SATAN & MONALISA – 2. BUCH – Teil 3

Satan und Monalisas Dritter Akt

Sie glauben ja gar nicht, wie oft gerade dieser Film wegzensiert worden ist…

Fazit

Welches Fazit kann ich also aus all dem ziehen?

Was kann ich daraus lernen?

Und, es stellt sich auch nach wie vor immer noch die Frage für mich: Was ist eine Wahnvorstellung? Ist es ein Geschehen, welches von dem Unterbewustsein des Betreffenden vorgespiegelt wird, eine Art intensiver Tagtraum, ein in letzter Konsequenz selbsterschaffenes Erlebnis, ein wahnsinniges Spiel des eigenen, möglicherweise verwirrten Geistes?

Oder sind Wahnvorstellungen unter Umständen der Ausdruck einer Berührungen mit einer übergeordneten Dimension? Denn, es fällt schon auf, ich bin wahrlich nicht die Einzige, die sich Gott sehr nahe und ja sich am Ende sogar wie ein Gott oder eine Göttin gefühlt hat.

Gut, Wolfgang fühlte sich ehr wie ein gefallener Engel, denn das satanische war ihm immer schon sympathischer als dieser ganze Jesusrummel. Ich denke daher, vielleicht kommt Gott zu dem Psychotiker immer in genau der Gestalt, wie sich derjenige seinen Gott vorstellt. Zu mir kam er demnach zunächst als kosmische Lichtgestalt, unendlich groß aus meiner Sicht, absolut ergreifend und erschütternd. Und gleichzeitig unendlich zart und vorsichtig im Umgang mit dem auf seiner Hand knieenden Menschen.

War dieses faszinierende Erlebnis der Anfang meiner psychotischen

Geschichte? Hat dieses Erlebnis den ganzen Prozeß eingeleitet?

Ist die Psychose eine häufig auftretende Folge

solch übersinnlicher, göttlicher Kontakte?

So ein aufrüttelndes Erlebnis ist wunderbar, aber es wirft einen auch ein ganz kleines bisschen aus der Bahn und irgendwann vielleicht Jahre später befindet man sich zum Beispiel in der fatalen Situation einer Psychose. Die Erkrankung gewinnt an irgendeinem Punkt selbstständig an Fahrt. Der Betreffende verliert die eigene Steuerungsfähigkeit und ist seinem Unterbewußtsein völlig ausgeliefert. Der besondere Film, der dann in einem abläuft ist dabei, meiner Vermutung nach, ganz auf die Persönlichkeit des Betreffenden abgestimmt. Viele erleben auch eine Art persönliches, jüngstes Gericht, indem subjektiv empfunden nicht nur das Unterbewußtsein sondern höhere Mächte aktiv werden. Man fühlt sich verbunden mit allem und jedem, ich habe sogar Stimmen laut und deutlich sprechen gehört. Ich frage mich wirklich ernsthaft: Ist die Psychose/Schizophrenie eine übernatürlich gesteuerte Erkrankung? Steckt in den vielfältigen Wahnsinnsgeschichten nicht vielleicht doch mehr, als man bei oberflächlicher Betrachtung vermuten könnte?

Ich würde gerne die unterschiedlichen Geschichten von Psychotikern

miteinander vergleichen. Was ist ähnlich? Was ist ganz individuell?

Doch leider, die meisten vergessen ihre Geschichte zum größten Teil. Sie beschäftigen sich möglicherweise auch nicht intensiv genug mit den Inhalten, sondern sie tun das Ganze am Ende oft als bedauerlichen Wahnsinn ab. Peinlich berührt verdrängen sie die Erlebnisse, und die meisten sind sehr froh geistig festen Boden unter den Füßen zu haben, sobald dieser Boden wieder für sie zu spüren ist. Und entsprechende Medikamente sollen dabei helfen.

Auch ich nehme seit meinem Krankenhausaufenthalt täglich zwei Tabletten, das Präparat heißt Zeldox und es soll bei mir einen Rückfall in eine erneute Psychose verhindern. Ich schlucke diese Tabletten jedoch mit durchwachsenen Gefühlen. Zum Einen habe ich wirklich keine Lust noch einmal in eine solch verwirrende Situation zu kommen und wenn die Tabletten dies verhindern, dann ist dies sicherlich ein Grund sie zu nehmen, außerdem merke ich auch nichts von ihrer Wirkung, das heißt, ich habe keine unangenehmen Nebenwirkungen zu ertragen. Warum sollte ich die Tabletten also nicht nehmen? Frau Mitschuleit, meine Therapeutin rät mir sogar dringend davon ab die Tabletten abzusetzten, denn ein Rückfall sei dann sehr oft eine Folgeerscheinung. Nun, ich will nichts riskieren, aber ich habe die Tabletten irgendwie auch im Verdacht an meiner allgemeinen Antriebsarmut beteiligt zu sein. Andererseits Wolfgang meint, er glaube dies nicht, denn er wäre nach der Psychose genauso antriebsschwach gewesen wie ich und er hatte keine Medikamente genommen.

Es ist schon zum verzweifeln. In der Psychose hatte man unendlich viel Energie, man nahm es mit der ganzen Welt auf, man wurde zum Retter der Zukunft der Menschheit, ja, man tat kaum noch ein Auge zu und war immer auf Empfang, doch nach der Psychose liegt man monate- und nicht selten jahrelang völlig ermattet auf dem Bett oder Sofa und ist für nichts mehr zu begeistern. Nach so einer Zeit war wirklich mit Vielem Feierabend. Eine Depression ist oft, wenn nicht wohl immer, der Preis für diesen allzu abenteuerlichen Lebensabschnitt. Das nun wieder normale Leben scheint einfach viel zu langweilig, wenn nicht gar sinnlos zu sein.

Andererseits, wenn die Psychose tatsächlich allein das Werk des eigenen Unterbewußtseins ist, dann muss man seinem Unterbewußtsein doch auch einmal gratulieren. Es ist wirklich sehr phantasievoll. Um nicht zu sagen, es arbeitet mit allen ihm zur Verfügung stehenden Tricks. Mir schickte es zum Beispiel meinen Großvater ins Haus. Die absolut oberste Instanz für mich, der Held meiner Kindheit und Jugend. Die größte Autorität, die mich in meinem Leben geprägt hat. In meinen Augen war mein Großvater immer schon so etwas wie der liebe Gott. Es war daher gar nicht so verwunderlich ihn so viele Jahre nach seinem Tod bei mir am Tisch sitzen zu sehen.

Ich frage mich nun:

So einen Aufwand betreibt das Unterbewußtsein

doch bestimmt nicht ohne triftigen Grund.

Und das Ansinnen meines Großvaters war schließlich auch sehr ungewöhnlich. Er kam um mein Einverständnis zu erhalten, mich umzubringen, um zu beweisen, dass ich unsterblich sei. So ein wahnsinniges Einverständnis hätte ich ganz sicherlich niemandem sonst gegeben. Nur mein Großvater konnte so etwas bei mir bewirken, denn ich vertraute ihm absolut. Wenn er von den Toten auferstehen konnte, und es mit zutraute, dann konnte ich das sicherlich auch. Ich war allerdings völlig naiv. Ich ging tatsächlich davon aus, dass es sich bei dieser Wiederauferstehung um einen relativ kurzen Prozeß handelte, vielleicht ein paar Tage oder Wochen, aber dass sich das Ganze über mehrere Jahre erstrecken würde, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Und ich muss sagen, mein Großvater hat mich auch nicht aufgeklärt. Sicherlich, weil er zu Recht vermutet hatte, dass ich dann auf einen solchen Unsterblichkeits-Beweis keinen Wert gelegt hätte. Ich hätte sein Ansinnen abgelehnt. Schließlich hatte ich vor, die Welt mit meinem Bombini zu retten und dafür brauchte ich all meine Kraft.

Mein Großvater war irgendwie sehr ernst gewesen, überhaupt alle, die den Zukunfts-Film über mein Leben gesehen hatten schienen irgendwie betroffen, ernst und von einem gewissen Mitleid erfüllt gewesen zu sein. Aber alle waren auch irgendwie von dem guten Ende des Films überzeugt und offensichtlich gingen sie zudem davon aus, dass ich das Ganze freiwillig tat. Mich hatte diese Ernsthaftigkeit zwar etwas stutzig gemacht, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass irgendetwas wirklich Schlimmes geschehen konnte. Ich fühlte mich absolut sicher.

Deswegen war mein Schock auch so gewaltig, als ich erkannte, dass ich eben nicht sicher war. Im Gegenteil, ich saß gefangen in der Mitte eines unentwirrbaren Geflechtes, ich hatte über nichts mehr die Kontrolle. Und gleichzeitig hing alles von mir ab. Und ich wurde dabei von unsichtbaren Kameras beobachtet. Irgendjemand schaute zu wie ich langsam aber sicher fertig gemacht wurde. Und dann wendete sich das Ganze und man griff mich real an und löschte durch einen heftigen Blitz mein Gehirn.

Wer war das? Wer hatte mich da getroffen, wo es am effektivsten war? An der einzigen wirklichen Sollbruchstelle. Mein so kunstvoll entwickeltes Weltbild lag von einem Moment zum Anderen in tausend Trümmern. Mein Ich war tatsächlich zusammengebrochen. Ich war nur noch eine Hülle, in mir drin war alles zerstört.

Hatte ich dieses absolut schreckliche Erlebnis

etwa meinem Großvater zu verdanken?

Oder hatte jemand sein Raumschiff erobert und der Geist eines riesigen Ungeheuers hatte mir das Ganze angetan? Gab es den Feind oder gab es ihn nicht? War mein Großvater etwa wirklich soweit gegangen und hatte mich diesem ganzen Hokuspokus geopfert? Und jetzt hing ich da, zu nichts mehr fähig, halbtod im Kopf und keiner nahm meine Lage ernst. Das war wirklich das Schimmste von Allem. Ich hatte das absolut Schlimmste erlebt und niemand bedauerte mich. Denn äußerlich war kein Schaden sichtbar. Oft hatte ich gedacht, es wäre besser gewesen, ich hätte mir beide Beine gebrochen, wenn schon ein Schicksalsschlag sein musste. Dann läge ich umhütet in einem Krankenhaus, von Anteilnahme umringt und verwöhnt. So aber saß ich in meiner undichten Wohnung, das Geld war wie immer alle und der einzige, der sich noch bei mir sehen ließ war Wolfgang. Aber das war kein Trost, denn der wollte von all meinen traumatischen Erlebnissen nichts wissen.

Allerdings hätte ich auch gar nicht viel erzählen können, wenn man mir

zugehört hätte, denn in meinem Kopf war alles durcheinander.

Ich konnte weder einen klaren Gedanken fassen noch konnte ich mich klar ausdrücken. Es war einfach zuviel. Und hinzu kamen diese entsetzlichen Konzentrationsprobleme. Ich konnte meine Gedanken einfach nicht festhalten. Alles verschwand schnell in einer weißen Nebelwand. Wie sollte ich mich also verständlich machen?

In dieser Zeit schrieb ich die beiden Texte, die ich dem zweiten Teil des ersten Buches hinzugefügt habe. Ich denke, sie sind ein interessantes Dokument. Sie sind jedenfalls absolut authentisch. Ich habe nichts daran geändert, nur eine Kleinigkeit. Ich schreibe dort von meinem geistigen Bruder, dem unsichtbaren Mann meiner wundersamen Träume. In dem Original nenne ich ihn auch meinen Ehemann. Meinen kosmischen Bruder und Ehemann. Doch irgendwie, wenn man beobachtet wie sich Wolfgang und mein Leben sexuell entwickeln, da kann man nicht unbedingt von einem Ehemann sprechen. Und Wolfgang ist in meinen Augen die Hülle für eben diesen Bruder/Ehemann.

Wolfgang würde dies natürlich ganz weit von sich weisen. Er ist absolut davon überzeugt sein eigener Herr zu sein. Ich aber sehe das Ganze auch Heute noch anders. In Wolfgang steckt ein Satan. Und zwar ein ganz geschickter.

Satan und Monalisa. Ein traumhaftes Paar.

Mein Großvater hatte es schon gewußt, da war ich noch ein Teenager. Jedenfalls habe ich eine solche Erinnerung. Wo kommt die her? Ist sie die Erinnerung an ein reales Erlebnis oder ist es die Erinnerung an einen dieser mysteriösen Träume? Ist die Erinnerung eine frühe Wahnvorstellung? Oder hat mein Großvater tatsächlich mit dem Mittel der Hypnose gearbeitet? Konnte mein Großvater etwa zaubern? War mein Großvater vielleicht ein Mitglied in irgendeinem Geheimbund, einer Geheimgesellschaft? Denen war doch so etwas Mysteriöses wie Hypnose zuzutrauen. Doch, so wie ich meinen Großvater kannte, hatte er sich keiner solch gearteten Gesellschaft zugewendet, mein Vater beklagte nämlich einmal, dass mein Großvater sich gesellschaftlich lieber heraushielt. Er baute Brücken und damit sollte es für ihn gut sein. Aber wer wußte schon was so ein Zauberer in seinem stillen Kämmerlein tat? Und wenn die Außerirdischen zu ihm gekommen waren und ihn zu einem Mitwisser in diesem großen, göttlichen Spiel gemacht hatten?

Ich habe nicht nur eine Erinnerung an so eine Hypnosesitzung. Diese Sitzungen sind öfter, vielleicht 5-6 mal vorgekommen. Beim letzten Mal war ich gerade 17. Mein Großvater gab mir ein Buch zum Lesen. Ich sollte es unter Hypnose stehend lesen. Ich ging also mit dem relativ dicken Buch in die Bibliothek und legte mich dort auf eine Liege und las. Das ganze Buch auf einmal. Nach gefühlten 2-3 Stunden stand ich auf und ich versuchte mir das Ende des Buches zu merken, denn schon merkte ich, wie alles was ich gelesen hatte in den Untiefen meines Gehirnes verschwand. Doch das Ende konnte ich festhalten. Mein Großvater öffnete die Tür und fragte mich, ob ich alles gelesen hätte und ich bejahte. Da sagte er mir, dass ich selbst einmal dieses Buch schreiben würde, irgendwann in der Zukunft.

Ich war darüber ziemlich überrascht, denn soweit ich mich jetzt noch erinnern konnte handelte das Buch von ägyptischer Geschichte. Eine große Revolution hatte stattgefunden und ein alter Schreiber gibt zum Schluss einem jungen Schreiber einen wichtigen Rat. Er sollte die Geschichte so wie sie wirklich geschehen war aufschreiben, bevor die Geschichtsverdreher alles umdrehten oder gar vernichteten.

Was soll ich davon nur halten?

Bis jetzt jedenfalls habe ich dieses Buch noch nicht geschrieben. Aber, warum nicht? Irgendwann vielleicht. Nur denke ich, für ein Buch über ägyptische Geschichte habe ich wahrlich das falsche Fach studiert.

Leider hatte ich ja auch vergessen, dass ich Physik studieren sollte. Ich hatte es versprochen, aber als es soweit war, konnte ich mich an diese Sitzung nicht mehr erinnern. Ich wußte nur noch: Du musst naturwissenschaftliches Denken lernen! Das war mir immer klar gewesen, doch ich wußte überhaupt nicht warum. Dies war ja das Entscheidende bei diesem Hypnose-Spiel. Man sollte sich nicht erinnern, sondern das Unterbewusstsein sollte den Weg zum Ziel ebnen. Nun, bei mir ist es die Biologie geworden und die dazu notwendige Physik war dabei für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Mit Physik konnte ich wirklich nur sehr wenig anfangen. Ich konnte mir schon nicht merken in welche Richtiung der Strom fließt. Wie ich durch die Multipelchoice-Prüfung gekommen bin weiß ich auch nicht, es war allerdings auch sehr knapp.

Physik war eindeutig eine Schwachstelle bei mir.

Formeln waren mir ein Graus. Ich kam damit überhaupt nicht zurecht.

Und es interessierte mich auch nicht.

Einzig einmal, als wir im Praktikum mit einem Zweiplattenkondensator arbeiteten, da war mein Interesse irgendwie geweckt. Ich versuchte zu verstehen, wie die Kräfte in diesem Gerät wirkten und fragte den Professor: „Herr Professor, wenn die Kräfte sich so und so verhalten, müsste das Ding sich dann nicht in diese Richtung hier bewegen?“ Der Professor reagierte leicht genervt. Er gab mir irgendeine unbefriedigende Antwort, dann drehte er sich weg. Ich blieb etwas verdattert zurück und von da an machte mir Physik überhaupt keinen Spaß mehr. Ich konnte mit ihren Vorstellungen einfach nur wenig anfangen. Und so warf ich später auch ohne mit der Wimper zu zucken meine physikalischen Lehrbücher auf den Sperrmüll. Gute Bücher, die mich einmal viel Geld gekostet hatten. Aber damals war ich sicher, ich gucke nie wieder da hinein. Sie verstaubten schon seit Jahren auf meinem Speicher und nahmen Platz weg. Wie sehr ich dieses Großreinemachen noch einmal bereuen sollte, war zu diesem Zeitpunkt für mich nicht ersichtlich. Und mein Unterbewußtsein hatte mich auch nicht davor bewahrt. Es stellt sich also die Frage, ob der Einfluß dieser Hypnosesitungen wirklich so groß ist wie man es sicherlich erhoffte.

