museen, doch seine Monalisa war auch im Jahr 2184 immer noch das berühmteste Bild der Welt. Man zeigte ihm auch einen Hubschrauber. Der stand zwar mittlerweile ebenfalls in einem Museum, aber man versicherte ihm, dieses Flugobjekt hätte als Rettungsflieger sehr vielen Menschen das Leben gerettet.

Sie meinten, er hätte sich die Grundlagen zu diesem Objekt einmal ausgedacht und darum gebührte ihm auch die Ehre, der aller erster Erfinder dieser Hubschrauber zu sein. Ja, er hatte es ja immer schon geahnt, er war seiner Zeit einfach viel zu weit voraus, aber es freute ihn doch sehr, dass er in vielen seiner Erfindungen Recht behalten sollte. Man zeigte ihm auch ein dickes, altes Buch. In dem befanden sich Abbildungen fast seines gesamten Lebenswerkes und er galt in der Zukunft als ein wahres Genie, als einer der größten Maler der Geschichte und als Begründer der Autopsie. Er fand viele seiner Körperskizzen, die er von sezierten Leichen gemacht hatte, in diesem wunderbaren Buch wieder und er freute sich. Ihm waren diese Menschen hier alle sehr sympathisch, bis auf diesen Einstein natürlich, denn der war die ganze Zeit einfach immer nur schlecht gelaunt. Er wollte das alles hier einfach nicht wahrhaben und glaubte in einem Alptraum gefangen zu sein.

Echnaton und sein Freund Echilar hingegen waren aufgeschlossene junge Leute, die so leicht nichts umhaute. Sie griffen herzhaft beim Essen zu und fragten den Kapitän Löcher in den Bauch. Echnaton interessierte sich vor allen Dingen dafür, was die Götter denn nur zu all dem sagen würden, doch an einen Gott glaubte der Kapitän nicht, und an viele Götter schon mal gar nicht. Echnaton war überrascht zu erfahren, dass in der Zukunft nur noch wenige Menschen an Götter glauben würden. Für sie war alles reine Physik. Doch davon verstand Echnaton natürlich überhaupt nichts.

Die Fahrt in die Zukunft dauerte eigentlich gar nicht lange, im Prinzip dauerte es sogar fast gar keine Zeit, denn als sie mit dem Essen fertig waren, da schauten sie aus einem der vielen kleinen Fenster und sie konnten weit unter sich die erleuchtete Welt des 20. Jahrhunderts erkennen. Überall strahlten winzige Lichter und nicht wenige bewegten sich mehr oder weniger schnell. Der Kapitän erklärte den erstaunten Ägyptern, dass im Jahre 1978 die Menschen in Autos durch die Welt fahren würden. Er versuchte es ihnen so zu erklären: „Autos sind mehr oder weniger große Streitwagen, allerdings ohne Pferde sondern mit einem Motor vorne drin.“ Doch Echnaton verstand nicht, was ein Motor sein sollte und so gab der Kapitän es auf. Es hatte einfach keinen Zweck, Echnaton und sein Schreiber müssten sich wohl einfach ihre eigenen Vorstellungen machen müssen. Da war das mit Leonardo schon erheblich einfacher, der konnte sich eine Maschine sehr gut vorstellen, auch wenn ein Auto natürlich auch für ihn etwas ganz Fantastisches war.

Kris Jenner

Fans sind in Sorge: Kanye West hat sich nach seiner Tour-Absage ins

Krankenhaus einliefern lassen, seine Ehefrau Kim Kardashian

meidet seit knapp zwei Monaten das Rampenlicht…

Michael und Thomas kamen um sich bei dem Kapitän

abzumelden, ein weiterer Gast sollte zu ihnen nach oben geholt werden.

Alle schauten jetzt aus den Fenstern und ließen sich von dieser glitzernden Welt gefangen nehmen. Nur Einstein hockte immer noch beleidigt in seinem Sessel. Der Kapitän setzte sich zu ihm und versuchte ihn zu trösten. „Einstein, bitte glauben Sie mir, nicht alles was Sie entdeckt haben ist Makulatur. Ihre Relativitätstheorie ist auch in der Zukunft noch ungeheuer wichtig und was sie über die Energie sagten, ist auch nicht falsch. Und bitte verzeihen Sie die Vorwürfe wegen der Atombombe, die Menschen unserer Zeit wissen meistens nicht viel mehr über ihre Zeit. Doch ich weiß, Sie haben es nur gut gemeint mit ihrem Brief damals an den amerikanischen Präsidenten, wie hieß er doch gleich? Ach ja, Rooswelt. Wenn Hitler die Atombombe gehabt hätte, es wäre wirklich sehr schlimm für die Menschheit geworden, damit hätte er das tausendjährige Reich für uns alle herbeigebombt und wir würden uns heute mit einer verstrahlten und von Faschisten beherrschten Welt auseinander setzten müssen und nicht mit diesen armseligen Rückwärtsgewandten.

Was für Rückwärtsgewandte?“, fragte Einstein schon etwas weniger

verstockt, denn ihm ging seine Bockigkeit selbst langsam auf die Nerven.

Vielleicht war zumindest dieser Reinhard ja ein ganz vernünftiger Mann, dachte er und er lockerte seine verschränkten Arme und schaute dem Kapitän das erste Mal so richtig in die Augen. Der Mann sah wirklich gar nicht so unsympathisch aus. Er hatte freundliche, braune Augen und irgendwie erinnerte er ihn an den jungen Werner Heisenberg. Er fragte denn auch den Kapitän: „Sagen Sie mal, sind sie vielleicht mit dem berühmten Heisenberg verwandt, oder spricht in ihrer Zeit auch niemand mehr über diesen Mann?“ Reinhard überhörte das immer noch etwas zickige Sie und antwortete freundlich im Sie zurück: „Da haben Sie nicht ganz unrecht, Werner Heisenberg ist einer meiner Vorfahren mütterlicherseits. Allerdings liegen zwischen mir und ihm gute 8 oder 9 Generationen. Aber meine Mutter hat sich immer sehr für Geschichte interessiert und auch unseren Stammbaum zurückverfolgt. Und da stieß sie tatsächlich auf diesen berühmten Vorfahren.“

Und, ist seine Theorie der Quantenmechanik auch keinen Pfifferling mehr wert?“ fragte Einstein mit einer gewissen Hoffnung in der Stimme. Reinhard überlegte kurz wie er es formulieren sollte, denn er wollte Einstein nicht gleich wieder frustrieren.

Nun, seine Theorie zum Atomaufbau ist ebenfalls durch diese Monica ins Wanken geraten, aber letztendlich konnten beide Theorien vereinigt werden. Werner Heisenberg gilt auch in unserer Zeit so wie Sie zu den größten Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts.“

Wenn man mir das mit dem Brief an den amerikanischen Präsidenten so übel nimmt, verurteilt man Heisenberg dann nicht auch für seine Zusammenarbeit mit dem NS-Regiem?“

Von einer Zusammenarbeit kann unserer Ansicht nach nicht wirklich die Rede sein, er hat versucht die theoretische Physik im Land zu halten und ja, er hat Kompromisse machen müssen, aber er war kein Anhänger des Systems.“

Das sehen viele in meiner Zeit anders, man wirft ihm vor, dass er damals nicht ins Exil gegangen ist, wie so viele andere seiner Kollegen.“

Das ist auch für mich etwas unverständlich, aber meine Mutter, die sich eingehend mit seinem Leben und seinem Werk auseinandergesetzt hat, die meinte, er habe einfach sein Land zu sehr geliebt. Er hatte immer die Hoffnung, dass eines Tages der Spuk vorbei sein würde, und er wollte nicht, dass die theoretische Physik in Deutschland bis dahin völlig zu Grunde geht.“

Ich muss ja sagen, ich konnte mich bisher mit seiner Quantenphysik noch nicht so richtig anfreunden, das mit den Wahrscheinlichkeiten gefällt mir einfach nicht.“

Ja, Gott würfelt nicht, haben Sie einmal als Begründung angeführt, aber da sind wir heute etwas weiter, lieber Herr Einstein, wir glauben, gerade der Würfel ist Gottes Lieblingsspielzeug. Wenn es einen Gott überhaupt geben sollte, wir glauben eigentlich nicht mehr daran, die Meisten jedenfalls nicht. Aber der Zufall, der ist doch in der Welt sehr, sehr wichtig.

Und wenn es einen Gott geben sollte, dann handelt er

über den Zufall, der ist seine ureigene Spezialität.“

Jan Böhmermann, Merkel, Kanzlerin, Kritik

Leonardo hatte sich vom Fenster gelöst

und war zu Einstein und dem Kapitän getreten.

Er hatte die letzten Worte über den Zufall noch mitbekommen und er wollte gerade auch etwas dazu sagen, da öffnete sich die Tür und herein kamen Thomas und Michael und sie hatten den erwarteten, weiteren Gast mitgebracht. Der Kapitän stand auf und ging mit ausgestreckter Hand auf den Gast zu und er begrüßte den Ankommenden ausgesprochen freundlich.

Herr Kraemer, das freut mich aber sehr, dass Sie die Zeit gefunden haben zu uns in diese kleine Runde zu stoßen. Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Reinhard Keller, ich bin der Kapitän dieses Schiffes und ich freue mich wirklich sehr, Sie hier begrüßen zu dürfen. Darf ich Ihnen auch die anderen Gäste vorstellen, hier, diesen Mann werden Sie sicherlich kennen, es ist der berühmte Herr Einstein, und das hier ist der verehrte Leonardo da Vinchi und am Fenster stehen Amenophis, der berühmte Echnaton, und sein Schreiber Echilar.“

Der Mann mit dem Namen Joseph Kraemer, von Beruf ein Brückenbauer, war ein stattlicher, großer Mann mit einem ziemlich dicken Bauch, hell blauen Augen und einer ergrauten Halbglatze, er gab allen Anwesenden die Hand, doch er schien immer noch etwas verwirrt zu sein. War dies vielleicht doch ein Traum? Was sollte er zwischen all diesen Größen der Weltgeschichte? Was war das für ein Raumschiff? Sollte er wirklich glauben, was ihm dieser Thomas und dieser Michael erzählt hatten? Aber er war kein Hasenfuß und so nahm er auf dem Sessel Platz, den ihm der Kapitän anbot. Auch die anderen setzten sich wieder auf ihre Plätze rund um den Tisch. Ihm wurde nun auch erst mal etwas zu trinken angeboten und er sagte nicht nein. Sein Hals war irgendwie ganz trocken und ihm war auch etwas heiß. Aber das Getränk schmeckte sehr frisch und fruchtig, so dass es ihm bald schon wieder besser ging.

Auch die anderen tranken aus ihren Gläsern, wobei Echnaton und Echilar

die Gläser fasziniert in den Händen drehten.

Bill Gates

Der Kapitän ergriff das Wort:

„Wir sind hier zusammengekommen, um, ich übertreibe es nicht, die Zukunft der Welt zu retten. Meine sehr verehrten Herren, wir haben sie eingeladen dabei zu sein und wenn irgend möglich auch zu helfen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit.“

Was haben wir mit Ihrer Zukunft zu tun?“

unterbrach Einstein die Stille, die nach dieser Eröffnung am Tisch entstanden war. „Unsere Zeit ist doch nicht gefährdet und was in 200 Jahren passiert, das kann uns doch total egal sein.“

Das könnte man durchaus so sehen, verehrter Einstein, doch leider muss ich ihnen mitteilen, auch ihre Zeit kann durch die kommenden Geschehnisse aus den Fugen geraten, wir wissen schließlich nicht wozu die Rückwärtsgewandten alles fähig sein werden, welchen Plan sie verfolgen. Nur eines ist sicher, nichts ist mehr sicher. Wir haben es auch erst vor Kurzem erfahren, aber die Rückwärtsgewandten haben ein Raumschiff wie wir und sie haben sich wie wir in die Vergangenheit damit begeben. Aus geheimen Quellen wurde uns mitgeteilt, die Rückwärtsgewandten wollen die Vergangenheit nachhaltig verändern, sie wollen den Lauf der Geschehnisse angeblich so manipulieren, dass die Welt des 22. Jahrhunderts zurück ins Mittelalter fällt. Eine Welt ohne die Renaissance, ohne Relativitätstheorie und natürlich, was wohl das Entscheidende ist, ohne die Bombinis. Sie wollen wieder auf Pferden reiten und ihr Essen über dem offenen Feuer kochen. Sie wollen keine Kunst und auch keine Naturwissenschaft. Und wenn alles stimmt was wir gehört haben, dann wollen sie auch keine Religion, zumindest keine Monotheistische. Ja, sie wollen einfach alles abschaffen, was es an großen Errungenschaften, Entwicklungen und Erfindungen in den letzten 3500 Jahren gegeben hat. Bei Dir Echnaton wollen sie ebenfalls eingreifen. Sie sind der Meinung, dass Du mit Deinem Aton den Keim zu einer neuen Weltsicht gelegt hast und darum werden sie versuchen zu verhindern, dass Du Pharao wirst.“

Ungläubiges Staunen machte sich unter den Anwesenden breit. Das war doch schlicht unmöglich! Was waren diese Rückwärtsgewandten denn nur für Verrückte?

Leonardo meldete sich als Erster zu Wort:

„Ja, aber wie wollen diese Leute das denn bewerkstelligen? Wollen sie uns alle etwa umbringen? Dann müssten sie wirklich sehr viele Menschen töten, denn die Welt ist ja nicht nur durch uns 3 oder 4 geprägt worden.“

Töten werden sie wohl so schnell niemanden, jedenfalls gehen wir davon aus, schließlich weiß niemand so genau welche Vorfahren er hat und ob er sich mit einem Mord nicht selbst erwischt. Aber sie werden die entscheidenden Wendungen der Geschichte so manipulieren, dass am Ende dabei eine Welt der Jäger und Sammler herauskommt. Gut, vielleicht lassen sie uns unser Brot indem sie die Landwirtschaft noch zulassen, aber Technik und Fortschritt wird es, wenn es nach ihnen geht einfach nicht geben.“

Das ist doch schlicht unmöglich,“ widersprach Einstein, „die Vergangenheit mag man ja vielleicht mit so einem Raumschiff aufsuchen können, aber den Lauf der Welt hält man damit garantiert nicht auf.“

Sollen wir es darauf ankommen lassen?“, fragte der Kapitän, „Wir wissen mittlerweile sehr gut zu was uns die Beherrschung der Bombini-Technologie befähigt. Ich versichere Ihnen, sie werden die Welt nicht wiedererkennen, wenn die Rückwärtsgewandten ihre Pläne umsetzen.“

Und was habe ich damit zu tun?“, fragte Joseph Kraemer, „Mit meinen Brücken habe ich schließlich kaum einen die Welt entscheidenden Job gemacht.“

Damit haben sie sicherlich Recht, Herr Kramer, aber sie haben eine Enkelin, und die wird eine sehr entscheidende Entdeckung machen. Sie wird die Menschheit dadurch einen riesigen Schritt ganz nach vorne bringen, ihr kleines Bombini wird die Grundlage für fast alles sein, was unsere Zeit im 23. Jahrhundert ausmacht. Ohne Ihre Enkelin gäbe es letztendlich auch nicht dieses Raumschiff hier, denn es ist fraglich, ob ein anderer Mensch auf ihre Ideen gekommen wäre.“

Meine kleine Monica soll einmal so einen großen Einfluss auf die Welt haben? Nun gut, sie ist ein kluges Mädchen aber kein Genie. Zur Zeit hat sie mehr Jungens im Kopf und ich glaube, von Physik hat sie noch fast nichts gehört, geschweige denn verstanden.“

Das wird sich jedoch bald schon ändern, verehrter Herr Kraemer, wenn sich am Lauf der Dinge nichts verändert, dann wird sie in einigen Jahren ein Physikdiplom in der Hand halten und sich auf die Suche nach einer interessanten Forschungsarbeit begeben.“

Und dabei macht sie die wichtigen Entdeckungen?“

Nein, sie wird erst mal längere Zeit arbeitslos sein und ihr Geld mit Taxifahren verdienen, aber in ihrem Keller wird sie Experimente zum Biefeld-Braun-Effekt machen und im Zuge dieser Forschungen wird sie auf die Bombini-Theorie stoßen. Sie wird das erste von Menschen erbaute MiniUFO bauen und damit sehr großen Erfolg haben.“

Das ist ja wirklich sehr interessant. Meine kleine Monica wird einmal weltberühmt!“ und der Brückenbauer strahlte in die Runde. Doch dann erblickte er Einstein und dem gefror das Gesicht. „Sie wird mich vernichten, diese Verrückte!“

Echnaton schaute etwas verwirrt, er verstand nicht so recht, worum es bei der ganzen Diskussion eigentlich ging. Er kam aus einer Welt ohne künstliches Licht, ohne sich von selbst bewegenden Streitwagen, also eine Welt ohne diese merkwürdigen Motoren, ohne Strom, den er sowieso für total unheimlich hielt. Nein, bei ihm gingen die Menschen tagtäglich aufs Feld und ernteten, was der Nil ihnen schenkte, sie beteten zu ihren Götter und sie waren glücklich, sie brachten viele Kinder zur Welt und auch die bestellten, wenn sie groß waren, das Land. Und sie gaben einen Anteil den Priestern und auch dem Pharao, so dass die sich um die Götter kümmern konnten um diese Mächte dem Land und seinen Menschen gewogen zu machen. Was war an diesem Leben denn schlecht?

Leonardo hingegen verstand sehr wohl was daran schlecht war.

Es würde in einer Welt ohne Fortschritt keine Hubschrauber geben, und die Dinger hatten es ihm ehrlich angetan. Rettungsflieger wurden sie genannt! Welch wunderbares Wort! Und dann die Fortschritte in der Medizin, er hatte sich auch in einem dieser Krankenhäuser des 22. Jahrhunderts umgeschaut. Dort wurden die Menschen von ihren Leiden befreit, Dank seiner Arbeit an der Anatomie und der Entwicklung die daraus folgte. Die Anatomie legte den Grundstein für die Kenntnisse vom Inneren des Menschen, seines Aufbaus und seiner Funktionen. Zu seiner Zeit gab es ja eigentlich nur Quaksalber und man musste ehrlich Angst um einen Kranken haben, denn nur ganz wenige unter diesen Schwätzern verstanden etwas von ihrer Arbeit. Doch in der Zukunft, dass hatte er gesehen, da würde es wirkliche Heilung geben, Heilung von fast allen denkbaren Krankheiten und Verletzungen. Kinder kämen sicher zur Welt und die Frauen starben auch nicht der Reihe nach im Kindbett. Nein, er wollte diesen Fortschritt unbedingt, er war seiner Meinung nach der Sinn des Lebens, dafür lohnte sich die Mühe des Forschens. Ihm hatte es in der Zukunft wirklich sehr gut gefallen. Er wäre gerne für immer da geblieben, doch hatte der Kapitän gesagt, er hätte noch eine wichtige Aufgabe in der Vergangenheit zu erfüllen und könne leider noch nicht bleiben, später aber, so versprach er ihm, da könne er gerne sein Altenteil dort verbringen, er wäre sicherlich herzlich willkommen.

Es entwickelte sich am Tisch eine rege Diskussion

und jeder gab seine Ansicht zum Besten.

Echilar versuchte sich alle Beiträge und Einwände zu merken und er verfluchte, dass er seine Schreibsachen nicht zur Verfügung hatte, denn die Gespräche waren sehr interessant. Doch irgendwann kam der Kapitän wieder auf das eigentliche Problem zu sprechen, die Rückwärtsgewandten und ihre Möglichkeiten. Er legte ein kleines Gerät auf den Tisch und sprach den Brückenbauer ganz direkt an: „Herr Kraemer, ich habe hier einen Torsionsfeldanalysator, er könnte vielleicht für Sie ganz wichtig werden. Dieses Gerät hat sehr viele Funktionen, doch eine ist ganz besonders interessant. Mit Hilfe dieses Gerätes ist man in der Lage die Informationen des Unterbewussten hervorzuholen. Wie es genau funktioniert kann Ihnen nachher unser Klaus genauer erzählen, jetzt erst mal nur so viel, wenn sie diesen Knopf hier drücken, dann entsteht um sie herum ein spezielles Feld und dieses Feld ermöglicht es nun, sein eigenes Unterbewusstsein zu erforschen. Dies ist sehr interessant, denn das Unterbewusstsein weiß so gut wie alles. Es kann die komplette Vergangenheit rekonstruieren, aber es kann auch in die Zukunft schauen. Ich möchte sie bitten, dieses Gerät mit in ihre Welt zu nehmen und es hin und wieder zu benutzen. Denn eines habe ich noch nicht gesagt, normalerweise kann man sich praktisch nichts merken, was hier in so einem Bombini passiert. Wenn man es verlässt, dann vergisst man nach einiger Zeit, dass man überhaupt drin gewesen ist. Es erscheint einem vielleicht noch als verrückter Traum. Doch dieses Gerät hilft einem die eigenen Erinnerungen wieder hervorzuholen, denn das Unterbewusstsein vergisst im Allgemeinen nichts.“

Aber vergesse ich dann nicht vielleicht auch

die Funktion und den Sinn dieses Gerätes?“

Ich denke nein, ich habe seine Funktion bisher noch nie vergessen, denn es hat eine gut verständliche Bedienungsanleitung auf der Rückseite. Nehmen Sie es bitte an sich und nutzen Sie es klug. Ihre Aufgabe wird es sein ihre Enkelin zu beschützen. Denken Sie daran, es ist ungeheuer wichtig, dass sie das Bombini erfindet. Wir wissen nicht was die Rückwärtsgewanden genau vor haben, aber wir sind uns eigentlich ziemlich sicher, sie werden verhindern wollen, dass ihre Enkelin überhaupt an die Universität geht. Dort erfährt sie nämlich von dem Biefeld-Braun-Effekt und dieser Effekt wird sie herausfordern und zum Bombini führen.“

Ich will gerne mein Bestes dafür tun,

aber ich bin natürlich nicht allmächtig.“

Mit diesem Gerät sind sie es aber fast, das verspreche ich ihnen. Unser Unterbewusstsein ist wahrlich eine ganz wundersame Angelegenheit. Probieren Sie es zu Hause einfach mal aus. Sie werden dann schnell erkennen, wie sich dieses Gerät für unsere Zwecke nutzen lässt.“

Gut, wie Sie meinen, ich werde es bestimmt sobald wie möglich anschalten und sehen was passiert. Wenn ich mich dann an dieses Raumschiff hier erinnere, dann weiß ich, es ist kein Traum gewesen. Denn, ich will ehrlich sein, mir kommt das alles selbst jetzt doch irgendwie ziemlich fantastisch vor.“

Da meldete sich Einstein zu Wort, er war der Einzige gewesen, der sich an der vorangegangenen Diskussion nicht beteiligt hatte: „Ich wette, wenn sie zu Hause in ihrem Bett wach werden, dann liegt da kein Torsionsfeldanalysator. Sie werden wie ich einfach nur denken: Was für ein verrückter Traum! Endlich ist er zu Ende!“

Doch noch war der Kapitän mit seinen Erklärungen nicht fertig:

„Meine Herren, ich habe noch etwas für Sie alle, ich möchte mir mit ihnen nämlich einen Film anschauen. Einen Film, der bei uns gerade sehr beliebt ist und der in fast allen Kinos zu sehen ist. Er handelt von dem Leben und Werk ihrer Enkelin, Herr Kraemer.“ Ein großer Bildschirm in der Wand, den man bis dahin gar nicht bemerkt hatte, leuchtete auf und eine schöne Melodie erfüllte den Raum. Michael und Thomas schenkten den Anwesenden und sich selbst noch einmal etwas zu Trinken ein und dann sagte keiner mehr ein Wort, denn der Film begann.

Echnaton, Echilar und Leonardo waren total erstaunt, denn so etwas hatten sie wirklich noch nie gesehen. Aber auch Einstein und selbst der Brückenbauer waren über die Filmqualität ziemlich überrascht. Alles wirkte total realistisch, ja, der Film war praktisch dreidimensional. Schnell hatten sie den Eindruck, sie selbst säßen ebenfalls in diesem Film. Wieder zwickte sich Einstein in den Arm, aber es nützte nichts, er wachte einfach nicht auf.

Der Film erzählte die Geschichte der großen Bombini-Erfinderin.

Danach war sie eine junge Physikerin, die in ihrem Keller mit Hilfe von Hochspannungsgeneratoren ein SpielzeugUFO zum Fliegen brachte. Der Film ging auch auf die Theorie ein, die ihrer Meinung nach, hinter dem Biefeld-Braun-Effekt steckte und auf die großen Schwierigkeiten mit denen diese Frau zu kämpfen hatte. Denn zunächst wollte ihr niemand glauben, ja, sie wurde als Verrückte abgestempelt und sogar in ein Krankenhaus eingeliefert. Doch dort begegnete sie einem weiteren Wissenschaftler, der ebenfalls wegen seiner Ideen weggeschlossen worden war. Beide taten sich zusammen nachdem sie entlassen worden waren und sie entwickelten in den Jahren danach einen echten Prototypen, den sie dann im Volksgarten von Düsseldorf fliegen ließen. Das war ihr Durchbruch, denn nun konnten alle sehen, dass sie Recht gehabt hatten mit ihren Ideen. Die Presse riss sich um ihre Geschichte. Bald schon wusste die halbe Welt von ihrem MiniUFO und sie bekamen einen Forschungsauftrag, der dann in der Folge auch zu einer Reihe von interessanten, technischen Lösungen führte. Der Film endete mit der Verleihung des Nobelpreises an Beide.

Nachdem der Film zu Ende war, herrschte erst mal Stille, denn die Anwesenden waren immer noch ganz gefangen von der Musik des Abspanns. Es war das berühmte Lied von Luis Armstrong mit dem schönen Refrain „What a wonderful World …“.

Dann räusperte sich der Kapitän und er meinte zu allen: „Ich hoffe wirklich, dieser Film zeigt auch in Zukunft die Wahrheit. Ich weiß nicht wann und wo die Rückwärtsgewandten zuschlagen werden, aber wir müssen darauf gefasst sein, dass sie versuchen werden diesen Film zu einer Fiktion zu machen, ja, dass er am Besten niemals entsteht. Herr Kraemer, sie werden auf der Erde feststellen können, wenn sich etwas an der Geschichte verändert, und dann müssen wir versuchen gegenzusteuern. Es darf den ewig Gestrigen einfach nicht gelingen das Bombini zu verhindern. Ich denke, wir werden im Jahr 1983 wiederkommen und schauen, ob sich ihre Enkelin an der Universität für Physik einschreibt, dann wissen wir, alles läuft noch nach Plan. Wenn sie es jedoch nicht tut, gut, dann müssen wir sehen, was wir tun können.

Herr Kraemer, wir werden uns also aus unserer Sicht bald schon wiedersehen, doch für Sie wird es etwas dauern, ich wünsche ihnen in unser aller Interesse in den kommenden Jahren auf der Erde jedenfalls viel Glück.“

Auch die anderen verabschiedeten sich von dem Brückenbauer und Michael wie auch der Kapitän begleiteten den Mann hinaus. Michael würde ihn nun zurück seine Wohnung bringen, doch zuvor sollte er sich noch kurz mit Klaus unterhalten und auch der Kapitän hatte noch etwas mit zu besprechen. Allerdings geschah dies unter vier Augen, nachdem der Techniker ihn auch noch mit den anderen Funktionen des Torsionsfeldanalysators vertraut gemacht hatte.

Herr Kraemer, ich habe hier ein ganz besonderes Buch, ich bitte Sie es an sich zu nehmen und zu Hause in Ruhe zu lesen. Es ist schon ziemlich alt wie sie sehen, ich habe es vor ein paar Jahren in einem Antiquariat gefunden. Sie werden sicherlich über den Inhalt genauso überrascht sein wie ich. Ich weiß allerdings nicht, ob es sich um einen realistischen Bericht handelt oder um reine Fiktion. Machen Sie sich ihr eigenes Bild und wenn wir uns wiedersehen, dann, so denke ich, müssen wir uns darüber unterhalten.“

1983?“

Ganz genau.“

*

Echilar groß etwas Tee nach und schaute seinem Schüler tief in die Augen: „ Joso, ich versichere Dir, es ist alles genau so gewesen wie ich es erzählt habe.“ Joso wusste jedoch wirklich nicht, ob der Alte ihn nicht auf den Arm nehmen wollte. Menschen aus der Zukunft in Schiffen, die durch die Zeit fliegen konnten? Und er und Echnaton wollen sogar dabei gewesen sein. Das war einfach unglaublich. Und dann auch noch Streitwagen, die von selber fuhren, das war doch wirklich nicht vorstellbar. Aber die Geschichte hatte ihn in seinen Bann gezogen und jetzt wollte er auch wissen wie es mit dem Mädchen weiter ging. Er fragte seinen alten Lehrer: „Und, hat das Mädchen das Bombini, oder wie das Ding heißt, nun erfunden?“

Es sollte alles sehr viel komplizierter werden als in diesem sogenannten Film, aber letztendlich hat sie es wohl trotz aller Widerstände geschafft. Willst Du die Geschichte weiter hören?“

Aber ganz bestimmt, auch wenn ich noch nicht davon überzeugt bin und denke, dass Du mir einfach nur einen Traum erzählst.“

Ich habe lange Zeit auch gedacht, die Sache wäre ein Traum gewesen, aber seit Echnaton weg ist, seit dem denke ich, doch, die ganze Sache ist tatsächlich geschehen.“

Wieso? Was hat Echnatons verschwinden damit zu tun?“

Nun, er hat mir kurz bevor er verschwand so ein kleines Gerät gezeigt. Das Gleiche, welches dieser Brückenbauer von dem Kapitän bekommen hat.“

Du meinst, Echnaton ist nicht in die Wüste gegangen, sondern er sitzt jetzt auf so einem Schiff und reist Durch die Zeit?“

Ja, das glaube ich, und wenn alles gut geht, dann werde auch ich bald wieder auf diesem Schiff sein.“

Hast Du etwa auch so ein Gerät?“

Nein, aber Echnaton hat mir versprochen, mich rechtzeitig zu holen, vielleicht morgen schon.“

Ich kann das nicht glauben, Echnaton hat Dir Mist erzählt, ganz bestimmt. Komm lieber mit nach Theben und verbringe dort einen geruhsamen Lebensabend, ich verspreche Dir, ich werde mich auch um Dich kümmern, wenn Du gebrechlich werden solltest.“

Nein, Joso, ich will zurück auf dieses Schiff, dort zu leben ist einfach wunderbar. Das ist wahre Unsterblichkeit, mein Junge. Man ist Herr über die Zeit.“

Bist Du jetzt dem Alterswahnsinn verfallen? Ich kann nicht glauben, was Du mir erzählst.“

Willst Du die Geschichte nun hören oder nicht?“

Natürlich möchte ich wissen wie es weitergeht,

ich bin wirklich ganz Ohr.“

*

Dieser Torsionsfeldanalysator hatte noch eine

ganz besonders interessante Eigenschaft.

Wenn er anschaltet wurde, dann konnte man auf einem Bildschirm im Raumschiff sehen, was innerhalb des Feldes geschah. Und so saßen Leonardo, Einstein, Echnaton und Echilar mit dem Kapitän und einigen aus der Crew vor einem großen Bildschirm und erblickten zum ersten Mal das Mädchen, diese Monica. Sie war vielleicht 15 Jahre alt, recht hübsch mit langen, dunkelblonden Haaren und großen braunen Augen und sie saß mit ihrem Großvater an einem großen Tisch, vor ihnen lag das wundersame Gerät. Im Raumschiff konnten sie auch hören, was gesprochen wurde.

Monica, ich habe die Zukunft gesehen und in dieser Zukunft wirst Du einmal etwas ganz Großes leisten, Du wirst sehr berühmt deswegen.“

Nun, warum nicht. Was werde ich denn einmal tun?“

Du wirst eine Wunderwaffe erfinden, etwas ganz Besonderes, etwas wirklich Bahnbrechendes. Es wird die Menschheit einen großen Schritt nach vorne bringen.“

Monica überlegte kurz und fragte dann: „Und was ist, wenn es mir nicht gelingt?“

Dann wird es reichen, wenn Du es einfach behauptest,“

antwortete der Großvater.

Das war nun wirklich der Hammer! Die Zuschauer auf dem Raumschiff schauten sich alle der Reihe nach an. Sie durfte es nicht nur einfach behaupten, sie musste das Bombini wirklich erfinden. Doch schon tat sich etwas Neues auf dem Bildschirm. Plötzlich saß an diesem Tisch noch ein junger Mann, ein Jungendlicher war er noch, vielleicht 17 Jahre alt. Und der Großvater sprach:

Ihr Beide werdet in der Zukunft mal ein Paar sein, es dauert noch viele Jahre, aber dann werdet ihr das Unmögliche wahr machen. Allerdings solltet ihr auf jeden Fall Physik studieren.“

Physik, das kommt aber für mich gar nicht in Frage, das habe ich nun schon so oft gemacht, diesmal habe ich dazu keine Lust“, sprach der junge Mann.

Dann werde ich es tun, ich verspreche es,

die Wunderwaffe wird mit oder ohne Dich entwickelt.“

Das war nun aber wirklich schlimm, wie sollte denn die Zukunft wahr werden? Die Beiden sollten doch einmal den Nobelpreis für die Erfindung bekommen. Hatten die Rückwärtsgewandten etwa schon eingegriffen und die Zukunft verändert? Hatten sie es möglicherweise nicht auf das Mädchen abgesehen, sondern auf diesen jungen Mann? Glaubten sie damit die Welt verändern zu können, indem sie den Mann nicht studieren ließen?

Der Kapitän blieb bei diesen Bildern und Worten gelassen und meinte zu den Anwesenden: „Wenn sie nur den Mann ausschalten, dann nützt es ihnen wenig, es gibt schließlich noch genügend andere verrückte Wissenschaftler, die ihr helfen können. Es ist die Frau, die das Bombini entwickelt, man hatte in dem Film nur aus dramaturgischen Gründen den Wissenschaftler eingefügt. Man konnte sich halt einfach nicht vorstellen, dass sie es wirklich alles ganz alleine gemacht hat.“

Dann ist der Film ja eine Lüge!“ empörte sich Einstein.

Die Wahrheit ist, wir wissen einfach nicht genau, wie sie es geschafft hat. Die Historiker haben alle Quellen studiert und sind am Ende halt auf die Geschichte mit dem Mann gestoßen. Wer er war und was er letztendlich zu allem beigetragen hat, vieles davon ist der Fantasie der Filmemacher zuzuschreiben.“

Aber man müsste doch wissen, ob und wofür er den Nobelpreis bekommen hat.“ gab Einstein zu bedenken.