Wer ist Monalisa?

Monalisa hieß ursprünglich Mona Isa.

Doch der liebe Gott, dem ich diese Göttin irgendwann vorstellte, verhörte sich und verband beide Namen zu Monalisa, die frischgebackene Sonnengöttin. Sie war noch jung, auch wenn ihr Geist uralt war. Isa, die Erdgöttin war ihre Große Mutter und Mona, nun das war ich, oder zumindest ein Teil von mir, denn in irgendeinen Körper musste die Göttin schließlich eingehen, wenn sie aktiv werden wollte. Ich wollte das mit Monalisa auch Isa wiederauferstand. Ich setzte große Hoffnungen in sie. Sie war klug, phantasievoll und voller Tatendrang. Sie wollte die Menschheit ernstlich retten. Sie wollte die Erde beschützen und den Weg in eine fantastische Zukunft frei machen. Sie wollte der Welt Bombinis schenken um damit den Schlüssel zur intergalaktischen Kommunikation zu übergeben. Und Mona, die Designerin sollte ihr dabei helfen. Mona war zwar ein Name, den ich nicht besonders liebte, aber Monalisa gefiel mir wirklich sehr. Da hatte man doch gleich ein schönes Bild im Kopf. Dieser Name war einer großen Göttin wahrlich würdig.

Ich setzte mich in unterschiedlichen Texten mit dieser Göttin auseinander.

Für mich war es zunächst ganz klar ein literarisches Experiment. Niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass Monalisa irgendwann in mir lebendig werden würde, auch wenn ich es mir vielleicht sogar gewünscht hatte. Für mich war die Göttin ein Produkt meiner Phantasie. Ich ging von der These aus: Solange wir an einen Gott glauben, solange gibt es ihn auch. Die alten ägyptischen Götter hatten dabei Glück, denn ihrer wurde auch nach Jahrtausenden noch Verehrung entgegengebracht. Doch viele andere Götter der Geschichte waren schon in Vergessenheit geraten. Und damit starben sie, wenn sie sich nicht mit einem Bombini aus dem Staub machten. Vielleicht um auf anderen Planeten ihr Wesen bzw. Unwesen zu treiben.

Neue Götter konnten also meiner Überlegungen nach

dadurch entstehen, dass wir sie verehren.

Und unsere Phantasie bestimmt dabei, um was für einen Gott es sich handelte. Ich dachte also: Erschaffe eine Göttin indem Du über sie schreibst. Versuche Dich in sie einzufühlen, versuche sie zu beschreiben und erschaffe so eine große Fangemeinde, die an sie denkt. Dann wird sie auch lebendig. Dann wird sie wahrhaftig. Nun, Leute, ich habe die Erfahrung gemacht: Es bedarf nur eines einzigen Menschen, der an eine Göttin oder einen Gott glaubt, und schon gibt es sie oder ihn. Ein Mensch reicht dazu tatsächlich aus.

Ich habe wirklich eine intensive Götterfahrung hinter mir.

Und ich muss sagen: Ein Gott ist um seine Position nicht zu beneiden. Zunächst hielt sich ja alles noch in gewissen Grenzen, doch je mehr ich den Gott in mir spürte, desto anstrengender und belastender wurde der Zustand. Irgendwann saß ich völlig versteinert auf meinem Sofa, unfähig mich zu bewegen, denn mir wurde klar, alles, aber auch alles was ich tat hatte Konsequenzen. Ob ich ein Ei aß oder in den Fernseher schaute, es galt: Schon der Flügelschlag eines Schmetterlinges wirkte sich unter Umständen in einem Sturm auf der anderen Seite des Globus aus. Die Auswirkungen waren für mich einfach nicht mehr überschaubar.

Aber ich habe auch die besondere Gedankenwelt des Gottes kennenlernen können. Als erstes einmal hatte es mich doch ziemlich schockiert, das dieser Gott, denn zu beginn war er mir doch sehr männlich vorgekommen, dass dieser Gott verehrt werden wollte. Er genoß die Fernsehaufnahmen von der großen Prozession, die der Papst in diesen Tagen in Deutschland durchführte. Er nahm die Verehrung tatsächlich sehr persönlich. Mich regte das ziemlich auf. So hatte ich mir meine Göttin nicht vorgestellt, so ehrsüchtig. Aber dann wurde mir klar, das es der männliche Teil in ihr es nun mal nicht anders kannte. Er erkannte in dem Meer an Gläubigen Gleichgesinnte und freute sich über die große allgemeine Zustimmung. Das man das ganze Schauspiel auch kritisch sehen konnte, das mochte dieser Gott zunächst nicht recht verstehen.

Mit diesem Gott schaute ich in den darauf folgenden Wochen

sehr viel fern. Er interessierte sich wahrlich für alles.

Am liebsten sah er alle Programme auf einmal. Er liebte es in die Wohnungen der Menschen überall auf der Welt hinein zu sehen, er interessierte sich durchaus auch für Politik und, für mich ehr unverständlich, auch für Sport. Mir fiel auf, dass im Grunde alle Sender diesem männlichen Götterexemplar huldigten. Die weibliche Seite der Gottheit hingegen wurde immer wieder durch den Kakau gezogen, man machte sich über sie lustig, ja man beleidigte sie. Mich regte das Ganze ungeheuer auf und nicht zuletzt deshalb begann ich die Dinge mitzuschneiden und zu Schnibbelfilmen zu verarbeiten. Ich sammelte Indizien. War das Fernsehen frauenfeindlich? Wie wurde das Weibliche in den Beiträgen dargestellt? Wie gut kam dagegen dieser ehrsüchtige Nichtsnutz weg?

Die Ergebnisse dieser Recherche könnten sie auf meiner Internetseite sehen, wenn es nicht verboten wäre diese Filmchen zu veröffentlichen. Mitschneiden und weiterverbreiten ist jedoch nicht erlaubt. Leider. Denn die 13 Schnibbelfilme „MännerBilder“ sind wie ich finde recht aufschlussreich. Sie sind zum Teil 20 Minuten lang, und sie zeigen, wie Männer und Frauen in den Medien dargestellt werden und ich denke, sie zeigen, dass an der Frauenfreundlichkeit noch etwas gearbeitet werden muss.

Ich empfand die vielfältigen Kränkungen sehr intensiv. Ich nahm sie zunehmend sehr persönlich und ich fragte mich verzweifelt, wie es sein konnte, dass der Fernseher so gezielt traf. Wer hatte ihm denn nur alle meine ganz persönlichen Geheimnisse verraten? Woher wußten die Macher was mir besonders weh tat? Irgendetwas stimmte mit meinem Fernseher nicht. Ich hatte den Eindruck, dass ich bekämpft wurde und zwar mit unlauteren Mitteln.

Später habe ich erfahren, dass dies auch anderen Psychotikern so ergangen ist. Sie hörten die Beleidigungen vielleicht im Radio oder sie entdeckten die verborgenen Spitzen in einem Comikheftchen, aber am Ende hatte es die Konsequenz, dass man sich unangenehme Wahrheiten anhören musste.

Und Monalisa musste sich anhören, dass man sie für überflüssig hielt.

Man fand sie zu naiv und lehnte ihren Anspruch eine Prinzessin sein zu wollen ganz klar ab. Die Welt wollte keine Göttin. Und ihr Bombini wollte auch niemand. Außer die Geheimdienste natürlich, die hackten sich promt in ihren Laptop und copierten sich alle Unterlagen. Sie hatten sogar die Traute sich auf ihrem Laptop zu zeigen, indem sie den Curser bewegten und sogar das Programm umschalteten. Sie wußten, ich würde nichts dagegen machen können, außer ich schaltete den Rechner aus. Und das tat ich auch, doch was war damit gewonnen? Ohne den Laptop und das Fernsehprogramm war ich von allen wichtigen Informationen abgeschnitten. Ich musste es einfach ertragen, dass man mir beim Fernsehen zuschaute. Normalerweise könnte man sagen: Das ist doch nicht so schlimm. Aber ich empfand es als fast unerträglich. Denn so wußte der Mitschauende was ich dachte, zumindest kam er meinen Gedanken schon sehr nahe. Denn, es ist wirklich sehr aufschlussreich einem anderen beim Fernsehschauen zuzusehen und sein Zapping-Verhalten zu analysieren.

Ich fühlte mich irgendwann wirklich total durchleuchtet.

Und, das war für mich ein sehr schwerwiegendes Problem. Ich empfand plötzlich mit vielen anderen Medienopfern, die von sich und ihrem Leben, ihren intimen Geheimnissen, Sorgen und Nöten in der Presse lasen. Wie oft wurde dort nicht die eine oder andere prominente Person in der Öffentlichkeit unmöglich gemacht? Fotographen lagen überall auf der Lauer und so vermutete ich auch in meinem Umfeld irgendwelche Spione, die Einzelheiten aus dem Leben einer Göttin berichten wollten. Gut, ich las nichts von mir in den Zeitungen, aber im Fernseher sah ich mich nicht nur einmal mit meinem eigenen, nicht gerade ruhmreichen Dasein konfrontiert. Man machte sich über mich lustig. Mein Prinzessinnentick war dabei ein häufiges Thema. Doch wie hätte es anders sein sollen? Eine Göttin war schließlich einen gewissen Komfort gewohnt. Und, wenn sie schon in so bescheidenen Verhältnissen leben musste wie ich, dann wollte ich ihr doch wenigstens die Krone lassen. Schließlich war sie doch etwas ganz Besonderes.

Aber die Geister, die sich um mich versammelt hatten, planten etwas ganz anderes. Sie wollten keine Prinzessin sondern eine moderne Frau. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob dies reichen würde eine große Fangemeinde zu erschaffen. Monalisa wollte sich auch nicht unbedingt von ihrer Krone trennen. Sie einigte sich mit dem lieben Gott dahingehend, dass sie in dem Zeichentrickfilm, in dem sie mitspielen sollte, eine Krone trug. Lange hatten sie sich darüber auseinandergesetzt und zu guter Letzt durfte sie eine Taube mit Krönchen sein. Mit diesem Bild war sie einverstanden und auch der liebe Gott, der als kreativer Geist an dem Drehbuch mitgearbeitet hatte war zufrieden.

In diesem Drehbuch ging es um einen Bauernhof.

Es gab einen dicken Eisbären, der vom lieben Gott gespielt wurde, es gab Hühner und auch einen wunderschönen Hahn. Es gab einen Wolf und viele verschiedene Vögel. Auch ein Pferd und ein Esel waren dabei. Schafe gab es natürlich auch. Ich kann nicht mehr im Einzelnen wiedergeben, was auf dem Bauernhof geschah, ich weiß nur eins, das Stück war so erfolgreich, dass plötzlich alle Götter und unsterblichen Geister mitmachen wollten. Jeder wollte sich in der Serie, die daraus geplant war, wiedererkennen. Es gab auch Prinzen und Prinzessinnen, Politiker und Diplomaten, doch die lebten etwas weiter entfernt in einem schönen Schloss. Monalisa wollte jedoch nicht unter den strengen Augen der adligen Gesellschaft leben, sie wollte frei sein, frei wie eine Taube mit Krönchen. Sie hatte auch einen Verehrer gefunden, ebenfalls ein friedlicher Vogel, einer, der sie mit und ohne Krönchen liebte. Hauptsache sie blieb so liebenswert wie sie war.

Doch es sollte wie ich schon beschrieben habe zu einer ganz anderen Wendung der Geschichte kommen. Nach den unterschiedlichsten Versuchen Monalisa in den Wahnsinn zu treiben, damit sie sich selbst das Licht ausblies, schickte man ihr hypnotisierte Freunde, die zu Tätern werden sollten. Als das nicht klappte schickte man einen Millitär, der die Sache ohne inne zu halten durchzog. Als daraufhin klar wurde, dass damit nicht wirklich etwas gewonnen war, weil ich ja auch immer noch da war, da kam es dann zum zweiten Blitz. Er löschte das Weltbild von Monalisa bis auf den letzten Krümel. Das einzige was dieser Blitz zurückließ war eine verschneite Landschaft mit einzelnen schwarzen Flecken in einem unendlichen weißen Meer von Schneeflocken. Ich kann gar nicht sagen, wie entsetzlich das Ganze für mich gewesen ist. Ein tiefer Schock machte sich in mir breit. Gehirnlöschung war wirklich eine ganz schlimme Angelegenheit. Ich fiel in eine schwere und lang andauernde Identitätskrise. Monalisa war tot und gelöscht und übrig blieb ein Haufen Elend.

Das Monalisa unsterblich war half mir nicht weiter,

denn in mir lebte sie fortan nicht mehr.

Ich war plötzlich jemand anderes. Irgendjemand hatte in meinem Gehirn rumgefuscht und dort Dinge hineingetan, die mich noch tiefer in die Verzweiflung stießen. Ich litt plötzlich an Erinnerungen, die mir bis dahin völlig fremd gewesen waren. Ich erinnerte mich plötzlich an viele Tode. Demnach war ich schon mehrere Male umgebracht worden. Natürlich, der Designerin hatte man äußerlich kein Haar gekrümmt, aber innerlich durchlitt ich alle Morde immer wieder. Es war absolut die Hölle. Doch Trost und Zuspruch war nicht zu erwarten. Wer wußte schon von Monalisa? Wer bedauerte ihren Tod? Niemand. Nur ich, ich war in tiefer Trauer. Ich hatte wirklich das Wichtigste verloren, meine Inspirationsquelle, mein Motor, meine Zuversicht.

Aber ich hatte die Monalisa-Filme. Sie halfen mir

dabei zumindest das Bild von Monalisa zurückzuholen.

Vielleicht würde ich sie ja posthum berühmt machen. Die Filme und meine Texte waren alles was mir von ihr geblieben war. Dass sie nocheinmal in mich eindringen würde, das bezweifelte ich. Ich musste also mit mir selbst vorlieb nehmen. Doch das war gar nicht so einfach, denn ich kannte mich nicht mehr wieder. Irgendjemand hatte meine Wünsche, Begierden und Bestrebungen verändert. Und ich hatte natürlich den Verursacher des Blitzes in Verdacht. Dieser Jenige hatte in mein Gehirn manipulierend eingegriffen. Und ich war darüber zutiefst empört.

Die Fernsehsucht

Meine Fernsehsucht war bestimmt ein Racheakt Satan Seniors.

Denn, ich hatte in einem frühen Monalisa-Film das Fernsehen stark kritisiert. Ich stand dem Medium sehr kritisch gegenüber, denn ich vermutete hinter den Fassaden der Sendeanstalten ein perfides Manipulationsinstrument. Das Fernsehen war in meinen Augen überhaupt nicht objektiv sondern es transportierte nur Inhalte, die dem Status Quo der Macht dienten. Wie oft wurden Alternativen und neue Ideen von scheinbaren Experten klein geredet? Auch und gerade in der Wissenschaft. Mir war natürlich klar, meine Bombini-Ideen würden diese gleichgeschalteten Anstalten niemals veröffentlichen. Und die GEZ war dabei mein absoluter Feind. Ich hielt diesen Verein für verbrecherisch. Und ich machte auch einen Film in dem ich das deutlich sagte. Ich habe Boddo diesen Film einmal gezeigt und er war begeistert. Ich saß in diesem Film auf meinem Sofa und ich hielt einen Brief in Händen. Eine Mahnung der GEZ. Jeder, der schon mal in Konflikt mit der GEZ gekommen ist, wird mich verstehen. Dieser Verein ist wirklich unverschämt. Satan Senior muss dieser Film ein Dorn im Auge gewesen sein. Er fand meine Kritik wohl für zu überzogen, und meine Darstellung des Sachverhaltes ungerecht. Und so sorgte er dafür, dass ich diesem verteufelten Medium gänzlich verfiel. Ich weiß nicht wieviele Tage, Nächte, Monate und Jahre ich seitdem vor der Kiste verbracht habe, doch die Waage zeigte deutlich die Kilos an, die ich mir vor diesem Gerät auf die Hüften geladen hatte. Das war Satan Seniors Rache, so denke ich.

Heute muss ich sagen: Das Fernsehen hat mich am Ende aber auch gerettet. Es hat mich in den Wahnsinn gleiten lassen, aber es hat mich auch wieder da heraus geholt. Oder vielmehr meine Fernbedienung. Denn, die musste man gut händeln können, wenn man den Fernseher als Therapeuten nutzen wollte.

Probieren Sie es doch einfach selbst aus.

Wenn Sie in Zukunft fernsehschauen und durch die Programme zappen, dann lassen Sie den Fernseher einfach mal aussprechen. Sie müssen beim Zappen darauf achten, dass Sie nichts unsauber abschneiden. Zappen sie nicht einfach immer nur weiter, auf der Suche nach einem interessanten Programm, denn dabei schneiden Sie dem Therapeuten meistens das Wort ab und weil das was Sie hören zumeist irgendwelcher Unsinn zu sein scheint, deshalb hören Sie auch nicht richtig hin.

Nein, sie müssen geeignete Schnitte machen, ich halte es meist so, dass ich jedem Programm einen vollständigen Satz zubillige. Ich hänge all diese Sätze hintereinander und versuche zu verstehen, was der Text, der daraus entsteht aussagt. Man könnte jetzt meinen das dabei nur Blödsinn herum kommt, aber ich muss sagen, ich habe viel mehr verstanden. Und, dass was ich verstand machte mir ganz und gar den Eindruck vernünftig zu sein. Ich betreibe heute noch diese Art von Zapperei, und ich kann sagen, es ist zwar nicht mehr so spektakulär wie damals im Winter 2006/2007, aber es ist immer noch viel interessanter als das „normale Programm“.

Zu Beginn meiner Fernseh-Therapie empfand ich die Dinge, die ich zu hören bekam als sehr schmerzhaft. Ich hatte den Eindruck der Therapeut wolle mich desensibilisieren indem er den Finger auf jede Wunde legte. Aber ich machte mit. Ich hatte nämlich entdeckt, dass der Therapeut auch meine Erinnerung auf Trapp brachte. Nicht ohne Grund kam ich auf die Idee einen Schnibbelfilm über mein Leben zu machen. Leider ist mir dies nicht gelungen, denn so ein Film wäre bestimmt ein Hit. Es gibt einige, die sich an etwas ähnlichem versuchen. Sie schneiden verschiedene Aussprüche und Filmsequenzen so aneinander, dass ein neuer Sinn entsteht. Ich bin also nicht die einzige, die davon fasziniert ist.

Der Unterschied meiner Schnibbelfime zu diesen

oft sehr professionellen Schnibbeleien ist:

Bei mir führt der Zufall die Regie.

Mir ging es nie darum den Inhalt selbst zu gestalten, ich wollte lieber Professor Zufall mitmischen lassen. Denn der Zufall ist in meinen Augen etwas sehr Göttliches. Im Zufall wird Gottes Wille offenbar, dies hatte ich ausgiebig bei meinen Kartenlegereien feststellen können. Der Zufall ist irgendwie magisch. In ihm zeigt sich eine höhere Intelligenz. So jedenfalls sehe ich das auch noch heute. Vielleicht versuche ich es irgendwann ja noch einmal, Material für Experimente habe ich durch meine vielen Hundert Schnibbelfilme auf jeden Fall zu genüge.

Das Spiel des Lebens

Dieses Spiel muss uralt sein, denn seine Spieler sind unsterblich.

Obwohl ich eigentlich sogar die Erfinderin der Brettform dieses Spieles bin, habe ich Jahre gebraucht um es zu verstehen. Denn es gab bevor ich die Regeln, Spielfiguren und Ereigniskarten dafür entwickelt hatte, keine schriftlichen Aufzeichungen dazu. Das Spiel war geheim. Nur wenige kannten es und noch weniger durften mitspielen. Es war eine Ehre eingeweiht zu werden, und wer es kannte, der sprach nie darüber.

Denn das Spiel war ein Spiel des Unbewußten.

Jeder, der mit den Spielern in Kontakt trat wurde zu einem Teil des Spiels ohne sich dessen bewußt zu sein. Und das sollte auch so sein. Am Ende, wenn alles aufgelöst wurde, dann erfuhr man davon, und dann konnte sich jeder selbst überlegen, welche Rolle er in diesem großen Spiel übernommen oder vielleicht auch abgelehnt hatte. Doch soweit war ich mit meinem Spiel des Lebens noch nicht.

Begonnen hatte alles mit einem aufschlussreichen Gespräch.

Ich war vielleicht 9 oder 10 Jahre alt.

Meine Eltern hatten sich ein paar Jahre zuvor scheiden lassen, ich war mit meiner Zwillingsschwester und unserer Mutter in eine neue Wohnung gezogen, aber bald schon wurden wir von einem auf den anderen Tag in ein Internat gesteckt. Wir kamen nur am Wochenende nach Hause, entweder waren wir bei der Mutter und ihrem neuen Freund oder beim Großvater und meiner Patentante Moni. Wir lebten etwa zwei Jahre in dem Internat, ein Mädcheninternat welches von Nonnen geführt wurde. Nach dieser Zeit wohnten wir wieder bei unserer Mutter. Der Freund war weg, ein Neuer besuchte uns jetzt regelmäßig. Er hieß Peter und war querschnittgelähmt. Allerdings war er trotz seiner Behinderung, die eine Folge der Kinderlähmung war, sehr aktiv und mobil. Er konnte Auto fahren und mit einer besonderen Schwungtechnik überwand er auch steile Treppen. Er war uns wirklich sehr sympathisch, ja auch wir Kinder waren von diesem gebildeten und freundlichen Mann begeistert. Er war ein Lichtblick in dieser umbruchhaften Zeit.

Nun, und dieser Mann setzte sich eines Tages zu mir auf das Bett und er begann mit mir eine Unterhaltung. Irgendwann erzählte er mir dann von dem Spiel. Dem Spiel des Lebens, wie er es nannte. Er erklärte mir, das eigentlich meine Mutter oder auch meine Tante an diesem Spiel teilnehmen sollten, doch jetzt hätte er es sich anders überlegt. Meine Mutter und meine Tante wären für das Spiel nicht geeignet, weil sie zuviel Alkohol tranken, doch Alkohol verdarb das Spiel und die Gefahr zu verlieren war dann sehr groß. Ich jedoch, ich sei ein wirklich kluges Kind, er sei sich sicher, so eine Dummheit wie Alkohol zu tinken, würde ich nicht tun.

Natürlich pflichtete ich ihm in diesem Punkt sofort zu, an Alkohol war ich tatsächlich nicht interessiert. Und das würde sicherlich auch so bleiben. Alkohol war doof, das heißt, es machte doof. Und doof wollte ich auf keinen Fall sein. Ich sagte also zu. Ich wollte gerne an dem Spiel mitwirken. Ich fühlte mich auch sehr geehrt. Daraufhin erklärte Peter mir, dass dieses Spiel viele Jahre dauern würde und ich erst so richtig involviert sei, wenn ich älter wäre. Aber ich sollte schon mal fleißig in der Schule lernen und mich bemühen immer die Wahrheit zu sagen, nicht zu stehlen und was es sonst noch so an Sünden gab.

Leider hatte ich schon einmal gesündigt. Ich hatte das Taschengeld, welches ich bekommen hatte einfach ausgegeben, obwohl meine Mutter es mir untersagt hatte. Ich hatte das Geld heimlich mit zum Spielen auf die Straße mitgenommen und mir Süßes davon gekauft. Natürlich hatte ich mit meiner Schwester und meiner besten Freundin geteilt. Für mich war das keine Sünde gewesen, denn es sollte doch mein Geld sein. Ich sah nicht ein, wieso ich es nicht ausgeben durfte, wie ich es wollte. Trotzdem, Peter machte mir samfte Vorwürfe und ermahnte mich besser auf meine Mutter zu hören.

Leider fand meine Tante diesen Peter auch sehr sympathisch und sie spannte den Mann meiner Mutter aus. Und plötzlich sahen wir Peter nicht mehr neben meiner Mutter sitzen sondern neben meiner Tante neben dem Tannenbaum stehen. Wir waren wie schon so oft zu Weihnachten bei unserem Großvater eingeladen, wie auch der ganze Rest der Familie. Nur unsere Mutter war nicht mehr mit dabei, seit sie sich von unserem Vater hatte scheiden lassen.

Meine Schwester und ich waren über dieses „Bäumchen-wechsel-Dich“ sehr irritiert und mein Vertrauen in diesen Mann schwand irgendwie dahin. Seine Beziehung zu unserer Tante hielt denn auch nicht länger als ein paar Monate. Unsere Mutter war aber leider zu verletzt und gekränkt um Peter zu verzeihen. Ich sah ihn von da an nie wieder. Später, als meine Mutter dann mit Egon verheiratet war, da sehnte bestimmt nicht nur ich mich oft nach diesem Peter. Mit ihm wäre unser Leben unter Garantie erheblich angenehmer verlaufen und ich denke, dann hätte ich vielleicht wirklich Physik studiert. Denn, dies war ganz eindeutig einer der entscheidenden Schritte, die in diesem Spiel gemacht werden mussten.

Mein Großvater war wohl auch ziemlich begeistert von diesem gebildeten Mann. Peter war wie ich erinnere Germanist und hatte einen Job im Senat von Berlin. Ansonsten ist es nicht recht erklärlich wieso mein Großvater diesen miesen Zug von meiner Tante damit belohnte, dass er Peter auch noch zu Weihnachten einlud. Ich denke, in diesem Fall war Blut schlicht dicker als Wasser und er gönnte seiner Tochter einfach diesen besonderen Mann. Er würde ihre exentreische Art sicher zu händeln wissen. Doch es kam anderes, wie schon gesagt. Aber vielleicht war die Beziehung lang genung, und Peter weihte meinen Großvater in das geheime Spiel ein. Jedenfalls war es mein Großvater, der in unseren Hypnosesitzungen das Spiel weiterbetrieb.

Vielleicht war Peter aber ja auch ein „Außerirdischer“, jedenfalls hatte ich das irgendwann vermutet. Zumindest musste er Kontakt mit ihnen gehabt haben. Erst mal war es sehr auffällig wie gut Peter technisch ausgerüstet war. So ein Auto mit Handsteuerung mag es zwar heute öfter geben, aber damals in den 70ern, da war es doch etwas sehr Besonderes. Auch sein Exoskelett war irgendwie genial. Meine Mutter beschwerte sich zwar, dass dieses Metallgestell ihre Kacheln im Bad kaputt machte, aber Peter war mit diesem Gestell in der Lage aufrecht am Leben teilzunehmen. Und das dies für einem Menschen sehr wichtig ist, dass weiß vielleicht nur der, der jahrelang an den Rollstuhl gefesselt war.

Meine Schwester war irgendwie aus dem Spiel ausgeschlossen. Sie durfte zwar mit dabei sein, aber mein Großvater machte ihr klar, dass sie auf Grund ihrer Behinderung, sie hatte seit der Geburt einen sog. Hydrozephalus, der Herausforderung dieses Spieles leider nicht gewachsen sei. Mein Schwester nahm es gelassen auf, sie war froh mit dabei sein zu dürfen. Nach den Sitzungen konnte sie sich wie ich schnell feststellte an nichts mehr davon erinnern. Sie fand die Sitzungen trotzdem ganz toll und war gerne mit dabei.

Ich sehe sie noch vor mir sitzen, als mein Großvater das Spiel auspackte.

Es war ganz nach meinen Vorschlägen umgesetzt worden.

Und wir probierten dieses Spiel aus.

Später, ich war vielleicht 17 Jahre alt befand ich mich wieder einmal in so einer Hypnoserunde, diesmal allerdings mit meinem Freund Christian und seinem Vater. Auch dort saßen wir vor so einem Brettspiel. Doch diesmal ging es um Haus und Hof. Wie spielten um ein Einfamilienhaus, ein richtig schönes Traumhaus, um ein Feuerwehrauto, dass zu einem Wohnmobiel umgebaut worden war und um noch so einige andere Dinge, an die ich mich nicht erinnere. Doch woran ich mich genau erinnere ist, dass man mich in diesem Spiel betrogen hatte. Man hatte mir das Haus abgeluckst mit den Worten: „Wenn Du Christian heiratest, dann gehört das Haus dir doch irgendwann sowieso.“

Ich will dem Vater nicht absichtliche Täuschung unterstellen, aber es dauerte nicht lange, da wohnte er mit seiner Familie in dem schönen Haus und Christian entdeckte die Lebenslust. Er wollte nun, nachdem er sein Abitur in der Tasche hatte unabhängig sein. Er wollte ein berühmter Künstler werden und da war ihm meine Liebe plötzlich nichts mehr wert. Er erklärte mir, dass er auch noch andere Frauen kennenlernen wollte und dass ich mit meinen Beziehungsträumen nicht zu ihm passen würde. Ich solle erst einmal die Schule zu Ende bringen und dann sehen, was die Welt für mich bereit hielt.

Haus weg, Freund weg und als ich dann zwei Jahre später sein umgebautes

Feuerwehrauto vor seiner Tür erkannte, da war ich wirklich

sehr verärgert, um nicht zu sagen, ich flippte aus.

Ich hatte Christian zufällig in Hamburg wieder getroffen und ich war seiner freudlichen Einladung gefolgt und besuchte ihn in seiner coolen Altbauwohnung, die er sich mit seinem besten Freund teilte. Ich blieb 3-4 Tage und wir waren uns auch wieder näher gekommen, aber dann zeigte er mir sein Wohnmobil und ich fühlte mich endgültig verraten. Mir wurde irgendwie schlagartig klar, dass ich auf einen von mir nicht vorhergeplanten Weg geraten war, indem Christian immer wieder viel Glück ohne mich haben würde, ich aber einen schweren Weg gehen musste, ich würde alles alleine aus eigener Kraft schaffen müssen, weil die Dinge, die mir das Spiel erleichtern helfen sollten, die hatte man mir abgezockt.

Das Spiel hatte irgendwie die Runde gemacht, denn nicht nur mein Großvater und der Vater von Christian spielten das Hypnosespiel. Christian spielte das Spiel auch einmal mit seinen Freunden. Er erzählte mir anschließend davon und von den Dingen, an die er sich noch erinnern konnte. Wir saßen in seinem Zimmer, er malte an einer Traumfrau in Öl und ich las ein Buch. Irgendwann legte er den Pinsel zur Seite und berichtete von seinem Treffen mit seinen Freunden. Auch sie waren alle Maler oder wollten dies zumindest einmal werden. Sie spielten das Spiel, indem ich die Hauptrolle übernommen hatte. Ziel war die Rettung der Welt und damit verbunden der große fantastische Welterfolg. Christian erzählte mir, dass in dem Spiel auch das Cover eines großen Nachrichtenmagazins, des weithin bekannten Spiegels, eine Rolle gespielt hätte. Doch als Chistian das Cover gesehen hätte, da wäre er ausgeflippt. In dem Spiel eröffneten sich dem Spieler tatsächlich immer wieder zukünftige Ereignisse. Jedenfalls, auf dem Cover erkannte er nicht mich. Das Bild zeigte vielmehr eine blonde Frau, mit Kopftuch und blauen Augen. In dem Moment hätte er nicht mehr gewußt wie er darauf reagieren sollte, und so habe er den Spiegel, der in dem Spiel symbolisch für die Zeitung stand, einfach zerschlagen.

Ich lachte ihn aus, denn ich wußte warum nicht ich, sondern eine andere Frau das Titelblatt zierte. Ich versicherte ihm, dass dies schon ganz in Ordnung sei, auch wenn ich nicht im Detail erklären konnte warum. Das Christian den Spiegel zerschlagen hatte, das war wie ich schon damal erkannte zwar ein Problem, aber mein unbedingter Optimismus ließ mich hoffen, dass ich die Folgen dieser Panikhandlung schon irgendwie ausbügeln würde.

Danach sprachen wir über unsere Zukunftspläne. Ich meinte damals, dass ich gerne Schriftstellerin werden würde, und dass ich mir ein Leben mit ihm als Maler an meiner Seite sehr gut vorstellen konnte. Christian, jetzt wieder mit dem Pinsel in der Hand, reagierte nachdenklich und meinte zu mir: „Vielleicht will ich ja auch lieber Schriftsteller werden?“ Nun, ich weiß ehrlich gesagt nicht wie sein Leben heute aussieht, was ich gehört habe ist, dass er mit einer Frau an das andere Ende der Welt nach Neuseeland gezogen war, und zwei Kinder und ein Job als Bühnenbildner an einer Oper hatte. Wie sein Vater mir irgendwann, als ich ihn mal besuchte, berichtete hatte er diesen tollen Job aber nach ein paar Jahren an den Nagel gehangen und stattdessen eine gutgehende Studentenkneipe eröffnet. Ob er heute Bücher schreibt ist mir nicht bekannt. In mir jedoch hat sich der Wunsch Bücher zu schreiben hartnäckig gehalten.