Sie haben wohl keinen Nobelpreis bekommen.“

Ja, aber was ist das denn dann für ein blöder Film! Er ist doch nichts weiter als ein Lügenmärchen!“

Er ist nun mal alles, was wir über die Frau wissen, oder wissen möchten.“

Was soll das denn heißen? Warum macht ihr keinen Film über die Wahrheit? Oder ist etwa die ganze Geschichte erstunken und erlogen?“

Nein, nicht alles ist falsch an dem Film, diese Monica hat es wirklich gegeben und ihr Bombini auch, nur wie sie es geschafft hat dieses Ding in die Köpfe der Menschheit zu verfrachten, ohne dass sie zuvor von den Mächtigen der Ölindustrie ausgeschaltet wurde, das wissen wir einfach nicht.“

Warum fahrt ihr dann mit diesem Schiff nicht in die entsprechende Zeit und schaut nach, wie sie es gemacht hat.“

Wir waren schon da, aber wir haben sie nicht gefunden. Sie muss sich irgendwo total versteckt haben.“

Aber hättet ihr das dem Großvater nicht sagen müssen, der geht doch jetzt von völlig falschen Tatsachen aus.“

Wir werden ihn sicherlich selbst bald wieder hier oben sehen, dann werden wir hören, was wirklich geschehen ist. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt.“

Ich verstehe das alles nicht. Warum kann man nicht in die richtige Zeit reisen und einfach nachschauen?“

Offensichtlich wissen wir dafür zu wenig, aber wir werden es heraus finden, alle zusammen. Ich denke, wir sollten jetzt erst mal etwas essen und uns ein bisschen ausruhen. Thomas zeige Echnaton und Echilar gleich doch bitte ihr Zimmer.“

Und so kam es, dass Echnaton und sein Schreiber bald schon allein in ihrem Zimmer waren. Es gab zwei Betten an jeder Seite. Sie waren in einer Art Koje in die Wand gebaut und ließen sich mit einem grauen Vorhang abdunkeln. Außerdem gab es einen kleinen runden Tisch und zwei Sessel. In der Wand gab es zwei Schränke. Zu einer Seite gab es ein Fenster, durch dass sie jetzt nur noch die Sterne sehen konnten. Außerdem gab es ein Badezimmer, doch wie man sich darin waschen können sollte oder gar die Notdurft verrichtete, das war ihnen ein Rätsel. Sie berührten die Fläche an der Wand wie es ihnen Thomas gezeigt hatte und riefen seinen Namen. Er antwortete und fragte, was sie wünschen würden. Nun, Echnaton war es zu unangenehm, deshalb übernahm Echilar die Aufgabe. „Thomas, wir kommen mit dem Badezimmer nicht zurecht. Wo ist da das Wasser und der Abort?“

Ich komme sofort und zeige Euch wie es geht. Hätte ehr daran denken sollen, ich bitte vielmals um Entschuldigung.“

Und so zeigte Thomas ihnen wie man das Wasser am Waschbecken hervorzauberte. Man brauchte einfach nur die Hand unter den Wasserhahn halten und schon kam es herausgelaufen. Nahm man seine Hände weg, dann blieb auch das Wasser zurück. Das mit dem Abort war auch ganz einfach. Man setzte sich auf eine Schüssel und wenn man fertig war, dann trat man auf ein in den Boden eingelassenes Feld und die Schüssel war wieder sauber. Duschen konnte man auch, und das war für Beide eine wirklich erstaunliche Erfahrung. Das Wasser kam aus der Decke, man brauchte nur das Wort Wasser zu sagen. Es war sogar warm, wenn man darum bat. Das Licht schaltete sich von selbst ein, wenn man das Bad betrat und es erlosch, wenn man den Raum verließ.

Natürlich wollten sie beide das alles ganz in Ruhe austesten und weil Echnaton sich etwas unsicher war, ließ er zunächst Echilar den Vortritt. Und der probierte alles mit Vergnügen aus. Das war wirklich gar kein Vergleich zu den Geflogenheiten zu Hause. Es gab sogar duftende Seife und ganz verrückt, Zahnbürsten. Thomas hatte ihnen freundlicherweise alles ganz genau erklärt und so kam Echilar nach gut einer halben Stunde aus dem Bad wieder heraus und er schwärmte Echanton die Ohren voll. Leider hatte er nun keine sauberen Sachen zum Anziehen, doch auch dafür hatte Thomas eine Lösung. Er legte ihnen Unterwäsche und Ganzkörperanzüge ins Zimmer. Sollten sie wirklich in diese merkwürdigen Kleidungsstücke steigen?

Echnaton weigerte sich vehement.

Er war schließlich ein zukünftiger Pharao.

Er bestand auf seine Gewänder. Echilar hingegen war aufgeschlossener und zwängte sich in einen dieser Anzüge. Er saß gar nicht schlecht und fühlte sich wunderbar an. Jetzt müsste er sich nur noch die Haare schneiden, dann könnte ihn niemand mehr von den anderen Crewmitgliedern unterscheiden. Doch die Haare wollte er dann doch lieber dran lassen, schließlich wollten sie irgendwann auch mal wieder nach Hause und was würde man dort sagen, wenn er plötzlich so anders aussah.

Echnaton ging nun endlich auch ins Bad und Echilar schien es als würde er Stunden darin verbringen. Thomas hatte Echnatons Gewänder mitgenommen und kam schon nach knapp einer halben Stunde mit ihnen wieder zurück. Sie waren blitzsauber und rochen auch gut. Wie hatte Thomas das nur gemacht? Er fragte ihn, doch mit der Antwort konnte er nichts anfangen. Die Sachen wären in einer Ultraschallwaschmaschine gewaschen worden. Er fragte Echilar, ob auch er seine Sachen gewaschen haben wollte und er antwortete: „Ja, ich brauche sie schließlich, wenn wir zurück in unsere Zeit reisen. Doch solange trage ich gerne diesen Anzug hier, er ist wirklich sehr bequem.“

Als Echnaton endlich aus dem Bad kam, da strahlte er über das ganze Gesicht. „Das ist wirklich eine ganz besondere Erfahrung, die man darin macht. Insbesondere der Spiegel! Hast Du Dich selbst schon mal so klar und deutlich gesehen? Ehrlich gesagt, ich konnte mich von meinem Anblick gar nicht losreißen.“

Das habe ich gemerkt, weißt Du wie viel Zeit Du darin verbracht hast?“

Ich habe mich nur einmal ordentlich betrachtet und ich muss sagen, ich gefalle mir sehr gut.“

Hier verkniff sich Echilar eine Bemerkung, denn das war immer schon so ein schwieriger Punkt bei Echnaton. Er schien in sich selbst etwas ganz anderes zu sehen als andere. Er fand sich einfach total schön. Dabei sah Echnaton schon als junger Mann ziemlich merkwürdig aus. Er hatte die Hüften einer sehr weiblichen Frau, er hatte einen ziemlichen Bauchansatz, er hatte einen komischen Schädel, dicke Lippen und überhaupt, er sah seinem Vater absolut nicht ähnlich. Aber wenn er sich selbst schön fand, warum nicht. Er würde einmal ein Pharao sein und damit konnte er Frauen haben ohne Ende, egal wie er aussah.

Beide machten sich nun auf den Weg in die Kommandozentrale, der Kapitän hatte ihnen versprochen, dass sie sich dort einmal genauer umschauen durften. Allerdings fanden sie den Weg nicht und irrten also ziemlich ratlos durch die leeren Gänge, als sie endlich auf jemanden stießen. Es war Klaus, der Mann für die Technik. Er war gerade auf dem Weg in den sogenannten Maschinenraum und hatte nichts dagegen, dass sie ihn begleiteten, der Kapitän hatte ihnen schließlich versprochen, dass sie sich alles anschauen durften. Sie folgten also diesem Klaus, der wohl ehr ein schweigsamer Typ war, denn er grummelte nur etwas Unverständliches in seinen Bart. Bärte waren in Ägypten etwas sehr exotisches, kaum einem wuchsen die Haare im Gesicht. Nur den Hebräern, doch von ihnen gab es nicht viele zu ihrer Zeit. Meistens waren sie Sklaven und daher wurden sie kaum beachtet. Teje hatte allerdings etwas mehr Kontakt zu dieser Volksgruppe, Eje, einer ihrer Berater, war angeblich auch ein solcher Hebräer. Doch Echnaton und Echilar hatten bisher kaum Kontakt mit ihm gehabt. Sie fragten Klaus daher ob er vielleicht ein Hebräer sei, doch der schaute sie nur verständnislos an und meinte, er sei kein Jude. Von Juden hatten sie allerdings noch nie etwas gehört und weil Klaus etwas verärgert schien, hielten sie sich mit weiteren Fragen erst mal etwas zurück.

Sie betraten einen winzigen Raum und Echilar bekam ziemliche Platzangst, als sich wie von Zauberhand die Türen schlossen. Dann zog ihm etwas in der Magengegend und schon gingen die Türen wieder auf und sie standen in dem Maschinenraum, wie Klaus ihnen erklärte. Aber sie sahen eigentlich gar nichts. Gut, was Maschinen sind wussten sie ja schließlich auch nicht, aber sie hatten dennoch irgendwie mehr erwartet. Irgendein Monstrum, irgendwas großes Unheimliches, aber hier gab es eigentlich gar nichts zu sehen.

Klaus erklärte ihnen, sie würden gerade auf dem Kondensator stehen. Was war denn das, ein Kondensator? Klaus schaute sie etwas entnervt an und meinte: „Hier handelt es sich um einen Zweiplattenkondensator, zwei Metallscheiben, die elektrisch voneinander getrennt sind. Wir stehen gerade auf der oberen Scheibe. Sie ist mit mehreren Millionen Volt Gleichspannung geladen, aber keine Angst, hier fließen keine Ströme, das ist völlig ungefährlich solange ihr kein Metall bei Euch tragt.

Das hatten sie zum Glück nicht, denn Echnaton und er hatten ihren Schmuck zu Hause gelassen. Sie hatten nachmittags schwimmen gehen wollen und da wären Ketten und Armreifen ehr hinderlich gewesen.

Klaus ging zu einem Tisch an der Wand, auf dem blinkten mehrere Lichter und es gab auch eine leuchtende Wand, auf der verschiedene Zeichen und Symbole zu erkennen waren. Er machte irgendwie magische Bewegungen mit seinen Armen. Da hob sich eine Säule in der Mitte der großen Scheibe und die sah nun wirklich nach so etwas wie einer Maschine aus, aber Echilar hätte nicht beschreiben können, wie das Ding funktionierte, ja, was es überhaupt darstellen sollte. Klaus erklärte, dies sei ein Torsionsfeldabsorber, er würde die Energie aus dem Vakuum herauslösen und er diene dazu, dass man sich in diesem Raumschiff zum Beispiel einen heißen Kaffee kochen konnten.

Das war ein gutes Stichwort und so gingen sie gemeinsam mit Klaus wieder in diesen winzigen Raum um darin wie er erklärte wieder nach oben zu fahren. Er brachte sie zum Konferenzraum und dort saßen auch schon Einstein und Leonardo bei einer Tasse Kaffee. Ihnen wurde ebenfalls ein Kaffee angeboten und sie sagten nicht nein. Sie wussten zwar überhaupt nicht was Kaffee war, aber daran begannen sie sich so langsam zu gewöhnen, hier war irgendwie alles ziemlich unbekannt.

Einstein empfahl ihnen Zucker und Milch hinein zu tun, andernfalls schmeckte diese schwarze Flüssigkeit doch etwas bitter. Weißen Zucker hatten sie allerdings auch noch nie gesehen, nur die Milch war wie bei ihnen zu Hause.

Der Kaffee schmeckte wunderbar, das fanden alle Beide und auch Leonardo war schnell ein Fan von diesem Getränk geworden. Einstein erklärte, Kaffee käme aus den Hochlanden in Südamerika, doch wo das sein sollte, das konnten sie sich nicht recht vorstellen. Für sie gab es eigentlich außerhalb Ägyptens nichts Interessantes. Im Norden gab es ein paar Feinde, im Süden lebten die Nubier, und was hinter dem Sand lag, das hatte sie bisher nicht sonderlich interessiert. Die Priester behaupteten allerdings, dort beginne das Reich der Toten. Ägypten war eigentlich alles was sie kannten, und auch davon kannten sie nur wenig. Wenn sie es recht bedachten, dann kannten sie so gut wie gar nichts außer dem Nil.

Jetzt schauten sie daher mit großem Interesse aus dem Fenster, denn unter ihnen drehte sich die Erdkugel, dass hieß, sie flogen um sie herum, wie Einstein klar machte. Er zeigte ihnen den Kontinent Südamerika, der gerade unter ihnen lag. Da kam also der Kaffee her. Er zeigte auch auf einen weiteren Kontinent, doch der war eigentlich gar nicht zu übersehen. Er leuchtete hell in die Nacht. Das war Nordamerika, meinte Einstein. Die Erde drehte sich weiter unter ihnen und Einstein zeigte ihnen China, ganz im Süden Australien, im Norden Russland, dann kam Indien und dann sahen sie Afrika und einen kleinen leuchtenden, länglichen Streifen, das waren die Städte am Nil. Das war ihr Ägypten. So winzig klein? Echnaton schaute ziemlich fassungslos. Das alles war die Erde und dieser kleine Streifen war sein Land? Das konnte doch nicht wahr sein! Ägypten war doch das Maß aller Dinge.

Der Kapitän betrat den Raum und nahm sich auch einen Kaffee.

Dann erklärte er den Anwesenden, dass sie nun das Jahr 1983 erreicht hätten. Einstein war es immer noch nicht möglich zu verstehen, wie diese Leute die Sache mit der Zeit in den Griff bekommen haben wollten, aber er begann langsam zu resignieren. Diese Torsionsfelder waren wohl der Schüssel zu fast allem, was ihm bisher als unmöglich erschienen war. Er sollte sich vielleicht doch noch mal eingehend mit Johannes und Josefine darüber auseinandersetzen. Jetzt blieb ihm erst mal nichts anderes übrig, als die Sache hin zu nehmen. Der Kapitän, Einstein mochte sich nicht daran gewöhnen, ihm beim Vornamen anzusprechen, ging zu dem großen Bildschirm auf dem jetzt irgendwelche Zeichen erschienen und berührte diese, verschob einige hin und her und plötzlich sahen sie alle wieder den Großvater. Er saß an dem großen Tisch, das Gerät lag vor ihm. Er war offensichtlich allein und schien mit sich selbst zu sprechen. Gespannt hörten sie ihm zu.

Hallo Herr Keller, liebe Mitreisenden, ich habe leider überhaupt keine guten Nachrichten zu vermelden, denn um mich herum scheint der Teufel los zu sein. Ich mag es kaum aussprechen, aber in unserer Familie hat sich ein Drama ereignet und dieses Drama macht wohl alle unsere Hoffungen erst mal zu Nichte. Es ist mir sehr unangenehm, aber leider muss ich sagen, mein Sohn, der Vater von Monica, hat sich eines wirklich sehr schlimmen und peinlichen Vergehens an meiner Enkelin schuldig gemacht und nun ist Monica abgehauen. Sie hat die Schule abgebrochen und ist irgendwo hin verschwunden. Keiner weiß wo sie sich zur Zeit aufhält. Es tut mir wirklich außerordentlich leid, es ist mir wohl trotz meiner Bemühungen nicht gelungen, das Mädchen zu beschützen. Ehrlich gesagt, ich fühle mich ganz grauenhaft und mein Arzt sagt, ich bräuchte jetzt unbedingt viel Ruhe, doch die habe ich einfach nicht, solange ich nicht weiß was meine Enkelin jetzt macht. Ich warte nun auf Eure Hilfe.“

Das war ja nun eine wirklich schlimme Nachricht.

Was sollten sie nun tun?

Alle schauten ziemlich betroffen auf den Bildschirm und sie sahen die Verzweiflung in dem Gesicht des Großvaters. Sie fühlten mit ihm. Was war nur genau geschehen? Was hatte der Vater des Mädchens angerichtet? Wieso war Monica von der Schule gegangen? Ohne Abitur gab es kein Physikstudium, und ohne dieses wohl auch kein Bombini. War dies etwa alles das Werk dieser Rückwärtsgewandten? Hatten sie den Vater vielleicht zu einer Schandtat beeinflusst? Erst der junge Mann, der kein Physikstudium ableisten wollte, jetzt der Vater, der das Mädchen vertrieben hatte, was würde wohl noch alles geschehen? Wo steckten diese Rückwärtsgewanden nur gerade? Was hatten sie noch alles vor?

Der Kapitän blieb als einziger immer noch relativ gelassen, auch wenn ihm das Gehörte sicherlich genau so wenig gefiel wie den anderen. Er stand von seinem Sessel auf und meinte zu seinen Gästen: „Ich denke, wir holen den Herrn Kraemer am Besten zu uns. Thomas?“ Eine Stimme meldete sich von irgendwo her, aber sie war für alle dennoch deutlich zu verstehen. “Mach Dich auf den Weg und hole uns diesen Großvater, ach ja, und sorge für einen passenden Abgang.“

Dann verließ er die Runde und wünschte zunächst einmal noch einen schönen Abend und eine geruhsame Nacht, er hätte jetzt einiges zu tun, aber morgen sähe die Welt bestimmt schon wieder ganz anders aus.

Einstein und Leonardo schauten sich an. Sie ahnten sehr wohl, was dort unten geschehen war, doch sie wollten darüber lieber nicht im Beisein von Echnaton reden. Von ihm war schließlich bekannt, dass er, was solche Peinlichkeiten anging, einmal eine ganz andere Auffassung haben würde als sie.

Echnaton und Echilar rätselten immer noch. Was war geschehen? Was hatte das Mädchen in die Flucht geschlagen? Und wie würde es jetzt weitergehen? Was hatte der Kapitän mit passendem Abgang gemeint? Sie wurden aus all dem irgendwie nicht besonders schlau und weil Einstein und Leonardo auch nicht viel zu all dem sagten, entschlossen sie sich ins Bett zu gehen. Sie verabschiedeten sich bei den beiden alten Männern und machten sich auf den Weg in ihr Zimmer. Den Weg kannten sie mittlerweile ganz gut und bald schon zogen sie die Vorhänge hinter sich zu und versuchten zu schlafen.

Echilar lag jedoch noch lange wach und hörte das leise Schnarchen von seinem Freund. Er hatte es einfach im Gefühl, die beiden alten Männer und der Kapitän hatten mehr aus den Worten des Großvaters herausgehört als sie. Doch aus irgendeinem Grund wollten sie nicht darüber sprechen. Echilar grübelte und kam am Ende nur zu einem Ergebnis. Der Vater hatte das Mädchen unsittlich berührt. So etwas geschah auch bei Ihnen immer wieder. Natürlich war es eigentlich verboten, doch ließ es sich nicht immer verhindern. Wenn es geschah, dann hielt man sich meistens mit irgendwelchen Äußerungen darüber zurück. Die Mädchen wurden dann schnell verheiratet und damit war die Sache aus der Welt. Auch in seiner weitverzweigten Familie hatte es so etwas schon mal gegeben, ein entfernter Onkel hatte mit seiner Tochter ein Kind gezeugt. Er verheiratete sie an einen schon etwas älteren Freund und das Kind blieb bei ihm. Niemand hatte ihn deswegen verurteilt, außer seine Frau, wie er von seiner Mutter erfahren hatte. Doch Frauen hatten im Allgemeinen nicht viel zu sagen und die Götter schienen nicht unbedingt dagegen zu sein, schließlich heirateten in der besseren Gesellschaft oft auch Geschwister untereinander, dies war schon seit 1000 Jahren bei ihnen Gang und Gäbe. Nicht wenige Pharaonen hatten ihre Schwester geheiratet und auch Kinder gezeugt. Das hatte einige Vorteile, wenn es um den Machterhalt innerhalb der Familie ging. Trotzdem waren solche Ehen beim gemeinen Volk ehr selten. Sie heirateten möglichst aus Liebe, auch wenn die Eltern immer auch ein gehöriges Wort mitzureden hatten. Nicht jeder kam als Schwiegersohn oder Schwiegertochter in betracht. Da musste schon die familiäre Herkunft zueinander passen. Dennoch, in den unteren Schichten zählte auch die Zuneigung der Brautleute, denn viel mehr hatten die Menschen ja auch nicht mit in die Vereinigung einzubringen. Wenn der zukünftige Schwiegersohn einen vernünftigen Beruf hatte und eine Familie ernähren konnte, wenn seine Familie einen halbwegs guten Ruf hatte, dann stand der Hochzeit der Tochter selten etwas im Wege. Und wenn die Schwiegertochter tüchtig war, eine kleine Mitgift hatte und gut kochen konnte, dann sagte man ebenfalls nicht nein. Nur bei den höheren Gesellschaften, da spielten auch noch viele andere Aspekte eine entscheidende Rolle.

Er hatte als Schreiber zwar nur ein kleines Auskommen, aber es würde einmal durchaus reichen, eine Frau zu finden. Doch noch wollte er sich nicht binden, er wollte als Schreiber unter Echanton dienen und solange dieser nicht heiraten würde, so lange wollte er auch lieber damit warten. Vielleicht würde er sogar ganz darauf verzichten, denn als oberster Schreiber eines Pharao benötigte man viel Zeit für den Dienst an seinem Herrn. Es gab schließlich auch die Möglichkeit zu den Frauenhäusern zu gehen, die gab es ebenfalls schon seit mehr als 1000 Jahren. Dort konnte man die Freuden der Liebe erfahren, ohne dass man sich fest binden musste. Er war einmal mit Echnaton in so ein Haus gegangen und sie hatten es sich gut gehen lassen. Doch Echnaton hatte anschließend erklärt, er wolle lieber eine eigene Frau und er hätte auch schon eine ins Auge gefasst. Doch um sie zu heiraten müsse er erst mal Pharao sein. Sie sei wahrlich eine ganz große Schönheit und sie käme auch aus bestem Hause. Doch das Mädchen wäre noch zu jung und so müsse er sowieso noch warten.

Irgendwann fielen Echilar dann aber doch endlich die Augen zu und er schlief einen unruhigen Schaf. Immer wieder wachte er auf, schob den Vorhang etwas zur Seite, schaute aus dem Fenster und konnte es nicht fassen. Was er erlebte war ganz offensichtlich kein Traum. Er flog tatsächlich durch das unendliche Weltall und befand sich außerhalb der Zeit. Er zwickte sich wie er es bei Einstein gesehen hatte in den Arm, doch nützte es nichts, er erlebte also tatsächlich all diese Dinge. Es war zwar nicht zu glauben, aber dennoch wahr.

Am nächsten Morgen begaben sie sich zu den anderen

und setzten sich an den gedeckten Tisch.

Es gab wieder diesen köstlichen Kaffee, es gab Brot, Käse, Wurst und Marmelade. Außerdem verschiedenes Obst, einiges davon war auch Leonardo unbekannt, nur Einstein kannte fast alles was auf dem Tisch angeboten wurde. Echilar erkannte Orangen und Weintrauben. Einstein erklärte ihnen was eine Banane war und wie man sie am besten aß. Echilar hatte nur wenig Hunger und so blieb er bei Kaffee und etwas Brot. Das Brot schmeckte jedoch ausgezeichnet und Einstein meinte, es handle sich um Croissants, sie kämen aus Frankreich und seien dort so etwas wie eine nationale Spezialität. Echnaton griff wiedereinmal herzhaft zu und belegte sich sein Brot mit mehreren Scheiben dieser sonderbaren Wurst. Der Kapitän hatte ihnen erklärt, dass sie grundsätzlich kein Fleisch essen würden und deshalb sei die Wurst auch ein Ergebnis der molekularen Küche ihres Kochs. Einstein fragte den Kapitän warum sie so gegen Fleisch seien, und da erzählte Reinhard ihnen von dem großen Konflikt, den es zwischen den Fortschrittsgläubigen und den Rückwärtsgewandten nun schon seit vielen Jahren gäbe.

Die Welt ihrer Zeit würde leider noch ziemlich unter den Folgen der Klimakatastrophe leiden und so wäre man am Ende gezwungen gewesen, die riesigen Rinderherden abzuschaffen, denn ihre Haltung verursachte einfach einen zu hohen CO2-Ausstoß, doch dies konnte man sich einfach nicht mehr leisten. Stattdessen hätte man verstärkt auf die molekulare Kost umgesattelt, und viele verzichtete sogar auch darauf. Die meisten Fortschrittsgläubigen seien mittlerweile Vegetarier. Nur die Rückwärtsgewandten, die wollten partout nicht auf Fleisch verzichten. Sie hielten weiterhin Tiere und behaupteten, der Klimawandel hätte nichts mit dem CO2 der Rinderherden zu tun.

Echnaton fragte den Kapitän, was denn so ein Klimawandel überhaupt sei und so berichtete Reinhard ihnen von seinen schlimmen Folgen. Die Welt wäre bei ihnen dadurch ziemlich ins Wanken geraten, es herrschten schlimme Stürme, große Dürren und verheerende Überschwemmungen. Der Meeresspiegel stiege immer weiter an, so dass viele Küstenstädte akut bedroht seien. In vielen Ländern, gerade in Äquatornähe wären die Auswirkungen wirklich sehr bedrohlich, nicht wenige Inseln seien schon verschwunden und viel, einstmals fruchtbares Land hätte sich das Meer schon geholt. Das Leben im riesigen Ozean sei auch mehr als gefährdet, nicht nur durch die starke Überfischung des 21.Jahrhunderts, nein, der steigende CO2-Gehalt würde auch die Kleinstlebewesen des Meeres beeinträchtigen und so sei die Nahrungskette ganz grundsätzlich gestört. Da sei es einfach auch eine Notwendigkeit gewesen, auch den Verzehr von Fisch einzustellen. Aber zum Glück gäbe es mit der molekularen Küche eine Möglichkeit das tierische Eiweiß zu ersetzen. Er fragte Echnaton, wie ihm denn die Wurst schmecken würde und der antwortete mit vollem Mund, dass es ihm sehr gut munden würde, er wüsste nur nicht so recht, um welches Tier es sich handeln sollte. Der Kapitän meinte, das wüsste er auch nicht, sie sollten vielleicht nachher wirklich mal in die Küche gehen und den Koch fragen.

Da fragte Leonardo, wie sie denn an all die frischen Nahrungsmittel gekommen seien und Reinhard erzählte daraufhin, dass sie regelmäßig Thomas und Michael losschickten um auf der Erde einzukaufen. Ihr Tisch böte meistens die Speisen der jeweiligen Zeit, in der sie gerade unterwegs waren. Jetzt hätten sie erst gestern in einem Supermarkt in Düsseldorf eingekauft. Nur eben kein Fleisch, das wäre halt eine Frage ihrer Überzeugung.

Einstein fragte, woher die Beiden denn das Geld für ihre Einkäufe hernehmen würden, doch da hüllte sich der Kapitän in Schweigen. Er meinte nur, Geld sei für sie das geringste Problem, sie hätten ausreichend Mittel in jeder notwendigen Währung. In ihrer Zeit gäbe es allerdings kaum noch so etwas wie Geld. Fast alle Dinge des Alltags wären praktisch kostenlos, denn da Energie fast nichts kostete, seien auch die Produkte sehr günstig herzustellen. Außerdem könne man aus Energie so gut wie alles herstellen, denn wie Einstein ganz richtig festgestellt hatte, ließ sich die Formel E=mc zum Quadrat auch umstellen und dann bekäme man aus Energie eben auch Materie. Man müsse halt nur wissen wie man die Formel mit Leben füllt. Ihr Ziel sei jedenfalls eine Welt ohne Geld und ohne Ausbeutung der Natur. Sie würden alles nur noch umwandeln, es gäbe daher auch praktisch so gut wie keinen Müll mehr. Nur die Rückwärtsgewandten wollten davon nichts wissen, sie lebten in ihrem Teil der Welt und würden ihr Heil in der Vergangenheit suchen. In einer Welt ohne Technik.

Da fragte Leonardo: „Ja, aber warum sind sie dann mit einem Raumschiff unterwegs? Ist das nicht ziemlich inkonsequent?“

Ganz recht, Leonardo, hierin sehe ich auch eine große Inkonsequenz, deshalb hatten wir auch niemals damit gerechnet. Aber sie haben sich trotz ihrer Rückwärtsgewandtheit so ein Raumschiff besorgt und ganz offensichtlich haben sie auch Leute gefunden, die sie damit durch die Weltgeschichte fliegen.“

Wo haben sie das Raumschiff denn her? Kann man die bei Ihnen einfach so erwerben?“

Ganz sicher nicht. Wir nehmen an, sie haben sich eines aus unserer jüngeren Vergangenheit geklaut. Wir wissen noch nicht wann und wo. Aber unsere Leute sind ihnen schon auf den Fersen und ich hoffe bald neue Nachrichten darüber zu erhalten. Wenn wir wissen, welches Raumschiff sie an sich genommen haben, dann können wir sie vielleicht auch orten und unschädlich machen.“

Gibt es denn viele von diesen Raumschiffen?“ fragte nun Echnaton.

Ja, es gibt mittlerweile viele.“

Und die treiben sich alle in der Vergangenheit herum, das dürfte aber ein großes Problem sein, schätze ich.“

Zeitreisen sind mit diesen Fluggeräten nur sehr selten möglich, dazu brauchen sie einen überlichtschnellen Implosionsantrieb, und den besitzen nur die wenigsten Schiffe. In den meisten Fällen wollen die Menschen ja auch gar nicht aus ihrer Zeit heraus, sie sind zufrieden, wenn sie damit zur Arbeit fliegen oder Güter transportieren können.“

Arbeiten müsst ihr also schon noch?“

Wir wollen fast alle arbeiten, denn Arbeit ist doch eine ganz wunderschöne Angelegenheit. Ein Leben in Müßiggang ist doch letztendlich einfach nur langweilig.“

Da öffnete sich die Tür und herein kam Thomas mit dem Großvater. Sie begrüßten alle den Angekommenen und Thomas berichtete dem Kapitän: „Reinhard, ich habe soweit alles vorbereitet, die Beerdigung wird in einer Woche stattfinden.“

Das ist gut, wir wollen uns dies auch nicht entgehen lassen, vielleicht sehen wir dann ja auch unsere Ausreißerin wieder.“

Der Großvater machte einen ziemlich ernsten Eindruck, denn ihm war der Abschied von der Erde nicht leicht gefallen. Er hatte nur eine kleine Reisetasche dabei, doch Reinhard klopfte ihm auf die Schulter und meinte, es sei eine gute Entscheidung gewesen, er wolle auch gleich mit ihm zusammen in den Spiegelsaal gehen. Echilar fragte sich nicht als einziger, was ein Spiegelsaal war, doch der Kapitän vertröstete sie auf später, sie würden alle das Ergebnis schon bald zu sehen bekommen.

Reinhard verließ mit dem Brückenbauer den Raum. Sie gingen den langen Gang entlang und betraten einen Aufzug. Der Kapitän berührte mit seiner Hand das Sensorfeld und sagte: „Bitte zum Spiegelsaal.“ Er meinte zum Brückenbauer gewand: „Diese Handsicherung haben wir eingeführt, damit in dem Saal nicht ständig herumgespielt wird. Es hat auf einem unserer Raumschiffe irgendwann ein heilloses Durcheinander gegeben, weil die gesamte Mannschaft sich dort ausgetobt hat. Jetzt habe nur noch ich und meine Begleitung die Zugangsberechtigung.“ Der Brückenbauer nickte Zustimmung signalisierend den Kopf und meinte: „Ich habe nur wenige Dinge mitnehmen können, aber ihr Buch habe ich dabei.“ „Das ist gut, und haben Sie es gelesen? Was sagen Sie dazu?“

Ich denke, so in etwa könnte es geschehen sein.

Zumindest scheint sich alles genau so zu entwickeln.“

Das mit ihrer Enkelin tut mir wirklich leid, ich hatte gehofft, wir hätten zumindest diesen Punkt verhindern können.“

Ich will ganz ehrlich sein, ich habe die Sache nicht geglaubt, bis sie tatsächlich eingetreten ist. Mein Sohn ist zwar immer schon ein sehr schwacher Mensch gewesen, aber so eine Dummheit hätte ich ihm einfach nicht zugetraut.“

Und die Geschichte mit Satan und Monalisa, glauben Sie die jetzt etwa auch?“

Nun, meine Enkelin hat viel Fantasie.“

Ich denke auch, vielleicht ist mit ihr da aber doch der Gaul durchgegangen.“

Sie glauben nicht an Gott, nicht wahr?“

Ich denke nein, manchmal könnte man fast den Eindruck bekommen es gäbe eine höhere, sehr intelligente Macht, aber letztendlich halte ich alle Dinge für naturwissenschaftlich erklärbar. Behalten Sie erst mal das Buch, am besten wir bringen ihre Sachen nach her auf Ihr Zimmer“

Sie betraten den Spiegelsaal. Es war eigentlich kein Saal im eigentlichen Sinne, denn der Raum war nicht größer als der Salon, aus dem sie gerade gekommen waren, aber durch die vielen Spiegel an den Wänden, erschien er riesig groß.

Der Kapitän trat an ein Pult und berührte mit seiner Hand

ein Sensorfeld und die Anlage schaltete sich ein.

Ich habe bei ihrem letzten Aufenthalt ja schon mal eine DNA-Probe von Ihnen in den Analysator gegeben und alles soweit vorbereitet, wir brauchen jetzt eigentlich nur noch ihr gewünschtes Alter eingeben, dann könnte es losgehen.“

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wenn meine Enkelin Recht hat, dann muss ich schließlich noch mal zurück auf die Erde, und zwar als alter Mann.“

Das ist kein Problem, wir haben schließlich alles gespeichert, wir können Sie durchaus wieder in den jetzigen Zustand versetzen.“

Gut, dann bitte 35 Jahre, damals habe ich mich wirklich sehr wohl in meiner Haut gefühlt.“

Nun, die meisten wählen ein früheres Alter, ich zum Beispiel habe 30 Jahre gewählt und meine Leute hier auf dem Schiff sind alle kaum älter als 25.“

Nein, nein, das ist mir auf jeden Fall zu jung, aber 35 ist sehr gut, damals baute ich meine erste Brücke. Wirklich eine sehr gute Zeit. Nur, werde ich mein jetziges Bewusstsein denn auch sicher behalten? Ich fände es nämlich ziemlich ärgerlich, wenn ich mein Wissen und meine Erfahrungen der letzten Jahrzehnte verlieren würde.“

Das ist kein Problem, sie werden nur körperlich verändert,

ihre Gedanken bleiben Ihnen durchaus erhalten.“

Also gut, dann auf in den Kampf, wo soll ich mich postieren?“

Stellen Sie sich in diesen Bereich hier und schauen Sie in den großen Spiegel, wenn Sie sich sehen, dann treten sie hindurch und schon ist die Sache erledigt.“

Können Sie mir diese Zauberei

etwa auch naturwissenschaftlich erklären?“

Nein, ich kann die Anlage bedienen, aber verstehen tue ich es auch nicht. Die Leute, von denen wir diese Spiegel erworben haben, die haben uns nicht viel darüber verraten wollen. Sie haben wohl Angst, wir könnten uns diese Dinger selber bauen und damit hätten sie ihren Exportschlager verloren.“

Was sind das für Leute gewesen?“

Aus einer anderen Zeit und an einem weit entfernten Ort, viel mehr weiß ich auch nicht darüber. Ich habe dieses Raumschiff vor einiger Zeit übernommen, man hat mir die Bedienung erklärt, aber viel mehr wollte man mir auch nicht dazu sagen. Unsere Regierung möchte nicht, dass man mehr als nötig darüber weiß, sie befürchten sonst, unsere Gegner besorgen sich dann auch so ein Ding und dann haben sie ein Mittel zur Hand, gegen das nur schwer anzukämpfen ist, denn letztendlich bräuchte man nur etwas DNA und schon laufen viele Kopien herum.“

Also gut, dann kann es von mir aus losgehen, ich bin bereit.“

Und so geschah das große Wunder und der alte Brückenbauer wurde zu einem zumindest äußerlich immer noch sehr jugendlichen Mann. Er hatte wie zuvor hell blaue Augen, aber sein Haar war dunkel braun, sein Bauch war weg und auch sein Gesicht war ziemlich verändert. Er sah nicht schlecht aus, nein, er war eigentlich sogar ein sehr attraktiver Mann. Jetzt schlotterten ihm jedoch die Klamotten am Leib und beide mussten ziemlich lachen. Reinhard ging zu einem Schrank und wählte einen dunkelblauen Ganzkörperanzug, sehr ähnlich dem, welchen er selber trug. Er reichte den Anzug an den Brückenbauer und meinte: „Vielleicht sollten wir uns jetzt endlich duzen. Nenn mich bitte Reinhard.“

Ich heiße Joseph.“

Also gut Joseph, hier hinter der Wand kannst Du Dich entkleiden, dann bist Du endlich ein vollwertiges Mitglied der Crew.“

Ich danke Dir für alles. Ich fühle mich wirklich wie neu geboren. Und Du hast Recht, mein Bewusstsein ist das Alte geblieben, wirklich ganz wunderbar.“

Und es ist alles genau so wie in diesem Buch.“

Ja, ich frage mich wirklich, woher meine kleine Monica das alles wissen konnte. Vielleicht hat sie das alles von dieser Monalisa erfahren?“

Wenn es die wirklich gegeben hat.“

Ich halte langsam gar nichts mehr für unmöglich.“

Nun, aber eine Göttin war diese Monalisa in meinen Augen nicht. Vielleicht aber kam sie aus einer sehr fernen Zukunft.“

Vielleicht. So, jetzt schau mal, sitzt der Anzug auch gut?“ Und der ehemalige Brückenbauer kam hinter der Wand hervor.

Du siehst sehr gut darin aus, jetzt nur noch ein etwas modernerer Haarschnitt und alles ist bestens.“

Was ist denn mit meinem Haarschnitt nicht in Ordnung?“

Der Seitenscheitel ist irgendwie schon etwas länger aus der Mode bei uns. Aber bitte, wenn Du so mit Dir zufrieden bist, dann können wir ihn auch lassen.“

Ich denke, ich lasse ihn erst mal, wenn ich mich zu sehr verändere, dann erkenne ich mich nachher selbst nicht wieder.“

Einverstanden, dann lass uns hoch gehen

und hören, was die anderen dazu sagen.“

Sie brachten noch die Tasche mit dem Buch in Josephs Zimmer und dann betraten sie wieder den Salon und Reinhard sprach zu den Anwesenden: „Wir sind wieder da, darf ich vorstellen, Joseph unser Brückenbauer.“

Einstein und Leonardo schauten sprachlos und ihnen fiel die Kinnlade herab. Echanton und Echilar blickten jedoch völlig verständnislos. Das war doch nicht der Brückenbauer! Das war doch ein Mitglied der Crew! Doch dann schauten sie genauer hin und tatsächlich, der Mann dort hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Großvater, nur war er erheblich jünger.

Leonardo sprach als Erster: “Das will ich auch!“ Und Einstein blickte sich voller Verzweiflung um, waren denn jetzt alle verrückt geworden, dieser Traum wurde wirklich immer schizophrener. Der Kapitän sprach zu den Anwesenden: „Das mag für Sie wie ein Traum sein, aber ich versichere, dies ist unser guter Herr Joseph Kraemer, ein bisschen verjüngt, aber ansonsten ganz der Alte. Und ich sage es auch Ihnen, wenn sie Ihre Zeit auf der Erde hinter sich haben, dann sind sie herzlich eingeladen, ebenfalls mit mir in den Spiegelsaal zu kommen.“

Was ist das denn nur für eine Komödie! Sie wollen uns wohl völlig verrückt machen! Ich glaube davon kein einziges Wort. Joseph geben Sie zu, Sie sind in Wahrheit kein Brückenbauer.“

Doch verehrter Herr Einstein, ich kann es nicht leugnen, ich bin ich.“

Das fasse ich nicht, das glaube ich nicht! Ich will endlich aus diesem Alptraum heraus!“

Beruhigen Sie sich meine Herren, wenn es Sie interessiert, dann zeige ich ihnen später den Spiegelsaal, und sie können sich selbst ein Bild machen, aber nicht jetzt, jetzt wollen wir uns die Beerdigung anschauen.“

*

Echilar schaute Joso an und schob ihm etwas von dem Gebäck hin, welches er, während er die letzten Worte gesprochen hatte, aus einem Korb herausgeholt hatte. Joso griff danach, doch er konnte nicht hineinbeißen. Ihm sausten Hundert Fragen durch den Kopf. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Sein Lehrer machte sich einen großen Spaß mit ihm! Aber Echilar blieb ganz ernst und schaute Joso aufmunternd an und biss selbst in eines der Küchlein. Joso tat es ihm nach, doch er war eigentlich viel zu durcheinander. Dann fragte er Echilar:

Sind diese Reisenden Götter?“

Das habe ich mich auch gefragt, doch sie selbst halten sich nicht dafür, im Gegenteil, sie glauben nicht an Aton und auch nicht an die Anderen. Für sie ist alles eine Frage der Technik.“

Technik?“

Ja, dies ist ein wichtiger Begriff für sie, darunter verstehen sie alles, was für uns ein Wunder ist.“

Aber dieser Spiegelsaal, das ist doch wirklich absolut unglaublich. Der Mensch kann doch nicht einfach wieder jünger werden. Das ist doch wirklich eine Sache der Götter, die sind wandelbar und unsterblich.“ „Da magst Du Recht haben, aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen, Joso, der Brückenbauer wurde tatsächlich von einem alten Mann zu einem Mann in den besten Jahren. Ich erfuhr dann auch, die Schiffsbesatzung bestand auch überwiegend aus verjüngten Personen. Der Kapitän war wie er erzählte als 60-jähriger durch den Spiegel gegangen und war nun im Körper eines Dreißigjährigen. Johannes und Josefine waren 50 und nun 25. Und auch ich werde durch den Spiegel gehen, wenn sie mich holen.“

Wie alt möchtest Du denn dann gerne sein?“, fragte Joso.

Ich hatte meine beste Zeit damals auf dem Schiff. Ich war vielleicht 19 Jahre alt. Nur, dann bin ich für die anderen vielleicht ein zu junger Spunt, ich werde also wohl wie die überwiegende Mannschaft 25 Jahre alt sein.“

Und was wirst Du da oben tun? Schreiben?“

Schreiben tun diese Leute nur sehr wenig, das erledigt bei ihnen eine Maschine, ein sogenannter Computer. Sie sprechen einfach zu diesem künstlichen Wesen und dann spuckt dieses ein Papier aus und sie halten den gesprochenen Text in den Händen. Das machen sie allerdings nur in absoluten Ausnahmefällen, denn sie brauchen eigentlich kein Papier. Es wird bei ihnen nämlich aus Holz gemacht und davon wollen sie möglichst wenig verbrauchen. Sie haben dafür aber eine leuchtende Platte, darauf können sie alles Schriftliche sichtbar werden lassen, ganze Bibliotheken verstecken sich darin. Aber dies sei auch ehr eine veraltete Technik, meinten sie, eigentlich lesen sie kaum noch etwas, das Meiste lassen sie sich von diesem Computer einfach vorlesen. Die Kunst des Schreibens ist für sie nicht mehr besonders wichtig.“

Das ist ja wirklich traurig, das Schreiben ist doch eine hohe Kunst.“

Das habe ich auch gesagt, doch sie meinten, es sei überflüssig. Der Computer erledigt diese Dinge für sie schneller und eben papierlos.“

So wird es unseren Beruf in der Zukunft also nicht mehr geben, was willst Du dann auf dem Raumschiff tun?“

Ich weiß es noch nicht, vielleicht lerne ich ja auch etwas völlig Neues. Auch Echnaton wird sich wohl umstellen müssen, denn als Pharao wird man ihn kaum anerkennen.“

Was will er denn dann da?“

Er will zu Aton reisen und ihm dienen.“

Jetzt sage nicht, diesen schrecklichen Aton gibt es wirklich!“

Er glaubt fest daran, und ich auch.“

Ich denke, in der Zukunft gibt es keine Götter mehr.“

Ja, das haben der Kapitän und seine Leute auch angenommen, doch seit Satan und Monalisa sehen sie dies etwas anders.“

Wer sind denn die Beiden?“

Ja, mein Junge, das ist wirklich eine ganz verrückte Geschichte. Soll ich vielleicht einfach mal weiter erzählen?“

Joso biss endlich herzhaft in sein Gebäck

und nickte dabei heftig mit dem Kopf.

*

Sie saßen wieder alle vor dem großen Bildschirm und der Kapitän kündigte an, sie würden nun ihre Kameras auf die Trauergemeinde ausrichten und alle sollten nach der Enkelin Ausschau halten, sie wäre sicherlich unter den Anwesenden. Joseph saß neben Echnaton und beide waren sehr konzentriert bei der Sache. Aber auch die anderen versuchten aus der großen Menschenmenge, die nun sichtbar wurde, dieses Mädchen herauszufinden. Sie war jetzt 19 Jahre alt, also ein bisschen älter als damals bei ihrem Großvater am Tisch.

Und Echnaton entdeckte sie tatsächlich

als erster und er stieß Joseph an seinen Arm.

Da ist sie, ganz hinten. Sie geht neben einer Frau.“

Du hast Recht, das ist ihre Mutter. Aber warum geht sie nicht vorne mit? Da sind meine Kinder, siehst Du die zarte Frau dort in dem blauen Mantel, das ist meine Tochter, sie heißt auch Monica. Und der Mann vor ihr ist mein ältester Sohn und neben ihm geht mein Nichtsnutz, Rüttger, der Vater meiner Enkelin.“

Auf Deiner Beerdigung sind aber wirklich viele Menschen anwesend, Du musst schon eine bedeutende Persönlichkeit auf der Erde gewesen sein.“ meinte Echilar.

Das sind fast alles Menschen aus meiner Firma, ich war dort Direktor, da ist es natürlich, dass viele gekommen sind.“

Aber Monica scheint sich bewusst abseits zu halten, seht ihr, sie kondoliert auch nicht, sondern Deine Tochter führt sie hinter Deinen Söhnen weg.“

Ich denke, sie will ihr die Begegnung mit ihrem Vater ersparen. Dieser Dummkopf. Und jetzt macht er einen auf großen Mann. Ich ärgere mich einfach unglaublich über ihn. Er hat durch seine Taten meine ganze Familie in Bedrängnis gebracht.“

Was ist er denn von Beruf?“ fragte Einstein.

Er fährt zur Zeit mit einem Lastwagen durch die Gegend, sein erstes Geschäft hat er nämlich vor die Wand gefahren. Er ist eigentlich Koch und hatte ein kleines Hotel mit Gastwirtschaft dabei, aber damit ist er nach der Scheidung von seiner Frau pleite gegangen. Die hat es mit diesem Angeber einfach auch nicht ausgehalten.“

Wie kommt so ein Typ nur an so eine geniale Tochter?“

Das frage ich mich auch. Es sind ja oft die Großeltern, die sich in den Enkeln wieder finden, und ich muss sagen, ihre Großmutter war wirklich eine ganz besondere Person. Eine einfache Frau, aber voller Weisheit, Herzenswärme und Fantasie.“

Du redest von Deiner Frau.“

Nein, ich rede von der Mutter der Mutter. Wenn ich dieser Frau früher begegnet wäre, die hätte ich wahrlich lieben können. Doch ich nahm Hiltrud. Komisch, sie ist gar nicht unter den Trauergästen. Wahrscheinlich hat meine Tochter das zu verantworten, denn eigentlich denke ich, Hiltrud wäre trotz unserer Differenzen gerne gekommen. Wir lebten schon länger getrennt, müsst ihr wissen. Sie war keine schlechte Frau, eine richtige Dame halt, aber wir kamen nicht miteinander zurecht. Darum gingen wir, als die Kinder alle verheiratet waren, unsere eigenen Wege.“

Wer ist denn dann die Frau, die ganz vorne steht?“

Das ist meine Vermieterin, mit ihr war ich in den letzten Jahren recht gut befreundet. Sie lebt im gleichen Haus, hatte keinen Mann mehr und sie kam regelmäßig bei mir zum Kaffee vorbei.“

Irgendwie verhält sie sich aber, als sei sie mehr als nur die befreundete Vermieterin.“

Ja, ihre Gefühle waren wohl etwas tiefer, doch ich konnte in ihr nie mehr sehen als eine gute Freundin.“

Und wer ist der Mann an ihrer Seite?“

Das ist mein jüngster Sohn. Der hat vor allen Dingen Geld und Karriere im Kopf. Ich nehme an, er hofft auch auf ein Erbe von ihr.“

Du redest aber nicht besonders freundlich über Deine Kinder.“ sagte Echanton.

Ich konnte mich in keinem von ihnen wirklich wiedererkennen. Sie sind alle ganz liebenswert, aber Sie haben auch alle eine Macke.“

Dann solltest Du wenigstens stolz auf Deine Enkelin sein, die wird jedenfalls mal eine ganz Große.“

Das ist auch noch nicht ausgemacht, zur Zeit macht sie einem auch nur Sorgen.“

Das wird sich aber ja noch ändern, denken wir nur an ihr Bombini.“ meinte Leonardo.

Wollen wir hoffen, dass sich bei ihr alles wieder einrenkt, irgendwie muss sie auf die Universität“, sprach der Kapitän und schaltete den Bildschirm wieder aus. „Wir werden sie jetzt jedenfalls nicht mehr aus den Augen lassen, ich habe meine Leute angewiesen, sie rund um die Uhr zu beobachten, sie darf uns einfach nicht mehr verloren gehen.“

Vielleicht sollte ich noch mal mit ihr sprechen?“, schlug Joseph vor. „Die Zeit ist noch nicht gekommen,“ sagte Reinhard zu ihm und Joseph nickte mit Sorgenfalten im Gesicht.

Zur Feier der Beerdigung wurde vom Koch ein besonderes Mahl zubereitet und bald schon saßen alle zusammen und verspeisten einen seiner molekularen Braten, mit Kartoffeln und verschiedenem Gemüse. Leonardo und die Ägypter wunderten sich über die Kartoffeln und fragten, was dies denn für ein merkwürdiges Gemüse sei. Da erzählte Joseph und Einstein die Geschichte von der Kartoffelrevolution des alten Fritz. Wieder mal war es eine Pflanze aus Südamerika, welche die Welt erobert hatte und Joseph berichtete von seinem Besuch in Argentinien und Brasilien. Dort hatte er in den 60er Jahren ebenfalls einige Brücken gebaut. Bald schon war die Stimmung am Tisch sehr gelöst und es wurde zu einem köstlichen Nachtisch Kaffee serviert. Der Nachtisch bestand aus Vanilleeis mit Früchten und Schokoladensoße. Die Früchte kannten die meisten jetzt ja schon, aber Echnaton und Echilar, aber auch Leonardo begeisterten sich ganz besonders für das Eis und die Schokoladensoße. So etwas hatten sie in ihrem Leben noch nie gegessen. Die Schokolade kam, wie konnte es auch anders sein, wieder mal aus Südamerika und das Eis war eine Spezialität der Italiener.

Zum Abschluss gab es dann noch einen Cognac.

Alkohol war eigentlich auf dem Raumschiff untersagt, aber bei einer Beerdigung machte man natürlich eine Ausnahme. Den Cognac hatte man aus Frankreich geholt und er war sehr gut. Leonardo ließ sich gerne nachschenken und auch Joseph nahm noch einen kleinen Zweiten. Echnaton und Echilar nippten vorsichtig daran und verzogen den Mund. Was war das denn?

Kennt ihr keinen Alkohol, ich denke bei den Ägyptern wurde auch gerne Wein getrunken?“ fragte Joseph.

Wein schon, aber dieses Zeug hier ist doch völlig verdorben.“

Nein, es ist nicht schlecht, es muss so schmecken. Probiert es ruhig, danach werdet ihr sehen, sieht die Welt schon ganz anders aus.“ ermunterte sie der Kapitän und er hob sein Glas und sagte zu den Anwesenden: „Auf das Wohl unseres neuen Crewmitglieds, ich hoffe unsere Reise wird, mit Dir und unseren besonderen Gästen, ein voller Erfolg.“

Nach dem Festmahl ging der Kapitän in die Kommandozentrale und Joseph begleitete ihn. Einstein und die anderen wollten sich etwas ausruhen und auch Reinhard und Joseph wollten sich zusammen etwas zurückziehen, doch vorher wollte Reinhard noch einige Anweisungen an seine Crew geben. Richard, ein zurückhaltender, großer, blonder Mann und der erste Offizier auf der Brücke, sollte das Kommando übernehmen und sie in das Jahr 2005 bringen. Vorher sollte aber sichergestellt werden, dass diese Ausreißerin ihnen nicht wieder entwischte. Er besprach mit Klaus, wie sie den Kontakt aufrecht erhalten konnten und der versicherte, die Kontrolle sei kein großes Problem, jetzt wo man ihr einmal Habhaft geworden sei. Er hätte das Überwachungsteam auf ihre Spuren gesetzt und die würden sie regelmäßig über die Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Joseph fragte, was dies für ein Team sei doch Reinhard vertröstete ihn auf später, dann würde er ihm alles genau erklären. Josefine gab die neuen Koordinaten ein und es konnte losgehen. Sie würden für die Fahrt etwa einen Tag benötigen, da sie zwischendurch immer wieder mal anhalten wollten um sich von diesem geheimnisvollen Team berichten zu lassen. Dafür mussten sie aber die Fahrt unterbrechen und auf Empfang gehen, denn während der Zeitreise war jeglicher Kontakt ausgeschlossen. Josefine erklärte Joseph, dass die Torsionsfeldblase absolut undurchdringlich war, für die Welt außerhalb wären sie mehr als unsichtbar, einfach nicht existent. Sie selbst würden sich jedoch nur in einer anderen Dimension befinden.

Sie gab als ersten Zwischenstopp auf Wunsch des Kapitäns

das Jahr 1987 ein und schon ging es los.

So eine Zeitreise ist eigentlich ziemlich langweilig, es passiert nicht sehr viel, da haben wir nur uns und unser Raumschiff, lass uns also zu mir ins Kapitänszimmer gehen, dann können wir miteinander reden.“

Als sie im Zimmer des Kapitäns Platz genommen hatten, die Einrichtung war auch hier ziemlich spartanisch, es gab eine Schafnische, einen Schreibtisch und zwei Sessel an einem größeren runden Tisch, da fragte Reinhard: „Sag mal, wie hast Du das eigentlich mit diesem Möchte-nicht-gern-Wissenschaftler gemacht? Wo kam der plötzlich her? Es ist doch dieser Wolfgang, nicht wahr?“

Für Dich mag er Wolfgang heißen, ich nenne ihn lieber bei seinem richtigen Namen Satan.“

Du meinst den Satan, den aus der Bibel? Du machst wohl Witze!“

Du hast ihr Buch wohl doch nicht richtig gelesen. Ich meine Satan Junior, den faulen Sohn des Herren der Finsternis.“

Aber das ist es doch, das ist das Pferd, welches mit ihr durchgegangen ist. Hat sie nicht irgendwann Medikamente gegen solche Gedanken bekommen?“

Ich glaube ihr aber.“

Joseph, das ist Unsinn, es gibt keinen Satan, keine Monalisa und keinen lieben Gott.“

Das werden wir ja noch sehen, ich bin davon so gut wie überzeugt.“

Was macht Dich denn da so sicher?“

Mein Unterbewusstsein. Dieser Torsionsfeldanalysator hatte auf mich eine ungeheure Gedankenebene gehoben, von dort aus sah ich die Welt mit völlig neuen Augen. Du hast das Ding doch sicherlich auch schon oft benutzt, was zeigte Dir Dein Unterbewusstsein denn?“

Man darf nicht alles glauben, was man meint zu erkennen.“

So, warum denn nicht? Weil es nicht in Dein Weltbild passt?

Weil das Unterbewusstsein in sehr fantasievollen Bildern spricht und die kann man schnell falsch interpretieren. Da wird aus einem schnell ein unsterblicher Heisenberg.“

Der Heisenberg?“

Der berühmte Quantenphysiker, ganz recht.“

Und Du glaubst nicht an Wiedergeburt und all die Dinge?“

Ich glaube an gar nichts, ich glaube nur was sich auch naturwissenschaftlich erklären lässt.“

Und wie erklärst Du die Torsionsfelder?“

Sie sind leicht zu verstehen, es sind Wirbelfelder im Vakuum und sie lösen die darin fraktal strukturierte Energie auf, das weiß bei uns jedes Kind. Daraus beziehen wir die Energie für unsere Technik. Außerdem enthält das Vakuum Informationen, dass heißt an jedem Ort befindet sich die Information von allem, darum können wir über diese Felder eben auch kommunizieren. Nur wenn die Felder um einen herum implodieren, dann befindet man sich in einer eigenen Dimension, dann steht man außerhalb von Raum und Zeit. Wir befinden uns gerade in so einer Dimension, und wenn Du Recht hättest, müssten wir hier dem lieben Gott begegnen. Ich bin nun aber schon sehr oft durch diese Dimension gereist, einen Gott habe ich jedoch nicht entdeckt.“

Weil Du nicht nach ihm suchst. Du schaust ja noch nicht mal aus dem Fenster.“

Da siehst Du nichts, da ist nur absolute Dunkelheit.“

Ja, glaubst Du denn, der liebe Gott würde sich Dir in den Weg stellen? Wer ihn finden will muss anklopfen.“

Woran willst Du klopfen,

das absolute Nichts kann man nicht berühren.“

Das haben schon vor Dir Wissenschaftler behauptet, sie hielten das Vakuum für Nichts und bei Euch versorgt es die halbe Welt mit Energie und enthält die Informationen von allem.“

Das war ein dummer Irrtum der Geschichte, die Sache mit dem leeren Vakuum, zugegeben, aber mehr als Energie und Information steckt da nun mal auch nicht drin.“

Meine Enkelin sah das aber anders, und ich glaube nicht, dass ihre Begegnung mit dem lieben Gott reine Fantasie war. Sie hat es eindeutig erlebt.“

Und warum sehen wir dann keine solche Lichtgestalt?“

Vielleicht muss man daran glauben.“

Glauben ist etwas für Geistliche und andere Naive, ich bin jedoch ein Nachfahre Heisenbergs und in unserer Familie wird schon lange nichts mehr geglaubt. Bei uns zählen nur Fakten und Ergebnisse.“

Ohne Fantasie kommt man damit aber auch nicht unbedingt weiter. Dein Vorfahr hatte letztendlich auch nur seine Vorstellungskraft. Wie sonst hätte er die Welt der Quanten für sich entdecken können?“

Aber er hat nicht nur herumgesponnen, er hat gerechnet. Sehr viel sogar, wenn man bedenkt, dass es damals noch nicht einmal einen Taschenrechner gegeben hat.“

Nun, ich will Dich nicht bekehren, wenn Gott für Dich nicht existiert, dann soll es wohl so sein. Ich aber glaube an eine höhere Macht, an einen, der größer ist als selbst das Universum. Ich finde das Bild meiner Enkelin sehr reizvoll, Gott sitzt in der Badewanne, gefüllt mit Milliarden Seifenblasen und jede Seifenblase ist ein Universum.“

Der Multiversenschaum, ja, an den glaube ich allerdings auch. Nur sitzt bei mir kein alter Mann in der Mitte.“

Man müsste halt mal richtig hinschauen. Vielleicht sitzt dort ja auch eine betörend schöne Frau.“

Ich glaube Du hattest einen Cognac zu viel. Gott, wenn es ihn denn gibt, ist bestimmt keine Frau.“

Hast Du etwas gegen Frauen?“

Ich habe etwas gegen Göttinnen. Bei mir zu Hause saß so eine auch ständig in der Badewanne.“

Und warum verbringst Du dann Deine Zeit hier in diesem Raumschiff statt dieser Göttin den Rücken zu waschen?“

Sie hat mich wegen eines anderen verlassen. Ich war ihr wohl zu oft zu weit weg.“

Das tut mir leid. Liebst Du sie noch?“

Ich bin darüber mittlerweile hinweg.“

Zwischen ihnen entstand eine gewisse Pause, das Gespräch war doch auch sehr persönlich geworden und so lange kannten sie sich eigentlich ja noch gar nicht.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Reinhard öffnete und davor stand Klaus. Er hatte einen Zettel in der Hand. Das war jedoch sehr ungewöhnlich, angeblich arbeiteten die Menschen aus der Zukunft nur noch sehr selten damit. Reinhard bat ihn herein und setzte sich an seinen Schreibtisch, damit Klaus sich an den runden Tisch setzten konnte. Und dieser kam gleich zur Sache.

Ich habe nun die Informationen, die Du haben wolltest. Diese Monica geht zur Zeit regelmäßig auf ein Abendgymnasium, sie hat einen festen Freund und beide erwarten ein Kind. Es müsste jeden Moment auf die Welt kommen.“

Ich werde also tatsächlich Urgroßvater! Schade, dass ich mir das Kind nicht selbst anschauen kann.“

Wir könnten ja auf die Geburt warten, wenn es Dir wichtig ist.“ schlug Reinhard vor. „Wie lange dauert es denn noch?“

Der Bauch soll schon ziemlich dick sein, wahrscheinlich kommt das Kind in den nächsten zwei Wochen.“

So lange können wir unmöglich hier herumhängen, am Besten wir springen ein paar Wochen und versuchen es dann.“

Du meinst ich könnte meine Enkelin aufsuchen? Aber das wird sie sehr irritieren, schließlich bin ich für sie schon ein paar Jahre unter der Erde, und so wie ich jetzt aussehe, wird sie mich gar nicht erkennen und für einen völlig Fremden halten.“

Ich wüsste schon eine Möglichkeit, haben wir denn ein Bild von dem jungen Vater? Vielleicht sogar etwas DNA?“

Ein Bild habe ich, aber um an DNA zu kommen müsste einer hinunter gehen, das halte ich für zu riskant.“

Ein Bild tut es zur Not auch, es geht schließlich nur um einen Kurzbesuch. Zwei Minuten, mehr ist nicht drin Joseph. Ich habe keine Lust, dass einer von uns in die Hände von Alienjägern fällt.“

Alienjäger? Wer ist das denn?“

Sie jagen Außerirdische nach allen Regeln der Kunst. Die jeweiligen Regierungen sind ganz schön auf Zack, dass konnten wir am eigenen Leibe erleben, als wir nach Deiner Enkelin im Jahr 2006 gesucht haben. Beinahe hätte man uns entdeckt, nur wir schauten ständig in die Röhre. Von unserer Bombini-Designerin war nirgendwo etwas zu entdecken. Darum sind wir dann ja auch auf den Gedanken gekommen, es in ihrer Kindheit zu versuchen, immerhin hatten wir das Alter, den Namen und die Straße, Ludenberger Allee.“

Und da seid ihr auf mich gestoßen, den Großvater.“

Ganz genau. Leider hat sie in dem Buch nicht mehr preisgegeben. Obwohl, so haben wir uns glücklicherweise ja kennen gelernt und das ist am Ende vielleicht der bessere Weg.“

Wann kann ich also meinen Urenkel sehen?“

Von mir aus jetzt gleich, ich gebe nur eben das entsprechende Datum an die Brücke, damit sie uns dort hin fliegen. Und wir gehen in den Spiegelsaal. Klaus, hast Du das Foto dabei? Ach ja, so sieht der junge Mann also aus. Hier, Joseph, der Vater Deiner Nachkommen.“

Reinhard reichte ihm das Blatt Papier, es zeigte einen schmalen, jungen Mann mit einem wilden Lockenkopf. Er hatte schöne, grüne Augen und sah alles in allem ganz sympathisch aus.

Klaus meinte an Joseph gewandt: „Der junge Mann heißt Michael und er hat gerade ein Studium angefangen, er will Ingenieur werden.“

Interessant, ein Ingenieur, das klingt sehr vernünftig. Ich denke, da hat meine Enkelin sich erst mal einen netten Kerl ausgesucht. Leider wird er nicht der Mann ihrer Träume sein und sie werden sich trennen.“

Klaus schaute etwas irritiert. Woher wollte Joseph das so genau wissen, der hatte doch schließlich noch nie eine Zeitreise gemacht?

Der Kapitän wendete sich an Klaus und schickte ihn schon mal in den Spiegelsaal, er solle alles für einen Kurztrip vorbereiten. Als sich die Tür hinter Klaus schloss, da sagte Reinhard: „Joseph, bitte sei etwas vorsichtiger, keiner weiß hier von dem Buch und seinen Inhalten.“

Es tut mir leid, das war mir nicht klar. Natürlich werde ich mich zukünftig besser vorsehen, wenn Du dies für nötig hältst. Nur, warum machst Du so ein Geheimnis aus dem Buch?“

Ich möchte meine Leute nicht unnötig verwirren.

Sie suchen eine Berühmtheit und keine Wahnsinnige.“

Beide gingen in den Salon um zu schauen, wer anwesend war und mit in den Spiegelsaal kommen wollte. Einstein und Leonardo hatten sich in ihre Zimmer zurück gezogen um ein Schläfchen zu halten, aber Echnaton und Echilar waren da und schienen sich ein Bisschen zu langweilen. Draußen war zwar die Erde sehr schön zu sehen, aber sie hatten sich an den Anblick schon gewöhnt. Reinhard fragte sie ob Interesse hatten mitzukommen und natürlich waren sie sogleich bereit. Alle betraten den Fahrstuhl und waren schon kurze Zeit später im geheimnisvollen Spiegelsaal, wo Klaus an einem großen Pult saß.

Echnaton und Echilar waren von den vielen großen Spiegeln sehr beeindruckt und sie betrachteten sich eingehend in ihnen. Echnaton stellte sich in Herrscherpositur und machte ein strenges Gesicht. Echilar bestaunte sich in seinem Anzug und konnte kaum glauben, dass er selbst dieser Mensch war. Er gefiel sich außerordentlich. Reinhard erklärte ihnen was sie nun vorhätten und Echnaton ließ von seiner Selbstbetrachtung ab. Joseph stellte sich vor den Spiegel und erblickte zunächst gar nichts, doch dann erschien dort das Bild von diesem Ingenieurstudenten und Reinhard forderte ihn auf durch den Spiegel zu treten. Gesagt getan, Joseph holte einmal tief Luft und ging durch diese sonderbare Wand. Die anderen konnten sehen, hinter der Wand stand nun der Student. Das war doch wirklich absolute Zauberei! Jetzt führte Reinhard den verwandelten Joseph zu den anderen Spiegel und instruierte ihn nochmals: „Joseph, bitte nur 2 Minuten, es ist einfach sonst zu gefährlich, die Alienjäger haben immer bessere Mittel zur Verfügung und könnten Dich gefangen nehmen. Ich beame Dich direkt ins Schlafzimmer der Beiden, da wird das Kind jetzt sicherlich liegen. Du hast Zeit Dir ein Bild von ihm zu machen, dann aber hole ich Dich wieder zurück.“

Reinhard bat Echilar und Echnaton etwas zurück zu treten, ein unbeschreibliches Geräusch kam auf und die Spiegel begannen zu leuchten, Joseph wurde in Licht getaucht und dann war er plötzlich verschwunden. Reinhard schaute auf einen Bildschirm und rief die beiden Ägypter zu sich. Sie konnten auf dem Schirm Joseph in einem Zimmer stehen sehen. Er schaute in ein Kinderbett und neben ihm stand die junge Mutter. Joseph beugte sich über das Bettchen und schien völlig in den Anblick des darin liegenden Kindes zu versinken. Die junge Mutter klopfte ihm auf die Schultern und Joseph richtete sich auf um sie in den Arm zu nehmen. Er sprach etwas zu ihr, dass sie jedoch nicht verstanden. Dann verließ die Mutter das Zimmer und Reinhard drückte auf ein paar Knöpfe und die Spiegel begannen wieder zu leuchten. Es dauerte nicht lange und Joseph stand wieder vor ihnen. Er schien immer noch ganz verzückt, doch Reinhard forderte ihn auf, sich vor den Verwandlungsspiegel zu stellen und ehe die Ägypter sich versahen, kam wieder der Brückenbauer in seiner jungen Gestalt dahinter hervor. Das war doch der absolute Wahnsinn! Echnaton meinte dies sei doch wirklich ein Akt der Götter und Echilar stimmte ihm zu. Joseph strahlte jedoch über das gesamte Gesicht und sprach: „Leute, ich habe meinen Urenkel gesehen und ich muss sagen, es ist ein außergewöhnlich schönes Kind. Der wird mal etwas ganz Besonderes, das kann man jetzt schon sehen. Da hat meine Enkelin wahrlich einen Prachtjungen auf die Welt gebracht! Einfach phänomenal! Leider konnte ich ja nur kurz einen Blick auf ihn werfen, er heißt Felix, Felix der Glückliche. Ist das nicht ein wirklich schöner Name?“

Beruhige Dich, Joseph, sag uns lieber, was Du Monica zugeflüstert hast,“ forderte Reinhard ihn auf. „Ach, nichts Wichtiges, einfach nur, dass dies unser wunderbares Kind ist.“ Reinhard war beruhigt und hoffte, dass dieser kleine Ausflug keine weiteren Wellen schlagen würde. Seiner Meinung nach war es einfach ungeheuer wichtig, dass niemand auf der Erde etwas von ihrem Tun bemerkte. Er wollte nicht ungewollt irgendetwas beeinflussen und er wollte vor allen Dingen nicht erkannt werden. Doch gerade bei dieser Monica musste er offensichtlich aufpassen, ihr blieb so gut wie nichts verborgen, das hatte er in ihrem Buch mehrfach festgestellt. Auch diese Szene am Kinderbett hatte sie darin beschrieben. Irgendetwas war ihr daran merkwürdig vorgekommen, aber dann hatte sie die Situation erst mal wieder vergessen. Leider fehlte ihm ja der zweite Band zu dem Buch. Der war wohl endgültig verschollen, denn er hatte wirklich jedes Antiquariat danach abgesucht. Er konnte also nicht wirklich wissen, ob ihr die Situation nicht irgendwann einmal wieder einfiel und sie darin mehr erkannte als eine schöne Situation Arm in Arm mit ihrem Freund.

Jetzt meldete sich Echnaton zu Wort: „Ich möchte auch einmal durch diesen Spiegel gehen.“ „Wer wärst Du denn gerne?“ fragte ihn Reinhard. „Willst Du vielleicht einmal in Nofretetes Haut stecken?“ Jetzt schaute Echanton ziemlich verdutzt, woher kannte dieser Reinhard seine Verlobte? Das war doch noch gar nicht offiziell? Kaum einer wusste von seinem Interesse an dieser Prinzessin. Nur seiner Mutter hatte er den Wunsch nach diesem Mädchen erzählt.

Schau nicht so überrascht, wir alle wissen von Deiner großen Liebe zu dieser Frau, sie war ja auch wirklich eine absolute Schönheit. Und intelligent ist sie wohl auch gewesen. Wir haben ihre DNA und damit können wir sie reproduzieren. Möchtest Du, oder soll es lieber jemand anderes sein?“

Nein, Nofretete ist eine gute Idee, ja, lasst mich sehen, wie sie einmal ausschaut, geht das, vielleicht so mit 25 Jahren? Das wäre wirklich ein großartiges Erlebnis.“ „Kein Problem, wir haben sie schon vor einiger Zeit abgespeichert, für alle Fälle.“

Gut, was muss ich tun?