Das Cover auf dem Spiegel-Titelblatt begegnete

mir auch noch an anderer Stelle.

Ich war 19, ich hatte gerade meine Schule abgebrochen und war nur mit einem Rucksack bestückt nach München getrampt. Dort hatte ich eine Freundin, die ich besuchen wollte. Sie war eine junge Mutter von zwei kleinen Kindern und ich half ihr ein paar Monate durch die für sie schwierigen Zeiten. Plötzlich, wir saßen gemeinsam mit den Kindern in der kleinen Küche, klingelte es an der Tür und eine ganze Horde von Menschen kam die schmale Treppe nach oben und betrat die winzige Küche. Es war mein Onkel Henry zusammen mit zwei, drei Männern, die ich nicht kannte. Doch wie sich schnell herausstellte, es waren die „Außerirdischen“, sie stellten sich ganz freimütig vor, streichelten die Kinder und fragten meine Freundin ob sie vielleicht mitkommen wollte, sie hätte eine Aufgabe für sie in dem besonderen, geheimen Spiel. Ich durfte nicht dabei sein, denn ich sollte nicht durch den Blick in die Zukunft irritiert werden. Aber Sabine, so hieß meine Freundin, sollte eine Rolle darin spielen. Sie ging also mit meinem Onkel und den Männern mit und kam nach gefühlten 2-3 Stunden zurück. Ich hatte derweil auf die Kleinen aufgepasst. Sabine war sehr aufgeregt als sie nun wieder in der Küche stand. Sie spülte ein paar Tassen, während sie versuchte sich zu erinnern, was sie erlebt hatte, denn auch ihre Erinnerung würde bald schon verloren gehen, und so berichtete sie mir: „Monica, ich war in einer Werbeagentur, ich habe dort an einer Sitzung teilgenommen, irgendwann in der Zukunft.“ Dort plante man gerade das Cover für ein Titelblatt. Und sie habe sich direkt einbringen dürfen, sie hätten gemeinsam geplant und herumprobiert, bis sie das Bild einer modernen Göttin entwickelt hatten. Diese Arbeit habe ihr sehr viel Spaß gemacht. Außerdem habe sie einen Film über mich und meine Zukunft gesehen. Auch sie erinnerte sich daran, dass ich einmal sehr berühmt werden würde.

Nun was soll ich sagen, schauen sie sich das Cover des Spiegels vom Jahreswechsel 2006/2007 an. Als ich es sah, erkannte ich es sofort. Es sah wirklich genauso aus, wie Sabine es beschrieben hatte. Trotz meiner klammen finanziellen Verhältnisse kaufte ich mir ein Exemplar. Ich verschlang jeden Artikel und ich habe diesen Spiegel natürlich aufgehoben.

Hypnose überall

Nach dem Auftritt der „Außerirdischen“ in München war erst mal Ruhe.

Keine weiteren Besuche von ihnen, keine Hypnosesitzungen mehr, und auch mein Großvater verabschiedete sich ganz plötzlich. Er erlitt einen Schaganfall, von dem er sich nicht erholte. Ich erfuhr davon in München, ich war gerade erst aus den Rheinland wieder zurück in die bayrische Hauptstadt getrampt, da erhielt ich einen Anruf von meiner Tante Moni, der Frau meines Onkels Hennry. Sie wohnten ebenfalls in der Nähe von München und nicht selten fuhr ich mit der S-Bahn zu ihnen hinaus um mal ein ausgiebiges Vollbad zu nehmen, Wäsche zu waschen und mein Taschengeld einzustreichen. Meine Tante und mein Onkel waren sehr besorgt um mich und fragten sich, wann ich wohl endlich wieder vernünftig werden würde und die Schule zu Ende bringen würde. Doch ich wollte davon noch nichts wissen. Ich lebte in den Tag hinein, mal hier mal dort, ohne Ziel und Perspektive. Ich wollte vielleicht mit meiner Freundin Sabine nach Italien auswandern, wir hatten dort von einem buddistischen Dorf gehört wo Menschen versuchten alternativ zu leben. An so etwas hatten wir durchaus Interesse, doch fehlten uns noch die Mittel für einen solchen Schritt.

Meinem Großvater ging ich zu dieser Zeit lieber aus dem Wege.

Natürlich war er von meinen Eskapaden absolut nicht begeistert. Doch er wußte sicherlich auch, es war nicht alleine meine eigene Schuld. Die blöde Situation mit meinem Vater hatte sicherlich einen nicht geringen Anteil an der Tatsache, dass ich die Schule trotz bester Noten hingeschmissen hatte. Doch zu einem wirklich klärenden Gespräch über die Gründe für meine Flucht nach München ist es zwischen uns nie gekommen. Es war wohl für ihn, einen Mann, Vater und Großvater nicht leicht über sexuellen Missbrach zu reden, vor allen Dingen, wenn dieser in der eigenen Familie stattgefunden hatte. Er, so denke ich, hatte vielleicht einfach nur gehofft, dass ich es schon irgendwie verkraften würde, schließlich war ich immer ein willensstarkes und kluges Kind gewesen. Doch, so weiß man es heute besser, sexueller Misbrauch ist immer eine Katastrophe.

Ich weiß nicht ob mein Großvater wegen dieser familiären Probleme den Schlaganfall bekam. Vielleicht war es einfach nur ein verirrtes Blutgerinnsel, jedenfalls sackte er plötzlich von seinem Stuhl und brach zusammen. Seine Vermieterin, die ebenfalls eine Wohnung in dem großen, herrschaftlichen Mehrfamilienhaus in bester Lage bewohnte, war gerade zugegen. Man hatte gemeinsam zu Abend gegessen und Pläne für den bevorstehenden Herbsturlaub gemacht, da passierte es.

Die Vermieterin, Frau Löber, alarmierte sofort den Notarzt doch erste Hilfe konnte sie nicht leisten. Mein Großvater war viel zu groß und schwer für sie und so kam die rettende Hilfe zu spät. Mein Großvater fiel in ein Koma und es war damit zu rechnen, dass er schwerst pflegebedürftig sein würde, wenn er wieder wach werden sollte.

Natürlich machte ich mich als ich davon hörte sofort auf den Weg nach Düsseldorf. Meine Tante gab mir das Geld für die Zugfahrkarte und so stand ich gefühlt ruck zuck an seinem Bett auf der Intensivstation des Krankenhauses. Mein Großvater atmete durch einen Luftröhrenschnitt. Überall piepte und surrte es. Ich setzte mich zu meinem Großvater und nahm seine große schwere Hand in die meine. So saß ich mehrere Minuten, als mein Großvater plötzlich husten musste. Ein Pfleger kam herein und schaute nach dem Rechten.

Hatte mein Großvater vielleicht meine Anwesenheit gespürt? Ich schaute in sein Gesicht und da erkannte ich eine spitze Nase. Das passte überhaupt nicht zu ihm. Er hatte immer eine dicke Knolle gehabt. Ich wußte auf einmal, dass er nicht wieder erwachen würde. Diese spitze Nase war die Nase eines Sterbenden.

Und so kam es dann auch, zwei Wochen nach dem Anfall

glitt er hinüber in das Reich der Toten.

Er war nicht mehr aufgewacht, und ich war letztendlich auch froh darüber. Denn, mein großer, starker Großvater wäre als Pflegefall nur unglücklich geworden. Er hatte immer selbstständig gelebt, er hatte für sich und seine Familie gekocht und gebacken, er hatte sich bemüht ein gutes Oberhaupt einer gutbürgerlichen Famile zu sein. Was hätte es ihm gebracht, wenn er in Zukunft hätte gewickelt und gefüttert werden müssen? Nein, so war es am Besten für ihn. Ich konnte ihn ziehen lassen, auch wenn klar war, dass er mir noch oft sehr fehlen würde. Das mein Großvater in den Himmel kommen würde, das war mir natürlich auch ganz klar. Wenn nicht er, wer dann? Ich glaubte nicht, dass sein Geist sterben konnte. Dieser Geist war auf jeden Fall unsterblich. Ganz bestimmt.

Viele Jahre dachte ich überhaupt nicht mehr an all die sonderbaren Erlebnisse mit den „Außerirdischen“, den Hypnosesitzungen und was es da sonst noch an Merkwürdigkeiten gegeben hatte. Ich vergaß es wie alle anderen auch.

Doch im Spätsommer 2006 kamen die Erinnerungen plötzlich, ja fast anfallartig zurück. Ich stand gerade vor meiner Tafel und versuchte, die sich mir immer mehr erschließenden Zusammenhänge auf der Tafel in einem Schaubild zu erklären. Die Kamera stand wie immer mit dabei und plötzlich überkam es mich. Ich erinnerte mich wieder an alle Einzelheiten, ich erinnerte mich an die verschiedenen Hypnosesitzungen und ich war zutiefst empört. Wer hatte nur eine solche Dummheit mit mir gemacht? Ich wurde ungeheuer wütend auf meinen Großvater. Wie konnte er nur so etwas mit uns machen? Ich sprach meine Empörung in die Kamera, und irgendwie war ich fest davon überzeugt, über diese Kamera hatte ich die Möglichkeit mit ihm zu reden. Mit ihm und meiner Tante Moni, die ein paar Jahre später an Lungenkrebs gestorben war. Auch die „Außerirdischen“ hörten zu. Und ich beschwerte mich, dass man mir so etwas zugemutet hatte. Ich hasste die Hypnose, ich hatte Angst und großen Respekt davor und ich hielt es für absoluten Wahnsinn damit solche Spielchen zu treiben. Ich war wirklich ziemlich außer mir. Doch was nützte es, geschehen war geschehen. Ich versuchte die einzelnen Erinnerungen in einen Zusammenhang zu bringen, doch das war alles gar nicht so einfach. Viele Aspekte mussten dabei bedacht werden. Wer hatte durch was an dem Spiel teilgenommen? Was war das Ziel der ganzen Aktion? War das alles vielleicht nur Humbug, oder sollte ich wirklich mit der 5. Dimension in Kontakt geraten sein?

Da erinnerte ich mich an die zwei dicken Bücher, die meine Mutter mir ein paar Wochen zuvor mitgebracht hatte. Sie hatte sie angeblich von einer Freundin bekommen, die sie in einer Therapieklinik kennengelernt hatte. Beide handelten von Hypnose, das eine hieß „Hypnose – Ihre Möglichkeiten und Grenzen“, das andere titelte mit: „Heilung durch Hypnose“. Als sie mir die Bücher überreichte verstand ich zwar überhaupt nicht wie sie darauf kam mir Bücher über ein solches Thema zu schenken, aber ich nahm sie an. Bisher habe ich nur mal etwas hineingelesen, vielleicht sollte ich sie wirklich mal konzentriert lesen, aber was mich viel mehr beschäftigte, das war die Frage: „Wußte meine Mutter mehr über die Machenschaften meines Großvaters oder war ihre Überraschung echt, als ich ihr von den Hypnosesitzungen mit meinem Großvater erzählte? Waren die Bücher wirklich nur zufällig zu mir gekommen oder steckte da doch noch mehr hinter?

Und dann diese Besuche, die ich bekommen hatte. Michael und Wolfgang hatten ebenfalls von Hypnose gesprochen. Arbeiteten die „Außerirdischen“ damit? Steckten sie hinter all dem? Natürlich hatte ich mir viele Gedanken darüber gemacht und ich hatte versucht zu verstehen, wer diese vermeintlichen „Außerirdischen“ waren. Konnte man ihnen trauen? Waren es Faschisten wie Wolfgang behauptete? Waren es Menschen aus der Zukunft? Wollten sie in die unsrige Gegenwart eingreifen ohne Spuren zu hinterlassen? Oder waren diese „Außerirdischen“ allein ein Produkt meiner Phantasie?

Diese Frage beschäftigte mich wirklich sehr. Und ich frage mich auch heute noch: Was sind Wahnvorstellungen? Sind meine ganzen Erinnerungen, die ich an diese Begebenheiten habe alle nur Erfindungen eines verirrten Geistes? Oder haben ich und meine Freunde, meine Familie und wer sonst noch alles tatsächlich Kontakt mit der Zukunft gehabt?

Ich hatte jedenfalls irgendwann den Eindruck: Alle stehen unter Hypnose nur ich wurde offensichtlich gerade wach. Ich verstand plötzlich was unbewußt unter den Menschen abging. Und dabei fielen mir gerade die Kinder meiner Nachbarin auf. Sie spielten im Garten und unterhielten sich dabei mit ihrem Vater. Also, ich hatte wirklich den Eindruck, dass gerade die Kinder die Welt so sahen wie sie wirklich war. Kindermund hat Gold im Mund, an diesen Spruch musste ich denken. Aber die Erwachsenen waren alle blockiert und nur ab und zu sprachen sie unbewußte Wahrheiten aus. Meine Mutter war da ein gutes Beispiel für. Manchmal kamen Sätze aus ihr heraus, die sie gar nicht wahr nahm. Aber sie zeigten mir ihre innersten Wünsche und Triebe. Doch sie selbst schien nichts von alle dem zu bemerken, sie war völlig in ihrer Welt gefangen.

Sicherlich, ein Arzt würde jetzt sagen: „Wer den Eindruck hat,

er würde gerade wach, der steckt schon mitten in einer Psychose.“

Aber ist das wirklich so? Es ist ein oft beschriebenes Empfinden von Patienten, dass sie in Wahrheit die Wissenden sind und der Arzt und die Verwandten, die Freunde und Kollegen sind eigentlich die gesteuerten. Klar, dass sie alle verneinen gesteuert zu werden, aber dem Psychotiker wird es ganz offenbar. Und weil er nicht selbst auch wieder in den Zustand der Unbewußtheit zurück will, deshalb dauert es oft sehr lange, bis ein Psychotiker einsieht, dass er sich möglicherweise doch geirrt hat. Er ist der Kranke und nicht der Rest der Menschheit.

Der Traummann

Viele Frauen tragen in sich das Bild eines Traummannes,

so wie auch viele Männer eine Traumfrau haben.

Doch mein Traummann hatte ganz besondere Fähigkeiten. Er konnte in meinen Träumen erscheinen aber auch ganz realistisch bei mir am Schreibtisch sitzen. Kurz nach meinem finanziellen Bankrott im Spätsommer des Jahres 2002 sah ich ihn plötzlich dort sitzen. Erst erkannte ich ihn nicht, zu sehr erinnerte mich sein Äußeres an meinen Exmann. Er hatte sich mit Absicht so ähnlich gemacht um mich zu ärgern. Verärgert begrüßte ich ihn mit den Worten: „Was willst Du denn hier?“ Doch er lehnte sich nur arrogant lächeln zurück und fragte mich rund heraus: „Nun, was ist denn jetzt mit Deiner so großartigen Karriere? Zeige mir doch mal was Du so geschafft hast!“ Ich kannte ihn, aber ich wußte dennoch nicht wer dieser blöde Kerl war. Er trug einen schwarzen Anzug, hatte dunkles, leicht lockiges Haar, aber es war nicht Michael, der Vater meines Sohnes. Der wäre bestimmt niemals so frech aufgetreten, auch wenn er es sich vielleicht gewünscht hätte in meiner offenen Wunde zu bohren.

Ich war gerade beruflich gescheitert.

Mein Versuch mich als Designerin freiberuflich durchzusetzten hatte zwar hoffnungsfroh begonnen, aber nach dem Einsturz der Zwillingstürme gab es für Freiberufler wie mich im kreativen Bereich plötzlich nicht mehr viel zu tun. Die befürchtete große Weltwirtschaftskrise blieb zwar aus, aber dennoch verhielten sich die Unternehmen sehr vorsichtig und investierten nicht mehr großzügig. Jedenfalls nicht in die Werbung und den Messebau. Da hatte ich aber meine größte berufliche Erfahrung gesammelt. Ich versuchte selbst Projekte anzustoßen, aber ich kam damit nicht durch. Irgendwann war mein Geld alle und ich musste zum Sozialamt, denn von irgendetwas musste ich meinen Sohn ernähren, der konnte schließlich als allerletzter etwas dafür.

Und jetzt saß dieser arrogante Typ in meiner Wohnung und wollte mich verhöhnen. Ich ging auf den Mann zu und trat an meinen Schreibtisch. Dort lagen die Unterlagen meiner anvisierten Projekte. „Das Paradies für Frauen“, ein paar Messestände, eine Kurzgeschichte, mehrere Ladenkonzepte, mein „Fernseher mit Computereigenschaften“, der supertolle Klappstuhl und noch so einiges mehr. Nichts hatte ich zu Erfolg gebracht. Alles war an was auch immer gescheitert. Ich hatte mich ehrlich bemüht, aber ohne weitere finanzielle Unterstützung war ich einfach nicht in der Lage weiterzumachen.

Dies erklärte ich auch diesem Schwarzen Mann und als ich mich nach ihm umwendete, da wurde ich plötzlich von einer superstarken Kraft zu ihm hin gezogen. Ich fiel auf die Knie und sagte ohne nachzudenken: „Ich liebe Dich!“ Und der Mann lächelte mich an, dann war er so wie er gekommen war einfach verschwunden.

Ich drehte mich zu meinem Sofa um und dort saßen auf einmal zwei Frauen. Eine war schon etwas älter, die andere war jung und schön. Beide Frauen schauten mich an, als würden sie auf Kaffee warten. Ich setzte mich zu ihnen und wir unterhielten uns über den Sinn von Opfern. Das es sich lohne für das Gute zu kämpfen und die Welt nicht immer so grau war wie sie mir jetzt erscheinen mochte. Doch ich fühlte mich völlig hilflos. Gerne wollte ich mich für eine sinnvolle Sache engagieren, aber irgendetwas verhinderte, dass ich Erfolg hatte. Ich war dem ganzen Geschäftemachereien alleine einfach nicht gewachsen. Ich hatte versagt trotz größtem Bemühen. Die Frauen versuchten mich aufzubauen und versicherten mir, dass der Erfolg sich bestimmt irgendwann einstellen würde. Ich müsse nur für die richtige Sache eintreten. Da meinte ich, dass es doch am Ende alles nichts bringen würde, die Erdöllobby sei einfach zu stark. Sie würde die Welt in den Abgrund treiben und keiner hatte außreichend viel Macht diesen Schwerverbrechern das Handwerk zu legen.

Da standen wir plötzlich mitten in Osterath an der Tankstelle, die Frauen

schauten auf die Zapfsäulen und meinten im Brustton der

Überzeugung: „Dir wird es gelingen, lass Dich

nicht aufhalten. Alles wird gut.“

Dann drehten sie sich um, nicht ohne noch einmal zu winken und lösten sich vor meinen Augen in Luft auf. Ich erwachte völlig irritiert auf meinem Sofa auf. War das Ganze etwa ein Traum gewesen? Es war alles so wahnsinnig realistisch gewesen. Hatte ich Besuch aus dem Himmel bekommen? War Satan persönlich bei mir vorbeigekommen? Und die Frauen, waren sie mir nicht gleich wie Engel vorgekommen? Und was sollte mir all dies sagen? Wie sollte ausgerechnet ich die Öllobby bekämpfen? Ich, eine pleite gegangene Designerin. Irgendwie war das Ganze ziemlich unglaublich, aber am Ende war es auch egal, ein Funken meines angeborenen Optimismusses schaffte es sich Oberhand zu verschaffen und ich versuchte wieder nach vorne zu sehen. Was konnte ich tun? Zu was reichte das Geld? Welche Möglichkeiten hatte ich? Und so begann ich erst einmal zu lesen, das kostete schließlich nichts. Die Bücher hatte ich mir gekauft, als das Geld noch locker gesessen hatte. Auch meine Freundin Barbara brachte mir ein dickes Buch vorbei, ich entdeckte auch noch ungelesene Lektüre in meinem Regal. Und so verhinderte ich eine sich ankündigende Depression. Im Gegenteil sogar, ich war plötzlich richtig fit. Ich las zwei, drei Bücher auf einmal, ich machte mir Notizen und setzte mich mit dem Gelesenen ernsthaft auseinander. Ich versuchte die Welt zu verstehen. Die reale, aber auch die magische Welt, die Welt der Götter und Geister.

Mich interessierte neben Fragen der Physik:

„Wie ist unsere Welt im Kern beschaffen? Wie ist das

Universum entstanden? Gibt es auch noch andere Universen?“,

auch Fragen wie: „Gibt es einen Gott oder ist alles nur blanker Zufall?“

Ich las Bücher über Magie und Philosophie, Religionsgeschichte und ich nahm die Bibel auch selbst zur Hand. Ralfi, der Freund von Ralla, hatte mir neben Schriftstücken zu den Machenschaften der globalen Finanzwelt auch das alte Testament übergeben. Ich las über die Templer und andere sich daraus entwickelnde geheime Organisationen, ich wollte die Hintergründe unserer Gesellschaft verstehen. Gleichzeitig versuchte ich mich aber auch verstärkt an meine wissenschaftlichen Grundlagen, die ich im Biologiestudium gesammelt hatte, zu erinnern. Jetzt waren diese Dinge mir plötzlich wieder sehr wichtig. Und gerade die Physikkenntnisse, die brauchte ich jetzt unbedingt. Denn ich war auf einen interessanten Wissenschaftler gestoßen. Thomas Thaunsend Braun, ein Physiker aus dem letzten Jahrhundert. Er hatte in den dreißiger Jahren eine absolut interessante Entdeckung gemacht. Diese Entdeckung ist als Biefeld-Braun-Effekt bekannt geworden. Um diesen Effekt jedoch richtig würdigen zu können bedarf es eines größeren physikalischen Verständnisses. Denn der Effekt war ein revolutionärer und er erinnerte mich an diesen blöden Professor, der mich mit meiner Frage zu dem Zweiplattenkondensator einfach so hatte stehen lassen. Denn so wie ich es damals schon vermutet hatte, der Physiker Braun und sein Professor Biefeld entdeckten, dass ein unter Hochspannung stehender, asymetrischer Zweiplattenkondensator eine Eigenbewegung ausübt.

Sie hingen so einen Kondensator an einer Schnur auf und ließen ihn durch das Labor fliegen. So jedenfalls war es in einem der vielen Bücher beschrieben, die ich um mich versammelt hatte. Auch Braun hatte damals die Brisanz dieses Phänomens erkannt. Er glaubte daran, dass sich aus dieser Bewegung ein Antrieb entwickeln ließe. Dieser könnte große Schiffe über das Meer tragen, Züge und Autos antreiben, sowie zur Wärmegewinnung genutzt werden. Allerdings wollte er daraus auch ein Fluggerät bauen, eines das mit unglaublicher Geschwindigkeit fliegen konnte. Das war jedoch ein Fehler, denn als er anfing in seinen Vorträgen von „UFOs“ zu reden, da wurde er nicht mehr ernst genommen. Man hielt seine Vorstellungen für absurd. Nur wenige Wissenschaftler ließen sich von seinen Ideen anstecken und in der Folge beschäftigten sich daher ehr Erfinder und Hobbywissenschaftler mit dem Phänomen. Heute kann man im Internet kleine Filme sehen, indenen Hobbyforscher mit der Hochspannung experimentieren, um die unterschiedlichsten Flugobjekte damit anzutreiben.

Ich stellte mir nun die Frage:

„Hatte dieser Braun nicht vielleicht wirklich Recht?“

„War es der wissenschaftlichen Gemeinschaft zuzutrauen, dass sie seine Ideen nicht ernst nahm, weil sie fast alle von der Ölindustrie durchsetzt waren?“ Denn, dass diese das Projekt mit allen Mitteln bekämpfen würde, dass war natürlich vollkommen klar. Der Zweiplttenkondensator brauchte die Hochspannung nur um den Kondensator zu laden, danach bewegte er sich ohne das man weitere Energie hinzugeben musste. Das konnte natürlich gar nicht sein. Der Energieerhaltungssatz schrieb eindeutig vor, dass es keine Energie aus dem Nichts geben könne und damit war Brauns Ansatz einfach nicht möglich. „Was nicht sein kann, das nicht sein darf.“ Braun zeigte in den 50er Jahren seine Versuche dem amerikanischen Millitär, aber auch die winkten ab. Er gündete eine Firma um seine Ideen zu verwirklichen und er fand auch einige Geldgeber, aber in der wissenschaftlichen Welt wurde er als Spinner abgetan. Angeblich hat irgendwann Anfang der 70er die amerikanische Regierung seine Ergebnisse einkassiert und unter geheim abgelegt. Er durfte nicht mehr weiterarbeiten, sondern er wurde auf die Bahamas abgeschoben. Ob das stimmt? Ich weiß es nicht. Aber ich wollte wissen was hinter dem Biefeld-Braun-Effekt zu verstehen war, denn der war annerkannt in der Wissenschaft. Ihn konnte man nicht verleugnen, denn er war experimentel zu beweisen. Und das wollte ich irgendwann ebenfalls tun. Ich wollte wissen, ob es wirklich stimmte, dass wir schon seit Jahren eine Alternative zur Verbrennung besaßen, die Wissenschaft und Industrie diesen sauberen und umweltfreundlichen Antrieb aber links liegen ließ.

Doch bevor es soweit war musste ich erst einmal meine vielen

widerstreitenden Gefühle und Gedanken in den Griff bekommen,

denn so langsam hatte ich den Eindruck zu platzen.

Mein Kopf war pickepackevoll und ich wußte nicht mehr was ich denken sollte. Hinzu kamen nämlich auch noch meine esotherischen Erfahrungen. Diese machten mir und meinem wissenschaftlich geprägten Weltbild ernstlich zu schaffen. Ich verstand einfach nicht wie es möglich sein konnte, dass durch Münzen- und Scharfgarbenstengelwurf die Zukunft vorhergesagt werden konnte. Auch wie es möglich war, dass die Karten nach gutem Mischen eine sinnreiche Antwort gaben. Selbst ein Pendel untersuchte ich genau, aber ich wollte einfach nicht dahinter kommen, wie diese ganzen esotherischen Praktiken funktionierten. Ich interpretierte Runensteine, Skatkartenbilder und Tarotkarten. Ich schlug im I-Ging nach und kam immer mehr zu dem Schluss: An diesen Praktiken musste mehr beteiligt sein als nur der schnöde Zufall. Was war das für eine Magie, die dahinter steckte? Und vor allen Dingen: Sagten diese Orakel die Wahrheit? Dies wäre wirklich der allergrößte Hammer, denn was mir die Karten vorhersagten, das war einfach unglaublich.

Die ersten Tarotkarten, die ich mir selber legte sprachen davon,

dass ich eine Religionsstifterin sein würde.

Ich? Religion? Das war doch nun wirklich nicht zu glauben, denn mit Religion hatte ich wirklich nicht viel am Hut. Außerdem versprachen mir die Skatkarten in einem wirklich sehr auffälligen Bild den Mann meines Lebens. Meinen absoluten Herzensmann, doch der war weit und breit nicht zu sehen. Ich hatte mich gerade erst von Mansur getrennt, dass hieß, ich beendete die Sexwochenenden mit ihm, Freunde wollten wir bleiben und das blieben wir auch.

Als ich mir also wiedereinmal die Karten legte, um zu sehen, was mir das Leben noch so bieten würde, denn mein derzeitiger Zustand war alles andere als zufriedenstellend, da bekam ich plötzlich eine Art Anfall. Ich saß in meinem Bett und hielt mir den Kopf, denn darin war plötzlich der Teufel los. Hundert Hexen schrien auf mich ein und verurteilten mich zur Liebe. Sie pflanzten eine ganz alte Sehnsucht in mich hinein. Die Sehnsucht nach Christian. Ich fing an zu heulen und wehrte mich, aber es war nicht dagegen anzukommen. Ich litt plötzlich unter ganz extremen Liebeskummer. Ihn wollte ich haben, ihn wollte ich sehen. Mit ihm traute ich mir die Zukunft zu, mit ihm würde alles möglich werden. Er würde mir helfen mit all dem fertig zu werden. Er besäße die notwendige Ausstrahlung um auch große Massen zu begeistern. Seine anziehende und zugleich absolut coole Art wäre jetzt wirklich genau der richtige Mann für mich. Ich war verliebt wie zu meiner Jugendzeit, allerdings ohne einen triftigen Grund dazu zu haben, denn mich hatte dieser Christian eigentlich total scheiße behandelt. Er hatte mich einfach sitzen gelassen und sich dann auch noch dagegen verwahrt verflucht zu werden.

Aber solche Gedanken nützen mir nichts.

Ich litt fortan unter Sehnsucht.

Und gemeiner Weise versprachen mir die Karten diesbezüglich das große Glück. Jedenfalls interpretierte ich das Ganze in diese Richtung. Ich kann nicht sagen, wie oft ich mir nun in der Folge die Karten zum Thema Christian legte. Ich fragte auch das I-Ging, doch dies sagte: „Möglicherweise wirst Du ihn nie sehen.“ Das wollte ich natürlich nicht hören, ich legte weiter die Karten für Christian und versuchte herauszubekommen was die Karten über ihn erzählten. Und so entwickelte ich ein Bild von diesem Mann, den ich nun schon seit 20 Jahren nicht gesehen hatte. Jetzt litt ich tatsächlich an einen Traummann-Tick mit dem Namen Christian. Und ich versprach alle Männer in Zukunft links liegen zu lassen um auf diesen Traummann zu warten. Ich wollte ihn und keinen anderen mehr.

Die erste Innenweltreise

Ich stand in meinem Arbeitszimmer und fragte mich, wie ich die viele,

freie Zeit, die ich nun hatte, vernünftig nutzen konnte.

Welches Projekt konnte ich mit einem Haufen Schulden aúf dem Konto noch vorantreiben. Ich hatte zum Notar gehen müssen und die Finger für meine Bankschulden gehoben. Gute 150 Euro gingen außerdem jeden Monat von meinem Konto für kleinere, noch offene Rechnungen drauf, ich hatte Ratenzahlung mit meinen vielen verschiedenen Gläubigern ausgehandelt. Also sah es mit irgendwelchen Investitionen in ein neues Projekt ziemlich mau aus. Das Einzige was ich noch tuen konnte, dass nichts kostete, das war Schreiben. Mein Computer funktionierte schließlich noch. Ich setzte mich also im August 2002 an den Schreibtisch und begann meine Gedanken in die Tasten zu tippen. Ich wollte meinem Kopf die Gelegenheit geben Ordnung zu schaffen, indem ich meine Innenwelt beschrieb. Vielleicht würde ich aus den entstehenden Bildern Erkenntnisse gewinnen können und ein Weg, wie es in Zukunft mit mir weiter gehen sollte, würde offenbar. Denn ich setzte seit meiner ersten geführten Innenweltreise, die ich ein Jahr zuvor gemacht hatte, große Hoffnungen in diese Art Selbstbeschau.

Von Innenweltreisen hörte ich das erste Mal von meinem Unternehmensberater. Er hatte in einem Institut namens Kamala eine Schulung besucht, die es dem Teilnehmer ermöglichen sollte, so eine Innenweltreise fachgerecht zu begleiten. Er schlug mir vor, mit mir so eine Sitzung durchzuführen und nach einigem Überlegen nahm ich das Angebot an. Ich war neugierig, wie so eine Innenweltreise funktionierte, vielleicht war da ja wirklich etwas dran, denn Arno, so hieß mein Unternehmensberater versprach mir ein faszinierendes und sehr fruchtbares Erlebnis. Und so fuhr ich zu ihm nach Aachen in seine Wohnung. Erst saßen wir noch bei einem Tee in der Küche, dann ging es ab ins Therapiezimmer. Darin wartete eine gut gepolsterte Liege auf mich, gedämpftes Licht, Wasserplätschern von einem Minispringbrunnen und entspannemde Musik.

Ich legte mich auf das Sofa und Arno verband mir die Augen.

Dann machte er die Musik leiser und begann mir einen Text vorzulesen. Dieser Text forderte mich auf mir eine Tür vorzustellen und diese zu öffnen. Dahinter sollte ich eine Treppe erkennen und diese sollte ich hinabsteigen. Ich tat wie mir geheißen und dann forderte Arno mich auf zu beschreiben was ich sehen würde. Zunächst sah ich gar nichts. Es war Dunkel wie in einem Keller, irgendwo lagen noch ein paar alte Kartoffeln, ein paar alte Gegenstände waren im Dunkeln zu erkennen. Da forderte mich Arno auf diesen Keller zu erkunden und so kam ich an eine weitere Tür. Diese führte in einen gartenartigen Innenhof. Ich entdeckte dort eine Kiste und in dieser Kiste war ein Schlüssel. Ich sah mich in dem Garten um und betrachtete das Haus. Eine Wiese führte hinter dem Haus nach oben in Richtung hoher Berge.

In dem Koffer entdeckte ich noch etwas.

Eine Art Kristall in Form eines Golfballs.