Ich stelle mich einfach vor den Spiegel, nicht wahr?“

Und so wurde Echnaton zu seiner Frau. Sie kam hinter dem Spiegel hervor und begrüßte die Anwesenden mit einer entzückenden Stimme. Sie betrachtete sich aufmerksam im Spiegel, dann drehte sie sich zu den anderen um und fing an zu lachen. „Das ist ja absolut unglaublich! Ich sehe einfach hinreißend aus.“

Auch die anderen mussten Lachen und der Kapitän hatte einige Schwierigkeiten Echnaton wieder in seine alte Gestalt zu versetzen, denn der wollte gar nicht mehr heraus aus Nofretetes Haut. Schließlich aber fügte er sich und er stand wieder mit seinem alten Äußeren vor den anderen.

Das war wirklich einmalig,

ich bedanke mich für dieses wunderbare Erlebnis.“

Das war nun wirklich etwas ganz Außergewöhnliches, Echnaton bedankte sich. Das kam normalerweise nie vor. Ein Pharao bedankte sich nun mal nicht. Er befahl und er nahm alle Huldigungen mit größter Selbstverständlichkeit entgegen. Echilar hatte gar nicht gewusst, dass Echnaton das Wort Danke überhaupt kannte. Aber vielleicht benutzte er es seiner Mutter gegenüber schon mal, aber davon wusste er nichts.

Sie verließen den Spiegelsaal jedenfalls alle gut gelaunt und sehr zufrieden. Joseph hatte seinen Urenkel gesehen, Echnaton hatte sich in den Körper seiner zukünftigen Frau eingefühlt und Reinhard war zufrieden, dass alles soweit gut gegangen war.

Echnaton beugte sich zu Echilar und meinte:

„Sie ist ja so wunderschön! Ich werde mit ihr viele schöne Kinder machen.“

Wie fühlt man sich denn so als Frau?“ fragte Echilar. „Leicht und unbeschwert, schön und sinnlich, einfach genial. Die Haut ist so weich, die Augen so groß, die Haare sind wundervoll. Nofretete wird einmal die schönste Frau der Welt sein, jetzt ist sie zwar auch schon ganz reizend, aber ihre Schönheit wird legendär sein.“

Das kann ich bestätigen,“ meinte Joseph zu ihnen, “ihre berühmte Büste wird noch zu unserer Zeit von Millionen bewundert. Ich habe sie auch einmal gesehen, in Berlin. Deine Frau ist wirklich außergewöhnlich.“

Ich werde sie auf Händen tragen, jeden Tag. Keine andere wird ihr gleich kommen. Der ganze Harem meines Vaters kann mir gestohlen bleiben. Sag, Reinhard, wird sie mir viele Söhne gebären?“ Da schaute der Kapitän etwas nervös. Sollte er es ihm sagen? Ach was soll’s, er wird den Aufenthalt hier schließlich schnell vergessen, sobald er zurück in seiner Zeit war. „Leider wird sie Dir nur Mädchen schenken, den Thronfolger wirst Du mit einer Nebenfrau zur Welt bringen, aber der wird ebenfalls einmal sehr berühmt. Seine Totenmaske mit seinem wunderschönen Antlitz wird in der Zukunft viele Menschen anrühren. Sie lieben ihn auch noch in unserer Zeit.“

Nofretete wird also nicht Königinmutter? Nun ja, wenn sie nun mal nur Mädchen bekommt, dann muss es wohl so sein. Ich werde sie trotzdem lieben, ganz bestimmt.“

*

Echilar machte eine Pause und stopfte sich ein Pfeifchen.

Joso trank von dem mittlerweile kalt gewordenen Tee.

„Du glaubst mir immer noch nicht, nicht wahr?“

Nun, ich frage mich langsam, kann ein Traum so lang sein?“ „Nun, ich langweile Dich hoffentlich nicht. Die Geschichte ist nämlich noch lange nicht zu Ende. Wenn Du vielleicht so freundlich wärest und uns noch mal etwas Tee aufgießt. In dem Topf über dem Feuer müsste noch etwas heißes Wasser sein. Der Tee ist in dem Tontopf.“ Joso stand auf und ging zu der Feuerstelle und schaute nach dem Wasser, es war noch genügend darin und so goss er frischen Tee auf. Er konnte immer noch nicht recht glauben, was er bisher alles gehört hatte, aber andererseits, ein so ausführlicher Traum war auch sehr ungewöhnlich. Ob sein Lehrer sich auf seine alten Tage zu einem Geschichtenerzähler entwickelte. Die konnten auch die verrücktesten Dinge ganz glaubwürdig rüberbringen. Er hatte erst kürzlich so einem Mann zugehört, doch ob der sich so etwas ausdenken können würde. Wahrscheinlich nicht, allein schon all die Dinge über die Zukunft, die sonderbaren Dinge, die es dort geben soll, das konnte man sich einfach nicht ausdenken.

Er ging zurück zu seinem Lehrer und goss ihm und sich etwas heißen Tee ein, dann setzte er sich wieder und schaute auf sein Gebäck. Vor lauter Gebanntheit hatte er es immer noch nicht ganz aufgegessen. Er steckte sich den letzten Rest in den Mund und wartete darauf, dass Echilar weiter erzählte. Die Sonne stand jetzt schon ziemlich tief, aber er wurde von niemanden erwartet, und so konnte er getrost den Abend hier bei dem alten Mann verbringen.

Echilar zog noch einmal an der Pfeife,

dann setzte er seine Erzählung fort.

*

Das Raumschiff unterbrach seine weitere Zeitreise noch einige Male, aber immer nur um einen kurzen Bericht zu empfangen, wo sich Monica aufhielt und was sie gerade machte. Sie hatte sich nicht für ein Physikstudium entschieden sondern Biologie studiert. Allerdings brachte sie es nicht zu einem Abschluss sondern sie wechselte das Fach und studierte so etwas ähnliches wie Kunst. Man nannte das Objekt-Desing, dass hieß, sie lernte dreidimensionale Dinge zu entwerfen. Das konnte ein großes Haus sein, ein Möbelstück oder auch nur ein Kaffeebecher. Man berichtete ihnen, dass sie in diesen Dingen sehr talentiert sei und in kurzer Zeit dieses Studium diesmal auch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht hatte.

Wie es Joseph vorhergesehen hatte, trennte sie sich von dem Vater ihres Sohnes und war eine ganze Weile mit einem Türken namens Mansur zusammen. Der Informant hatte gemeint, die Beiden würden ausgesprochen viel Zeit zusammen verbringen, und davon auch sehr viel im Bett. Der Sohn entwickle sich dennoch ganz prächtig, auch wenn er in der Schule nicht die besten Noten bekam. Er hatte schlicht wenig Lust auf Hausaufgaben. Aber er sei ein hübscher und bei seinen Freunden beliebter Junge, der viel mit seinen Modellautos spielte. Diese ließen sich mittels einer Fernbedienung zu ziemlicher Schnelligkeit bringen und das machte ihm und seinen Freunden sehr viel Spaß. Außerdem lernte er segeln und er war viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Der Kapitän hatte nicht wenige Mühe den Anwesenden die Dinge zu erklären, denn weder Leonardo und erst recht nicht die Ägypter wussten was ein Fahrrad, geschweige denn eine Fernbedienung war. Vom Segeln hatten aber alle Ahnung und sie erzählten sich gegenseitig von den jeweiligen Booten, die man bei ihnen für den Transport von Waren und Personen verwendete. Das man nur zum Spaß segelte, das war ihnen nicht so leicht verständlich zu machen.

Joseph beklagte zwar das nicht beendete Biologiestudium seiner Enkelin, aber wie man herausgefunden hatte, hatte sie ein physikalisches Praktikum absolviert und in diesem Praktikum wurde auch an einem Zweiplattenkondensator experimentiert. Der Biefeld-Braun-Effekt wurde dort angesprochen, aber nicht näher behandelt. Man hielt ihn zu dieser Zeit einfach nicht für besonders interessant, geschweige denn wichtig. Auch Josephs Enkelin schien diesem Effekt zunächst keine größere Bedeutung bei zu messen. Doch das würde sich wie sie alle wussten ja noch einmal ändern. Zumindest hofften sie es, denn wie sollte sie sonst das Bombini erfinden. Dafür war gerade der Biefeld-Braun-Effekt sehr entscheidend.

Einstein erklärte Leonardo und den anderen was es mit dem Biefeld-Braun-Effekt seiner Meinung nach auf sich hatte: „Dieser Effekt wurde in den 20er Jahren von einem gewissen Thomas Thaunsend Braun und seinem Professor Biefeld beschrieben. Sie hatten Experimente mit einem Zweiplattenkondensator gemacht. Das sind zwei Metallscheiben, die elektrisch von einander isoliert sind. Sie setzten diesen Kondensator unter Hochspannung und dabei stellten sie fest, dass dieser Kondensator eine Eigenbewegung ausübte. Und zwar von + nach -. Dieser Effekt wurde tatsächlich wissenschaftlich festgestellt, aber das was Braun anschließend daraus gemacht haben soll, das wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft immer wieder bestritten. Millikan, ein geschätzter Kollege von mir und ebenfalls Nobelpreisträger formulierte es einmal so. Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Und Recht hatte er, es stellte sich nämlich heraus, dass Brauns angebliche fliegende Kondensatoren ein Schwindel waren. Es wäre ja schließlich auch gegen alle Naturgesetze gewesen. Die Bewegung, welche auch durch andere Wissenschaftler messbar war, die konnte auf eine einfache Elektrostatik zurück geführt werden. Doch Braun behauptete Zeit seines Lebens, sein Kondensator wäre geflogen. Doch das würde sich nicht durch die Elektrostatik erklären lassen. Und darum waren wir alle der Meinung, er hat geschwindelt.“

Was sich dann jedoch als völlige Fehleinschätzung herausgestellt hat, schließlich sind wir hier gerade in mit einem solchen Zweiplattenkondensator unterwegs.“ antwortete der Kapitän auf die Ausführungen Einsteins.

Leonardo und auch die Ägypter verstanden so gut wie gar nichts.

Was war elektrische Isolierung? Was war Hochspannung? Was bedeutete – und was +? Und was war Elektrostatik? Damit konnten sie wirklich überhaupt nichts anfangen. Sie wussten nur, sie saßen in einem Raumschiff, welches durch die Zeit fliegen konnte, doch wie das möglich war, das konnte ihnen so leicht keiner erklären. Sie verstanden einfach nicht was elektrischer Strom war und damit war ihnen die Welt des 20. Jahrhunderts schlicht unverständlich. Leonardo jedoch war sehr interessiert und wollte es gerne verstehen. Darum fragte er Einstein nun mehrere Löcher in den Bauch. Die Ägypter jedoch, die gaben einfach auf. Sie konnten sich das Ganze sowieso nur als eine Kunst der Götter vorstellen und damit waren sie zufrieden.

Sicherlich, der Kapitän behauptete immer wieder, es hätte alles überhaupt

nichts mit Göttern zu tun, aber das kümmerte sie nicht weiter.

Sie machten sich halt nun mal ihr ganz eigenes Bild.

Prinz William, Prinz George, Royals

Leonardo begann jedoch so langsam zu begreifen was

es mit dem elektrischen Strom auf sich hatte und

er war von diesem Phänomen total begeistert.

Wenn er solche Kräfte zur Verfügung gehabt hätte, was hätte er nur alles entwerfen und realisieren können! Mit diesem Strom wäre sein Hubschrauber garantiert geflogen, mit ihm hätten seine Katapulte eine unglaubliche Durchschlagskraft entfaltet, damit hätte er besseres Licht bei seinen Körperstudien gehabt und er hätte sich nicht bei Kerzenlicht die Augen verdorben. Denn leider sah er schon lange nicht mehr so gut wie in seiner Jugend. Joseph war kurz aufgestanden und in sein Zimmer gegangen. Als er zurück kam, legte er Leonardo eine Brille hin und meinte: „Hier, setzte diese Brille mal auf Deine Nase, hier so.“ Joseph zeigte ihm wie man eine Brille benutzte und Leonardo tat es ihm nach. Dann schaute er auf seine Hände und er war völlig überrascht. Jetzt konnte er doch tatsächlich wieder die kleinen Härchen auf seinen Händen erkennen. Das war ja wirklich wunderbar! Er nahm sich eines der Gläser und studierte die feine Ziselierung, die darauf aufgebracht worden war. Er blickte in das Gesicht Josephs und staunte. Jetzt konnte er wieder jede Pore erkennen. So eine Brille war wirklich eine ganz außerordentliche Hilfe. Joseph schenkte sie Leonardo, da er sie jetzt nicht mehr benötigte. Leonardo bedankte sich vielmals dafür und er ließ sich die Wirkungsweise genau erklären. Ja, von Optik verstand er etwas, damit hatte er sich auch schon intensiv auseinandergesetzt, doch so eine Brille, die war ihm dennoch nicht eingefallen. Er behielt die Brille von nun an ständig auf, denn da es eine Gleitsichtbrille war, konnte er damit nah wie fern wieder sehr gut sehen.

Mail-Etikette

Der Kapitän war darüber nur bedingt begeistert,

denn wie sollte Leonardo später, wenn er wieder

in seiner Zeit leben würde, diese Brille erklären.

Er würde ihm diese Sehhilfe möglicherweise wieder abnehmen müssen, wenn er ihn in seine Zeit zurück brachte. Aber er wollte Leonardo auch nicht enttäuschen, zu deutlich war die Freude über dieses Geschenk in Leonardos Augen zu sehen.

Und so erzählte er ihm, dass in seiner Zeit Brillen fast gar nicht mehr verwendet wurden, meistens ließe sich durch eine Laserbehandlung die Sehschwäche beheben und er bot Leonardo an, ihn noch einmal mit in die Zukunft zu nehmen, dort würde er sich dann so einer kleinen, völlig schmerzfreien Behandlung unterziehen können. Danach würde er sicherlich wieder seine alte Sehstärke besitzen, auch ohne diese Brille. Leonardo war damit schnell einverstanden, auch wenn er nicht wusste, was ein Laser war. Aber wieder scharf sehen zu können, das war ihm wirklich sehr wichtig. Denn erst jetzt mit der Brille auf der Nase wurde ihm so richtig klar, was er bisher alles übersehen hatte.

Echnaton und Echilar hatten keine Probleme mit ihren Augen und sie waren eigentlich auch nicht erpicht auf eine weitergehende Reise in eine noch fernere Zukunft. Ihnen war die ganze Sache auch jetzt schon etwas zu viel. Sie verstanden meistens nur die Hälfte von allem was am Tisch gesprochen wurde und sie kamen sich nicht selten ziemlich doof vor, denn auch nach mehrmaligen Versuchen ihnen die wundersamen Dinge zu erklären, begriffen sie nur das Wenigste. So auch jetzt. Von Optik hatten sie nämlich auch noch nie etwas gehört und die Brille fanden sie vor allen Dingen ziemlich komisch. Leonardo sah damit wirklich ziemlich verändert aus.

Aber für Leonardo war die Brille jetzt erst mal eine große Hilfe und so ließ er sich von dem Gekicher der Ägypter nicht beirren. Für ihn war gutes Sehen einfach sehr wichtig. Er überlegte sich schon, was er damit an seiner Monalisa noch verbessern konnte. Er hatte an diesem Bild jahrelang gemalt und es immer wieder etwas korrigiert, doch seit einiger Zeit konnte er einfach nicht mehr genau genug sehen und so hatte er das Bild schon länger nicht mehr auf die Staffelei gestellt. Doch mit diesen Gläsern auf der Nase, oder aber auch mit einer Operation, wie der Kapitän dies angeboten hatte, da würde er sich das Bild noch einmal ganz genau anschauen. Jetzt wo er wusste, dass dieses Bild einmal die halbe Welt faszinieren würde, da war es ihm wichtig, dass es wirklich absolut perfekt wurde.

Er hatte dieses Bild zum Glück nie verkaufen müssen und er würde es auch niemals tun. Der Vater der jungen Frau hätte es zwar gerne erstanden, doch er hatte schon damals gewusst, dieses Bild würde ihm allein gehören. Seine ganze schöpferische Kraft hatte er da hineingelegt, ja, die Monalisa war letztendlich das einzige Bild, an dem ihm persönlich etwas lag. Denn, eigentlich hatte er immer nur gemalt, weil er Geld brauchte, selten hatte er von sich aus gemalt und wenn es sich vermeiden ließ, dann hatte er die Pinsel auch schnell wieder weg gelegt und sich anderen, ihm viel wichtigeren Fragen gewidmet. Nur seine gemalte Monalisa, die hatte er einfach geliebt. Als Modell hatte ihm eine junge Kaufmannstochter gedient, doch war es nicht diese Frau, die ihm so ans Herz gewachsen war. Für Frauen im Allgemeinen hatte er nämlich noch nie großes Interesse gezeigt. Sie waren ihm meistens zu oberflächlich, denn er konnte sich nur selten mit ihnen vernünftig unterhalten. Aber in seinen Träumen, da gab es eine Frau, eine Wunderschöne, eine Geistreiche, eine sehr Liebenswerte. Und diese Frau hatte er eigentlich malen wollen und da war ihm diese hübsche Kaufmannstochter aufgefallen, denn sie sah seiner Traumfrau tatsächlich sehr ähnlich. Also hatte er sie gefragt, ob er sie malen dürfe und so war es zu einigen Sitzungen in ihrem Hause gekommen. Später dann hatte er das Bild immer weiter vervollkommnet und vor allen Dingen an dem Lächeln gearbeitet. Dieses Lächeln war das Lächeln seiner ganz persönlichen Traumfrau gewesen, seiner Göttin, seiner Liebe.

Vielleicht hatte er deshalb ja keine Frau geheiratet und auch keine

Kinder bekommen, denn sein Herz war einfach schon

an seine Monalisa vergeben gewesen.

Teufel Mystery Hjalta

Doch der Gedanke, dass ausgerechnet seine

Traumfrau die Welt so begeistern würde, dass sie diese auch

noch nach Jahrhunderten verehrten, das erfüllte ihn mit großem Stolz.

Er hatte mit diesem Bild das Abbild eine Göttin erschaffen und er hoffte, dass diese Göttin mit seinem Bild ebenso zufrieden war. Denn, auch wenn der Kapitän meinte, es gäbe keinen Gott und schon gar keine Götter, so war er sich doch sicher. Die Welt lag in Gottes Hand und diese Hand war eine Frauenhand.

Natürlich konnte er niemandem in seiner Zeit so etwas sagen, da landete man schnell vor einem Kirchengericht. Das war schließlich ziemliche Blasphemie, ja Ketzerei in den Augen der allmächtigen Kirche. Und auch hier am Tisch würde er seine Gedanken dazu bestimmt nicht preisgeben, seine wundersamen Träume waren nun mal sein größtes Geheimnis und dieses würde er für sich behalten.

Michael betrat den Raum und deckte den Tisch für ein leichtes Abendessen, denn der Braten vom Mittag war sehr kalorienreich gewesen. Der Koch hatte daher entschieden, dass es vor allen Dingen Salate und eine leichtere Pastete geben sollte. Außerdem gab es natürlich Brot und verschiedene Käsesorten zur Auswahl. Dazu gab es alkoholfreien Rot- und Weißwein. Die Männer erhoben sich von ihren Sesseln und setzten sich an den Tisch, denn die Diskussionen hatten ihnen Appetit gemacht. Michael goss jedem ein Glas Wein ein, die Ägypter wählten Roten, die anderen entschieden sich zunächst für den Weißen. Der Kapitän erklärte, dass diese Weine aus seiner Heimat kämen und im Allgemeinen sehr beliebt seien. Das sie keinen Alkohol enthielten, das verschwieg er erst mal. Er wollte sehen, wir der Wein bei seinen Gästen ankam und oh ja, er mundete allen sehr gut. Da erklärte er die Sache mit der Alkoholfreiheit und alle waren sehr überrascht, denn sie hatten keinen Unterschied feststellen können. Der Kapitän erklärte, es sei schon vor vielen Jahren gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, dass dem Wein seinen Geschmack erhielt, auch ohne den problematischen Alkohol, denn dieser sei wahrlich ein ernst zu nehmendes Problem für die Gesellschaft. Die Menschen wären in großer Zahl abhängig von dem Zeug geworden und nach einer entsprechenden Therapie waren viele Menschen darauf angewiesen sich alkoholfrei zu ernähren. Zwar gebe es mittlerweile auch Pillen gegen die Sucht, aber der körperliche und seelische Verfall dieser Mitmenschen sei einfach nicht aufzuhalten gewesen. Und so sei der Ruf nach alkoholfreien Getränken immer lauter geworden und irgendwann hätte die Regierung den Alkohol gänzlich verboten. Nur in absoluten Ausnahmesituationen wie etwa heute bei der Beerdigung sei der Verzehr dieser Droge noch gestattet. Im Alltag spiele der Alkohol bei ihnen daher nur noch eine sehr geringe Rolle. Die meisten Menschen kämen damit zum Glück auch sehr gut zurecht, nur die Rückwärtsgewandten würden immer noch alkoholhaltige Getränke zu sich nehmen. Nicht wenige von ihnen würden sich regelmäßig einen mächtigen Rausch antrinken und seien oft am nächsten Tag daher auch zu nichts mehr zu gebrauchen. Überhaupt spielten Drogen bei diesen unverbesserlichen Leuten eine große Rolle.

Die Anwesenden schauten sich enttäuscht an, denn Wein ohne zumindest einen kleinen Rausch, das war unsinnig. Man trank diesen doch gerade um den Geist des Weines lebendig werden zu lassen. Was sollten sie nur von einer Gesellschaft halten die immer nur nüchtern war? Es war das erste Mal, dass ein kleiner Zweifel an dieser ach so tollen Gesellschaft der Zukunft aufkam, und zwar bei jedem hier am Tisch, den Kapitän natürlich ausgenommen. Der nahm zufrieden noch einen Schluck aus seinem Glas und forderte seine Gäste auf bei den Speisen zuzugreifen. Für die Pastete sei der Koch berühmt und sie sollten unbedingt auch die verschiedenen Käse probieren. Sie kämen aus Frankreich und seien wahre Spezialitäten. Aber seinen Gästen war irgendwie die Lust vergangen.

Ohne Alkohol schmeckte der beste Käse doch nicht.

Smartphones

Reinhard merkte wohl, dass die Stimmung plötzlich

in den Keller gegangen war, aber er verstand nicht so recht warum.

Er versuchte es daher noch mal und pries seinen Wein an: „Der Wein kommt aus dem Rheintal, seit dem Klimawandel wächst dort wahrlich ein vorzüglicher Tropfen.“

Egal wo er herkommt, das ist kein Wein. Das ist Traubensaft, sonst gar nichts.“ grummelte Echnaton in sich hinein, doch jeder am Tisch hatte es gehört und der eine oder andere nickte zustimmend. Dem Wein den Alkohol zu nehmen war wirklich eine Schande. Schade um die verwendeten Reben, gerade wenn sie so hervorragend waren. In ihren Zeiten war Wein noch richtiger Wein und er stieg einem glücklicherweise nicht selten zu Kopf. Darum ging es schließlich. Der leichte und bisweilen auch starke Rausch war doch gerade das Geheimnis dieses Getränkes. Eine brodelnde Stille breitete sich unter den sich um einen schönen Abend betrogenen aus. Was hätte es nicht doch auch sehr lustig werden können. So aber kamen sie sich wie Kinder vor, denen man natürlich besser von diesem Saft nichts zu trinken gab. Alkohol war schließlich etwas für wahre Männer.

Joseph sagte als Erster etwas, denn er wollte nicht dass der ganze Abend nun verdarb: „Sicherlich ist ein zuviel an Alkohol ein ernstes Problem, aber es scheint mir doch auch ziemlich radikal, ihn so zu verteufeln. Hattest Du denn noch nie einen schönen Rausch?“ fragte er seinen Sitznachbarn.

Ich habe immer nur auf Beerdigungen ein Gläschen getrunken, eines und nicht zwei oder drei. An einem Rausch liegt mir nichts, in meiner Position muss man einfach nüchtern sein.“

Aber hast Du denn nie auch mal Feierabend oder Urlaub? Was war auf Deiner Hochzeit? Gab es da etwa auch diesen Tropfen hier?“

Wie ich schon sagte, bei uns trinken wir nur auf einer Beerdigung Alkohol, ansonsten steht Alkohol in der Hausapotheke. Wir betrachten Alkohol als eines der ganz großen Übel der Vergangenheit. Wie viele Menschen sind ihm verfallen und haben Haus und Hof versoffen, die Frau mit den Kindern vertrieben oder sie im Rausch gleich umgebracht. Alkohol macht Männer zu Bestien, zu Kriegern, zu Mördern. Wir wollen solche Zustände einfach nicht mehr. Wenn jemand sich mal berauschen will, dann gibt es schließlich andere Mittel.“

Ja? Was denn? Womit entspannt ihr Euch, wenn es mal so richtig nötig ist?“ fragte Leonardo.

Es gibt dafür die verschiedensten Medikamente, sie sind nicht gerade legal, aber wer will weiß schon was er nehmen muss. Doch das wird wirklich nicht sehr gern gesehen und so machen es die Menschen möglichst ohne dabei beobachtet zu werden.“

Und ich dachte schon Ihr seid völlig plemplem. Denn eine Gesellschaft ohne Rausch ist eigentlich nicht denkbar, das ist einfach unnatürlich.“ meinte Echanton.

Ja, das sehe ich auch so“, meinte Leonardo, „nur, warum Medikamente nehmen, wenn es doch viel einfacher ist ein Glas Wein zu trinken.“

Weil wir nicht wollen, dass der Rausch so leicht zu haben ist. Er verführt die Menschen zu schlimmen Dingen.“

Ich denke, ihr übertreibt den Schaden, den der Alkohol anrichten kann, in vernünftigen Maßen getrunken ist er ein Genuss und keine Gefahr.“ sprach Joseph allen aus der Seele. Er nahm sein Glas in die Hand und trank einen Schluck. „Aber Du hast schon Recht, dieser hier schmeckt trotzdem gut. Lasst uns also mit diesem Zukunftswein anstoßen, wir wollen doch nicht wie Weiber klagen, nur weil wir uns heute leider nicht betrinken können. Prost!“

Auch die anderen nahmen darauf hin ihre Gläser und prosteten sich zu.

Sie waren nun mal Gast auf diesem Schiff und konnten es nicht ändern. Aber Echanton, Echilar, Leonardo und auch Einstein nahmen sich fest vor, sobald sie wieder zu Hause in ihrer Zeit wären, sich ganz gehörig einen hinter die Binde zu gießen. Sie würden es sich bis dahin wirklich verdient haben.

Und so konnte nun endlich auch gegessen werden. Die Pastete war tatsächlich sehr schmackhaft und der Salat war auch nicht schlecht. Aber der Käse war tatsächlich dann ein Gedicht. Es war für jeden etwas Köstliches dabei und bald schon vergaßen sie, dass der Wein kein Echter war und sie ließen es sich munden. Die Stimmung wurde wieder besser und der Kapitän war froh, dass seine Gäste nicht gemeutert hatten. Er wusste, mit wirklichen Alkoholikern war in dieser Sache nicht zu spaßen. Die wurden agressiv, wenn sie ihren Stoff nicht bekamen. Unter seinen Reisenden war jedoch offensichtlich keiner an dieser heimtückischen Krankheit erkrankt.

Sie saßen alle noch zu Tisch, als Klaus mit einer neuen Meldung herein kam. Er übergab sie zunächst an den Kapitän und wartete dann auf weitere Instruktionen. Reinhard überflog das Blatt Papier und meinte dann: „Wir sollten uns jetzt wirklich auf 2005 konzentrieren, es wird höchste Zeit, dass wir endlich ankommen.“ Klaus nickte und ging wieder zur Tür hinaus, ohne die Anwesenden groß zu bemerken. Ihm waren all diese Gestalten der Vergangenheit suspekt und wenn er sich die Informationen vor Augen hielt, dann wurde ihm auch diese Monica immer unheimlicher. Offensichtlich hatte die keine Ahnung von der Materie und wie sie so zu vernünftigen Ergebnissen kommen wollte, das war ihm ein Rätsel.

Reinhard reichte das Papier an Joseph weiter und machte ein bekümmertes Gesicht, denn leider schien diese Frau langsam auch nur noch betrunken zu sein. Man hatte sie fast jeden Tag mit ihrem neuen Freund in die Kneipen gehen sehen und nicht selten torkelten Beide anschließend durch die Nacht. Sie hatte zwar tatsächlich begonnen an ihrem Bombini zu arbeiten, doch waren die Ergebnisse, die sie erzielte mehr als enttäuschend.

Auch Joseph war nicht gerade begeistert und nun wollten natürlich die anderen auch wissen, was denn das Problem war. Joseph erklärte die Sachlage und alle verfluchten den Alkohol. Der neue Freund war ganz offensichtlich ein Alkoholiker und er schien keinen guten Einfluss auf seine Freundin zu haben. Frauen und Alkohol, da wurde man sich schnell einig, das ging selten gut.

Leonardo fragte den Kapitän, ob man nicht mal die Möglichkeit hätte sich das Ganze mit eigenen Augen anzusehen und Reinhard überlegte nur kurz. Dann rief er nach Klaus und der antwortete auch gleich aus dem Nichts. Er sagte dem Techniker, dass sie gerne eine Schaltung nach Unten hätten, möglichst direkt in die Werkstatt des Freundes, denn dort sollte Monica gerade an ihrem Bombini arbeiten.

Es dauerte nicht lange und Klaus meldete, man könne jetzt einen Blick in die Werkstatt werfen. Allen war es ein großen Rätsel, wie das nur möglich war, aber dann konnten sie auf dem großen Bildschirm an der Wand tatsächlich eine Frau sehen, die über irgendwelchen Gerätschaften hing und fluchte. Ja, sie konnten sie nicht nur sehen, sie hörten sie auch. Offensichtlich ärgerte sie sich gerade über irgend etwas ganz fürchterlich und dann sahen sie, dass sie sich hinsetzte und sich eine riesige Zigarette drehte. Sie nahm aber ganz offensichtlich nicht nur Tabak sondern sie tat auch noch irgendein anderes Kraut dazu.

Keiner sagte ein Wort, doch jeder ahnte, was nun kommen würde.

Auch Echnaton und Echilar hatten schon mal gekifft. Sie wussten zwar nicht was die Frau da gerade rauchte, aber sie hatten sich auf dem Markt bei einem Kräuterverkäufer etwas gekauft, dass in dem Ruf stand ganz außerordentliche Visionen zu erzeugen. Eigentlich machten nur die Priester so etwas, aber wenn man wusste wo, dann konnte sich auch der einfache Ägypter so ein Kraut beschaffen. Echanton und Echiar hatten sich natürlich wer weiß was davon versprochen, doch eigentlich waren sie davon nur lustig geworden. Es hatte Spaß gemacht, sie waren den halben Tag durch die kleine Stadt gezogen, hatten sich unterwegs etwas zu Essen gekauft und dann waren sie wieder nach Hause in den Garten gegangen. Dort hatten sie dann ein sehr interessantes Gespräch gehabt. Es war um die Götter gegangen. Echanton hatte irgendwie Probleme mit dem Amun. Er konnte die Priester überhaupt nicht leiden. Seiner Meinung nach ging es ihnen nur um die Opfergaben. Sie waren tatsächlich sehr reich, sie besaßen viele, goldene Statuen und allerhand Wertvolles noch dazu. Echanton fand sie eingebildet und in seinen Augen nahmen sie viel zu großen Einfluss auf den Pharao. Überall hatten sie ihre Berater und sie mischten sich in alles ein. Er war der Meinung, sie sollten sich viel mehr mit den geistigen Fragen beschäftigen, stattdessen betrieben sie Politik. Sie waren an nicht wenigen Intrigen der letzten Zeit beteiligt und wenn ihnen ein Prinz nicht gefiel, dann konnten sie schon mal echt gefährlich werden. Echnaton wusste sehr wohl, dass man sich einen anderen Thronfolger bei Hofe wünschte, und nicht wenige gerade der Amunpriester versuchten den Pharao zu beeinflussen. Er wollte sich von diesen Leuten aber nicht verdrängen lassen und er schwor sich schon damals, wenn er einmal die Macht haben würde, dann würde er die Amunpriester mit ihrem Staatsgott zurecht stutzen. Bei ihm würden sie nicht überall herumschleichen und ihre Fäden spinnen.

Echilar hatte zwar keine solch radikale Kritik an den Amunpriestern, aber er musste Echnaton schon auch Recht geben, diese Leute hatten die eigentliche Macht in ihren Händen. Sicherlich, eigentlich hatte immer der jeweilige Pharao das sagen, aber gegen die Priester konnte dieser auch nicht viel ausrichten. Das Volk war halt überwiegend Anhänger dieses Gottes, die opferten viel und gerne. Die Priester versprachen dafür bei Amun um Erfüllung der Wünsche zu bitten. Sie waren die Vermittler und sie ließen sich für ihre Arbeit gut bezahlen.

Aber auch die anderen Götter mussten besänftigt werden und so ging es auch den anderen Priesterschaften nicht schlecht. Sie zusammen bildeten das gesellschaftliche Rückrat der Gemeinschaft von Bauern und Handwerkern. Denn die hatten viele Aufträge zu bearbeiten. Es musste schließlich das Gemüse angebaut und die Herden versorgt werden, bevor man diese Gaben an die Priester weitergeben konnte. Auch die Handwerker hatten gut zu tun und so waren eigentlich alle sehr zufrieden. Die Macht der Priester nahm man dabei ebenso ergeben und kritiklos hin, wie die Macht des Pharao. So war es von Amun gewollt und so war es gut so.

Aber, wie schon gesagt, Echanton hatte hier eine ganz andere Haltung und da Echilar nun mal sein Freund war, kritisierte er dies nicht. Im Gegenteil, er hatte durchaus Verständnis dafür. Und damit war er auch nicht ganz alleine. Auch im Volk gab es den einen oder anderen, der diese Machtentfaltung mit Sorge betrachtete. Aber man fühlte sich demgegenüber auch sehr machtlos. Insofern ging Echilar davon aus, das Echnaton einmal durchaus auch Unterstützung für seine Forderung nach mehr Geistlichkeit bekommen würde.

Leonardo gingen ganz andere Dinge durch den Kopf. Er hatte auch schon mal geraucht. Händler hatten einige Pflanzen von ihren Reisen mitgebracht und boten sie ihren besten Kunden an. Die Kräuter kamen aus fernen Ländern und hatten eine ganz durchschlagende Wirkung nicht nur auf ihn gehabt. Der Handel blühte, wenn auch etwas im Verborgenen, aber wer gut zahlte, der bekam auch etwas Besonderes für sein Geld. Er hatte einige seiner Erfindungen diesen Kräutern zu verdanken und so konnte er sich durchaus in die Gefühle dieser Frau eindenken. Sie war offensichtlich mit irgendetwas total unzufrieden und sie wollte sich mit diesen Kräutern wahrscheinlich auf andere, neue, möglicherweise fruchtbare Gedanken bringen. Was er in ihrer Werkstatt sah, das sagte ihm irgendwie gar nichts. Er wusste nicht worin ihr Problem lag, aber er wusste genau wie sie sich jetzt fühlte.