Ich wußte sogleich, dies war meine Seele. Sie war wunderschön, der Ball gitzerte und leuchtete. In ihm waren ein rotes und ein blaues Band verborgen. Es war ein herrliches Gefühl diesen Ball in der Hand zu halten. Ich machte mich mit dem Koffer auf den Weg den Berg hinauf, denn der Koffer versprach sich mit interessanten Dingen zu füllen, da es gepolsterte Fächer in diesem Koffer gab. Doch bis auf den Golfball und den Schlüssel war er noch leer. Ich wollte mich auf die Suche nach den fehlenden Dingen machen und kam zu einer Art Schloss. Der Koffer wurde zum Glück immer kleiner, so dass ich ihn leicht mit mir führen konnte. Ich betrat einen herrlichen Raum mit Parkettfußboden und hohen, schmalen Fenstern. Die Sonne schien hinein. Ich schaute mich um, der Raum war leer. Doch plötzlich gab der Boden nach und das Parkett verformte sich so, dass ich bis unter den Bodenrand absackte. Ich wurde auch immer kleiner und nur mit letzter Kraft schaffte ich es wieder aus dem entstandenen Loch heraus. Ich ging weiter durch das Haus und kam in einen kleineren Raum in dem meine Mutter stand. Sie endete in einem riesigen Sack, gefüllt mit Sand wie mir schien. Meine Mutter konnte sich nicht bewegen, sie schien wirklich schwer an dem Sack zu tragen, denn er war an sie angewachsen. Ich ging auf den Sack zu und plötzlich kam ein Mann in einem schwarzen Anzug und stieß ein Messer in den Sack.

Jetzt war ich auf einmal in dem Sack und schaute auf den Boden dieses riesigen Sackes. Dort war eine Öffnung, dahinter konnte ich eine grüne Wiese sehen, aber ich kam nicht an diesen Ausgang, denn vor mir befand sich meine Zwillingsschwester, die ebenfalls in dem Sack festhing. Meine Schwester war allerdings nur eine merkwürdige riesige Wucherung, die mir den Weg versperrte. Ich nahm ein Messer, welches ich plötzlich in der Hand hatte und stach in diesen Zellhaufen und heraus floss blaues und rotes Granulat. Ich fand auch noch ein Medaillon, darauf war Siegfried der Drachentöter zu sehen. Dieses Medaillon war für mich, daran bestand kein Zweifel. Ich stand wieder außerhalb des Sackes, der jetzt in sich zusammenfiel und ich legte das Medaillon in meinen Koffer. Ich fand auch ein passendes Fach dafür.

Meine Mutter hingegen vertrocknete plötzlich vor meinen Augen zu einem Häufchen weißem Papier. Sie wurde zu einem sehr fragilen, zarten und empfindlichen Kunstobjekt, dass ich in ein im Raum befindliches Regal abstellte. Ich hatte Sorge, dass sonst noch jemand auf sie drauftreten würde. Ich wußte, meine Mutter würde auf diese Weise zum Schweigen verbannt und sie würde solange still sein müssen, bis ich ihr wieder Wasser geben würde. Damit war jedoch vorläufig nicht zu rechnen, denn, bevor sie zu Papier geworden war, hatte sie sich in eine Fleisch fressende Pflanze verwandelt, die mich aufsaugen und in ihren riesigen Trichter verschwinden lassen wollte. Nur mit größter Anstrengung konnte ich mich von ihr losreißen um nicht von ihr erdrückt zu werden. Darum war ich jetzt wirklich sehr erleichtert sie so vertrocknet zu sehen, so war sie erheblich weniger Angst einflößend. Ich war noch richtig mitgenommen von meinem Kampf mit der riesigen Pflanze. Aber Arno forderte mich auf weiter zu gehen und auch die anderen Räume zu untersuchen. Ich war wirklich in einer anderen Welt und auch Arnos Aufforderungen brachten mich nicht aus der Trance.

Ich kam in einen weiteren Raum. Dort befanden sich mehrere lederne Sessel. Ich setzte mich auf einen der dick gepolsterten Möbel und schaute mich um. Wieder war dort der Schwarze Mann. Ich hatte nicht unbedingt Angst vor ihm, aber ich wollte dennoch dass er verschwindet, ich forderte ihn auf, lieber auf mich in einem Nebenraum zu warten, denn ich wollte alleine mit mir sein.

Ich schaute mich um.

Der Raum war eingerichtet wie eine Bibliothek mit alten Lampen und viel Holz. An den großen Fenstern hingen dunkle Vorhänge, durch die nur wenig Sonnenlicht hereinkam. Ich lehnte mich in dem bequemen Sessel zurück und schaute. Da merkte ich plötzlich, dass mich eine matt schimmernde Plexiglaswand umschloss. Sie war etwas staubig und beschmiert. Wie sollte ich jetzt hier wieder heraus kommen? Ich fühlte mich einsam und von allem Äußeren ausgeschlossen. Ich weiß nicht mehr wie es mir gelang die Wand zur Seite zu schieben, aber plötzlich war ich wieder draußen. Vor mir lag ein Weg, er führte den Berg hinauf. Ich folgte ihm und kam auf einer Bergkuppe an. Dort saß mein Großvater auf einer langen Bank und er schaute vor sich in einen Abgrund in dem es rotglühend flackerte. Ich setzte mich neben meinen Großvater aber er rührte sich nicht. Er starrte einfach nur in den Abgrund. Er trug wie so oft einen hellgrauen Anzug, aber er war wie ich fand ganz schön dick geworden.

Arno meinte ich solle ihn einfach mal ansprechen, doch das führte zu nichts. Mein Großvater antwortete mir nicht. Da meinte Arno ich solle ihn ihm feste auf den Rücken klopfen oder mich sonst wie bemerkbar machen, aber das traute ich mich nicht. Ich hatte einfach zuviel Respekt vor ihm und mir war schließlich auch klar, in welchen Abgrund er da gerade oder schon seit ewigen Zeiten starrte.

Auf einmal war ich ein 7-jähriges Mädchen. Ich saß bei meinem Großvater im Haus in unserem Zimmer und ich spielte auf dem Bett sitzend mit einer Bürste herum. Es war wirklich total unglaublich aber ich war tatsächlich zurückgeführt in meine Kindheit. Ich fühlte und dachte wie ein Kind und es ging mir damit gut. Da meinte Arno wir sollten vielleicht so langsam zurück kehren zu dem Haus mit dem Keller. Ich packte also meine Sachen, die Bürste steckte ich natürlich auch ein und dann war ich auch schon wieder in dem Innenhof wo ich den Koffer gefunden hatte. Es ging zurück zur Treppe und dann war ich wieder oben in der Welt und ich lag auf der Liege in Arnos Therapiezimmer. Wow! Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen und ich war sehr froh als Arno mir sagte, dass er die ganze Sitzung auf Band aufgenommen hatte. So konnte ich mir meine Innenweltreise in Zukunft also noch ein paar mal anhören, um mich mit dem Erlebten auseinander zu setzten.

Ich habe die Kasette später auch meinen Freundinnen Natschi und Barbara vorgespielt und Natschi, die ebenfalls schon ziemlich Thrapieerfahren war, meinte zu mir: „Diese Innenweltreise ist wahrlich so viel Wert wie 26 normale Therapiesitzungen.“ Nun und diese Form der inneren Bildentwicklung, die wollte ich nun vor dem Computer sitzend wiederholen, um das Gesehene gleich in die Tasten hauen zu können. Ich versprach mir sehr erhellende und unterhaltende Texte davon. Und ich kann sagen, es funktionierte ziemlich gut. Sicherlich war die Trance nicht so tief wie auf Arnos Liege, aber ich sah etwas und dass was ich sah wollte ich unbedingt festhalten. Manchmal funktionierte es wirklich ganz hervorragend, manchmal wußte ich nicht so recht wohin die Reise ging. Aber ich machte weiter Tag um Tag und daraus entstand dann am Ende das dicke Buch: „Die Schwarzen Steine“. 9 Monate hatte ich im Prinzip ununterbrochen daran geschrieben bis ich endlich wieder nach Oben kam, zurück in die Realität. Und das Wichtigste war, ich war wieder aufgerichtet. Ich war nämlich am Ende zur Königin meines eigenen Landes geworden. Ich besaß einen alten Zaubererwagen, der von einem weißen und einem schwarzen Pferd gezogen wurde. Ein sprechender Fuchs begleitete mich wie ein Hund und auf dem Wagen befand sich eine Gelddruckmaschine, die ununterbrochen lachte und das Geld ausspuckte.

Ich hatte Jesus und den lieben Gott getroffen, viele alte Wissenschaftler waren zu meinen Freunden geworden und selbst mit Einstein hatte ich mich am Ende wieder vertragen. Begleitet war ich die ganze Zeit von vielen Helfern, Geistern und Göttern.

Sie alle hatten mir geholfen eine große Reise durch mein Unterbewußtsein

zu machen, um dort die Antwort auf die Frage zu finden:

„Was ist ein Bombini?“

Heiko

Ich war noch nicht ganz fertig mit meinem zu beachtlicher Dicke angewachsenen Manuskript, da traf ich Heiko vor der Depesche, ein sehr beliebtes Bistro mitten in Osterath. Ralla veranstaltete dort eine Jazzmartinee. Sogar ein bekannter amerikanischer Sänger trat auf und so wollte auch ich wenigstens mal einen Blick hineinwerfen. Heiko saß vor der Tür und genoss die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. Ich kannte ihn noch aus der Schulzeit und ich freute mich ihn zu sehen. Und er freute sich offensichtlich auch. Er erzählte, dass er sich als Allround-Handwerker selbstständig gemacht habe, dass er leider gerade eine Scheidung hinter sich habe und seine beiden Kinder nun bei ihrer Mutter lebten.

Früher hatte er einmal Kunst gemacht. Immer noch standen einige seiner Metallskulpturen bei ihm zu Hause auf dem Hof, er lud mich ein einmal vorbei zu kommen, dann würde er mir seine Arbeiten zeigen. Ich erzählte von meinem Buch und dass ich, sobald es fertig wäre, ihn gerne besuchen käme, es sei doch wirklich zu verrückt, dass wir uns 20 Jahre nicht gesehen hatten, obwohl wir im gleichen Ort wohnten.

Es war sonderbar, jetzt trafen wir uns auf einmal fast täglich. Er saß nämlich eigentlich jeden Abend in der Depesche und da diese direkt neben dem Supermarkt lag, winkte er mich regelmäßig, wenn ich dort vorbei kam, zu sich an die Theke und wir tranken ein Glas Weißwein zum Feierabend. Wir tauschten unsere Telefonnummern und bald schon rief er mich immer öfter an um sich mit mir zu verabreden. Heiko war ausnehmend charmant, witzig und unterhaltsam. Er kannte offensichtlich Hinz und Kunz im Ort und so wurde ich mit vielen Leuten bekannt gemacht. Meistens waren es natürlich Männer, die ebenfalls ihr Feierabendbier in der Kneipe zu sich nahmen. Für mich war das alles sehr ungewohnt, eine Kneipengängerin war ich nämlich noch nie gewesen. Jetzt aber freute ich mich wenn das Telefon klingelte und Heiko mich einlud doch auf einen Wein vorbeizukommen.

Zu dieser Zeit fuhr ich zwei mal die Woche gemeinsam mit meiner Freundin Barbara mit der Bahn nach Düsseldorf zum TaiChi-Training. Heiko meinte, man könne sehen, wenn ich von diesem Training käme, denn dann hätte ich einer sehr schönen, lockeren Gang und ich sähe dazu einfach auch noch ziemlich umwerfend aus. Ich freute mich über das Kompliment, aber ich hatte überhaupt nicht vor mich in diesen Mann zu verlieben. Zum Einen hatte ich schließlich ein Gelübte abgelegt, die Finger von Männern zu lassen, zum Anderen war er mir eindeutig zu dünn. Ein langer Lulatsch war Heiko und trotz seiner schönen Augen und der vielen netten Dinge, die er mir sagte, wollte ich die ganze Anghelegenheit nicht viel tiefer gehen lassen. Ich wartete auf meinen Christian. Allerdings durfte ich über ihn nicht reden, vor allen Dingen sein Name musste ein Geheimniss bleiben, denn solche Wünsche gingen nur in Erfüllung, wenn man sich still verhielt und dem allmächtigen, lieben Gott die Sache überließ.

Als das Buch fertig war druckte ich ein paar Kapitel aus und nahm sie mit zu Heiko. Er hatte mich bei sich zu Hause zum Essen eingeladen und auch seine Kinder waren anwesend. Lino war ein aufgeweckter Junge von 8 Jahren und seine Schwester Rene, war schon nahe der Pupertät. Beide Kinder schienen ihren Vater sehr zu lieben und ich muss sagen, sein Umgang mit ihnen gefiel mir gut. Er war ein engagierter Vater und er wollte, dass die Trennungsfolgen so gut wie möglich abgefedert wurden. Die Kinder konnten jederzeit mit dem Fahrrad vorbeikommen und ich hatte den Eindruck, sie kamen mit der Situation gut zurecht. Obwohl eine Trennung der eigenen Eltern trotzdem fast immer eine Katastrophe für Kinder darstellte.

Nach dem Essen setzten wir uns vor den Kamin ins Wohnzimmer und ich holte meine Kapitel hervor. Ich wollte ihnen daraus eine Geschichte vorlesen, die ich auch für Kinder interessant hielt. Es ging um einen Fisch, einen dicken Butt, der in den Tiefen der See auf mich traf. Ich war mit Hilfe eines Strudels und eines an dessen Ende befindlichen Schwarzen Loches dort hingelangt. Ich saß eine Zigarette rauchend auf einem Lichtring und entdeckte eine mir völlig fremde Welt. Nach einem anfänglichen Kräftemessen freundete ich mich mit dem Butt an und wir schwammen zu einem riesigen Kasino. Hier Unten wurde um viel Geld gespielt. Viele Fische saßen dort in Smoking oder Ballkleid gehüllt vor den Spieltischen. Doch mir ging es um den Schwarzen Mann, der hier Regie führte und nach einigem Hin und her kam es auch zu einem Schachspiel zwischen ihm und mir. Nun ja, ich will nicht alles an dieser Stelle verraten, jedenfalls endete das Ganze in einem ziemlichen Abenteuer und am Ende gelangten der Fisch und ich an die rettende Oberfläche, mit einer lachenden Gelddruckmaschine im Schepptau.

Die Kinder lauschten mir aufmerksam und auch Heiko schien sich zu amüsieren. Lino lag jedoch bald schon friedlich schlummernd in den Armen seines Vaters und auch seine Schwester war bettreif als ich das Kapitel beendete. Ich hatte den Eindruck das es allen gut gefallen hatte und so machte ich mir Hoffnungen, dieses Werk an einen Verlag bringen zu können. Ich wußte nur nicht wie ich den richtigen Verlag finden konnte. Heiko meinte, er habe einen Freund, der sei Bibliothekar, vielleicht könne dieser weiterhelfen. Das Heiko so viele Menschen kannte war wirklich eine Option, denn mein Freundes- und Bekanntenkreis schrumfte schon länger ziemlich zusammen.

Heiko zeigte mir auch noch seine Werkststatt, die sich direkt neben dem Wohnhaus befand. Hier konnte man ausgezeichnet arbeiten, das sah ich sofort. Und ich fragte Heiko, ob ich bei ihm vielleicht etwas werkeln dürfe, denn ich hatte mittlerweile eine Idee, womit ich mich in Zukunft beschäftigen wollte.

Das erste Experiment

Ich wollte das Experiment von Thomas Thaunsend Braun

mit den mir zur Verfügung stehenden Mittel nachbauen.

Ich erzählte Heiko davon und er brachte mich mit Steini zusammen, ein Diplomingeneur ohne festen Job. Er war wohlhabend genug um ohne Arbeit durchs Leben zu gehen, denn er hatte sich von dem Erbe seines Vaters ein größeres altes Backsteinhaus mit mehreren Wohnungen sowie einer kleinen Druckerei gekauft und er lebte nun von den Mieteinnahmen. Steini war ein attraktiver Mann, der aber leider auch ziemlich viel trank. Wir trafen uns in der Savanne, eine Billardkneipe ebenfalls mitten im Ort. Es gab dort einen kleinen Biergarten-Innenhof und die Sonne schien mittlerweile schon ziemlich warm. Der Frühling startete diesmal wirklich früh.

Ich erzählte Steini von meinem Projekt und er stimmte mir zu, das Experiment war mit einfachen Mitteln nach zu stellen. Was man dafür benötigte war eine Hochspannungsquelle und da gab es verschiedene Möglichkeiten.

Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für eine Zwei-Zweiplattenkostruktion. In Steinis Haus stand eine Wohnung leer, da diese noch saniert werden musste und Steini bot mir an in dem großen Raum, der zur Straße hinaus ging, das Experiment aufzubauen, er wollte mir gerne dabei behilflich sein. Auf einem Zettel machte er die notwendigen Skizzen, so dass ich damit zu Heiko gehen konnte um ihn zu fragen ob er vielleicht etwas Material dazu beisteuern konnte. Ich brauchte nämlich zwei große Zweiplattenkondensatoren. Diese sollte man mit einem Flaschenzug auseinander ziehen können. Außerdem brauchte ich auch noch ein Bombini. Dieses bestand aus ebenfalls aus zwei Metallscheiben jedoch mit einem Loch in ihrer Mitte. Die Platten wurden wiederum durch ein sogenanntes Dielektrikum elektrisch voneinander isoliert. Wir entschieden uns für Plexi, denn davon hatte Heiko noch etwas in seinem Fundus.

Außerdem sollte ich noch eine Stromwaage konstruieren, diese war Steinis Idee, denn ich hatte von so einer Waage noch nie gehört. Damit wollte Steini den Strom messen, den wir über die Zwei-Zweiplattenkonstruktion erzeugen wollten. Als Dielektrikum wollten wir in ihrem Fall Wasser nehmen.

Ich hatte von den technischen Details ziemlich wenig Ahnung und ich verließ mich ganz auf Steini, er war schließlich der Ingenieur. Steini schlug mir vor, mit Rene, einem sehr beliebten, ehemaligen Physiklehrer von der örtlichen Hauptschule zu sprechen, vielleicht würde er weiter helfen können. Und so kam es, dass wir irgendwann zusammen in der Savanne saßen und Rene auf einem Zettel das Prinzip einer Kaskade aufzeichnete. Eine Kaskade, bestehend aus vielen kleinen Kondensatoren und Dioden versprach die stabileren Resultate. Unsere großen Zweiplattenkondensatoren hielt er hingegen für nicht so geeignet.

Doch für so eine Kaskade würde ich Geld benötigen, denn niemand hatte entsprechende Teile auf Lager um sie mir zu sponsern. Das Experiment durfte schließlich möglichst nichts kosten. Wir versuchten es also erst einmal ohne Kaskade, doch es kam wie Rene befürchtet hatte, die großen selbstgebauten Kondensatoren funktionierten nicht.

Ich hatte all die vielen Menschen, die ich nun mittlerweile kennen gelernt hatte, eingeladen an dem Versuch als Beobachter teilzunehmen, denn ich stellte mir das Ganze immer noch wie ein Kinderspiel vor. Ich ging einfach davon aus, dass es klappt und mein Bombini würde durch den Raum fliegen.

Natürlich endete das Ganze in einer großen Enttäuschung. Viele waren gekommen, denn, dass ich an einem verrückten Experiment arbeitete, hatte sich schnell herumgesprochen. Außerdem war auch noch mein Geburtstag, ich wollte also wie so oft gerne mehrere Fliegen mit einer Klatsche fangen. Voller Erwartung füllte sich der Raum und es konnte losgehen. Aber es passierte nichts. Unsere Konstruktion versagte und meine Gäste, die sowieso nicht verstanden worum es eigentlich ging, verließen enttäuscht die Feier um in einer naheliegenden Kneipe den Tag ausklingen zu lassen. Von diesem Moment an nahm mich eigentlich niemand mehr so richtig ernst. Ich hatte ein Wunder versprochen und nichts war geschehen. Ziemlich peinlich. Aber ich ließ mich nicht unterkriegen, jetzt wollte ich eine Kaskade bauen, möglicherweise war diese der bessere und professionellere Plan. Rene hatte mir einen Elektroladen in Düsseldorf empfohlen und so fuhr ich bald schon dort hin um mir die entsprechend benötigten Teile zu kaufen. Mehr als diesen einen kleinen Zettel, den Rene mir gegeben hatte, besaß ich nicht. Ich würde also eine gute Beratung benötigen. Und die bekam ich auch. Denn nun lernte ich Werner kennen.

Werner war als Verkäufer in dem Laden angestellt und als ich mit meinem Zettel bei ihm vor der Theke stand und erklärte, ich wolle mit Hilfe einer Kaskade 100 000 Volt Gleichspannung erzeugen, da horchte Werner auf. So etwas hatte er auch schon mal gemacht. Er hatte zwar nur 20 000 Volt erzeugt, aber immerhin, ja, mit einer Kaskade war das sehr gut möglich. Er kramte in seinen Schubladen und legte mir kleine Kondensatoren auf den Verkaufstisch und er suchte auch die passenden Dioden aus. Ein paar Kabel noch und das war es auch schon. Er entdeckte dann noch einen gebrauchten, kleinen Trafo und gab ihn mir ebenfalls mit. Zahlen musste ich für all die Dinge nicht viel, 20-30 Euro hatte der ganze Spaß nur gekostet.

Jetzt hieß es all die Dinge entsprechend der Zeichnung, die Werner mir noch schnell gemacht hatte, zusammen zu löten. Da war Heiko wieder sehr hilfreich, denn er hatte einen alten Lötkolben, den er mir schenkte.

Überhaupt blühte Heiko zunehmend auf und er wurde auch in meinen Augen immer attraktiver. Seine beste Freundin, Petra, sie war mit mir dereinst in die gleiche Klasse gegangen und wir kannten uns gut, sagte mir, dass sie Heiko schon lange nicht mehr so fröhlich erlebt hätte, ich täte ihm offensichtlich sehr gut und sie freue sich, dass wir uns so gut verstehen würden.

Meine Absicht, mich nicht zu verlieben, fiel mir immer schwerer durchzuhalten. Heiko legte sich ziemlich ins Zeug. Er fuhr sogar nach Düsseldorf und suchte dort eine bestimmte Boutique auf, von der ich erzählt hatte. Mir war dort eine besonders hübsche Bluse ins Auge gefallen. Heiko wußte zwar nicht welche es gewesen war, aber er kaufte mir gleich Zwei, die ihm besonders gut gefielen. Ebenfalls mit Blümchen bestickt, so wie ich die Bluse beschrieben hatte.

Ich wußte erst mal gar nicht was ich sagen sollte.

Mir hatte noch nie ein Mann eine Bluse gekauft. Und dann auch noch zwei. Es fiel mir nicht leicht die Dinge anzunehmen, ich wollte einfach keinen falschen Eindruck aufkommen lassen. Aber das Geschenk abzulehnen brachte ich nicht über mich. Es hätte Heiko einfach zu sehr gekränkt, schließlich war er extra in den Laden gefahren und er wollte mir nun mal eine Freude machen. Die Blusen waren schön, aber es war nicht die Richtige dabei. Doch das war egal, die Geste zählte. Heiko war ein echter Romantiker wie ich festellen durfte. Und es kam noch dicker. Er lud mich ein, mit ihm zusammen nach Holland in das Ferienhaus seiner Mutter zu fahren. Einfach so, ohne Hintergedanken, natürlich. Nun, mir war schon klar, ohne solche Gedanken war Heiko bestimmt nicht mehr, aber was sollte ich darüber klagen. Der Mann war sehr nett, sehr hilfsbereit und ich konnte mich gut mir ihm unterhalten. Er war ein guter Vater und verdiente sich mit fleißigen Händen sein Geld. Davon schien er wirklich nicht wenig zu haben, wenn ich bedachte, wie groß seine regelmäßigen Deckel in der Kneipe waren. Und ich war immer eingeladen, dass machte das Ganze nicht gerade billiger. Heiko führte mich zum Essen aus und irgendwann brach es laut aus ihm heraus und er rief durch das kleine Lokal, in dem wir essen waren: „Ich liebe Dich!“

Was sollte ich nur dazu sagen, der Mann war wirklich total verknallt in mich. Er verdiente Schonung seiner Gefühle und so gab ich ihm vor allen Leuten einen Kuss. Heiko hatte sich vielleicht mehr erhofft, aber an diesem Abend ging ich noch nicht mit ihm nach Hause.

Die Regenbogen

Ich ließ mich überreden und ich nahm Heikos Einladung

zu einem verlängerten Wochenende an.

Zuvor hatte er sich allerdings noch mit meinem Sohn auseinandersetzten müssen. Der war in die Depesche gekommen und Heiko nahm ihn auf ein Bier an die Seite und es kam zu einem Gespräch unter Männern. Mein Sohn war ein eifersüchtiger Sohn, der es nicht so gerne sah, wenn ich herumfirtete. Doch Heiko fand offensichtlich den richtigen Ton und nach dem Bier waren sie gute Freunde. Heiko versprach ihm, ihm bei Gelegenheit einen Job anzubieten, als Handwerker konnte er immer eine tüchtige Hand gebrauchen. Felix fühlte sich einbezogen und er sollte in der Folge noch oft mit Heiko gemeinsam auf eine Baustelle gehen. Die Beiden wurden eine Zeit lang ein richtig gutes Team. Seinen ersten Job hatte Felix bei einer Tankstelle im Ort gefunden, doch immer nur mit dem Besen den Platz zu säubern war natürlich lange nicht so interessant wie bei einem Umbau dabei zu sein. Ich freute mich über diese Freundschaft, denn mit Mansur hatte das Ganze lange nicht so gut geklappt. Mansur war Felix immer ein Dorn im Auge gewesen, Heiko hingegen war ihm durchaus Recht. Ich hatte also sein o.K. als ich mit Heiko nach Holland fuhr, schließlich war gegen eine sturmfreie Bude über diese Tage auch nicht viel einzuwenden.

Heiko hatte einen alten VW Bus,

mit ihm machten wir uns auf den Weg.

Nach wenigen Kilometern fragte Heiko mich, ob ich Lust hätte den Bus zu fahren, er sei noch etwas mitgenommen vom Abend zuvor, und ich freute mich. Ich war schon länger nicht mehr selbst gefahren, denn mein Auto hatte ich natürlich irgendwann abmelden müssen. Heiko legte schöne Musik ein und so fuhren wir in Richtung Sonne und Meer. Wir benötigten knapp 3 Stunden, dann waren wir in der Feriensiedlung angekommen. Ein See erstreckte sich nicht weit vom Haus entfernt und auch das Häuschen war gemütlich, es hatte einen Kamin und zwei Schlafzimmer. Aber wir benötigten nur eines, denn wir verstanden uns mittlerweile so gut, da wollten wir nicht unbedingt getrennt schlafen.

Heiko wollte mit mir an den Strand fahren, der lag ein paar Kilometer weiter weg. Und es war eine gute Idee gewesen, denn als wir am Strand ankamen, da bogen sich zwei Regenbogen übereinander den ganzen Horizont entlang. Das musste einfach ein gutes Ohmen sein und wir begrüßten dieses Himmelszeichen, indem wir uns herrlich lange knutschten. Es war wirklich sehr romantisch und von da an war irgendwie klar, wir würden zueinander finden. Es passte einfach alles wunderbar zusammen.

Mich brachte das Ganze jedoch in gewisse Nöte.

Mein Gelübte wollte mir einen Strich durch die Angelegenheit ziehen. Was, wenn Heiko mehr als nur knutschen wollte? Sex war mir nicht erlaubt. Ich würde mit Heiko darüber sprechen müssen, sonst würde er mich womöglich nicht verstehen.

Ich fasste mir also ein Herz und ich erzählte Heiko, dass ich einen Herzensmann hätte und dass ich deshalb nicht wirklich frei für ihn sei, denn würde dieser Mann irgendwann zufällig auftauchen würde ich, wenn möglich, mit ihm gehen. Heiko wollte seinen Namen wissen, aber das ging natürlich überhaupt nicht. Gerade Heiko durfte diesen Namen nicht wissen, denn er kannte Christian womöglich von früher. Nein, mein Gelübte konnte nur Früchte tragen, wenn ich enthaltsam blieb. Ich hatte es hoch und heilig versprochen und der Rosenkranz, den ich als Zeichen trug, sollte mich vor Zuwiderhandlungen beschützen.

Den Rosenkranz hatte ich mir zwei Jahre zuvor in Paris

in der Notre Dame gekauft und ich trug ihn

als Zeichen meiner Abstinenz.

Es war ein schöner Rosenkranz aus roten Steinen und ich trug ihn wie gesagt nicht nur um mich damit zu schmücken. Er war für mich ein magisches Element, in ihm steckte der ganze Zauber mit dem ich ihn nun schon seit einem Jahr täglich auflud. Aber, das konnte ich Heiko nicht erzählen. Ich erklärte ihm jedoch, keinen Sex haben zu wollen und Heilko akzeptierte dies, weil er sich mittlerweile sicher war, mich auch in diesem Punkt bestimmt noch umstimmen zu können.

Wir machten in den Tagen am Meer lange Spaziergänge und zum gelungenen Abschluss kehrten wir immer wieder in eine der vielen Starndbuden ein. Ich hatte nicht selten einen ganz schönen Schwips von dem Bier und vor allen Dingen dem Schnaps, den es dazu obligatorisch gab. Heiko trank wirklich ziemlich viel, aber noch machte ich mir darüber wenig gedanken. Ich genoss diese herrliche Zeit und Heiko wurde sich seiner Sache immer sicherer. Er fragte mich, ob ich auch mit ihm und seinen Kindern zusammen in das Ferienhaus fahren würde und ich sagte Ja.

Gut gelaunt und zufrieden mit unserem schönen Wochenende

machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause.

Mein Sohn hatte die Wohnung zum Glück nicht vollständig auf den Kopf gestellt und auch er war happy, denn meine Freundschaft mit Heiko brachte Leben in die Bude. Ich war jetzt fast täglich mit Heiko zusammen. Ich arbeitete tagsüber zu Hause an meiner kleinen Kaskade, nachmittags rief Heiko mich dann meistens zu sich in die Kneipe. Es war ihm zur Gewohnheit geworden, die Kneipe war sein Wohnzimmer, wohl mit ein Grund wieso seine Ehe gescheitert war.

Aber ich hatte nichts dagegen. Ich saß gerne mit ihm an der Theke, umringt von seinen vielen Bekannten und Freunden. Ich genoß diese Geselligkeit sehr, denn so etwas war ich überhaupt nicht gewohnt. Manchmal ging ich später mit zu ihm, wir kochten uns was Leckeres und schauten zusammen auch mal fern. Ich schlief auch bei ihm, doch wegen des Sexes hatte ich mich umsonst gesorgt. Heiko litt unter vorzeitigem Samenerguß, dass hieß er kam bei seinen Annäherungen nicht weit. Ihm war es sehr unangenehm, mir aber war es ganz Recht. Ich hatte den Eindruck, dass der liebe Gott oder sonst einer der vielen Geister, die es gab, ihre Finger mit im Spiel hatten. Jetzt war es offensichtlich so, dass mich das Schicksal selbst vor dem Übertreten der selbstgezogenen roten Linie beschützte.

Werners Lager

Meine erste kleine Kaskade war fertig und ich lud Rene zu mir

nach Hause ein, er sollte mir bei meinem

ersten Testlauf zur Seite stehen.

Denn allein mit Strom herumzuhantieren traute ich mir noch nicht zu. Ich hatte auch einen Vorwiderstand zusammengelötet, nach den Vorgaben, die Werner mir gemacht hatte, denn ansonsten würde mein Meßgerät sehr schnell kaputt gehen, da dieses nur eine Spannung von 1000 Volt vertrug. Die zu messende Spannung musste also wieder unter diese Marke gedrückt werden. Die Kaskade und den Vorwiderstand hatte ich auf Glasplatten geklebt und das Ganze wurde dann über einen Trafo mit dem Strom aus der Steckdose versorgt.

Doch meine Kaskade lieferte nur klägliche Ergebnisse.

Rene meinte, die Bauteile seien wohl doch zu klein dimensioniert, ich würde stärkere Kondensatoren benötigen und so fuhr ich bald darauf wieder einmal nach Düsseldorf und stattete Werner in seinem Laden einen Besuch ab. Er hatte gerade Mittagspause und so gingen wir zusammen eine Kleinigkeit essen. Freundlicherweise lud mich Werner ein und ich hatte schon den Eindruck, der Mann war mir tatsächlich sehr zugetan. Ich fand ihn ebenfalls sehr nett, aber da er eine Freundin hatte und ich jetzt auch ganz offiziell mit Heiko zusammen war, kamen Flirtereien natürlich nicht in Frage. Obwohl das bei mir nicht ganz leicht war, denn sobald ich jemanden traf, der mir bei meinem Projekt behilflich war, drohte ich mich zu verlieben. Das hing bei mir einfach immer schon miteinander zusammen.

Werner erzählte mir während des Essens von seinem neuen Lager in der Böhlersiedlung, einem ehemaligen Röhrenwerk. Dort hatte er einige hundert Quadratmeter gemeinsam mit ein paar Freunden angemietet, um all die guten Dinge aufzubewahren, die er in den letzten Jahren gesammelt hatte. Er lud mich ein ihn einmal besuchen zu kommen, vielleicht würde er dort ein paar Dinge finden, die ich gebrauchen konnte. Er erzählte mir auch, dass er sich bald schon einen neuen Job suchen muss, da der Elektrohandel, in dem er nun schon seit vielen Jahren arbeitete, zu machen würde. Die Umsätze reichten einfach nicht mehr aus um den Laden vernünftig weiterzuführen. Er hoffte jetzt seinen Kram über das Internet verkaufen zu können und womöglich davon sogar leben zu können. Ich versprach ihn schon bald dort aufzusuchen und verabschiedete mich mit einem Kuss auf die Wange.