Wenn er doch nur ein paar Worte zu ihr sagen könnte. Er fragte den Kapitän: „Wenn wir sie hören können, kann sie uns dann vielleicht auch verstehen?“

Über Telepathie könnte man es versuchen, wenn wir direkt zu ihr sprechen, dann fällt sie uns womöglich in Ohnmacht.“

Und wie funktioniert das mit der Telepathie?“

Gut wäre, wenn wir jetzt auch etwas rauchen würden.“ sagte der Kapitän.

Vielleicht ein Kraut das nicht wirkt?“ fragte Einstein etwas bissig.

Nein, ich habe tatsächlich etwas Cannabis in meinem Zimmer“, meinte der Kapitän gelassen. „Gut, ich werde es holen, aber ich möchte nicht, dass ihr es den Leuten meiner Crew erzählt. Die müssen das nicht unbedingt mitbekommen.“

Jetzt schauten doch alle etwas überrascht. Der Mann trank Wein ohne Alkohol aber er hatte Drogen auf seinem Zimmer. Jetzt wurde ihnen klar, ganz so streng war er am Ende dann offensichtlich doch nicht.

Nur Joseph schaute etwas irritiert. Cannabis? Wurde man davon nicht süchtig und landete irgendwann an der Nadel? Gut, auch er hatte als junger Spunt mal heimischen Hanf geraucht, damals zu Studienzeiten, aber seit dem hatte er sich mit so etwas nicht mehr beschäftigt. Er hatte sich, wenn er einen in der Krone haben wollte, in die Kneipe begeben oder er hatte zu Hause eine Flasche Wein getrunken. Und natürlich hatte er dazu auch gerne eine filterlose Zigarette geraucht. Aber er war schließlich kein Hippi, und jetzt wollte man hier Drogen zu sich nehmen.

Andererseits würde auch er gerne ein paar ernste Worte mit seiner Enkelin reden, sie machte auf ihn doch einen sehr chaotischen Eindruck. Wie es in ihrer Werkstatt nur aussah. Alles lag Kreuz und Quer herum, überall lagen Notizen und wenn er es richtig sah, dann drohte ihr bald schon das Messgerät vom Tisch zu fallen. So konnte das mit ihren Experimenten ja nichts werden. Er beschloss daher ebenfalls von diesem Zeug zu rauchen, wenn es half telepathisch zu kommunizieren, dann wollte er auf jeden Fall mit dabei sein.

Einstein schaute sich erst einmal in Ruhe in ihrem Zimmer um. Es war ein größerer Dachboden mit einem Fenster ins Freie. Man konnte dadurch in einen schönen, halb verwilderten Garten sehen. Im Dach war auch noch eine Luke. Sie hatte einen sehr langen Arbeitstisch, er bestand aus großen Glasplatten. Darauf befand sich eine ganze Reihe von Kondensatoren, er kannte diese silbernen Dinger auch, sie wurden oft in Neonröhren verwendet. Dann erkannte er Dioden, sie waren zu langen Ketten verlötet worden. Alles war auf langen Holzbrettern angeordnet. Es handelte sich dabei wie er feststellte um eine Kaskade. So, so, damit wollte sie also die benötigte Hochspannung erzeugen. Sie schien allerdings mit der Anlage Probleme zu haben und das war seiner Meinung nach auch kein Wunder, solche Kaskaden waren sehr störanfällig. Er war zwar eigentlich ehr ein theoretischer Wissenschaftler, aber natürlich interessierten die sich immer auch für die Probleme der praktischen Physik, schließlich lebten sie von deren Ergebnissen.

Und dann sah er das Bombini. Er konnte es kaum glauben, aber sie verwendete einfach nur zwei dünne Metallscheiben mit einer Plexiglasscheibe dazwischen als sogenanntes Dielektrikum. Damit wollte sie doch nicht wirklich die Welt revolutionieren. Das alles war doch der totale Quatsch. Er verwettete seinen Nobelpreis, aber dieses Bombini dort würde garantiert niemals fliegen.

Was nun das rauchen anging, so wollte er am Ende nicht alleine nüchtern sein. Ja, auch er hatte schon mal geraucht, als junger Mann sogar recht regelmäßig und wenn er ehrlich zu sich selber war, dann verdankte auch er dem Zeug einige seiner besten Ideen. Natürlich war dies sein wohl gehütetes Geheimnis, auch wenn er wusste, auch die anderen Wissenschaftler waren diesen Stoffen nicht abgeneigt. Aber man sprach darüber natürlich nicht, wie sähe das auch aus, ein Nobelpreis durch Drogen. Nein, damit hielt sich jeder still zurück, schließlich wollte man von der Öffentlichkeit noch ernst genommen werden.

Reinhard kam zurück in den Salon und er legte ein Döschen

auf den Tisch. Er fragte: „Wer will nicht?“ und keiner meldete sich.

Reinhard öffnete das Döschen und darin lag Marihuana der allerbesten Sorte, wie er versprach. Es wurde bei ihnen zu medizinischen Zwecken angebaut und es war auf einen sehr hohen THC-Gehalt gezüchtet. Man hatte durchaus auch gentechnisch daran gearbeitet und es stand in dem Ruf, die allerbeste Droge für telepathische Kontakte zu sein. Er hatte dieses Gras für genau solche Fälle immer mit dabei, denn manchmal wollte man nur ungern die Technik dafür bemühen. Das war zwar mittlerweile auch möglich, aber das Gras hatte eben den sympathischen Nebeneffekt high zu machen. Und ganz besonders gut funktionierte das mit der Telepathie, wenn beide Seiten etwas geraucht hatten.

Er hatte auch etwas Tabak mitgebracht und eine kleine Wasserpfeife. Damit war man sparsamer und es knallte auch stärker. Er bereitete die erste Pfeife vor und fragte, wer denn als erster ziehen wolle. Leonardo meldete sich und so schauten alle zu wie er an der Pfeife zog. Er musste husten und meinte: „Mann, was ist das denn für ein Zeug? Das zieht einem ja die Schuhe aus.“ Der nächste war Einstein. Er zog vorsichtig, schließlich wollte er nicht husten müssen, aber auch ihm wurde sogleich ganz schummrig und er hustete kräftig. Dann kam Echnaton an die Reihe, er zog einmal kurz und kräftig, natürlich musste er danach total husten, aber er strahlte. Dann rauchte Echilar und er merkte gleich, dieses hier war etwas ganz anderes als dass Zeug was sie damals geraucht hatten.

Jetzt war Joseph an der Reihe und er hustete nicht. Er hatte schon so viele starke Zigaretten in seinem Leben geraucht, er kam damit gut zurecht. Auch Reinhard brauchte nicht zu husten, er war diese Pfeife gewöhnt. Und so saßen sie nun zusammen und warteten. Sie schauten über den Bildschirm in die Werkstatt und beobachteten die Frau, die sich dort offensichtlich etwas beruhigt hatte. Sie saß auf einer Decke auf dem Boden und starrte vor sich hin. Dann stand sie auf und schaute sich ihre Kaskade an. Sie warf einen Blick auf ihr Bombini und begann zu klagen: „So eine Scheiße, warum gibst Du ständig Deinen Geist auf? Ich brauche doch nun mal die Spannung, wo liegt nur jetzt schon wieder das Problem? Ich denke die Kondensatoren sind selbstheilend.“

Nun meldete sich Leonardo zu Wort: „Sei offen für neue Lösungen.“ Da schaute sich die Frau um und fragte: „Sollte ich etwa wiedereinmal nicht allein mit meinen Problemen sein? Wer spricht denn da mit mir?“

Ich bin es Leonardo da Vinchi, ein guter Freund von Monalisa.“

Das ist ja interessant, ich bin auch eine gute Freundin von ihr. Nur versteht diese Frau recht wenig von Physik, aber sie will trotzdem das Unmögliche.“

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Ich bin sicher, Du schaffst das. Gib nicht so schnell auf.“

Vielleicht solltest Du in Deiner Werkstatt etwas mehr Ordnung schaffen“, meldete sich Joseph zu Wort.

Das kann doch nur mein Großvater gewesen sein, diese Stimme kenne ich.“

Womit Du durchaus Recht hast, und ich muss sagen, ich bin etwas irritiert Dich ständig betrunken zu wissen. So löst Du Deine Probleme bestimmt nicht.“

Ich habe Deine guten Ratschläge schon häufiger vermisst, schön von Dir zu hören.“

Ich bin die ganze Zeit in Deiner Nähe und passe auf, dass Du Deine Aufgabe auch erfüllst. Wir sind alle ganz auf Deiner Seite.“

So ein Quatsch, Dein Bombini wird so niemals fliegen. Hättest besser mal Physik studiert, dann wüsstest Du, was Du falsch machst.“

Wer ist denn bitte dieser Klugscheißer? Willst Du mich noch mehr frustrieren, als ich es sowieso schon bin? Ich weiß auch, dass ich in Physik keine Leuchte bin. Mich hat dieses Fach nie wirklich interessiert. Ich finde die Gesetze beschreiben immer nur, aber sie erklären selten etwas.

…Zumindest beantworten sie nicht meine Fragen.“

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Wir haben halt in den meisten Fällen nur die

Beobachtung, Physik braucht viel Fantasie.“

Die fehlt den meisten Wissenschaftlern aber offensichtlich, und darum glauben sie auch nicht an den fliegenden Zweiplattenkondensator.“

Man muss sich schon an die Naturgesetze halten,

es gibt ja nicht so viele, aber die sollte man schon kennen.“

Schon möglich, aber wir kennen noch lange nicht alle gut genug um sagen zu können, dass das was Thomas Thaunsend Braun angeblich geschafft hat, ein Fake war. Und ich will ja genau darum selbst so ein Bombini fliegen lassen, damit könnte ich seine Entdeckung ins rechte Licht setzen. Ich glaube nämlich nun mal den herrschenden Wissenschaftlern nicht, sie hängen doch alle am Tropf der Ölindustrie und das die keine Bombinis will, das ist doch klar. Denn, mit einem fliegenden Kondensator wäre ihre Ära schnell zu Ende. Und nur darum geht es, die unmögliche Verschmutzung der Erde muss endlich ein Ende haben. Außerdem will ich durch das Weltall reisen können, und mit so einem Bombini könnte es klappen.“

Ich halte das Ganze nur für einen unendlichen Traum. Wir werden uns nie schneller als das Licht bewegen können, und darum wäre ein Flug zu den Sternen eine sehr langweilige Angelegenheit.“

Jetzt weiß ich wer Du bist, Du kannst nur Einstein sein.“

Kluges Kind. Aber ich will Dich nicht aufhalten, versuche nur Dein Glück, ich hoffe Du bist frustresistent, denn so wie Du das Ganze handhabst, wirst Du garantiert scheitern. Physik ist eine sehr exakte Wissenschaft und bei Dir sieht es aus, als hätte ein Orkan gewütet. Vielleicht solltest Du mal all Deine Zettel zusammen sammeln.“

Vielen Dank für den Rat, in diesem Punkt hast Du sicherlich nicht unrecht. Ich werde am Besten gleich damit beginnen, vielleicht werde ich dann ja klarer sehen.“

Ich würde an Deiner Stelle auch mal die Götter fragen, was sie von all dem halten. Wenn Du die nämlich nicht auf Deiner Seite hast, dann wird das Ganze nichts.“

Die habe ich alle schon mehrfach um Hilfe angefleht, doch die verstehen von den Niederungen der praktischen Physik nicht gerade viel. Bei ihnen fliegt mein Bombini wohl auch schon längst. Das Einzige was sie mir nur immer wieder sagen ist: „Du trägst Die Lösung schon in Dir.“ Sie sprechen von Selbstvertrauen und Vertrauen in die Weisheit Gottes. Und ja, ich weiß, ich befinde mich in seiner Hand. Er hilft mir auch tagtäglich, doch eine Lösung für mein momentanes Problem hat er auch nicht. Ich werde den Fehler schon selbst finden müssen, so ist das nun mal. Sag, wer bist Du denn überhaupt?“

Ich bin Echnaton. Ich sitze hier mit den anderen und verfolge Dein Tun. Es tut mir sehr leid, aber von Deiner Physik verstehe ich leider gar nichts. Für mich ist das alles eine Kunst der Götter.“

Echnaton. So so. Und wie geht es Dir?“

Ich bin zur Zeit ganz schön bekifft.

Und wie geht es Dir jetzt so?“

Schon besser, ich Danke Euch für Eure Anteilnahme, ich konnte die jetzt tatsächlich mal ganz gut gebrauchen. Ist sonst keiner da, dem ich mein Leid klagen kann. Um mich herum sind nur Schnapsnasen und die interessiert meine Sache hier in keiner Weise. Nur Rene, ein pensionierter Physiklehrer, kommt regelmäßig vorbei und hilft mir, wenn ich Fragen habe.“

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Und, was hält der von Deiner Arbeit?“

Er meint, ich solle an dem Thema dran bleiben, er hat mir auch ein sehr gutes Buch zu diesem Thema hier gegeben, aber er weiß es eben auch nicht wirklich. Ist Brauns Kondensator nun geflogen oder nicht?“

Also wir sitzen hier alle in so einem Bombini, ich weiß zwar auch nicht wie das möglich ist, aber wir fliegen schon die ganze Zeit durch Zeit und Raum. Irgendwie ist es also möglich. Nur, wie schon gesagt, von Physik habe ich absolut keine Ahnung, zu unserer Zeit gab es so etwas noch nicht.“

Also gut, dann werde ich jetzt erst mal aufräumen und morgen weiter machen, irgendwann wird mein Bombini schon fliegen, ganz bestimmt.“

Und die Männer schauten ihr dabei noch eine Weile zu, dann machte sie das Licht aus und verließ den Dachboden um nach Hause zu gehen.

Keiner sagte zunächst ein Wort, irgendwie hing jeder seinen eigenen Gedanken nach. Was war das für eine Frau? Eine Frau die sich für Physik interessierte, statt für schöne Klamotten, denn das sah man sofort, auf irgendwelchen Chic legte sie offensichtlich nur wenig wert. Ihre Hose war total verwaschen und ihre Haare hingen ihr lose den Rücken hinab. Echanton kannte so etwas ja gar nicht. Bei ihm zu Hause legten die Frauen sehr viel Wert auf ein ansprechendes Äußeres und auch Leonardo kannte nur Frauen, die sich herausputzen. Einstein kannte ebenfalls nur wenige Frauen, die sich so nachlässig kleideten. Nur Joseph wunderte sich nicht so sehr, er erinnerte sich, sie schon damals in solchen Jeans und T-Shirts gesehen zu haben. Sie hatte sich eigentlich gar nicht so sehr verändert. Immer noch dieser Sturkopf. Reinhard hatte sie sich allerdings schon etwas anders vorgestellt, doch nach der Lektüre ihres Buches war er so gut wie auf alles vorbereitet.

Er hatte sich wie Echilar im Hintergrund gehalten, es hätte sie nur verwirrt, wenn er sich in das Gespräch eingemischt hätte. Natürlich hätte er ihr ihre eigene Theorie durchaus erklären können, aber das war ein Paradoxon und diese wollte er tunlichst vermeiden. Dieses Gespräch war schon so eine Sache, das konnte einen Menschen schon durcheinander bringen. Aber er hatte den Eindruck, sie kam damit gut klar. Nun, gut bekifft war eben vieles möglich, eben auch solche telepathischen Gespräche. Doch jetzt war er auch etwas müde und er wollte gerne in seinem Bett weiterträumen. Dieses Gras war wirklich verteufelt gut. Er verabschiedete sich also von seinen Gästen und riet ihnen, die Nacht ebenfalls für den Schlaf zu nutzen, morgen wollten sie endlich in das Jahr 2005 gelangen und da würde noch sehr viel Aufregendes auf sie zu kommen. Und so löste sich denn die Gemeinschaft langsam auf und jeder ging in sein Zimmer.

Echnaton und Echilar teilten sich als Einzige einen Raum, alle

anderen hatten ein Einzelzimmer und dort würde nun

ihr Rausch seine eigenen Wege gehen.

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Am nächsten Morgen saßen sie alle

wieder zusammen und frühstückten.

Es gab neben Brot und Käse auch wieder diese undefinierbare Molekularwurst, Marmelade und Müsli mit Obst und Joghurt. Für Echnaton und Echilar war dies alles sehr ungewohnt, bei ihnen wurde eigentlich nicht gefrühstückt, sondern meistens gab es die Reste von Vortag, Brot und Obst.

Leonardo genoss dieses Mahl sehr, denn bei ihm gab es nur einen Haferbrei oder eben auch die Dinge des Vortages. Am Meisten aber freute er sich über den Kaffee, daran konnte er sich durchaus schnell gewöhnen. Einstein und auch Joseph fanden das Frühstück nicht weiter ungewöhnlich, vielleicht das Müsli, aber Haferflocken mit etwas Milch und Obst, dass kannten sie auch.

Joseph hatte eigentlich nie so wirklich viel von diesem Müsli gehalten, es war das Markenzeichen der Hippis, und zu denen zählte er sich nicht. Aber er probierte es nun auch einmal und musste zugeben, es schmeckte gar nicht schlecht. Es enthielt verschiedene Getreide, Rosinen und andere getrocknete Früchte sowie Nüsse, dazu der Joghurt und das frische Obst. Das war sicherlich sehr gesund und machte gut satt.

Der Kapitän aß es auch mit Vergnügen, denn bei ihnen war das Müsli eine sehr verbreitete Form der Ernährung. Es enthielt viele Ballaststoffe, Vitamine und Spurenelemente und gehörte damit zu den empfohlenen Mahlzeiten. Aber es wurde auch das Brot und der Aufschnitt gegessen und alle waren guter Laune. Dies würde ein guter Tag werden, sie waren bestens gestärkt und die letzte Nacht hatte allen sehr gut getan. Was so ein Marihuanarausch doch alles für Gedanken freisetzte.

Leonardo hatte von seiner Monalisa geträumt, denn es hatte ihn beschäftigt, dass diese Monica ebenfalls eine Freundin dieser Gottheit war. Er hatte bisher immer gedacht, diese Königin der Welt wäre seine ganz persönliche Göttin, aber offensichtlich war sie tatsächlich unsterblich und hatte nach ihm auch noch andere Freunde gewonnen. Ob seine Monalisa tatsächlich auch Monicas Göttin war?

In seinem Traum war sie es, denn er glaubte nicht, dass es mehrere von ihr geben konnte. Sie war einfach einmalig, einzigartig und wie er wusste, unsterblich.

Sie war seine Muse gewesen und jetzt war sie offensichtlich

die Muse dieser Bombini-Designerin.

Marianstatue

Echnaton hatte von Nofretete geträumt,

er war mit ihr durch das Weltall geflogen und

Beide waren auf diesem Flug dem Gott Aton begegnet.

Eine riesige und sehr beeindruckende Lichtgestalt. Dieser Gott war unendlich mächtig und verursachte bei seinem Anblick eine starke Erfurcht. Nofretete hatte sich an ihn gedrückt und ängstlich reagiert, er jedoch war stark geblieben. Er hatte keine Angst vor diesem Gott, aber er verehrte ihn sehr. Er würde ihm zu Hause einen großen Tempel bauen, ein Haus der Sonne und des Lichts. Er würde sein Volk auffordern ihm zu opfern, denn er wollte sicherstellen, dass diese Macht sein Land bewachte, förderte und beschützte. Dieser Aton war einfach großartig in seiner Erscheinung und all die anderen Götter sahen neben ihm ziemlich klein und unbedeutend aus. Er würde, wenn er einmal Pharao wäre, in seinem Land aufräumen und die wahre Macht anbeten lassen, da war er sich ganz sicher, jetzt wo er gerade mal wieder diese molekulare Wurst probierte. Diesmal schmeckte sie nach Huhn, aber wirklich sicher war er auch nicht. Das Müsli hatte er nicht angerührt, das war etwas für arme Leute, er jedoch war ein zukünftiger Pharao und ihm stand immer nur das Beste zu.

Einstein hatte sich Gedanken um diese Monica gemacht.

Was war das nur für eine Dilletantin? In so einer chaotischen Werkstatt die Welt revolutionieren zu wollen, das war wirklich naiv. Andererseits musste er auch zugeben, früher hatten die Wissenschaftler auch keine besseren Bedingungen gehabt. Sie mussten ebenfalls viel improvisieren und selber machen. Kein Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten. Die Universitäten hatten die modernsten Geräte zur Verfügung, eigentlich auch viel Geld und eine ganze Reihe kluger Köpfe, die den ganzen Tag nichts anderes taten als nachzudenken, nachzurechnen und nachzuprüfen. Und die Ergebnisse konnten sich auch sehen lassen. Durch ihre Arbeit war im Grunde eine ganz neue Welt entstanden, eine Industriegesellschaft. Wie viele neue Arbeitsplätze waren durch sie entstanden, wie viele Produkte, die dem Menschen das Leben einfacher und bequemer machten. Und sein Beitrag war auch nicht gering einzuschätzen, denn mit seiner Relativitätstheorie war ein völlig neues Weltbild entstanden, Zeit und Raum konnten neu definiert werden, die Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, waren tiefgreifend. Seine Theorie der Gravitation war bahnbrechend, und überhaupt,

…die Welt des 20. Jahrhunderts war voller Entdeckungen,

Erfindungen und wegweisender Erkenntnisse.

4K-Bildschirme im Vergleich (Bildquelle: Viewsonic)

Joseph hatte auch noch lange wach

gelegen und war seinen Gedanken gefolgt.

So ein Rausch war für ihn eine völlig neue Erfahrung, denn damals in seiner Studentenzeit, da hatten sie zwar einmal dieses Hanfgras geraucht, doch ihm war davon eigentlich nur etwas übel geworden und er hatte sich hinlegen müssen. Es war wirklich nicht sehr angenehm gewesen. Doch letzte Nacht hatte er endlich verstanden, was die Hippis an dem Kraut so schätzten. Es öffnete die Gedanken für neue Einsichten, es kamen Bilder aus dem Unterbewusstsein hervor und so hatte er sich an seine Erkenntnisse erinnert, die er unter dem Einfluss des Torsionsfeldanalysators gemacht hatte. Das dumme war nämlich, dass man seine dort gemachten Erkenntnisse schnell wieder vergaß. Sie wurden im Unterbewusstsein abgelegt und entfalteten von dort aus ihre Wirkung. Das Marihuana öffnete nun diese sonst ziemlich verschlossene Tür und man konnte sich mit den Bildern auseinandersetzen ohne sie wieder zu vergessen. Allerdings machten ihm die Bilder auch etwas zu schaffen. Er fragte sich, ob Reinhard nicht vielleicht Recht hatte und das Unterbewusstsein auch großen Mist erzählte. Andererseits war es ihm letzte Nacht alles so einleuchtend gewesen, so klar und deutlich. Jetzt jedoch, wo er sein Müsli verspeiste kamen ihm jedoch auch wieder Zweifel. Doch dann dachte er auch wieder an Monicas Buch. Sie hatte ganz offensichtlich ganz ähnliche Erkenntnisse gewonnen wie er in der letzten Nacht. Nur, konnte das wirklich wahr sein? Er war mittlerweile ja einiges gewöhnt, denn auch hier auf dem Schiff gab es viele erstaunliche Dinge, man denke nur daran, dass er jetzt wieder ein 35-Jähriger war. So etwas war mit den Gesetzen der klassischen Physik einfach nicht zu erklären, aber er konnte es nicht leugnen, er fühlte sich tatsächlich wieder jung und frisch.

Der Kapitän hatte auch einen schönen Rausch erlebt.

Er hatte sich mit dieser Bombini-Designerin auseinander gesetzt. Sie war ja so ganz anders als in dem Film. Dort sah sie immer sehr gut aus und alles gelang ihr wie von Zauberhand. Doch in Wahrheit hatte sie sich mit ausrangierten Kondensatoren behelfen müssen, in den Dachboden regnete es garantiert herein, sie war nicht nur dem Alkohol sondern auch den Drogen zugetan. Allerdings beliefen sich ihre Drogenexperimente wohl auf Cannabis, so hatten es jedenfalls die Leute von der Überwachung mitgeteilt. Dennoch gab sie damit ein völlig anderes Bild ab. Wenn die Menschen seiner Zeit davon hören würden, also, das würde doch auch ein ganz schöner Schock für alle sein. Äußerlich ähnelte sie ganz klar den Rückwärtsgewandten, die liefen auch in Jeans und T-Shirt herum, sie kifften den halben Tag und was noch schlimmer war, sie tranken Bier, Schnaps und Wein. Sie hockten an ihren Lagerfeuern und machten Musik, tanzten und liebten sich im Freien. Sie bauten sich das Gemüse unter freiem Himmel an, sie hielten sich Tiere um sie zu schlachten, sie beteten zu den unterschiedlichsten Göttern und verweigerten sich der Kontrolle durch die Eine-Welt-Regierung. Die gab es aber nun schon seit über 100 Jahren und in seinen Augen machte diese Regierung ihre Sache sehr gut. Sie sorgte für Gesundheit, Wohlstand und Gerechtigkeit. Sicherlich, nicht alles war perfekt, aber immer noch um einiges Besser als die Vergangenheit. Dort hatte es irgendwann nur noch die Anarchie der Reichen gegeben, sie hatten die Welt unter sich aufgeteilt und vollständig ausgebeutet. Am Ende gab es nur noch Arme auf der Welt und eben diese Clique der Superreichen. Das hatte einfach ein Ende finden müssen und durch die Bombini-Revolution war diese Macht dann ja auch sehr schnell in sich zusammengebrochen. Sie hatten die Welt regiert, indem sie die Kontrolle über die Energie hatten, doch mit dem Bombini war es damit aus und vorbei. Jetzt hatte jeder die Möglichkeit so viel Energie zu beziehen, wie es nötig war um die großen Gewächshäuser zu beheizen, um Maschinen jeder Art anzutreiben, um von A nach B zu gelangen ohne die Umwelt zu schädigen. Er liebte diese Welt, sie war vernünftig und komfortabel. Es gab mit den Bombinis eine wunderbare Technik und viele nützliche Errungenschaften, die sich daraus entwickelt hatten. Aber die Rückwärtsgewandten lehnten dies alles ab. Sie wollten sich nicht einfügen und sie wollten auch nicht die Regeln akzeptieren und einhalten. Sie waren häufig absolute Totalverweigerer, die am liebsten wieder im Mittelalter leben wollten. Er konnte das einfach nicht verstehen, gerade das Mittelalter war doch wirklich eine finstere Zeit gewesen. Sie hatte nicht unbedingt die besten Seiten des Menschen hervorgeholt. Es zählte allein das Recht des Stärkeren und der entwickelte sich schnell zu einem Tyrannen. Aber dafür war er schließlich mit seinen Leuten unterwegs, diesen Tyrannen das Handwerk zu legen. Denn seit sie ebenfalls mit einem Raumschiff durch die Zeit reisten, seit dem war für sie alle Gefahr im Verzuge. Er wollte sich nun mal seine schöne, neue Welt nicht von diesen ewig Gestrigen kaputt machen lassen.

Echnaton war nach dieser Nacht ziemlich schweigsam.

Ihm fehlte es an der Nötigen Spiritualität auf diesem Schiff. Er hatte hier nur seinen Freund Echilar, ansonsten fühlte er sich durch die Menschen aus der Zukunft und zwar bei Leonardo angefangen bis zum Kapitän ziemlich respektlos behandelt. Er war es gewöhnt, dass man in ihm den zukünftigen Pharao sah und dies durch entsprechende Verneigungen auch zeigte. Selbst sein Freund Echilar ließ es plötzlich daran missen. In seinem komischen Anzug und mit dem Zopf, den er jetzt trug, sah er einfach kaum noch wie ein einfacher Schreiber aus. Den Zopf hatte er sich bei Johannes abgeguckt. Der trug auch die Haare lang und zu einem Zopf zusammengebunden. Er hatte Echilar erzählt, dass dies bei den jungen Männern zu Hause zur Zeit sehr in Mode war. Und jetzt hatte Echilar auch so einen Zopf. Aber das war nicht das Einzige, er schien sich für alles auf diesem Schiff sehr zu interessieren und er ließ sich zeigen, wie man hier die schriftlichen Dinge erledigte. Und er war total fasziniert. Er erzählte Echnaton von der riesige Bibliothek, die angeblich in einem winzigen Kasten steckte. Man hatte hier keine Papyrusrollen, nein alles war aus Licht und erschien auf einer praktisch unsichtbaren Wand. Man konnte die Bücher hin und her schieben, durchblättern und sich vorlesen lassen, eine schöne weibliche Stimme würde, wenn man es wünschte, die ganze Nacht Geschichten erzählen. Aber das größte war, die Dinge konnte man auch alle sichtbar machen. Man nannte diese Bilder Hologramme. Sie schwebten im Raum und bewegten sich. Echilar wollte ihm dies unbedingt zeigen und so ging Echnaton mit in einen ihm noch unbekannten Raum. Dort setzte er sich auf einen Sessel und Echilar stand mit einem Crewmitglied, er nannte sich einfach Jo, vor einer solchen durchsichtigen Wand und sie schienen etwas zu suchen. Dann drehte sich Echilar zu ihm um und bedeutete ihm das es jetzt gleich los gehen würde. Und dann sah er ihn. Eine Gestalt aus Licht. Und Echilar kam zu ihm und sagte: „Das ist Moses. Er soll auch zu unserer Zeit gelebt haben. Er hat einen neuen Gott in das Bewusstsein seiner Leute gebracht. Er nannte ihn Jahwe, den Einzigen, den wahren Gott. Es gibt auch heute noch viele, die diesem Gott huldigen. Das sind die sogenannten Juden, Du erinnerst Dich, Klaus erwähnte dieses Begriff.“

Doch Echnaton hörte kaum zu, er war von dieser Erscheinung einfach nur geblendet. Das war doch ein Geist, eine Göttergestalt. Und jetzt sprach dieser Gott auch noch. Er war fassungslos und wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Doch Echilar redete immer weiter und versuchte ihm klar zu machen, dass es sich dabei nicht um einen Geist oder Gott handle, sondern um einen normalen Menschen. Einer der schon lange tot sei. Doch Echnaton sah in diesem Mann etwas ganz anderes.

Jetzt bewegte sich der Mann und er sah noch viele weitere Personen, sie alle waren sehr aufgeregt, denn dieser Moses begann fürchterlich zu wüten. Er schrie seine Leute an und stürzte sich auf ein, ja es war sehr gut zu erkennen, auf ein goldenes Kalb. Er nahm das Kalb und warf es auf den Boden. Die Leute um ihn waren sehr erschrocken. Dann zeigte er auf zwei Steintafeln und darauf stand etwas geschrieben. Er konnte es nicht lesen, aber dieser Moses las es vor und alle waren sehr verängstigt. Doch, dass was er vorlas, das war wirklich sehr interessant: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Den Rest hörte Echnaton schon nicht mehr, denn dieser eine Satz war für ihn wie eine Offenbarung. Ja, ganz genauso würde er es auch machen. Es durfte neben Aton einfach keinen anderen Gott mehr geben. Es gab nur den Einen, er hatte es doch immer schon geahnt.

Echilar war sich nicht sicher, ob er wirklich das Richtige für seinen Freund ausgewählt hatte. Echnaton hatte nun einen harten Zug in Gesicht. Vielleicht sollte er noch nach etwas anderem suchen. Er ging zurück zu Jo und der suchte mit ihm nach weiteren Filmen. Er fand einen Film über Nofretete und hoffte damit seinen Freund auf angenehmere Gedanken zu bringen.

Echnaton schaute erst gar nicht richtig hin, doch dann sah er sie und staunte. Das konnte doch nicht wahr sein, eine Frau, sie sah aus wie Nofretete, inmitten ihrer vielen Töchter. Wie war das alles nur möglich? Ihm wurde das alles plötzlich einfach zu viel und er verließ den Raum. Echilar kam ihm gleich hinterher und fragte ihn, was er denken würde, ob er diese Hologramme nicht auch ganz wunderbar gefunden hätte. Aber Echnaton schien ehr verärgert zu sein. Er verstand einfach nicht wie das alles möglich sein konnte, es war einfach etwas zu viel für ihn.

Echilar bereute nun, Echnaton damit konfrontiert zu haben. Er hatte von sich auf ihn geschlossen, und er war einfach nur total begeistert. Aber Echnaton verwirrte dies alles nur. Sie gingen auf ihr Zimmer und Echanton legte sich auf das Bett. Er wollte jetzt lieber mit sich alleine sein und schickte Echilar hinaus. Er solle ihm etwas zu trinken besorgen.

Echilar ging in den Salon, dort gab es einen Wasserspender in der Wand. Man konnte sich dort alle möglichen Getränke aussuchen und er wählte eine Cola. Das war das Getränk des Jahrtausends, hatte ihm der Kapitän erzählt, es wurde auf der ganzen Welt liebend gerne getrunken. Das Rezept dazu wäre auch nach Jahrhunderten immer noch absolut geheim. Es gäbe zwar auch eine Menge anderer Getränkehersteller, die sich daran versuchten, doch diese eine Cola sei einfach das Original und keiner hätte es bisher übertreffen können. Er entnahm diesem Spender zwei Flaschen und ging zurück ins Zimmer, wo Echnaton immer noch auf seinem Bett lag und an die Ecke starrte. Echilar öffnete die Flaschen, auch dies hatte der Kapitän ihm zeigen müssen. Es war ganz einfach, man brauchte nur an dem Verschluss zu drehen. Er gab Echnaton die Flasche und setzte sich auf sein eigenes Bett. „Probiere dieses Getränk, es ist etwas ganz Besonderes. Es nennt sich Coca Cola.“

Echnaton setzte an und trank einen Schluck. Was war das denn? Es schmeckte sehr süß und es prickelte auf der Zunge. Sein Geschmack war absolut ungewöhnlich. Aber gut, es löschte wunderbar den Durst. Er trank noch mal und noch mal. Gar nicht schlecht. Doch die Farbe? Das Zeug war ja schwarz. Aber seine Laune besserte sich damit und Echilar war beruhigt. Echnaton schien wieder der Alte zu werden, das war gut, denn Echilar hatte sich vorhin echt ein wenig vor ihm gefürchtet. Echnatons Gesichtsausdruck hatte ihm nämlich irgendwie gar nicht gefallen.

Plötzlich ertönte eine Stimme und der Kapitän rief sie zu sich in den Salon und so machten sie sich mit den Flaschen in der Hand auf den Weg.

Im Salon wartete man schon auf sie. Einstein und Leonardo saßen auf den Sesseln und hatten einen Kaffee vor sich stehen. Der Kapitän stand an der Bildschirmwand und hantierte dort herum. Er sprach scheinbar zu sich selbst, aber alle wussten mittlerweile, er sprach wahrscheinlich mit Klaus. Denn es ging darum, nun einen Blick in das Jahr 2005 zu werfen. Das Jahr, indem die eigentlich Geschichte beginnen sollte. Im diesem berühmten Film hatte Monica mit ihrem Wissenschaftler aus der Anstalt die ersten erfolgreichen Tests mit einem neuartigen Prototypen gemacht. Er war gleich beim ersten Mal wie eine Rakete in die Luft geflogen und an der Zimmerdecke abgeprallt. Sie versuchten es noch mal. Sie steuerten dabei das Ding, welches sie Bombini genannt hatten, mit einer Fernbedienung. Der Wissenschaftler, der Wolfgang Fritz genannt wurde, lenkte mit einem kleinen Joystik das Gefährt und sie jubelten. In dem Raum befanden sich sehr merkwürdige Dinge, die bei Echnaton und Echilar erst mal nur Fragezeichen hinterlassen hatten.

Einstein hatte daraufhin versucht ihnen zu erklären, dass es sich dabei um einen Hochspannungsgenerator und verschiedene Messgeräte handeln würde, doch wurden sie dadurch auch nicht schlauer. Einstein versuchte es noch einmal etwas genauer. Er erklärte ihnen, dass die beiden Metallscheiben des Bombinis elektrisch voneinander getrennt worden seien durch die Scheibe, die sich zwischen ihnen befand und jetzt sei es eben so, dass die eine, kleinere Scheibe positiv geladen wäre und das Besteben hätte sich mit der anderen Scheibe, die sehr stark negativ geladen sei, zu vereinigen. Zwischen ihnen bestehe deshalb eine große Spannung. Die Spannung hätten die Beiden mit Hilfe des dort stehenden Hochspannungsgenerators hergestellt. Und durch diese Spannung würden sich die positive Scheibe in die Richtung der negativen Sacheibe bewegen und dies führe wegen der mittleren, trennenden Scheibe zu einer Eigenbewegung des Objektes. Dieser Effekt sei als der sogenannte Biefeld-Braun-Effekt schon seit Jahren bekannt. Eine kleine Bewegung könne also durchaus erwartet werden. Aber so ein Flug an die Decke, das halte er einfach für Ausgeschlossen, die vorhandenen Kräfte würden dies nun mal nicht zulassen.

Echilar begann es langsam zu begreifen,

aber Echnaton hatte nur mit dem Kopf geschüttelt.

Aber jetzt würden sie es ja bald mit eigenen Augen sehen können und dann würde es bestimmt jeder schnell verstehen. Die Platten jagten einfach durch den Raum, weil dies eine grundsätzliche Eigenschaft in unserem Universum ist. Plus will nach Minus. Für Echilar war das gut zu verstehen.

Auf dem Bildschirm war ein Haus zu sehen, es war aus Backsteinen gebaut und schien schon etwas älter zu sein. Ein Garten mit einem Gartenhäuschen schloss sich daran an. Sie sahen auch in das Häuschen und dort konnten sie Monica mit einem jungen Mann sehen. Der Kapitän erklärte ihnen, dies sei der Sohn. Wie alle gut sehen konnten, war dieser mit Modellautos spielender Junge zu einem jungen Mann herangewachsen. Beide schienen sehr beschäftigt und Einstein stellte fest, Monica hatte eine neue Kaskade gebaut. Diesmal sah sie schon erheblich professioneller aus. Sie bestand zwar wieder aus vielen Kondensatoren und Diodenketten, aber diese waren auf Plexiglasplatten geschraubt. Auch die vielen kleinen Vorwiderstände waren zu einem großen Widerstand auf Plexiplatten befestigt. Der Trafo, den sie benutzte, war ziemlich groß und Einstein zog die buschigen Augenbrauen zusammen. Das sah doch alles ziemlich verboten aus, wenn Einstein die ganze Anlage richtig interpretierte.

Auch Joseph schaute ziemlich ernst aus seinen hellblauen Augen. Er war zwar ein Brückenbauer, aber ein bisschen Ahnung von Elektrik hatte er schon. Das hier war kein Kinderspielplatz. Das Bombini, welches an der Decke aufgehangen war, sah auch anders aus. Es war schön. Es bestand zwar wie zuvor aus zwei Metallscheiben, doch die waren diesmal ziemlich massiv und hatten einen richtig professionellen Anschluss für die Hochspannungskabel. Diese waren dicker als normale Kabel und hatten auch eine starke, warngelbe Isolierung. Diese Kabel waren nur in Fachgeschäften erhältlich und eigentlich für den normalen Bürger auch verboten. Wie war seine Enkelin nur an all die Sachen gekommen?

Die Scheibe in der Mitte war diesmal sehr dick und sie bestand auch aus Plexiglas. Das Ding, also dieses Bombini, sah schon ziemlich klasse aus. Überhaupt machte der Raum diesmal einen viel besseren Eindruck. Die Wände waren hellgelb gestrichen, ein vernünftiger Arbeitstisch war aufgestellt und die Kaskade befand sich auf den schon bekannten Glasplatten. Sie lagen an der Seite des Raumes auf Böcken. Das Bombini hing in der Mitte des Raumes und an der Tür stand eine Videokamera. Das war natürlich sehr interessant, denn so ein Ding war für fast alle ziemlich neuartig. Leonardo fragte Einstein was das sei, eine Kamera und Einstein erklärte es so: „Wie so eine Videokamera funktioniert, dass weiß ich auch nicht, zu meiner Zeit aber gab es Superachtkameras, das sind Geräte, mit denen lässt sich etwas aufnehmen, Bilder, bewegte Bilder. Und später kann man sich genau diese Bilder auf einer Leinwand anschauen. Wenn die Bilder sich bewegen, dann nennt man das einen Film. Monica möchte also offensichtlich ihr fliegendes Bombini filmen. Nicht schlecht, der Gedanke, dann hätte sie so etwas wie einen Beweis, den sie überall vorlegen kann.

Der Kapitän meinte jedoch, diese Technik, Superacht aber auch Video, das sei in ihrer Zeit absolut veraltet. Sie hätten Kameras, die wären praktisch unsichtbar, sie Filmten mit Hilfe des Torsionsfeldes. Dieses könne unendliche Informationen speichern und diese an jedem Ort wieder abgeben. Man bräuchte nur einen Torsionsfeldanalysator, eben dieses kleine Gerät, welches er schon mal gezeigt hatte. Die Kameras selbst seien einfach winzig und könnten überall eingebaut werden. Auch bei Monica hätten seine Leute mehrere solcher Kameras angebracht. Darum waren sie nun in der Lage zuzuschauen. Aber zusätzlich hätten sie auch noch die Videokamera verwanzt, so seien sie eben auch in der Lage, die Dinge zu sehen, die damit aufgenommen würden.

Joseph fand das alles gar nicht lustig und er fragte, in welchen Räumen denn überall Kameras wären und der Kapitän meinte, überall, nur im Badezimmer nicht. Dann fragte Joseph, wer denn alles durch die Kameras schauen würde, und Reinhard meinte, nur sie könnten dies tun, und ja, natürlich auch die Überwachung. Nun fragte Einstein, wer denn die Leute seien, die dort überwachten, doch darauf wollte der Kapitän nicht so recht eingehen. Es sei bei ihnen Gang und Gebe, dass alles bis auf das Badezimmer überwacht werde. Alle Menschen seiner Zeit würden so leben. Da schauten Einstein, Leonardo und Joseph ziemlich irritiert.

Echilar hatte das mit den Filmen schnell verstanden, Jo hatte

es ihm sehr verständlich erklärt, doch Echnaton

erschien das alles sehr mysteriös.

Nur ein Gott konnte überall hinschauen. Er sah alles. Wieder hatte er den Verdacht sich unter Göttern zu befinden. Andererseits, der Kapitän und seine Leute sahen sehr normal aus. Sie mussten Essen und Trinken, sie mussten schlafen und sicherlich auch auf die Toilette. Ein Gott brauchte das seiner Meinung nach natürlich alles nicht. Kurz gesagt, Echnaton war ziemlich verwirrt. Aber auch den anderen war nicht ganz wohl dabei, in die Wohnung und die Privatsphäre eines anderen zu schauen. Sie kannten zwar nicht alle das Buch 1984 von Georg Orwell, aber jeder wusste, es gab Momente, da wollte man einfach nicht von anderen beobachtet werden. Trotzdem fanden sie es natürlich auch klasse, dass sie nun mit eigenen Augen in das Gartenhäuschen schauen konnten. Es war ein bisschen zweischneidig und sie fühlten sich etwas unwohl dabei. Aber die Neugierde siegte und so verdrängten sie ihre Widersprüche.

Sie sahen Monica und Felix ohne etwas zu sagen Weile zu.

Monica erklärte gerade ihrem Sohn, wie die Anlage funktionierte, denn auch Felix wollte das Bombini nun endlich mal fliegen sehen. Doch seine Mutter mahnte zur Vorsicht. Diese Anlage sei erheblich stärker als die Alte und es könne durchaus gefährlich sein, sich bei Betrieb im Raum aufzuhalten. Sie hatte deshalb einen Notausschalter an der Türe angebracht. Sie zeigte ihrem Sohn den Regler, der an den Trafo angeschlossen war und mit dem man die Eingangsspannung von 6000 Volt erzeugte. Dahinter befand sich die Kaskade, die machte aus den 6000 Volt 80 000. Messen konnte man die Spannung über ein handelsübliches Messgerät, doch musste dazu die Hochspannung auch wieder heruntergefahren werden. Dies geschah mit dem Vorwiderstand. Monica erzählte ihrem Sohn, dass dieser Vorwiderstand unter Spannung kalte Luft blasen würde, und dass sie noch nicht genau wüsste woran das liegt. Allerdings sei dies schon sehr ungewöhnlich und vielleicht eine interessante Sache, aber sie wolle natürlich auch das Bombini endlich fliegen sehen und könne sich darum jetzt nicht darum kümmern, sie war einverstanden mit ihm einen kleinen Versuch machen. Sie zeigte ihrem Sohn das Messgerät und meinte, wenn dieses 200 Volt anzeigen würde, dann würden sie erst mal stoppen, vielleicht reiche ja schon diese Spannung aus um etwas zu sehen. Felix war sehr aufgeregt und wollte den Schalter selbst betätigen. Da Monica auch noch die Kamera bedienen wollte, war ihr dies zunächst ganz recht.

Sie stellte die Kamera an und alle konnten auf einem zweiten Bild das Bild sehen, welches sich dieser Kamera bot. Sie sahen das Bombini in Großaufnahme. Es hing vertikal und an der Wand dahinter waren schwarze Striche gezeichnet, so dass man genau sehen konnte ob sich etwas bewegen würde.

Einstein war jetzt wirklich neugierig.

Was würden sie zu sehen bekommen? Eigentlich dürfte man nicht viel erwarten. Die Metallscheiben und auch die Plexischeibe waren schwer, dann auch noch die Kabel daran, das alles wog bestimmt fast 4 Kilo. Nein, er erwartete einen Flop. Da würde sich wahrscheinlich gar nichts tun.

Joseph hatte auch seine Zweifel, sicherlich theoretisch war da eine Bewegung zu erwarten, aber ob sich dieses schwere Ding dort rühren würde? Er wollte es zwar gerne glauben, aber eigentlich rechnete er nicht damit.

Anders sie Ägypter und Leonardo. Sie hatten das Prinzip jetzt so langsam verstanden und so rechneten sie mit allem. Warum sollte es nicht fliegen? Die eine Scheibe jagte der anderen Scheibe hinterher, das war doch eigentlich sehr einfach.

Felix schaltete den Trafo ein und drehte vorsichtig an dem Regler.

Ein immer lauter werdendes Brutzelgeräusch wurde hörbar und jetzt, ja, sie schauten alle gebannt auf das Bombini, und tatsächlich, es drehte sich etwas zur Seite. Dann allerdings tat sich nichts mehr. Felix schaute sich die Filmaufnahme auf dem Display der Kamera an und war enttäuscht. „Kann ich den Regler nicht doch etwas höher drehen? Bitte Mama.“ „Also gut, dreh die Anlage noch etwas höher, vielleicht bis 400.“ Und wieder drehte Felix an dem Regler, das brutzelnde Geräusch war auch da und die Videokamera nahm wieder eine Bewegung auf. Doch auch diesmal war nicht viel zu sehen. Da verlangte Felix den ultimativen Versuch, sie sollten die Anlage ganz hoch fahren. Monica war etwas zögerlich, aber am Ende sagte sie ja. Sie wollte es jetzt auch endlich wissen. Also drehte Felix den Regler auf sein Maximum und die Anlage brutzelte sehr laut. Es kam zu einigen Blitzen, die in die Wand einschlugen, aber Felix wollte nicht aufhören und so schauten sie beide auf das Display der Kamera und sahen, wie sich das Bombini ca. 2 Centimeter nach links bewegte. Doch dann blieb es dort stehen und bewegte sich keinen Millimeter mehr weiter. Das war enttäuschend und Einstein grinste von einem Ohr bis zum Anderen. Das hatte er sich doch gedacht. Gut, die 2 Centimeter, die waren sichtbar, aber was waren 2 Centimeter? Nichts war das, das konnte reine Elektrostatik sein. Die wirkte hier natürlich bei den Spannungen ebenfalls hinein. Nein, der Versuch war eindeutig, dieses Bombini flog nicht.

Die anderen waren enttäuscht,

sie hatten sich wirklich mehr erwartet.

Das konnte der Wind ebenfalls, dafür brauchte man so einen riesigen Aufwand gar nicht. Joseph blieb still. Er hatte es zwar auch geglaubt, die Sache mit dem Film, aber vielleicht hatte Monica damals ja tatsächlich den richtigen Riecher gehabt, als sie die Frage gestellt hatte: „Und, was ist, wenn es mir nicht gelingt?“ Er wusste damals keine bessere Antwort, als die, dass es egal sei, es war ihm spontan aus seinem Unterbewusstsein geschlüpft. Dieses hatte in einem Scheitern bei der Aufgabe kein wirkliches Problem gesehen. Also versuchte er es jetzt genauso zu halten.

Der Kapitän aber war wirklich total enttäuscht.

Gut, dass diese Aufnahmen seine Leute nicht sahen, die würden die Welt nicht mehr verstehen. Für sie war es nun mal so, die Frau hatte es ausprobiert und es hatte auch gleich geklappt. Die Wirklichkeit war nun aber offensichtlich eine ganz Andere. Diese Frau war eine Looserin, eine Versagerin, eine Dilletantin. Es war fast nicht zu glauben. Die Leute von der Überwachung würden den Mund halten, da konnte er sicher sein, die waren unberührbar, sie waren letztendlich Maschinen, sie empfanden nichts, sie registrierten nur. Ausgewertet wurde das Ganze mit Hilfe eines Torsionsfeldcomputers. Die Ergebnisse bekamen letztendlich nur Zuständige zu sehen. Sicherlich würden auch einige Personen aus der Regierung diese Aufnahmen sehen, aber an die Öffentlichkeit würden sie nicht geraten. Datenschutz war schließlich auch bei ihnen immer noch sehr wichtig.

Nur bei Verstößen gegen die Regeln, da wurde dann umgehend die zuständige Polizeidienststelle informiert. So hatten sie große Erfolge bei der Aufklärung von Straftaten zu verzeichnen. Ein Mord, aber auch nur ein einfacher Diebstahl, blieb selten unaufgeklärt. Einzig halt das Badezimmer, wenn dort ein Mord geschah, dann dauerte es schon etwas, bis er entdeckt wurde. Deshalb wurde auch immer wieder die Forderung gestellt, auch diesen Raum zu überwachen, doch bisher war die Mehrheit immer noch dagegen. Der Mensch bestand auf der Wahrung seiner Intimsphäre und er hatte dafür durchaus auch Verständnis. Auch wenn die Beobachter Maschinen waren, das Problem waren die Daten, denn Daten konnten nun mal auch gehackt werden. Und außerdem, wo trank man heimlich mal eine Flasche alkoholhaltigen Sekt mit seiner Freundin? Denn, natürlich gab es in einschlägigen Geschäften auch diesen zu kaufen. Allerdings war er sehr teuer, denn er musste aus den Anbaugebieten der Rückwärtsgewandten über die Grenze geschmuggelt werden.

Sie beobachteten die Beiden in ihrem Gartenhäuschen weiter. Auch die waren ziemlich enttäuscht und Felix forderte weitere Versuche. Sie wechselten zum Beispiel die Kabel aus. Statt der großen Scheibe wurde nun die Kleinere unter Hochspannung gesetzt, doch die Ergebnisse waren ebenfalls ernüchternd, denn das Bombini zitterte nur. Sie stöpselten wieder um und erneut fuhren sie die Kaskade hoch, sie ließen sie jetzt einfach immer weiterlaufen und Felix meldete, das Messgerät würde nun 850, also 85 000 Volt anzeigen. Das war theoretisch mehr als genug. Thomas Thaunsend Braun war angeblich schon mit 50 000 Volt erfolgreich gewesen. Was machten sie nur falsch?

Plötzlich verstummte die Kaskade und auf dem Messgerät

zeigte sich eine Null. Was war denn nun passiert?

Monica und Felix waren ratlos. Wahrscheinlich hatte die Kaskade mal wieder einen Schaden abbekommen, meinte Monica und sie schien sehr frustriert. Sie meinte, dies sei nun schon das x-te mal, dass ihr dies passiere, die Kaskade war einfach unglaublich empfindlich. Jetzt hatte sie also den Salat. Es würde nun möglicherweise wieder Wochen dauern bis sie den Fehler gefunden haben würde. Felix war bedient. Das war doch alles totale Scheiße und er packte seine Sachen zusammen und erklärte, er wolle jetzt lieber zu seinem Freund gehen, er habe die Nase voll von dem Versuch.

Monica war total unglücklich, dass konnten ihr alle ansehen und auch sie packte ihre Sachen zusammen und verschloss die Tür zu ihrem Gartenhäuschen. Sie ging ins Haus und alle verfolgten, wie sie sich dort an einen Tisch setzte und die Hände über dem Kopf schlug. Würde sie jetzt etwa anfangen zu weinen? Nein, aber sie rief eine Freundin an und erklärte, sie wolle sich mit ihr im „Cannape“ treffen, sie hätte Lust sich zu betrinken.

Das Cannape, wie gut, dass wir auch dort unsere Überwachung installiert haben, schauen wir uns also das Trauerspiel noch etwas an“, meinte der Kapitän. Alle waren immer noch ziemlich enttäuscht, bis auf Einstein, der hatte es schließlich vorhergesehen.

Echnaton schaute seinen Schreiber fragend an, doch auch er konnte nicht erklären, warum das Bombini nicht geflogen war. Auch Leonardo verstand das Ganze nicht. Sie hatten nun zwar endlich begriffen, wie es funktionieren sollte, aber warum es jetzt doch nicht flog war ihnen rätselhaft. Einstein konnte seine Genugtuung kaum verbergen und versuchte die Sache zu erklären. Das Bombini sei einfach viel zu schwer und die angenommenen Kräfte zu gering, er hätte es ja gleich gewusst, dieser Thaunsend Braun hatte alle an der Nase herumgeführt. Er hatte damals auch von einem angeblichen UFO-Antrieb gesprochen, der sich damit realisieren ließe, doch habe die gesamte Wissenschaftsgemeinde dies schon damals als absoluten Unsinn bezeichnet.

Der Kapitän fragte darauf hin, wie sich Einstein denn erklären würde, dass sie alle hier in einem solchen Bombini sitzen würden, doch darauf konterte der Nobelpreisträger, er glaube nach wie vor an einen Traum. Man hätte ihm wahrscheinlich etwas in seinen Tee getan und nun käme es von dem Trip nicht mehr herunter. Das bezweifelten allerdings die anderen. Sie seien sich sicher nicht in einem Traum gefangen zu sein, sie seien ganz wach und außerdem, so lange Träume gäbe es schließlich gar nicht.

Das Bild auf dem Schirm änderte sich nun und sie konnten eine Theke erkennen. Es handelte sich um einen ziemlich schummrigen Laden und es waren nur sehr wenige Gäste anwesend. Auf einem der Hocker saß die verzweifelte Monica und vor ihr standen 5 Schnapsgläser und sie konnten beobachten, Monica trank alle fünf hintereinander weg. Das war nun wirklich ziemlich viel Alkohol auf einmal. Echnaton meinte zwar, die Gläser seien doch ziemlich klein, doch Joseph erklärte ihm, der Schnaps sei dafür um so stärker. Es handelte sich um Uzo, wie sie der Bestellung hatten entnehmen können. Joseph erklärte den Anwesenden, dies sei ein Nationalgetränk der Griechen und von fünf solcher Gläser wäre auch er ziemlich betrunken.

Leonardo sagte, er könne jetzt durchaus auch einige vertragen und auch die anderen meinten, ihnen wäre jetzt auch danach. Sie schauten auf den Kapitän und auch er meinte: „Ja, mir ist jetzt auch nach einem Schnaps zu Mute, und ich sage es mal so, irgendwie ist dies hier schon auch mit einer Beerdigung zu vergleichen. Wir beerdigen den Nobelpreis und auch den großen Durchbruch. Irgendwie haben die Rückwärtsgewandten es geschafft. Aus unserer großen Bombini-Designerin wird nach diesem fatalen Fehlschlag wohl erst mal doch nichts. Ich hole uns eine Flasche, ich habe da noch einen ganz wunderbaren Tropfen für solch traurige Gelegenheiten.“ Und der Kapitän verschwand um kurz danach mit einer großen Flasche wiederzukehren.

Diese Flasche habe ich von einem Rückwärtsgewandten. Er gab sie mir als Gegenleistung für einen Gefallen, den ich ihm getan habe. Der Schnaps ist aus Äpfeln gemacht, aber ich sage es gleich, der knallt ganz schön.“

Erleichterung machte sich in den Gesichtern breit und auch Einstein freute sich, obwohl er nicht frustriert war. Offensichtlich war der Kapitän doch ganz in Ordnung und schien kein Hardliner in Sachen Alkohol zu sein. Solche Leute konnte Einstein nämlich noch nie richtig leiden. Man musste eben auch mal eine Fünf gerade sein lassen können.

Reinhard zauberte auch noch einige Schnapsgläser hervor und schüttete jedem ein Glas voll ein. Sie hoben die Gläser und prosteten sich zu, jeder wie er es von zu Hause gewöhnt war, aber eigentlich gab es da kaum Unterschiede.

Der Schnaps war tatsächlich ziemlich stark, wie Joseph feststellte. Doch auch die Ägypter verzogen keine Miene. Das Zeig brauchte nicht schmecken, Hauptsache es wirkte. Reinhard goss noch mal nach und wieder tranken alle ohne Worte zu machen. Das Zeug musste einfach herunter.

Joseph wurde ziemlich warm und auch die anderen schienen die Wirkung schon zu verspüren. Das war wunderbar. Noch einen bitte! Und so verschwanden plötzlich die frustrierenden Gedanken und eine gewisse Lockerheit machte sich breit. Was war schon ein fehlgeschlagener Versuch? Dann musste sie es eben noch ein mal probieren, immer wieder, bis es endlich klappte.

Einstein meinte, es sei auch einfach ziemlich unrealistisch das ein physikalisches Experiment auf Anhieb erfolgreich verlief. Gerade Physiker brauchten oft eine Engelsgeduld. Deshalb sei er ja auch lieber ein theoretisch arbeitender Physiker geworden, dieses ewige herumexperimentieren sei einfach nichts für ihn gewesen. Er hätte sich lieber mit den großen Fragen der Physik beschäftigt. Was ist Gravitation? Und, was ist das Wesen des Lichts? Ihm seien viele Ideen dazu auch im Rausch gekommen, aber natürlich hätte er anschließend diese Ideen im nüchternen Zustand noch mal eingehend überdacht. Er hätte auch durchaus viel gerechnet und dabei sei ein Schwips wirklich sehr hinderlich.

Echnaton fing an zu kichern und auch Echilar sah die Welt plötzlich wieder viel rosiger. Dieser Schnaps war wirklich sehr stark, bei ihm rauschte es im Kopf und ihm wurde so warm, dass er sich den obersten Knopf seines Anzuges öffnen musste. Auch die anderen lockerten ihre Kleidung und lehnten sich entspannt zurück. Sie schauten auf den Bildschirm und sahen Monica dort mit einer Frau sitzen. Das musste die Freundin sein und dann sahen sie, Monica liefen die Tränen. Sie war offensichtlich nicht lustig drauf gekommen, sondern jetzt entlud sich ihr ganzer Frust. Sie hörten sie jammern: „Petra, ich sage Dir, es ist ja so frustrierend, jetzt ist mir nun schon die dritte Kaskade kaputt gegangen und mein Bombini fliegt immer noch nicht. Ich weiß einfach nicht woher ich noch die Kraft nehmen soll, auch diese Kaskade wieder zu reparieren. Das ist so verdammt viel Arbeit. Und am Ende kommt immer nur das Gleiche heraus. Das Bombini schwenkt ein bisschen zur Seite, das ist alles. Doch, das hatte ich schon bei der letzten Kaskade, ich hatte wirklich so sehr gehofft, dass es mit dieser neuen Anlage besser funktionieren würde, aber es bleibt immer gleich, es ist irgendwie egal was ich tue. Mein toller Trafo, meine wunderschöne Kaskade, der verbesserte Vorwiderstand, mein tolles Bombini, aber nichts hilft, es fliegt einfach nicht. Ich kann einfach nicht mehr. Ich will nicht mehr. Vielleicht hat Thausend Braun ja wirklich Mist erzählt, vielleicht hat er alle an der Nase herum geführt. Nur, warum opferte er dafür seine Karriere? Warum gründete er eine Firma, die sein Objekt unter das Volk bringen sollte? Warum zog er durch die Lande um Geldgeber zu finden? Ließen die sich etwa alle täuschen? Wenn es ein Witz gewesen ist, warum stellte die US-Regierung sein Projekt dann unter Geheimhaltung? Warum behauptete er noch in den 70er Jahren, das sein Kondensator geflogen ist? Er hat einem Journalisten sogar eine Zeichnung von seinem Experiment gemacht und steif und fest behauptet, sein Ding wäre in einer unglaublichen Geschwindigkeit durch den Raum geflogen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er es nicht ernst gemeint hat. Nur, meine Ergebnisse sprechen einfach dagegen.“ Sie zog die Nase hoch und wischte sich mit dem Ärmel ihres langärmeligen T-Shirts die Tränen aus dem Gesicht. Sie sah einfach schrecklich aus. Ihr Kopf war rot angelaufen und die Haare hingen ihr wild ins Gesicht. Ihre Freundin versuchte diese etwas zu ordnen und tröstete sie: „Dann musst Du es eben noch mal versuchen, oder Du machst etwas anderes. Ich verstehe von Deinem Projekt ehrlich gesagt überhaupt nichts und ich würde mich auch niemals mit so etwas beschäftigen. Denke daran, Du musst die Welt nicht damit retten, lass das ruhig andere tun. Geh lieber mal auf die Toilette und wasch Dir das Gesicht, Du siehst wirklich unmöglich aus.“ Und so verschwand Monica für eine Weile aus dem Blickfeld der Kamera.

Können wir nicht wie letztes Mal mit ihr reden?“ fragte Leonardo.

Doch der Kapitän winkte ab und meinte, dies sei gerade unter Alkohol nicht möglich. Dieses Zeug würde das Bewusstsein ehr eintrüben, statt es zu öffnen. Jetzt, in diesem Zustand, würde Monica allerhöchstens noch weiße Mäuse sehen, aber Telepathie sei so gut wie ausgeschlossen. Das war natürlich schade, denn Leonardo hätte ihr sicherlich Mut gemacht. Auch er war oft verzweifelt gewesen. Gerade bei seinem Hubschrauber. Der war auch einfach nicht geflogen. Doch nun stand er sogar in einem Museum und wurde als Lebensretter gefeiert. Wenn er auch immer schon nach dem dritten Versuch aufgegeben hätte, dann wäre seine Monalisa niemals so gut geworden. Was hatte er sich an dem Lächeln abgekämpft. Da hatte er auch ab und an eine Flasche Wein gebraucht. Aber er hätte niemals aufgegeben. Er hatte einfach immer gewusst, dass es ihm irgendwann gelingen würde, diese Monalisa mit Leben zu erfüllen. Er hätte Monica jetzt gerne in den Arm genommen, doch das tat jetzt zum Glück diese Freundin an der Theke. Sie hieß Petra, wie er aus ihrem Gespräch entnehmen konnte. Sie war eine attraktive Frau, elegant gekleidet, soweit er das feststellen konnte, denn natürlich hatte er von der Mode dieser Zeit keine Ahnung. Aber auch Joseph meinte diese Petra sei wohl ein ganz anderer Typ als seine Enkelin. Schick und gepflegt. Er hätte es ja gerne gesehen, wenn auch seine Monica sich etwas mehr um ihr Äußeres kümmern würde, auch oder gerade weil sie mit ihren etwas über 40 Jahren immer noch ganz hübsch aussah. Aber diese vergammelten Klamotten, wirklich, das war nicht besonders schön. Doch was sollte er sagen, ihm war seine experimentierende Enkelin dennoch lieber als diese elegante Petra. Sie hatte offensichtlich keine Ahnung von Physik, sondern ehr von Klamotten. Auch der Kapitän betrachtete die beiden Frauen ausgiebig. Sie waren ja so unterschiedlich, eigentlich merkwürdig, dass sie so eng befreundet waren. Wenn er es recht überlegte, dann sah Monica wie eine Rückwärtsgewandte und diese Petra wie eine Fortschrittsgläubige aus, nur dass es innen drin wohl genau umgekehrt war.

Reinhard goss noch mal nach und machte dann die Flasche zu. Jetzt musste es wirklich genug sein, er wollte nicht, dass sie am Ende genauso derangiert aussahen wie diese Versagerin. Es war wirklich ziemlich enttäuschend zu sehen, wie wenig sie mit der Monica in dem Film gemein hatte. Das würde seine Leute total verunsichern. Sie lebten mit der Vorstellung, dass die Erfinderin des Bombinis eine von Ihnen gewesen war, eine der ersten wirklichen Fortschrittsgläubigen, einer Frau mit großem Verstand und großem Fortune. Sie hatte zwar ein paar Monate in einem Krankenhaus verbracht und war von ihren Mitmenschen als Verrückte abgestempelt worden, aber das hatte sie nicht beirren können und am Ende hatte sie es allen gezeigt. Sie war als große Siegerin in die Geschichte eingegangen. Sie hatte ein neues Zeitalter eingeläutet, sie hatte als Einzige das große Potential der Torsionsfelder erkannt und diese auch ganz richtig gedeutet. Nur, wo war diese bahnbrechende Theorie? Bisher waren einfach nur diese gescheiterten Experimente da.

Echnaton und Echilar lagen sich nun langsam schon lallend fast in den Armen, die Beiden hatten auf jeden Fall genug. Es wäre wohl wirklich besser, wenn er diese Schnösel in ihr Zimmer bringen würde, dachte der Kapitän und so ging er zu ihnen und meinte, es sei für sie Zeit ins Bett zu gehen, sie seien einfach schon zu betrunken. Echanton prustete vor Lachen, aber er ließ sich dazu bewegen aufzustehen. Er schwankte ganz schön, so dass Joseph ebenfalls aufstand um dem Kapitän bei der Zu-Bett-Bringung zu helfen. Die Jugend vertrug offensichtlich nicht sehr viel von dem Zeug. Er fühlte sich eigentlich immer noch relativ nüchtern, auch wenn er schon merkte, das Zeug wirkte. Aber er war das Trinken im Gegensatz zu den beiden Ägyptern durchaus gewohnt. Als gereifter Mann hatte er sogar öfter mal gut zugelangt und er war betrunken zu seiner Familie nach Hause gegangen. Seine Frau war dann regelmäßig ziemlich verärgert und hielt von seinen Annäherungsversuchen gar nicht viel. Er hatte sie sogar auch einmal geschlagen, ja, er musste es gestehen, doch das hatte natürlich Folgen gehabt. Seine Frau mochte ihm dies einfach nicht verzeihen und so zog sie in die Dachwohnung des großen Hauses bis sie sich sogar endgültig von ihm lossagte und nach Amerika verschwand. Dort wollte sie bei einem älteren Herrn die Gesellschafterin geben. Doch das ging letztendlich schief und er musste ihr die Rückfahrkarte bezahlen. Aber zurück zu ihm kam sie nicht mehr. Sie nahm sich eine kleine Wohnung und lebte fortan relativ bescheiden von seinem Unterhalt. Natürlich sollte sie nicht gezwungen sein arbeiten zu gehen, er gab ihr die Hälfte von dem, was er zur Verfügung hatte, das war ihm eine Ehrensache. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise schon erwachsen und aus dem Haus. Er lernte zu kochen und zu backen, er wusste auch mit dem Staubsauger umzugehen, doch für das Grobe und die Wäsche kam seine Tochter regelmäßig vorbei. Die war auch ein bisschen verrückt, wie seine Enkelin. Nicht, dass sie auch solche Experimente gemacht hätte, nein gar nicht, aber sie war dennoch seelenverwandt mit ihrer Nichte. Sie hatten auch den gleichen Namen und zufälliger Weise am selben Tag Geburtstag und seine Tochter hatte sich immer sehr um Monica gesorgt. Doch leider war sie schon ein paar Jahre nach ihm verstorben. An Lungenkrebs, sehr plötzlich und sehr unangenehm. Woher er das wusste? Es stand in dem Buch seiner Enkelin. Doch auch die hatte den Verdacht, dass sich ihre Tante nun in einem Raumschiff befand und durch das Weltall reiste. Auch ihn, ihren Großvater, glaubte sie in so einem Schiff. Sie hielt ihn sogar für den Kapitän. Doch er war auch jetzt immer noch ein Brückenbauer, von der Technik dieses riesigen Bombinis hatte er einfach keine Ahnung. Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie sich so ein Ding steuern ließ. Sicherlich, auch er war in dem merkwürdigen Maschinenraum gewesen, doch mit Maschinen hatte, dass was er gesehen hatte, nicht viel zu tun. Er hatte sich ein Raumschiff immer sehr viel komplizierter vorgestellt.

Als Reinhard und Joseph in den Salon zurückkehrten, da sahen sie Einstein und Leonardo im Gespräch vertieft. Es ging um das Licht. Einstein hatte sich dazu in seinem Leben sehr viele Gedanken gemacht und einige wichtige Erkenntnisse gesammelt. Auch Leonardo hatte sich immer schon für das Licht interessiert und so hörte er Einstein aufmerksam zu. Dieser versuchte ihm gerade die Sache mit der begrenzten Lichtgeschwindigkeit zu erklären und auch seine berühmte Formel kam zur Sprache. Reinhard und Joseph wollten sich da nicht einmischen und setzten sich etwas Abseits an einen kleinen runden Tisch. Draußen konnte man die Erde sehen, es war gerade Nacht geworden und überall leuchteten die Länder auf.

Reinhard kam noch mal auf eine Sache zu sprechen, die er schon mal hatte klären wollen, doch irgendwie waren sie dabei vom Thema abgekommen. Weil ihn die Sache jedoch sehr beschäftigte, versuchte er es jetzt noch mal: „Du hast mir immer noch nicht erklärt, wie Du die Sache mit dem jungen Wolfgang hinbekommen hast. Wie war es möglich, dass er mit Dir und Deiner Enkelin am Tisch sitzen konnte? Und wie hast Du ihn überhaupt gefunden?“

Ich habe ihn gesucht. Ich kenne jemandem beim Einwohnermeldeamt und der hat sich freundlicherweise die Mühe gemacht mir die Adresse von sogar gleich drei Wolfgang Fitz zu besorgen. Ich hatte auch ihr Alter, und so konnte ich zwei gleich wieder ausschließen, der eine war zu alt, der andere zu jung. Außerdem lebte der Passende mitten in Köln und da Monica in ihrem Buch geschrieben hatte, dass ihr Wolfgang lange Zeit in Köln gelebt hatte, da war ich mir schon ziemlich sicher, den richtigen gefunden zu haben. Nun ja, und dann habe ich mir die Telefonnummer von der Auskunft geben lassen und habe dort angerufen. Ich sprach mit dem Vater und freundlicherweise lud dieser mich ein die Familie besuchen zu kommen.“

Ja, aber was hast Du ihm denn erzählt, warum Du Dich meldest?“

Ich behauptete ein Kollege eines Lehrers von Wolfgang zu sein, und ich wollte mit den Eltern über die Ausbildung ihres Sohnes sprechen. Ich hätte gehört, er sei in technischen Dingen sehr begabt und ich würde noch Teilnehmer für einen besonderen Kurs suchen.“

Und das hat Dir der Vater geglaubt?“

Er war sogar ziemlich begeistert von der Idee, denn er war gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz für seinen Sohn. Nun, und so bin ich nach Köln gefahren und habe mit den Eltern Kaffee getrunken. Die Mutter hatte einen Kuchen gebacken und wir unterhielten uns vielleicht eine Stunde miteinander, da kam der Junge von seinem Schwimmtraining. Er ging damals noch regelmäßig ins Leistungszentrum und wurde dort zu einem Leistungsschwimmer trainiert. Die Eltern brauchten dafür nicht zu bezahlen, denn ihr Sohn war im Schwimmbad aufgefallen und der Schwimmverband wollte ihn zu einem Wettkampfschwimmer machen. Doch wie er mir erzählte, wollte er die Sache langsam drangeben, das viele Training war ihm einfach zu mühevoll und außerdem bekam er erste, gesundheitliche Beschwerden. Ihm waren jetzt die Mädchen und seine Kumpels auch einfach viel wichtiger. Er lud mich zu sich in sein Zimmer ein und dort zeigte er mir sein wahres Hobby. Elektrotechnik. Der Junge nahm einfach alles auseinander und baute sich jede Menge verrückter Dinge daraus. Nun, und da zeigte ich ihm den Torsionsfeldanalysator und nachdem er ihn sich eingehend angeschaut hatte, da habe ich mich mit ihm auf sein Bett gesetzt und das Gerät eingeschaltet. Es war eine sehr aufschlussreiche Erfahrung, die wir Beide daraufhin machten. Natürlich, Du sagst, nicht alles darf man glauben, was einem das Unterbewusstsein so glauben machen will, aber wirklich, wir waren sehr überrascht und wir haben auch nicht gezweifelt. Allerdings war natürlich klar, außerhalb des Torsionsfeldes würden wir alles wieder vergessen. Doch eine Sache konnten wir ins Bewusstsein retten, die Sache mit den Hologrammen. Wolfgang hatte mit Hilfe des Torsionsfeldes nämlich überraschend schnell begriffen, wie das mit den Feldern und dem Analysator funktionierte und er notierte auf der Rückseite des Gerätes die Bedienungsanleitung um mit dem Gerät auch Hologramme sichtbar werden zu lassen. Er musste dafür nur eine Kleinigkeit an dem Gerät ändern und schon hatte es diese besondere Funktion.“

Wie konnte er das alles so schnell begreifen?“ fragte Reinhard und Joseph meinte: „Wahrscheinlich wirst Du es mir nicht glauben. Ich sagte ja schon, in diesem jungen Mann steckt ein Satan.“

Jetzt komm mir nicht wieder mit dem Mist.“

Wie Du meinst, jedenfalls konnte ich so ein Hologramm von ihm erzeugen und ihn auf diese Weise meiner Enkelin vorstellen.“

Einstein und Leonardo waren immer noch im Gespräch vertieft und Reinhard griff sich die Flasche mit dem Apfelschnaps. „Vielleicht sollten wir noch einen letzten, kleinen Absacker trinken, so schnell werden wir es nämlich nicht wiederholen. Ich bin einfach kein Freund davon, aber wenn man schon mal trinkt, dann auch richtig.“ Er öffnete die Flasche schenkte sich und Joseph ein und fragte auch die beiden Anderen, ob sie noch einen Schnaps mit ihnen trinken wollten und Beide sagten gerne zu. Joseph und Reinhard setzten sich zu ihnen an den Tisch und sie prosteten sich zu. Leonardo schien ganz gefangen von dem Gespräch, welches er gerade mit Einstein geführt hatte, doch jetzt schwirrte ihm der Kopf und er war ein bisschen froh, dass sie das Thema Licht und Lichtgeschwindigkeit erst mal ruhen ließen. Einstein war immer noch ganz gut gelaunt und freute sich in Leonardo einen so guten Zuhörer gehabt zu haben.

Leonardo fragte: „Was macht jetzt eigentlich unsere Monica?

Ob sie sich nun wieder etwas gefangen hat?“

Reinhard schaute auf die Bildschirmwand, doch dort war fast alles dunkel. In der Kneipe saß nur noch ein einzelner Mann an der Theke und die Kameras in Monicas Wohnung zeigten, sie hatte überall das Licht gelöscht und lag wohl im Bett. Dort würde sie jetzt ihren Rausch ausschlafen und der kommende Tag würde die Sonne für sie hoffentlich wieder scheinen lassen. Obwohl, bei dem Alkoholkonsum war auch mit einem kleinen Kater zu rechnen.

Der Mann an der Theke kam Reinhard bekannt vor und ja, es war dieser Heiko, der Freund von Monica. Obwohl, die Überwachung hatte gemeldet, dass zwischen den Beiden schon seit einiger Zeit so gut wie Funkstille herrschte. Sie trafen sich zwar ab und zu noch mal, aber von einer echten Beziehung konnte keine Rede mehr sein. Es war zwischen ihnen zu einem großen Streit gekommen wegen des Bombinis. Heiko hatte von den Experimenten unter seinem Dach die Nase voll und hatte Monica rausgeschmissen. Darum war sie mit ihren Sachen in ihr Gartenhäuschen gezogen und sie hatte den Kontakt zu Heiko stark eingeschränkt. Der wahnsinnige Alkoholkonsum von Heiko soll auch mit ein Grund dafür gewesen sein. Und jetzt sah er auch, dieser Mann an der Theke war tatsächlich ziemlich betrunken. Eigentlich war dies wirklich schade, denn er war laut Überwachung eigentlich ein sehr netter Kerl. Er hatte einmal ein Künstler werden wollen und in früheren Jahren auch einige erfolgreiche Ausstellungen durchgeführt. Er zeigte dort sehr interessante Metallskulpturen, er hatte auch Lampen entworfen und gebaut. Aber jetzt verbrachte er die meiste freie Zeit in den Kneipen des kleinen Ortes und baute ziemlich ab. Der Alkohol hatte ihn fest im Griff.

Auch Joseph beobachtete diesen Mann an der Theke und er sah sich selbst ein bisschen in ihm. Er hatte in seinem Alter auch oft in der Kneipe gesessen, aber er hatte es am Ende nicht zu sehr übertrieben. Seine Arbeit erforderte einfach einen nüchternen Mann und nach dem die Sache mit seiner Hiltrud passiert war, da hatte er sich ein Kneipenverbot auferlegt. Er hatte überhaupt für längere zeit den Alkohol gemieden, doch diese Wandlung hatte seine Ehe nicht mehr retten können. Er hatte es aber, wenn er ehrlich war, auch nicht wirklich zu kitten versucht. Er wollte alleine leben, so konnte er einfach das machen, was er wollte. Und er wollte kochen, backen, lesen und mit seinen Enkelinnen spielen. Ja, das wusste hier offensichtlich keiner, es gab noch ein Enkelkind, die Zwillingsschwester von Monica. Sie hieß Kathrin. Allerdings waren die Beiden sich überhaupt nicht ähnlich, obwohl sie sogar eineiig waren. Das lag an Kathrins Behinderung, sie hatte bei der Geburt einen Sauerststoffmangel erlitten und darum einen sogenannten Wasserkopf, einen Hydrozephalus entwickelt. Diese Enkellin lag ihm durchaus auch sehr am Herzen, Monica hatte in ihrem Buch ein Kapitel auf ihre Schwester verwand und so wusste er, sie lebte mittlerweile in Ungarn zusammen mit einer Frau. Sie waren verheiratet. Das war natürlich nicht gerade das, was er sich für seine Enkelin einmal erhofft hatte, aber die Zeiten hatten sich nun mal geändert und es war gar nicht mehr so ungewöhnlich, das auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften offiziell anerkannt wurden. Er hoffte sehr, dass Kathrin ihr Glück in dieser Beziehung gefunden hatte, bei Gelegenheit würde er sicherlich auch mal bei ihr vorbeischauen. Er würde Reinhard fragen, ob er ihn dort hin beamen konnte. Doch noch war es nicht die richtige Zeit, jetzt mussten sie sich erst mal um Monica kümmern, die brauchte jetzt einen Neuanfang. Und er wusste auch, dieser Neuanfang würde durch diesen Wolfgang passieren. Es konnte nun wirklich nicht mehr lange dauern, noch waren sie sich offensichtlich nicht begegnet, aber wenn man dem Buch Glauben schenkte, und das tat er, dann würde der Neuanfang und damit die Geschichte von Satan und Monalisa jetzt in den nächsten Tagen beginnen.

Echilar machte eine Pause

und Joso tauchte aus der Geschichte auf.

Echilar hatte so anschaulich erzählt, dass er schon glaubte selbst auf diesem Raumschiff zu sein. Der alte Mann stand auf und ging zur Feuerstelle und legte etwas Holz nach. Es war schon später Abend und deshab auch etwas kalt, auch wenn tagsüber die Sonne heiß vom Himmel schien. Echilar füllte einen Teller mit etwas kalten Braten, Brot, Oliven und Käse. Außerdem hatte er noch ein paar Weintrauben. Damit kam er zurück zu ihrem Platz und nachdem er noch ein Öllicht angezündet hatte, setzte er sich wieder auf sein Kissen und er forderte Joso auf zuzugreifen. Der merkte erst jetzt wie hungrig er war und so nahm er sich etwas Brot und Käse und schaute den alten Mann aufmerksam an. Er wollte jetzt endlich die Sache mit Monalisa und diesem Satan erfahren. Doch Echilar ließ sich Zeit und aß erst mal etwas von dem Braten. Es war Hühnchenfleisch, knusprig gegrillt, er hatte es am Tage auf dem Markt erstanden. Er kaufte sich nun öfter sein Essen dort, denn ihm war es meistens zu viel Arbeit selbst zu kochen. Das hatte seine Frau eigentlich immer gemacht, doch die war nun auch schon viele Jahre tot. Er hatte sie durchaus geliebt, auch wenn sie ihm keine Kinder geschenkt hatte. Aton hatte es gefallen ihn kinderlos zu lassen. Aber jetzt sah er auch den Vorteil darin, er konnte nämlich nun ganz unbelastet auf das Raumschiff zurück kehren, ohne Kinder und Enkel zurück lassen zu müssen. Er würde wieder ein junger Mann sein und sich intensiv mit der Bibliothek dort auseinandersetzen. Er würde sich all die Aufnahmen ansehen, die dort gespeichert waren. Und dann würde er vielleicht ein Buch schreiben, ein Buch auf Papier. Diese Bildschirme waren sicherlich ganz toll, aber ihn hatten die Bücher mehr fasziniert. Das Papier war so schön glatt und es ließ sich darauf wunderbar schreiben. Aber wer weiß, vielleicht hatte er als 25-Jähriger ja auch ganz andere Ideen im Kopf. Er würde für alles offen sein. Jetzt ging es erst mal darum die Geschichte weiter zu erzählen und so fuhr er fort.

Monica traf Wolfgang ganz zufällig

wie es oft bei Liebesgeschichten der Fall ist.

Sie waren beide zu einem Abendessen bei Freunden eingeladen und dort lernten sie sich kennen. Wolfgang war mit Herbi, dem Gastgeber befreundet und Monica war die Freundin von Barbara und die war wiederum eine Cousine von Leonie, der Gastgeberin. So kam es also zu diesem denkwürdigen Zusammentreffen und es sollte großen Einfluss auf das Leben der Beiden haben. Es war wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick und da Wolfgang ein Elektriker war, der Ahnung von Hochspannung hatte, lud Monica ihn zu sich ein um ihm ihre kaputte Kaskade zu zeigen. Wolfgang war nämlich ausgesprochen skeptisch gewesen, als Monica von ihren Experimenten erzählte. Er bezweifelte schicht und ergreifend, dass sie wirklich 85 000 Volt Gleichspannung damit erschaffen hatte. Er zweifelte auch an ihrem Bombini, ja, er hielt das Ganze für ausgemachten Schwachsinn. Natürlich hatte auch er schon mal davon gehört, dass Zweiplattenkondensatoren eine Kraft entwickelten, doch hielt er diese für zu gering, als dass sich damit etwas bewegen ließe. Schon mal ganz bestimmt nicht riesige UFOs. Diese Monica war offensichtlich nicht ganz dicht, aber immerhin, sie sah in seinen Augen wunderschön aus und sie war auch recht amüsant, wenn sie so über ihre Arbeit erzählte. Trotzdem sah er sich berufen, diese Frau von ihrem Trip schnellstmöglich herunter zu holen. Wer sich mit UFOs beschäftigte, der begab sich eigentlich nur ins Abseits und es war für ihn deshalb auch gar kein Wunder, dass diese Frau arbeitslos war. Mit solchen Flausen im Kopf bekam man bestimmt keine Stelle. Er war ja ehr ein Mann der kleinen Brötchen. Er wollte ganz bestimmt nicht die Welt verändern, ihm reichte es einen halbwegs interessanten Job zu haben und ansonsten verbrachte er viel Zeit mit seiner Wasserpfeife. Ja, er war ein echter Kiffer, ein Dauerkiffer, und dies nun schon seit Jahren. Früher hatte er vielleicht auch einmal das ganz große Rad drehen wollen, aber das war lange her. Ihm hatte das Leben gezeigt, dass es viel besser war, wenn man eine ruhige Kugel schob und allerhöchstens im Cannabisrausch hochtrabende Pläne entwickelte. Morgens allerdings hieß es besser zur Arbeit zu fahren und nicht mehr daran zu denken. Er war jetzt gerade aus seinen Schulden heraus, er hatte endlich eine vernünftige Wohnung mit fließend warmen Wasser und einer ordentlichen Toilette. Das war für ihn das einzig Entscheidende, denn darauf hatte er viele Jahre verzichten müssen, vielleicht gerade weil er wie Monica das Unmögliche gewollt hatte. Jetzt aber machte er sich erst einmal auf den Weg zu ihr und wollte sich dieses Bombini genauer anschauen.

Doch als er sich nach dem Essen, zu welchem ihn Monica eingeladen hatte, die Kaskade und den ganzen Kram angeschaut hatte, da gab es für ihn nur eine Reaktion. Diese Anlage gehörte endgültig stillgelegt. Sie war absolut verboten und dies nicht ohne Grund. Damit konnte man nicht nur sich selbst in große Gefahr bringen. Er nahm darum all die einzelnen Teile auseinander und er legte ihr auch den Trafo lahm. Als Monica das sah, da wollte sie schon protestieren, doch sie tat es nicht. Im Gegenteil, irgendwie freute es sie, dass da jemand gekommen war und sie von diesem frustrierenden Experiment befreite. Sie fand den Mann sehr gut aussehend und sehr männlich. Er schien durchsetzungsfähig zu sein, und dass er an ihrem Bombini kein gutes Haar ließ, dass störte sie auch nicht. Unglauben an ihrem Projekt war sie schließlich schon gewöhnt. Sie wusste, dass sie mit dem Bombini Neuland betrat und dass zu seinem Verständnis eine völlig neue Physik gehörte. Doch bis sie diese Physik in die Köpfe der Menschheit bringen konnte, da würde es wohl oder übel noch etwas dauern. Sie war selbst noch nicht ganz sattelfest. Aber sie hatte eine Grundidee und die versuchte sie Wolfgang auch zu erklären. Doch der hatte von der zugrunde liegenden Stringtheorie keine Ahnung und überhaupt war es ihm lieber über etwas anderes zu reden. Und so erzählte er von seinen Zügen. Er arbeitete als Elektriker auf einen Testring. Dort wurden die neuesten Züge in Betrieb gesetzt. Dazu musste er sich viel mit Software beschäftigen, denn wirklich viele Kabel gab es an den Zügen nicht mehr. So gut wie alles wurde heute über den Computer geregelt. Monica wurde schnell klar, dieser Mann war in Züge verliebt und er bestätigte dies und meinte, er sei ein sogenannter Pufferküsser. Das war nun eigentlich das richtige Stichwort für Monica, denn sie hätte wirklich nichts dagegen gehabt, wenn dieser Mann sie küssen würde. Doch Wolfgang war offensichtlich keiner von der schnellen Sorte, bei ihm brauchte so etwas schon etwas mehr Zeit. Sie verabschiedeten sich daher mit Handschlag und er lud sie ein, ihn am nächsten Tag bei ihm zu Hause zu besuchen. Sie freute sich über die Einladung und hoffte, dort würde dieser wunderbare Mann dann vielleicht nicht mehr so zurückhaltend sein.

Oben in dem Raumschiff hatten alle dieses Rendevous beobachten können und Joseph war sehr angetan von diesem Wolfgang. Aus dem jungen Schwimmer war ein ganzer Kerl geworden und er hinterließ bei seiner Enkelin einen entsprechend guten Eindruck. Dass er das Experiment auseinandergerupft hatte, nun, das war verständlich, auch ihm war das alles viel zu gefährlich vorgekommen. Einstein war mit der Wendung in der Geschichte ebenfalls sehr einverstanden. Nur Leonnardo und die Ägypter wussten nicht, was sie davon halten sollten. Ihrer Meinung nach hätte Monica es noch ein paar mal versuchen sollen. Aber gut, Joseph behauptete im Brustton der Überzeugung, gerade dadurch würde die Geschichte am Ende noch zu einem Erfolg. Manchmal müsse man einfach die Sache auch mal von einer ganz anderen Seite angehen und diese würde bestimmt bald schon sichtbar.

Der Kapitän hatte in der letzten Nacht die Sache mit der erfolgreichen Bombini-Designerin für sich zu Grabe getragen und so war auch er offen für die Entwicklung. Er hatte schließlich ihr Buch gelesen und jetzt ahnte er, dass das, was darin stand, wohl doch der Wahrheit entsprach. Zumindest in den wesentlichen Punkten. Ihm war zwar noch überhaupt nicht klar, wie er dies einmal seinen Leuten klar machen sollte, die würden die Geschichte von der erfolgreichen Physikerin wohl nicht so gerne aufgeben, aber es war nichts zu machen, entweder die Rückwärtsgewandten hatten die Vergangenheit tatsächlich entscheidend beeinflusst, oder die Nachforschungen seiner Zeit waren ein reines Fantasiegespinnst. Jedenfalls war Wolfgang kein Wissenschaftler und Monica keine Physikerin geworden und damit würde es für die Beiden auch keinen Nobelpreis geben. Diese Geschichte konnte also zu den Akten.

Nur, was jetzt kommen würde, dass hätte er vor allen Dingen Monica gerne erspart. Dieser Wolfgang schien schwere Zeiten ja gewohnt zu sein, wenn man an seine Kellerjahre dachte. Er hatte Monica beim Essen erzählt, dass er viele Jahre in einem Tiefkeller gelebt habe, ohne warmes Wasser, ohne Klo, ohne jeglichen Komfort. Er habe sich mit seinem Freund Herbi dort eingemietet, mitten in Köln. Sie wollten dort unten Musik machen und irgendein cooles Geschäft betreiben. Doch dazu sei es am Ende nicht gekommen, denn Herbi hätte sich in Leonie verliebt und wäre zu ihr gezogen. Das fehlende warme Wasser und das Klo hatten ihn wohl auch zu ihr getrieben. Und so war er in seinem Keller meistens ziemlich allein. Ein paar Mäuse und eine kleine Cannabisplantage waren seine einzigen Mitbewohner. In dem Keller habe er tiefgreifende Erkenntnisse gewonnen, doch jetzt sei er einfach nur froh, in seiner kleinen, modernen und sauberen Wohnung zu leben.

Und glücklicherweise war die Überwachung praktisch flächendecken, auch in Wolfgangs Wohnung hatte man Kameras installiert. Allerdings hatten sie dabei sehr vorsichtig vorgehen müssen, denn ein findiger Elektriker hatte möglicherweise gute Augen.

Jetzt, wo sie vorhatten länger mit ihrem Raumschiff vor Ort zu bleiben, mussten sie sich natürlich erst mal ein gutes Versteck suchen, schließlich waren die Alienjäger nicht nur auf der Erde aktiv. Deren Aktivitäten wurden natürlich vor der Bevölkerung geheim gehalten. Offiziell gab es weder UFOs noch diese Truppe von wohl Informierten. Zwar waren immer häufiger Ufos am Himmel zu sehen, aber die Regierungen fanden meistens eine einleuchtende Erklärung für die verschiedenen Lichterscheinungen am Himmel. Und nicht wenige der angeblichen Sichtungen waren auch gefaked. Denn die Regierungen hatten spezielle Abteilungen eingerichtet, die für möglichst viel Desinformation sorgen sollte. Da wurden Fotos von angeblichen UFOs manipuliert und veröffentlicht und ein paar Tage oder Wochen später wieder enttarnt. Es gab angebliche Augenzeugen, die dann irgendwann zugaben, sich die Geschichte ausgedacht zu haben. Damit konnten dann auch alle anderen tatsächlichen Sichtungen diskreditiert werden. Die offizielle Nachricht lautete nach wie vor: „Wir sind allein im Universum, und wenn es doch irgendwo noch Leben geben sollte, dann ist dieses primitiv. Der Mensch ist eine Laune der Natur und sollte diese Natur auch auf einem anderen Planeten eine intelligente Lebensform entwickelt haben, so sind diese zu weit weg, um uns zu erreichen. Einsteins Begrenzung der Lichtgeschwindigkeit sei Dank, denn sollte doch einer Spezies der Flug durch den unendlichen Raum gelingen, dann handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um sehr gefährliche, hässliche Kreaturen, die nur ein Ziel hätten, nämlich die Vernichtung oder zumindest die totale Ausbeutung des Menschen. Im All gebe es nun mal keine Freunde, sondern es gelte auch dort das Prinzip: Frisst Du nicht mich, dann fresse ich Dich.“

Durch eine Implosion des Torsionsfeldes konnten sie sich für diese Alienjäger natürlich unsichtbar machen, doch dann war ein Blick auf die Erde eben auch nicht mehr möglich. Wenn sie also Informationen bekommen wollten, dann mussten sie sich irgendwie anders tarnen. Doch so einfach war das nicht, denn sie waren etwas zu groß um sich hinter einem Sateliten zu verstecken. Es blieb eigentlich nur der Mond, dahinter wären sie für alle unsichtbar. Allerdings war dann auch für sie die schöne Aussicht auf die Erde verloren. Aber da sie nun mal die Geschehnisse möglichst genau mitbekommen wollten, blieb ihnen nichts anderes übrig. Nachts konnten sie relativ problemlos über den Städten schweben und auch einen Rundflug machen, aber am Tage blieb nur der Mond. Sie mussten auch die ISS immer gut im Blick behalten, die war mit allerlei Ortungsgerät ausgestattet und so blieben nur bestimmte Stunden, die sie hautnah dabei sein konnten.

Aber zum Glück gab es ja auch noch die Überwachung, sie würde für die notwendigen zusätzlichen Informationen sorgen. Ihr Standort war absolut geheim und ihre Technik auch weitestgehend unbekannt. Die Welt der Maschinen war selbst ihren Entwicklern mittlerweile fremd, denn die Maschinen reparierten und programmierten sich selbstständig. Das System war fast 100%ig wartungsfrei. Einige Menschen seiner Zeit sahen darin durchaus auch ein Problem. Was wäre, wenn die Maschinen sich irgendwann gegen ihre Schöpfer richteten? Noch waren sie absolut zuverlässig und es gab auch keine Klagen, aber wie so oft, die Menschen hatten für das Bedrohliche immer eine blühende Fantasie.

Reinhard machte sich eigentlich kaum solche Sorgen, er hatte mittlerweile erlebt wie zuverlässig die Maschinen waren, unter ihnen gab es keinen Neid, keine Missgunst, keine Agressivität. Es gab auch keine Lüge, keine Falschheit. Die Maschinen verrichteten einfach immer nur ihren Job. Ab und an kam ein eingeweihter Techniker zu ihnen und schaute nach dem Rechten, aber bisher hatte er selten etwas zu beanstanden gehabt. Man konnte sich auf die Maschinen einfach verlassen.

Natürlich brauchte man neben dieser maschinellen Überwachung auch noch ein paar Leute, die am Boden agierten. Doch die unterstanden seiner Kontrolle. In einem Trakt, den er bisher vor seinen Gästen geheim gehalten hatte, lebten und arbeiteten eine ganze Reihe von ihnen. Sie beamten sich punktgenau zu den ausgewählten Objekten und taten dort, was Agenten nun mal tun. Sie verwanzten die Wohnungen der zur Observation ausgewählten, sie besorgten Bargeld, welches er für mögliche Anschaffungen benötigte, sie erforschten das Lebensumfeld der unterschiedlichsten Personen und sie informierten die Regierung. Die Eine-Welt-Regierung, denn die wollte natürlich über die verschiedenen Aktivitäten ihrer Schiffe immer im Bilde sein. Von dieser Regierung hatte er letztendlich auch den Auftrag erhalten, der Geschichte um diese Monica auf den Grund zu gehen. Eigentlich war dies kein besonders wichtiger Auftrag gewesen, man wollte einfach nur genauer wissen, wen man da so in den Himmel gehoben hatte. Der Film war nämlich bei den Fortschrittsgläubigen eingeschlagen wie eine Bombe. Er war für mehrere Oscars nominiert und die Geschichte sollte in die Geschichtsbücher geschrieben werden, damit jedes Kind seiner Welt an dieser Erfolgsgeschichte etwas lernen konnte. Doch nun geriet das ganze Projekt in ziemliche Schieflage. Für die Geschichtsbücher taugte diese Monica, die er nun kennen lernen konnte, überhaupt nicht. Sie entsprach einfach überhaupt nicht dem Vorbild, welches man in ihr bisher gesehen hatte. Sie trank, sie kiffte, sie vernachlässigte ihr Äußeres, sie dilettierte mit ihren Experimenten, sie kümmerte sich etwas zu wenig um ihren Sohn und war zu allem Überfluss auch noch auf Sozialhilfe angewiesen. Letzteres war für seine Zeit zwar kein so großes Problem, schließlich bekam jeder Bürger eine Art Grundeinkommen, aber die Sache mit dem Sohn sah schon schlimmer aus. Er machte im Grunde was er wollte. Ihm fehlte wirklich eine harte Hand, ein männliches Vorbild. Der Vater dieses Kindes war in dieser Beziehung ein ziemlicher Reinfall. Er kümmerte sich noch weniger. Das würde man bei ihnen so nicht durchgehen lassen, bei ihnen wurde Erziehung groß geschrieben. Schon die Kleinsten lernten sich an Regeln zu halten, allen war immer bewusst, sie wurden beobachtet und Verstöße wurden schnell geahndet. Man wollte nun mal ein Volk, dass sich vernünftig verhielt und da musste man schon bei den Kleinsten anfangen. Er hatte ja keine Kinder, zum Glück, sonst hätte er sicherlich nicht diesen Posten hier bekommen. Väter wurden nicht durch die Weltgeschichte geschickt, sie sollten sich schließlich um ihren Nachwuchs kümmern. Natürlich gingen sie meistens auch noch einer Arbeit nach, doch die war so organisiert, dass genügend Zeit für die Erziehung ihrer Kinder blieb. Die waren in Ganztagsschulen untergebracht und wurden dort mit allem Wissenswerten pädagogisch wertvoll versorgt. Auf ihre Bildung kam es nämlich hauptsächlich an. Auf ihnen ruhten schließlich die Hoffnungen der jetzigen Generation und darum war jede Investition an Zeit und Mühe in diese leider immer kleiner werdende Kinderschar sinnvoll.

Die immer häufigere, weltweite Kinderlosigkeit entwickelte sich nämlich zu einem Problem. Sie wurden immer weniger. Und die Rückwärtsgewandten wurden immer mehr. Denn die bekamen Kinder ohne Ende. Gut, diese Kinder genossen nicht eine so umfängliche Ausbildung, nicht wenige arbeiteten nämlich mit ihren Eltern auf dem Feld. Einige starben auch an den verschiedensten Krankheiten, aber es blieben doch so viele übrig, dass man sich bei der Regierung begann Sorgen zu machen. Es drohte ein schwerwiegendes Ungleichgewicht, die Rückwärtsgewandten waren durch ihre vielen Kinder tatsächlich auf dem Vormarsch. Sie besetzten immer mehr Gebiete und bebauten das Land. Sie lebten völlig autark und waren in ihrem Tun nur den Notwendigkeiten unterworfen. Sie mussten essen, trinken und schlafen. Natürlich gab es unter den Rückwärtsgewandten auch Regeln, doch die erschuf jede Gemeinschaft für sich selbst. Sie lehnten einfach jede übergeordnete Regierung ab. Sie druckten auch ihr eigenes Geld, sie unterrichteten ihre Kinder selbst, sie waren dadurch einfach unkontrollierbar. So eine Gesellschaft war natürlich nicht in der Lage Bombinis zu bauen, geschweige denn die Torsionsfeldtechnik weiter zu entwickeln. Sie würden an der großen Vereinigung des Weltalls daher nicht teilhaben. Denn darum ging es der Gesellschaft der Fortschrittsgläubigen, sie wollten mit anderen Lebewesen auf weit entfernten Planeten kommunizieren, sie wollten an der unglaublichen Gemeinschaft des lebendigen Universums teilhaben. Denn es gehörte einfach zu den großartigsten Erkenntnissen der Torsionsfeldtechnik: Wir waren tatsächlich nicht allein. Es gab Hunderte von intelligenten Arten und sie alle konnten über das Torsionsfeld miteinander in Kontakt treten. Es gab unter diesen sogenannten Außerirdischen auch sehr weit entwickelte Arten, eine hatte er ja schon mal näher kennen gelernt, damals, als er den Kauf des Verjungungsapparates begleitet hatte. Der hatte auf einer seiner ersten Flüge mit diesem Bombini hier stattgefunden. Ein wirklich ganz außerordentliches Erlebnis war dieser Kauf gewesen und er würde ihn sicherlich nie vergessen. Ansonsten hatte er bisher nur wenig Kontakt mit Außerirdischen gehabt, er war halt ehr ein Spezialist für Zeitreisen in die Vergangenheit. Darin hatte er nun schon einige Erfahrung sammeln können.

Trotzdem war für ihn die Reise mit seinen Gästen auch etwas ganz Besonderes. Es kam nämlich wirklich nur sehr selten vor, dass sie jemanden mit auf ihr Schiff nahmen, geschweige denn mit diesen Personen herumflogen. Meistens handelte es sich einfach um Bildungsreisen. Sie wollten erfahren wie es in der Vergangenheit tatsächlich gewesen war. Einmal hatte er allerdings einen Gast für längere Zeit beherbergt. Nostradamus. Eine wirklich sehr interessante Persönlichkeit. Mit ihm war er stundenlang ins Archiv gegangen und sie hatten sich Filme aus seiner Zukunft angesehen. Natürlich waren sie davon ausgegangen, dass Nostradamus, wieder zurück auf der Erde, so gut wie alles wieder vergessen würde, doch da hatten sie sich gehörig getäuscht. Er kannte offensichtlich Methoden, die Bilder seines Unterbewusstseins auch ohne Torsionsfeldanalysator hervorzuholen. Doch dabei handelte es sich um Magie, und damit kannte er sich nun mal gar nicht aus. Für Zaubereien hatte er die Technik, da musste er keine Engel und Geister anrufen. Nostradamus jedoch entwickelte eine beeindruckende Erinnerung an die Bilder, die er gesehen hatte, und schrieb diese Visionen in ein dickes Buch. Dieses Buch wurde dann schnell zu einem Bestseller und selbst noch im 21. Jahrhundert gab es Menschen, die sich der Faszination seiner Zeilen nicht entziehen konnten.

Seit diesem Vorfall jedoch war er besonders vorsichtig geworden.

Ihm war es am liebsten, sie kamen ohne persönliche Begegnung aus. Mit seinen Gästen aber war es nun etwas anderes. Er würde sie brauchen, wenn er das Spiel gewinnen wollte. Das Spiel des Lebens. Er war darin nämlich genauso gefangen wie diese Monica, dieser Wolfgang, dieser Großvater und wer immer noch. Zumindest, wenn die Dinge, die Monica in ihrem Buch angedeutet hatte, der Wirklichkeit entsprachen. Er hatte es natürlich auch erst mal nicht geglaubt, doch so langsam stellte sich tatsächlich heraus, bisher war alles wie beschrieben eingetroffen. Sollte das so weitergehen, dann wäre das wirklich eine absolut unglaubliche Geschichte. Aber vielleicht war es auch alles nur ihrer großen Fantasie entsprungen, das war ihm nach der Lektüre des Buches nicht ganz klar geworden. Ihm fehlte einfach der zweite Band. Doch der schien nie veröffentlicht worden zu sein. Jedenfalls hatte er keine Spur von ihm finden können. Er würde die Geschichte also selbst miterleben müssen, wenn er des Rätsels Lösung in den Händen halten wollte.

Sie saßen zusammen beim Frühstück. Die Bildschirmwand war jetzt eigentlich immer an, sie wollten schließlich nichts verpassen. Aber zur Zeit passierte nicht viel. Monica schien lange zu schlafen. Sie konnten auch in Wolfgangs Wohnung schauen, doch der war nicht da. Er war zur Arbeit gefahren. Seine Wohnung war nicht sehr groß und man war mit einer einzigen, winzigkleinen Kamera ausgekommen. Sie war in seiner Deckenlampe eingebaut worden. Die Lampe selbst war sehr ungewöhnlich. Sie ließ sich über eine Fernbedienung in alle Richtungen drehen und sie hatte eine starke Linse, so dass an der Wand ein sonnenartiges Lichtspiel entstand. Jetzt war sie natürlich nicht eingeschaltet. Es war in der Wohnung daher relativ dunkel, denn Wolfgang hatte die Rollläden fast komplett herunter gelassen. Dennoch konnte man sehen, in der Küche stapelte sich der Spül, das Glas mit dem löslichen Kaffee stand offen, eine halbleere Tube Tomatenmark drohte bald von der Anrichte zu fallen, ja, es war ziemlich chaotisch bei ihm. Überall lag etwas herum. Es gab ein Regal aus Metall, offensichtlich selbstgebaut und darin standen unglaublich viele Schallplatten. Dieses Regal schien neben der Matratze auf dem Boden das einzige, echte Möbel zu sein. Es gab noch einen Klapptisch und einen Sitzball so wie einen Fernseher, doch viel mehr befand sich nicht in dem Raum. Gemütlich sah es bei ihm nicht gerade aus.

Bei Monica war das schon anders, ihre Wohnung besaß im Ganzen 8 Räume, von denen 7 mit einer Kamera an der Decke überwacht wurden. Nur das Bad war nicht einzusehen. Die Wohnung war zwar nicht gerade modern eingerichtet, die Möbel schienen alle schon etwas älter zu sein, aber es gab ein großes, grünes Sofa mit passendem Sessel und einem modernen, weißen Tisch, es gab einen großen Esszimmertisch, allerdings mit nur zwei Korbsesseln davor, ein alter Schrank und eine Kommode stand in dem Zimmer. Im Arbeitszimmer sahen sie die zerpflückte Kaskade auf einer großen Arbeitsplatte liegen, es gab einen Schreibtisch und ein weißes Regal an der Wand. Die Küche war einfach und zweckmäßig, allerdings wohl auch schon ziemlich abgenutzt. Die Räumlichkeiten eine Etage höher bestanden aus zwei kleinen, miteinander verbundenen Dachzimmern für den Sohn und einem Schafzimmer für sie selbst. Dort lag sie jetzt und verpennte den schönen Morgen. Die Sonne schien durch die Fenster hinein, aber Monica schlief immer noch tief und fest. Ihr Sohn hatte sich schon früh auf den Weg in die Schule begeben, er schien also auch ohne ihre mütterliche Sorge seinen Pflichten nachzukommen. Sein Zimmer sah allerdings ziemlich unordentlich aus, ein typischen Jungenzimmer mit einem Computer, einem Bett, einem Regal und einem Schrank.

Reinhard war ziemlich entsetzt über den Zustand der Wohnung. Die musste wirklich dringend mal renoviert werden. Und die Unordnung im Kinderzimmer wäre bei ihnen auch so nicht vorgekommen. Auf Ordnung wurde nämlich bei ihnen sehr großer Wert gelegt. Ordnung ist das halbe Leben, das bekamen sie schon als kleine Kinder ständig vorgebetet. Bis auf wenige Kleinigkeiten sah ein Kinderzimmer aus wie jedes andere. Es hatte eine Bettnische, einen Tisch und Stuhl, einen Wandschrank und ein Regal, welches ebenfalls in die Wand eingelassen war. Auf dem Boden befand sich meistens ein bunter Teppich, das war mit den Dingen im Regal das einzig Individuelle in den Zimmern. Auch der Rest der Wohnung war eigentlich überwiegend genormt, es gab wenige persönliche Möbelstücke, denn meistens lebte man nur vorrübergehend an einem Ort. Fast jeder musste beruflich sehr flexibel sein und da war möglichst wenig persönlicher Ballast von Vorteil.

Natürlich gab es auch einige, sesshaftere Personen, doch die wurden immer seltener. Diese Leute besaßen meistens ein Haus mit Garten und betrieben irgendein Geschäft. Doch seit es die Energie-Materie-Umwandler gab, wurden nur noch wenige spezielle Geschäfte benötigt. Aber es gab viele Restaurants, denn nur noch die wenigsten verstanden zu kochen, ein Grund warum ihre Küchen relativ klein waren.

Das Leben funktionierte wirklich

ganz anders als noch im 21. Jahrhundert.

Sie lebten halt sehr resourcenschonend, erklärte der Kapitän, dass hieß sie verbrauchten wenig Material. Dies war notwendig geworden, seit es kein Erdöl mehr gab. Jetzt wurden die Dinge meistens aus Stärke hergestellt, die Dinge, die man daraus herstellte, waren ökologisch einwandfrei, allerdings nicht sehr vielgestaltig. Man hatte halt eine Form und dann wurden Tausende gleich aussehender Objekte daraus hergestellt. Holz wurde so gut wie gar nicht mehr verwendet und das Metall sowie die vielen notwendigen, seltenen Erden wurden recycelt. Glas wurde ebenfalls immer wieder eingeschmolzen oder wiederverwendet. Papier wurde nur noch sehr selten benutzt und Textilien waren meistens aus Kunstfasern gemacht. Diese gewann man überwiegend aus Stärke. Es war meistens Funktionskleidung mit viel Technik darin. Aber auch die starb langsam aus, denn nun wurde die Technik bei den meisten gleich unter die Haut gepflanzt. Es gab aber schon länger einen Chip, der den Menschen schon bei der Geburt in den Kopf eingesetzt wurde. Er diente der Identifizierung und damit wurde auch bezahlt. Denn, Geld in Form von Münzen oder Scheinen gab es seit dem großen Bankenzusammenbruch nicht mehr. Jetzt besaß jeder ein virtuelles Konto und jeden Monat wurden darauf das bedingungslose Grundeinkommen gebucht. Davon konnte man ein bescheidenes Leben führen. Aber natürlich wollte man sich auch mal etwas zusätzliches Leisten können und dafür ging man unter anderem arbeiten. Auch das dort verdiente Geld kam auf das virtuelle Konto. Wollte man Bargeld haben, um verbotenerweise bei den Rückwärtsgewandten etwas zu kaufen, dann ging das eigentlich nur im Tausch. Gibst Du mir, dann gebe ich Dir.

Reinhard hatte seinen Gästen mit seinen Beschreibungen die Vorzüge dieser genormten, ökologischen Lebensweise näher bringen wollen, doch die waren nicht besonders begeistert. Was war mit der Kunst, dem Handwerk, den kulturellen Kenntnissen wie zum Beispiel die Nahrungszubereitung? Davon lebte doch ein Gemeinwesen, dadurch entwickelte sich doch erst das Leben. Aber Reinhard meinte, dies sei für ein fortschrittliches Dasein, welches auf die Besiedelung des Weltraumes abzielte, gar nicht entscheidend. Ihnen ginge es um Effizienz. Vieles was in der Vergangenheit sinnvoll gewesen sein mochte, war in ihrer Zeit nur noch Ballast. Je weniger ein Mensch besaß, desto beweglicher war er. Und beweglich wollte man sein, denn nicht wenige hofften ein Ticket auf einen anderen Planeten zu bekommen. Das Leben auf der Erde war einfach ziemlich ungemütlich geworden durch die heftigen Stürme und langanhaltenden Dürren. Die Städte versanken der Reihe nach im Meer, da durch die nun schon fast vollständig abgeschmolzenen Polkappen der Meeresspiegel rasant angestiegen war. Immer häufiger gäbe es monströse Tornados und Zunamis, die vielen Menschen das Leben kostete. Über kurz oder lang würde man die Erde wohl aufgeben müssen und ein neues zu Hause für Milliarden Menschen finden müssen.

Das erschütterte die Anwesenden dann aber doch total und sie mochten sich dies gar nicht vorstellen. Das Leben auf der Erde war doch wunderschön. So einen herrlichen Planeten gab es bestimmt nirgendwo noch mal. Doch Reinhard meinte, es gäbe viele wunderschöne Erden, einige seien auch noch nicht von intelligenten Lebewesen bewohnt und so plane die Eine-Welt-Regierung schon jetzt die ersten größeren Umsiedlungsaktionen. Mit riesigen Bombinis, von denen die ersten gerade im Bau seien, wollte man viele Zig-Tausende zu gleich mit ihren wenigen Habseligkeiten durch das All transportieren. Viele Menschen hätten sich schon um die begehrten Tickets bemüht, doch wären die nicht ganz billig. Deshalb würden wohl die Wohlhabenderen zuerst fort ziehen. Darum habe die Regierung nun auch spezielle Listen aufgesetzt, Menschen mit gefragten und vor allen Dingen notwendigen Berufen kämen so auch für kleineres Geld mit, schließlich konnte ein Gemeinwesen bestehend nur aus Wissenschaftlern und Professoren nicht bestehen. Wissenschaftler waren nämlich die Begütertesten. Sie verdienten tatsächlich sehr viel Geld. Lehre und Forschung war nun mal das Rückrat der modernen Wissensgesellschaft.

Und was ist mit den Rückwärtsgewandten,

bleiben die auf der Erde zurück?“ fragte Joseph.

Ja, die meisten hoffen auf eine Wende im Klimawandel. Sie glauben, der Planet sei durch ihre althergebrachte Lebensweise noch zu retten. Doch unsere Klimaforscher sagen uns etwas anderes. Der Punkt des Chaos ist leider schon längst erreicht. Es ist nämlich so, ist das natürliche Gleichgewicht erst mal zerstört, dann dauert es viele Jahrtausende, bis es sich wieder einstellt. Die Rückwärtsgewandten glauben dies aber nicht, sie meinen, wenn sie zu einer alten Lebensweise zurück kehren, dann beruhigt sich der Planet auch wieder. Natürlich leiden auch sie ziemlich unter den Folgen der Klimakatastrophe, aber sie graben sich eben in der Erde ein, ziehen in die Berge oder versuchen als Nomaden ihr Glück. Irgendwo hoffen sie ein Paradies zu finden, allerdings nicht im Weltall sondern auf der Erde. Doch unsere Wissenschaftler halten dies für hoffungslos. Sie sehen noch viel schlimmere Zustände kommen, die momentanen Stürme und Dürren sind erst der Anfang. Nein, das 20. und 21. Jahrhundert hat wirklich irreparablen Schaden angerichtet, die Erde ist für den Menschen auf Dauer verloren.“

Das klingt ja grauenhaft,“

war die einhellige Reaktion der Anwesenden.

Nun, das ist eben mit ein Grund, warum uns die Bombinis so wichtig geworden sind, nur mit ihnen kann man zeitnah einen anderen Planeten erreichen. Ohne die Bombinis sind wir alle dazu verdammt auf der Erde zu bleiben und das bedeutet, der Mensch wird über kurz oder lang aussterben, denn ohne einen gesunden Planeten kann auch er sich nicht am Leben halten.“

Und das sind alles wir schuld?

Wir mit unserer Industriegesellschaft?“ fragte Einstein entsetzt.

Leider muss man zu diesem schlimmen Ergebnis kommen, insbesondere die ganze Erdölindustrie steht an diesem Pranger. Es ist ja nicht nur das CO2, welches bei der Verbrennung dieses Rohstoffes entstanden ist, der viele, unverrottbare Müll der Kunststoffe ist ein ebensolches Problem. Das Meer ist davon völlig vergiftet. Der Kunststoff hat sich zu winzigen Partikeln zerkleinert und wird von den wenigen Fischen, die es noch gibt, gefressen. So lagert sich in ihren Mägen der Kunststoffmüll an und verseucht das Fleisch. Da die Tiere den Kunststoff nicht ausscheiden können, füllt sich ihr Magen damit und irgendwann verhungern sie dann mit vollem Magen. So ein Fisch ist für jeden ungenießbar, doch das wissen die Beteiligten der Nahrungskette nicht und so findet sich auch in großen Fischen dieser Müll. Aber es ist nicht nur der Müll, der Probleme macht. Auch die vielen Medikamente, Hormone und chemischen Substanzen, die Jahrzehnte lang ins Wasser gelassen wurden, haben verheerende Auswirkungen. Wir haben zum Beispiel viel mit einer sich immer weiter ausbreitenden Unfruchtbarkeit zu tun, bei den Tieren, aber auch bei den Menschen. Nur die Rückwärtsgewandeten haben weniger solche Probleme. Sie trinken möglichst nur Quellwasser, sie verwenden keine chemischen Produkte und ernähren sich naturnah. Allerdings essen sie auch keinen Meeresfisch mehr und industrielle Massentierhaltung ist auch bei ihnen verpönt.“

Also gibt es für diese Leute

doch noch eine Chance?“ fragte Leonardo.

Für einige wenige vielleicht, aber Milliarden Erdbewohner bekommen sie auf ihre Weise nicht richtig satt. Unsere Wissenschaftler glauben, dass am Ende vielleicht 500 000 Menschen auf der Erde verbleiben können, doch werden sie sich kaum noch weiterentwickeln können. Für eine technisierte Gesellschaft sind dies einfach zu wenige. Es werden Bauern und Handwerker sein, aber bestimmt keine Professoren.“

Echnaton hatte einen Einwand gegen diese Zukunftsversion. Er meinte, zu seiner Zeit würden auch fast alle als Bauern oder Handwerker leben, sie hätten aber dennoch eine hohe Kultur. Es gäbe Kunst, Bildung und die großartige Architektur. Sie würden ihren Göttern huldigen und die Sterne studieren. Nur weil ein großer Teil von dem lebe, was der Nil ihnen böte, deshalb seien sie doch nicht hinterm Mond, so wie sie jetzt gerade.

Auch Leonardo meinte, ein Leben ohne Technik sei zwar in einigen Dingen schwer, vor allen Dingen wenn man an die Medizin denkt, aber auch bei ihnen gäbe es Kunst und Kultur. Gerade zu seiner Zeit gäbe es ganz außerordentlich begabte Künstler, man denke nur an Michelangelo, den er zwar persönlich nicht besonders schätze, aber dessen Malerei und Bildhauerei sei wirklich einzigartig. Und mit Verlaub, auch er sei ein ganz guter Maler, Wissenschaftler und Bauingenieur. Zurück zu den Wurzeln bedeute doch nicht unbedingt zurück in die Steinzeit. Von dieser Epoche hatte er auch in dem abendlichen Gespräch mit Einstein erfahren. Dieser hatte ihm die Grundzüge der Evolution versucht näher zu bringen. Irgendwie wurden Echnaton und Leonardo die Rückwärtsgewandten langsam immer sympathischer. Das es auch ein erfülltes Leben ohne elektrischen Strom geben konnte, dass zeigte sich doch in der Vergangenheit.

Sicherlich, ich will eine gewisse Kultur nicht ausschließen, doch auf einer wild gewordenen Welt haben die Menschen einfach zu viele andere Sorgen, als sich um die Schönheit der Dinge zu kümmern,“ gab der Kapitän noch mal zu Bedenken.

Joseph fühlte sich wie Einstein

nach diesem Gespräch ziemlich schuldig.

Beide hatten sich bisher nur wenig um die Natur gekümmert. Einstein hatte sich der Wissenschaft verschrieben und sich ansonsten aus allem ziemlich heraus gehalten. Die Natur war für ihn einfach kein großes Thema gewesen. Und auch Joseph hatte sich bisher nur wenig Gedanken darum gemacht. Sicherlich, es hatte auch zu seiner Zeit schon einige, warnende Stimmen gegeben, doch hatte er sie für Schwarzmaler gehalten. Er hatte in der Industrialisierung keine großen Probleme gesehen. Gut, die Umweltverschmutzung, die war schon problematisch, doch dafür gab es doch auch immer mehr technische Lösungen. Abscheidungsanlagen in den Schornsteinen zum Beispiel. Er hatte persönlich auch keinen großen Wert auf Plastik gelegt. Gut, er hatte Einkaufstüten benutzt und in der Küche seinen Kuchenteig in einer Plastikschüssel gerührt, aber eigentlich war er doch sehr verantwortungsvoll mit den Dingen des Lebens umgegangen. Er war bestimmt auch kein Mitglied der Wegwerfgesellschaft gewesen, seine Möbel hatten ihn überlebt, seine Anzüge und Wäsche war immer von guter Qualität gewesen, keine Kunststofffasern, sondern Leinen, Baum- und Schurwolle, alles hatte viele Jahre gehalten. Irgendwelchen Moden hatte er nicht nachgejagt und zur Arbeit sei er auch nicht mit dem Auto, sondern die meiste Zeit mit der Straßenbahn gefahren. Gut, zum Ende, als Direktor habe er einen Chauffeur für seinen Dienstwagen gehabt, doch den habe er nur benutzt, wenn es notwendig gewesen war. Allerdings wusste er auch von den riesigen Müllbergen, die seine Zeit angehäuft hatte. Irgendwann hatte man tatsächlich kaum mehr gewusst wohin damit. Aber dafür würde es zukünftig bestimmt auch eine interessante, technische Lösung geben, davon war er eigentlich immer ausgegangen. Letztendlich hatte er sich in erster Linie um den Brückenbau gekümmert und dann noch ein Bisschen für Architektur und Geschichte interessiert. Das ihre Gesellschaft einmal zu solchen bösen Folgen führen würde, das hätte er wirklich niemals gedacht.

Monica war nun endlich aufgestanden und hatte sich ins Bad verzogen.

Joseph hoffte sehr, dass sie sich auch dort anziehen würde, denn er fand es nicht in Ordnung, dass die anderen sie halb nackt herum laufen sehen würden. Doch daraus wurde nichts, sie kam Oben ohne aus dem Bad und zog sich erst im Schafzimmer etwas über und schlüpfte in ihre Jeans. Das war eigentlich unerträglich, doch die anderen sagten nichts, sondern senkten nur etwas beschämt den Blick. Einzig der Kapitän schaute genauer hin. Er kannte offensichtlich keine Scham. Joseph stieß ihn mit dem Ellebogen an und schüttelte mit dem Kopf. Da verstand Reinhard worum es ging und er gab einige Anweisungen an den irgendwo sitzenden Klaus. Soviel wie Joseph verstand, sollte überflüssige Nacktheit in Zukunft verpixelt werden. Klaus versprach umgehend die Funktion einzusetzen. Reinhard sagte zu dem immer noch etwas verärgert dreinblickenden Joseph: „Kein Problem, ich hätte vorher daran denken müssen, demnächst wird sie zum Teil verpixelt sein, ich hatte vergessen, dass ihr alle noch etwas prüde erzogen seit. Bei uns ist Nacktheit gerade zur Zeit wieder sehr in Mode. Diese Mode lässt gerade die Brüste gerne frei.“

Das ist doch absolut unanständig,“ meinte Joseph dazu

und auch die anderen schauten ziemlich irritiert.

Nur Echnaton war plötzlich ganz Ohr.

Er liebte es auch halb nackt herumzulaufen und er wünschte sich dies auch bei den Frauen. Sollten sie alle zeigen, was Aton ihnen für einen schönen Körper geschenkt hatte. Außerdem war es oft auch einfach viel zu heiß um sich zu kleiden. So sah er das jedenfalls und deshalb hatte er sich diese Monica auch ungeniert angeschaut. Sie war nicht hässlich. Ihre Brüste waren sogar wirklich sehr schön. Warum sollte sie diese also nicht zeigen? Er sah darin kein großes Problem. Aber die anderen waren erleichtert, dass ihnen in Zukunft solch ein intimer Anblick erspart werden sollte. Gut, Leonardo hatte schon viele Frauen nackt gesehen, schließlich brauchte er den ganzen Körper als Modell für seine Malerei. Auch die anderen Künstler sahen sich häufig der nackten Tatsachen ansichtig, doch selten kam es dabei zu Übergriffen. Kunst war Kunst und keine Hurerei. Er hatte deshalb auch etwas gelinst, und auch er fand Monica recht hübsch anzusehen. Einstein und Joseph waren jedoch erleichtert zu Erfahren, dass dies ein einmaliger Fall gewesen sein sollte. Es war einfach eine Frage des Anstandes.

Sie beobachteten wie Monica in die

Küche ging und sich einen Kaffee machte.

Dazu benutzte sie einen Kaffeefilter, in den sie das Pulver tat und mit heißem Wasser übergoss. Das hatte Leonardo und auch die Ägypter schön länger interessiert. So wurde also Kaffee gemacht, das war ja eigentlich ganz einfach. Schade, dass es zu ihrer Zeit so etwas noch nicht gab, denn Kaffee tranken wirklich alle sehr gerne. Sie gossen sich selbst auch noch mal nach und tranken nun gemeinsam mit Monica einen Becher. Sie hatte sich dazu ein Marmeladenbrot gemacht und war zum Frühstücken in den Garten gegangen. Sie setzte sich dort an einen Tisch und schlug eine Zeitung auf. Auch das war für Leonardo und die Ägypter etwas völlig Neues. Einstein erklärte ihnen, dass auch er gerne beim Frühstück die Zeitung gelesen hätte. Und auch Joseph gestand, ohne Zeitung wäre der Morgen nur halb so schön. Jetzt wollten die anderen natürlich wissen, was in so einer Zeitung denn zu lesen wäre und so kamen sie auf das Thema Politik.

Leonardo fand es ungeheuer interessant, dass man in so einer Zeitung etwas über die Geheimnisse und Machenschaften der Herrschenden erfuhr, das war doch wirklich mal ein echter Fortschritt, doch Echnaton fand das weniger prickelnd. Er wollte nicht, dass man über ihn so unabhängig berichtete. Er wollte schließlich selbst bestimmen, was über ihn erzählt wurde. Er sei wirklich sehr froh, dass es bei ihm so etwas noch nicht geben würde. Da widersprach ihm Einstein, denn er meinte, mit einer Zeitung hätte er es sicherlich erheblich leichter gehabt, seine Ideen über den einen Gott unter das Volk zu bringen. Trotzdem, Echnaton wollte von soviel journalistischer Freiheit nichts hören.

Wissen war Macht, und die teilte er nun mal gar nicht gern.

Echilar fand das mit der Zeitung jedoch sehr interessant.

Schade, dass es den Buchdruck zu seiner Zeit noch nicht gab, er hätte gerne Texte in so einem Blatt veröffentlicht. Natürlich nichts was Echnaton schaden würde, im Gegenteil, er stellte sich eine Art Werbeblättchen vor. So etwas hatte er in den Filmen gesehen, die er sich im Archiv angeschaut hatte. Damit ließ sich wirklich sehr viel bewegen, darin lagen große Chancen. Aber natürlich konnte er Echnaton davon nicht überzeugen, der hatte zu aller erst immer nur seine uneingeschränkte Macht im Auge.

Nach einer ganzen Weile, die sie im Gespräch über das Wesen der Politik verbrachten und sich ganz unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zu diesem Thema ergaben, packte Monica ihre Zeitung zusammen und ging mit der leeren Kaffeetasse in der Hand wieder nach oben in ihre Wohnung. Dort stellte sie die Tasse in eine Spülmaschine. Jetzt wollte man natürlich wissen, was dies für ein Gerät sei und Joseph erklärte, darin würde das Geschirr gespült. Er selbst habe in den letzten Jahren auch so ein Gerät gehabt, es sei sehr praktisch und würde einem viel Zeit ersparen. In Ägypten hatte man für so eine Tätigkeit oft Sklaven und Einstein meinte, ja, so ein Gerät wäre wohl auch für ihn interessant gewesen, doch leider habe er so etwas noch nicht kaufen können. Spülen war, das fanden alle, eine sehr lästige Angelegenheit, für die sich meistens, wenn nicht Sklaven so doch Frauen hergeben mussten. Als Mann hatte man mit solchen Dingen zum Glück selten etwas zu tun.

Nachdem Monica die Spülmaschine angestellt hatte ging sie in ihr Arbeitszimmer und betrachtete das Durcheinander, welches Wolfgang tags zuvor dort hinterlassen hatte. Sie nahm einen großen Karton, der unter dem Arbeitstisch gestanden hatte und begann die Einzelteile ihrer Kaskade darin einzupacken. Sie brauchte noch einen zweiten Karton und als alles verstaut war trug sie die Kartons mit den Worten: „Also gut, dann ab damit in den Keller,“ aus der Wohnung.

Der Kapitän war schon ein bisschen verwundert wie leicht es für Wolfgang gewesen war, Monica zum Abbruch ihrer Experimente zu bewegen. Zuvor hatten ihm seine Agenten immer wieder berichtet mit wie viel Starrsinn sie am Bau ihrer Kaskaden gearbeitet hatte. Nichts und niemand hatte sie davon abbringen können. Ja, die Kaskade und ihr Bombini hatte nun ganze zwei Jahre ihre volle Aufmerksamkeit gehabt. Doch jetzt verabschiedete sie sich offensichtlich ziemlich leicht von ihrem großen Projekt.

Auch Joseph war etwas erstaunt, doch er ahnte,

dass die Liebe in diesem Fall den Berg versetzt hatte.

Leonardo war etwas enttäuscht. Er hätte sich so leicht nicht von einer solchen Aufgabe getrennt, wenn er einmal an etwas Interesse hatte, dann verfolgte er sein Ziel ohne es aus den Augen zu verlieren. Einzig seine Malerei, die hatte er immer gerne schnell auch wieder aufgegeben, dass er ausgerechnet als Maler in die Geschichte eingehen würde, dass hatte schon etwas von Ironie. Er war immer nur wegen des Geldes an die Staffelei getreten und auch sein berühmtes Abendmahl hatte eigentlich mit nur wenig Lust gemalt. Es war einer dieser Aufträge gewesen, die er nicht hatte ablehnen können, aber ewig vor einer Wand zu stehen, das war nicht sein Ding. Er hatte sich deshalb eine neue Technik überlegt, damit konnte er die Arbeit schneller hinter sich bringen. Leider hatten die Farben mit der Zeit darunter gelitten und das Bild löste sich langsam aber sicher auf. Michelangelo wäre so etwas natürlich nie passiert, der Mann war einfach besessen und hat sich wirklich abgerackert. Wie dem auch sei, er fand es einfach schade, dass dieses Experiment aufgegeben wurde. Liebe hin, Liebe her. Da sah man eben auch, was für Probleme einem ins Haus kamen, wenn man sich auf die Liebe einließ. Er hatte es nur einmal getan, bei seinem jugendlichen Freund und letztendlich hat ihn diese Freundschaft sehr viel Nerven und Geld gekostet. Eine Frau war ihm jedoch nie ins Haus gekommen, bis auf seine Monalisa. Die war eine Göttin und konnte problemlos jede Wand durchdringen. Sie hat oft bei ihm gesessen und ihm die verrücktesten Geschichten erzählt. Dann aber, irgendwann hatte sie sich von ihm für immer verabschiedet und gesagt, wir sehen uns in einer anderen Welt wieder.

Danach hatte er mit dem Bild begonnen und dieses oft stundenlang betrachtet. Er hatte es sogar angefleht, sie solle wiederzukommen, doch ist dies nie geschehen. Darum hatte er das Bild gemalt, um nicht allein zu sein und jemanden zum reden zu haben, denn er war sicher, sie konnte ihn hören. Wann würde sie wohl ihr Versprechen wahr machen und sich ihm wieder zeigen?

Diese Monica hatte davon gesprochen

ebenfalls mit einer Monalisa befreundet zu sein.

Ob es sich dabei wohl um seine Göttin handelte?

War sie bei Monica öfter zu Gast? Ob er sie bei ihr wohl sitzen sehen würde? Gerne würde er sich mit dieser Bombini-Designerin intensiver unterhalten und sie darüber befragen. Doch dazu musste sie erst mal wieder etwas kiffen und er gleich mit. Er hatte den Kapitän deshalb gefragt, ob er etwas von diesem Zauberkraut haben könne und tatsächlich, Reinhard hatte ihm ein kleines Bisschen aus seiner Dose gegeben. Er meinte jedoch zu ihm: „Sage es den anderen besser nicht, ich habe nicht so viel davon, dass sich hier jeder täglich zudröhnen kann.“ Er gab ihm auch etwas Tabak und zeigte ihm, wie man daraus einen Joint bastelte. Diesen Joint trug er jetzt immer bei sich, und bei einer passenden Gelegenheit hatte er vor, die Sache mit der bekifften Telepathie noch mal zu versuchen.

Den Tag über verbrachten die Zeitreisenden mit Spiel und Erholung.

Echnaton verabschiedete sich, um sich noch einmal etwas hin zu legen und Echilar ging ins Archiv um sich einen der vielen dort gespeicherten Hologammfilme anzuschauen. Das war für ihn wirklich sehr entspannend, im Gegensatz zu Echnaton, denn der kam, wie Echilar hatte feststellen müssen, mit diesen Filmen gar nicht gut zurecht. Einstein saß mit Leonardo zusammen. Sie spielten Schach, ein Spiel welches für Leonardo ziemlich neu war, aber er schlug sich dennoch nicht schlecht. Dabei behielten sie jedoch die Geschehnisse auf der Bildschirmwand immer etwas im Auge. Doch dort tat sich nicht viel. Bei Wolfgang war es immer noch dunkel und Monica räumte in ihrem Arbeitszimmer herum.

Der Kapitän ging mit Joseph auf die Brücke

und zeigte ihm, wie man so ein Bombini steuerte.

Es war im Grunde nicht sehr kompliziert, denn jeder hier wusste genau, was er zu tun hatte. Richard der erste Offizier verabschiedete sich in seine wohlverdiente Pause und auch Johannes verließ mit ihm den Raum. Josefine nahm die neue Zeitplanung entgegen. Der Kapitän hatte nämlich nicht vor, nun monatelang hinter dem Mond hocken zu bleiben. Er hatte noch einmal eingehend Monicas Buch, welches er sich von Joseph hatte geben lassen, studiert und einige wichtige Zeitpunkte ausgewählt. Heute Abend wollte er natürlich noch ihren ersten Besuch bei Wolfgang miterleben, aber danach würde nicht viel passieren, die Beiden würden sich halt erst mal etwas näher kommen müssen, und dabei wollte er nicht unbedingt Augenzeuge sein, ihm schien das ganze Liebestheater nicht besonders wichtig zu sein. Außerdem kamen bei ihm unangenehme Erinnerungen hoch. Er hatte zwar gesagt, dass er über seine gescheiterte Liebesbeziehung hinweg sei, aber so ganz entsprach das nicht der Wahrheit. Ihm gingen Liebesgeschichten seit dem einfach ziemlich auf die Nerven. Außerdem, es würde wahrscheinlich sein, wie es immer war. Tiefe Blicke, Umarmungen, Liebesgeflüster und was immer sonst. Sollte doch etwas Entscheidendes passieren, es gab schließlich die Überwachung und die würde ihn über alles sowieso informieren. Aber bei der Party zum 1. Mai wollte er wieder dabei sein. Dieses Fest schien ihm durchaus interessant. Danach kam die Sache mit dem Sohn, auch da gab es einen entscheidenden Tag, der Beobachtung verdiente. Diese Termine gab er jetzt jedenfalls an Josefine weiter und die begann mit den notwendigen Berechnungen der jeweiligen Reiserouten und Geschwindigkeiten, die sie würden fliegen müssen. Um in der Zukunft ein Stück voranzukommen mussten sie entweder eine Weile nahe der Lichtgeschwindigkeit reisen und dafür musste eine passende Route ausgewählt werden oder sie reisten mit Hilfe des implodierten Torsionsfeldes. Das hatte jedoch Vor- und Nachteile. Waren sie Nahe der Lichtgeschwindigkeit unterwegs, dauerte das Ganze zwar ein Bisschen länger, aber sie wären immer erreichbar und sie konnten mit der Überwachung Kontakt halten. Innerhalb der Torsionsfeldblase waren sie wie schon erwähnt von Allem völlig abgeschnitten, aber es ging schneller. Sie führte verschiedene Berechnungen durch und gab an den Kapitän die einzelnen Daten weiter. Jetzt konnte er relativ spontan entscheiden, welchen Weg sie wann gehen sollten. Joseph ließ sich alles genau erklären und er war ziemlich beeindruckt. Die ganze Sache schien kinderleicht zu sein, wenn man so ein gutes und erfahrenes Team um sich hatte. Eigentlich steuern musste der Kapitän nämlich normaler Weise nicht, er gab letztendlich nur Anweisungen und schon reiste die Mannschaft durch Raum und Zeit. Joseph beschloss dem Kapitän nun regelmäßig bei seiner Arbeit zu beobachten und von ihm zu lernen, denn er musste immer an Monicas Buch denken, und darin war er nun mal ebenfalls ein Kapitän eines Raumschiffes und wer weiß, dachte er sich, vielleicht wird diese Sache einmal auch der Wahrheit entsprechen. Für Brückenbauer hatte man auf diesem Schiff jedenfalls nur wenig zu tun und wenn er nicht immer nur ein Gast bleiben wollte, dann würde er sich weiterbilden müssen.

Auf der Erde wurde es Nachmittag und Monica zog sich etwas Hübscheres an und kam sogar leicht geschminkt aus ihrem Badezimmer. Sie machte sich offensichtlich so langsam bereit Wolfgang in seiner Junggesellenbude zu besuchen. Einstein ging zur Brücke um den Kapitän und Joseph Bescheid zu sagen, auch an Echnatons Tür klopfte er und dann ging er auch noch ins Archiv um Echilar zu holen. Michael deckte den Tisch und bald schon saßen sie alle beisammen und es wurde aufgetischt. Diesmal gab es Nudeln mit verschiedenen Soßen. Das war nun fast für alle ziemlich neu. Auch Leonardo kannte keine Nudeln, obwohl er doch aus Italien stammte. Doch zu seiner Zeit war dieses Gericht noch unbekannt gewesen. Einstein und Joseph hatten zwar schon mal Nudeln gegessen, doch bevorzugten sie eigentlich Kartoffeln. Die Ägypter staunten über die langen, dünnen Fäden auf ihrem Teller, aber als sie einmal begriffen hatten, wie man diese Fäden auf die Gabel bekam, da griffen sie herzhaft zu.

Der Kapitän erzählte, dass bei ihnen zu Hause Nudeln sehr häufig auf den Tisch kämen, denn es ging schnell und sie waren leicht zuzubereiten. Die Soßen machte man jedoch selten noch selbst, denn es gab sie in allen Varianten für relativ kleines Geld zu kaufen. Ihr Koch hätte die Soßen allerdings alle selbst zubereitet und er hoffte, dass es ihnen gut schmecken würde. Eine Soße war grün, es handelte sich um sogenanntes Pesto aus Basilikum, Parmesankäse und Olivenöl. Dann eine Rote, die Bestand eigentlich nur aus Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch. Die weiße Soße hingegen ging etwas auf die Hüften, denn sie bestand aus Sahne und Gorgonzolakäse. Sahne, beziehungsweise Käse, war in der Zukunft etwas Besonderes, denn durch die verminderte Tierhaltung gab es nur noch wenige Milchprodukte. Die meisten Menschen verwendeten daher Sojaprodukte. Aber Thomas und Michael, so berichtete der Kapitän, wären den Tag über frischen Proviant einkaufen gewesen und so sei ihr Kühlschrank gut gefüllt mit den leckersten Dingen des beginnenden 21. Jahrhunderts. Dies sei wahrlich eine Zeit der kulinarischen Vielfalt, denn die Geschäfte in den Industrienationen wären alle sehr gut bestückt mit den Produkten aus der ganzen Welt. Überhaupt der Handel sei ein wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung in dieser Zeit gewesen. Die Globalisierung hatte wahrlich auch ihre sehr guten Seiten. Denn, wenn ein Unternehmen in allen Ländern Geschäfte machte, dann war es an Krieg zwischen diesen Ländern nicht besonders interessiert. Es war einfach schlecht für das Geschäft und so setzten sich die mächtigen Konzerne immer häufiger für den Frieden ein. Natürlich gab es auch im 21. Jahrhundert trotzdem immer irgendwo einen Krieg, aber nicht in den Ländern, mit denen der Handel blühte.

Leider sei ein offizieller Handel zwischen den Fortschrittsgläubigen und den Rückwärtsgewandeten nicht erlaubt, dabei sähe er darin große Chancen für einen gerechten Frieden, doch die Hardliner auf beiden Seiten würden immer noch in der gegenseitigen Abschottung ihr Heil sehen.

So etwas kannten Einstein und Joseph sehr gut.

Der kalte Krieg hatte ebenso auf Abschottung beruht. Man hatte den Osten so von der technologischen Entwicklung fern halten wollen, denn damit sah man sich selbst im klaren Vorteil. Doch die Russen hatten im Grunde fast alles ausspioniert und mit Hilfe eigener, findiger Wissenschaftler gute Fortschritte gemacht. Trotzdem seien sie natürlich in vielen Dingen weit zurück geblieben.

Nur in der Raumfahrt, in der hatten sie einige Zeit

die Nase sogar ganz vorne begabt…

Marco Reus

FORTSETZUNG folgt!