Ein paar Tage später erschien ich in der Böhlersiedlung und suchte Werners Lager. Das war gar nicht so einfach, denn niemand wußte mir genau zu sagen, wo ich dieses Lager fand. Ich ging also an den vielen großen Hallen vorbei und staunte nicht schlecht, wieviele Unternehmungen hier angesiedelt waren. Zum Glück erkannte ich Werners Auto vor einem der Gebäude und ich fand auch ihn darin inmitten seiner vielen Kostbarkeiten. Noch war sein zukünftiges Büro nicht fertig und auch in der Küche sah alles ziemlich provisorisch aus, aber sein Lager, das war pickepackevoll mit den kuriosesten Gegenständen. Alte Musikanlagen, Kabel, Röhren, Koffer und Kisten voller elektronischer Geräte. Einer seiner Freunde stapelte dort einen Berg von Boxen und Lichtanlagen, ein anderer hatte sich eine Kammer eingerichtet in der er technische Geräte überprüfte. Alle waren sie sehr froh über ihr Reich, denn sie hofften damit einmal Geld verdienen zu können.

Ich war jedoch gekommen um Nachhilfe zu nehmen.

Ich hatte irgendwie immer noch nicht richtig begriffen wie eine Kaskade eigentlich im Detail funktionierte und Werner setzte sich mit mir hin und frischte noch einmal meine Physikkenntnisse auf. Ich wollte ihm gerne meine Kaskade zeigen um von ihm zu erfahren, was ich denn nur falsch gemacht hatte und er war gerne bereit mir zu helfen. Vielleicht brauchte ich eine größere Ausgangsspannung, das hieß ich brauchte mehr Trafos. Er hatte zum Glück noch welche auf Lager und so kam ich dann irgendwann mit 4 weiteren Druckertrafos nach Hause. Mein Projekt konnte also weiter gehen.

Ich setzte mich in den darauf folgenden Wochen zunächst jedoch erst einmal verstärkt mit den physikalischen Grundlagen auseinander so gut ich sie verstand. Jetzt fehlten mir meine Bücher aus dem Studium, denn ich hatte ein sehr gutes physikalisches Lehrbuch besessen, aber das verschimmelte nun im Müll. Sehr ärgerlich. Sehr doof.

Ich versuchte erst einmal überhaupt zu verstehen was Strom eigentlich war.

Ich hatte es nie richtig verstanden, schon als Teenager nicht. Mit Dreizehn, nach den ersten Stunden Physik war ich nach dem Unterricht zu meinem Lehrer gegangen um ihn genauer danach zu befragen. Ich schwärmte für diesen Lehrer und der hat mein Interesse vielleicht darauf zurück bezogen, jedenfalls erkannte er nicht die Gelegenheit mich für die Physik nachhaltig zu begeistern. Denn auf meine Frage, was Strom nun eigentlich sei, wie es sich erklären ließe, dass damit eine Waschmaschine ans laufen kam, nun, darauf gab er mir zur Antwort, ich müsse noch etwas warten, ich sei noch nicht groß genug, später würde sich mir das alles noch einmal erschließen, jetzt jedoch müsse ich mich einfach damit begnügen, dass die Maschine lief.

Schade, vielleicht wäre aus mir doch irgendwann eine Physikerin geworden, wenn dieser Lehrer etwas gründlicher bei der Beantwortung meiner Fragen gewesen wäre. Denn, interessieren tat mich dieser mysteriöse Strom wirklich sehr.

Und jetzt war ich irgendwie noch genauso unbedarft wie als Dreizehnjährige. Trotz naturwissenschaftlichen Studium verstand ich das Wesen des elektrischen Stromes immer noch nicht richtig. Und ganz dramatisch verständnislos wurden meine Kenntnisse vom Magnetismus. Diesen verstand ich erst Recht nicht. Wie kam diese Kraft zustande? Was ließ einen Magneten an einer Metallwand kleben? Wieso gab es elektrische Kraft nicht ohne eine entsprechende magnetische Kraft?

Und, war es der Magnetismus der ein Bombini fliegen ließ

oder die elektrische Kraft zwischen den Platten?

Wie konnte ich mir das Ganze nur bildlich vorstellen? Ich versuchte die ganze Sache aufzuzeichnen und ich las alles was ich zu diesem Thema in die Finger bekam. Ich fuhr sogar in die Unibibliothek um dort nach Büchern über Magnetismus zu suchen. Doch das Ergebnis war ziemlich enttäuschend. Viel mehr als ich schon wußte, fand ich nicht an Erklärungen. Das Thema Magnetismus schien mir irgendwie ziemlich oberflächlich abgehandelt zu sein. Kaum einer hatte sich wirklich mal die Frage vorgenommen, was Magnetismus in seinem Kern eigentlich war. Alle beschrieben nur seine Wirkung, aber erklären konnte man mir diese Kraft irgendwie nicht.

Bis ich bei meinen Recherchen auf die experimentellen Ergebnisse zweier russischer Forscher traf. Leider weiß ich nicht mehr genau wann und wo. Ich habe schon im Internet geforscht, ob ich ihnen dort wieder begegnen würde, aber Fehlanzeige, ich kann nur noch auf meine nicht ganz vollständigen Erinnerungen bauen.

Ich habe irgendwann (2003/2004) und irgendwo (Zeitschrift?) von diesen beiden Forschern gelesen. Und diese beiden hatten eine besondere Theorie entwickelt. Sie meinten, jeder Gegenstand, der sich in einem Magnetfeld befände entwickele Torsionsfelder. Diese seien jeweils zwei gegenläufige, trichterförmige, feinstoffliche Felder, die den Körper wie eine Sanduhr durchdrangen. Das Erstaunliche sollte dabei sein, dass die Gegenstände um einige Prozent leichter würden, wenn diese Felder auftraten. Die Felder selbst wechselwirkten mit dem sie umgebenen Vakuum und sie würden sogar seine Energie durch sich durchlaufen lassen. Ein Torsionsfeld sog die Energie ein, das andere stieß sie wieder ins Vakuum zurück. Dabei entstand im Vakuum ein Unterdruck, bzw. Überdruck. So oder so ähnlich habe ich es gelesen, doch ich weiß es nicht mehr genau.

Aber mich machte das Ganze urplötzlich hellwach.

Torsionsfelder waren mir zwar völlig neu, aber sie schienen etwas erklären zu können. Ich nahm einen Stift zur Hand und begann die Felder in meine Zeichungen zu integrieren. Ich änderte eine Kleinigkeit ab und schon hatte ich plötzlich ein hochinteressantes Bild vor mir. Die Torsionsfelder, so wie ich sie verstand, bildeten die Pole eines Magneten. Man muss sich meine Zeichnungen dazu genauer anschauen, aber dann so denke ich es, wird einem schnell deutlich wie so ein Pol eines Magneten aussehen und funktionieren konnte. Ich war total aufgeregt und machte mich auf den Weg zu Barbara. Ich lud sie ein mit mir ein Bier in der Savanne zu trinken, ich wollte ihr unbedingt erklären was ich da gerade entdeckt hatte um zu sehen, wie meine Idee bei ihr ankam.

Und Barbara verstand mich.

Sie fand meine Idee ebenfalls sehr einleuchtend und obwohl sie von Physik nur wenig Ahnung hatte, zeigte auch sie sich an meinen Überlegungen interessiert. Sie hatte sich auch schon öfter gefragt, wie so ein Magnet eigentlich funktionierte, aber so gut wie ich es mit meiner Skizze erklären konnte, hatte sie das Ganze noch nie verstanden. Ja, sie konnte sich durchaus vorstellen, dass ich Recht haben könnte. Immerhin war es eine Antwort auf das Wesen der Dinge, wo andere nur die äußerlichen Eigenschaften beschrieben.

Ich war richtig aus dem Häuschen und beschäftigte mich nun intensiv mit meinem Bombini, denn es war wirklich total erstaunlich, wenn man meine Torsionsfelder in das Bombini integrierte, dann konnte man durchaus sehr gut verstehen, warum es fliegen würde, ja musste. Im Grunde war es ganz einfach, man musste nur darauf kommen.

Ich verdanke diesen beiden mir unbekannten Forschern jedenfalls wirklich sehr viel. Ohne sie würde ich mich wohl heute noch fragen, warum ein Bombini fliegen konnte. Doch jetzt, mit meiner Zeichnung wurde alles klar. Darum war ich auch sehr schnell davon überzeugt, dass es sich genau so verhielt wie ich es erkannte. Leider konnte ich diesen Triumph nur mit wenigen teilen, denn sobald ich ins Detail gehen wollte, hörte mir kaum noch einer zu. Ich versuchte es natürlich bei Heiko und auch bei Steini. Ich zeigte auch Rene meine Skizzen, aber alle blieben im Grunde sehr verhalten. Gut Rene ermunterte mich zwar sehr am Ball zu bleiben und weiter zu forschen, aber da auch er noch nie von solchen Torsionsfeldern gehört hatte, blieb er wie die anderen skeptisch was meine Euphorie in dieser Sache anging. Ich würde meine Theorie schon beweisen müssen, nur mit einer Zeichnung in der Hand war für mich kein Blumentopf zu gewinnen.

Die große Kaskade

Weihnachten stand vor der Tür.

Ich war auf ein Bierchen in die Savanne gegangen. Mein Sohn hielt sich dort seit einiger Zeit öfter auf und ich wollte sehen, um was für einen Laden es sich genauer handelte. Man konnte dort in einem kleineren Saal, neben dem kleinen Thekenraum, an zwei Tischen Billiard spielen. Das Publikum war zum Teil in meinem Alter, aber im Grunde war es eine Jugendkneipe. Steini war hier Stammgast und er unterhielt sich gerne mit den Jugendlichen, die Atmosphäre war sehr locker und auch ich kam mit vielen Menschen ins Gespräch. Mich interessierte was die Leute beruflich taten, wofür sie sich interessierten und natürlich, wenn ich nach meinen Ambitionen gefragt wurde, dann erzählte ich von meinem Experiment. Und diesmal, eben kurz vor Weihnachten, hatte ich bei so einem Gespräch richtiges Glück. Mein Gesprächspartner war nämlich Elektriker und er hatte zufällig eine ganze Kiste voll gebrauchter, aber noch funktionstüchtiger Kondensatoren, die er entsorgen musste. Er hatte sie aus Hunderten von Neonröhren ausgebaut und sie waren jetzt Sondermüll für ihn. Für mich waren sie jedoch Gold wert. Wir wurden uns schnell einig und dieser wunderbare Elektriker versprach mir zudem die Kondensatoren sehr zeitnah vorbeizubringen. Und was soll ich sagen, er kam nachmittags an Heiligabend und so war für mich sonnenklar: Diese Kondensatoren kamen direkt vom lieben Gott. Und es war nicht nur eine Kiste, es waren zwei große Kartons. An den Kondensatoren hing noch ihre Verkabelung, einige waren etwas zerdötscht, aber es waren wirklich so viele, so dass ich mindestens zwei große Kaskaden mit je 100.000 Volt daraus bauen konnte. Ich war überglücklich.

Ich sprach mit Heiko über die nächsten Schritte. Ich legte ihm einen Plan mit Zeichnungen vor und zeigte ihm, was ich gerne Bauen würde und ich fragte ihn ob er mir dabei helfen würde. Wir wurden uns einig, dass ich am Besten bei ihm im großen Dachstuhl über der Werkstatt mein Experiment aufbauen sollte. Holz für die Böden der Kaskade hatte er zu genüge und nach einer kleinen Einweisung in seine Werkstatt würde ich dort die Kaskade selber bauen können. Er wollte mir helfen so gut es ginge, aber er hatte schließlich auf seinen Baustellen genug zu tun. Er zeigte mir wo er den Schlüssel zur Werkstatt deponierte und schon konnte es losgehen.

Ich wollte eine schöne Kaskade bauen. Meine Erste war so wunderhübsch, dass ich sie, nachdem klar war, dass sie nicht gut genug funktionierte, als Decoobjekte auf meinen Fensterbänken im Arbeitszimmer nutzte. Die nächste Kaskade würde allerdings erheblich größer ausfallen. Ich wollte die Kaskade modular aufbauen. Ich nahm drei, ein Meter lange Multiplexbretter, auf ihnen sollten die Kondensatoren angeordnet werden. Anschließend sollten sie über 1000 Volt Kabel miteinander verbunden werden. Ich benötigte auch hunderte von Dioden, die zu vielen Ketten aneinandergelötet werden mussten. Ich hatte echt viel zu tun.

Jeden morgen machte ich mich auf den Weg in die Werkstatt und arbeitete fleißig. Es war nicht gerade kuschelig dort, denn der Winter war ziemlich eisig. Heiko feuerte zwar regelmäßig einen keinen Holzofen an, der in der Werkstatt stand, aber ohne einen warmen Pullover kam man nicht zurecht. Doch mir machte das alles überhaupt nichts aus, denn ich war glücklich. Endlich hatte ich eine wirklich sinnvolle Aufgabe gefunden für die es sich lohnte solche Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Jetzt war ich nicht nur Wissenschaftlerin, nein auch mein Designerherz kam auf seine Kosten. Meine Kaskade sollte ein wahres Kunstwerk werden.

Zeitgleich mit Heiko hatte ich auch Anjum wieder getroffen.

Sie war ebenfalls mit mir auf die gleiche Schule gegangen und sie war daher höchstwahrscheinlich mit Christian bekannt. Wir sprachen viel über früher, denn wir waren sogar zusammen einmal in Urklaub gefahren, aber sobald es in die entsprechende Richtung ging, hielt ich mich total zurück um sie nicht zu fragen, ob sie etwas über Christian zu erzählen wußte. Es musste unbedingt ein Geheimnis bleiben, aber dennoch war ich natürlich total neugierig. Ansonsten jedoch verstanden wir uns ausgezeichnet. Sie kam oft vorbei, entweder um mit uns eine Kneipentour zu machen oder aber um ebenfalls in der Werkstatt zu arbeiten. Heiko hatte ihren Keramikofen bei sich aufgestellt und so saß auch sie Stunde um Stunde vor ihren zu erschaffenden Kunstobjekten. Sie hatte eine ganz bestimmte Anmutung bei ihren Schüsseln und Tellern entwickelt. Mir gefielen ihre Sachen sehr und einige beschädigte Schüsselchen konnte ich für mich abstauben. In ihnen ließen sich wunderbar meine vielen, kleinen, elektische Bauteile aufbewahren. Später am Nachmittag kam Heiko und er freute sich, dass nun wieder so viel Los war bei ihm. Wir kochten zusammen, wir ließen uns von Heiko mit gutem Wein verwöhnen, denn auch Anjum war dem Alkohol sehr zugetan. Oft wußte sie kein rechtes Ende zu finden und nicht selten musste sie irgendwann ins Bett begleitet werden. Dabei war sie ein total zartes Persöhnchen.

Aber noch war der Alkohol für mich kein großes Problem.

Ich vertrug ihn im allgemeinen ganz gut, es kam wirklich nur selten vor, dass ich auf meinem Weg nach Hause in Schlangenlienien gehen musste. Aber ab und zu war es schon soweit. Mit Heiko zusammen wurde ein einfaches, kleines Feierabendbierchen schon mal zu einer durchzechten Nacht. Ich lernte Osterath von einer ganz neuen Seite kennen und ich konnte feststellen, in Osterath konnte man wunderbar ausgehen. Wir besuchten alle Kneipen nacheinander, aßen hier oder dort eine Kleinigkeit oder wir gingen in größerer Runde zum Griechen oder aber auch zu Theresa. Eine sizillianische Köchin, eine wirklich herzensgute Frau, die versuchte ganz alleine einen eigenen Laden aufrechtzuhalten.

Manchmal dachte ich, Heiko und Anjum würde viel besser zueinander passen, und ich sagte ihr dies auch. Aber sie wollte davon nichts wissen, sie tat sich mit Ulli, einem Freund von Heiko zusammen. Es war eine wunderbare Zeit, die, wie ich glaube, allen sehr gefallen hat.

Nachdem ich die Kaskaden fertig gebaut und zusammengelötet hatte ging ich mit meinen Utensilien auf den Dachboden. Ich ordnete die Kaskaden auf dem Boden in einem Halbkreis an, verknüpfte sie miteinander und schloss den Trafo an. Einen Leiter hielt ich noch in der Hand. Ich verband ihn lose mit dem Trafo und schaltete die Anklage ein. Da fiel der Leiter ab und plötzlich war ich in dem Kreislauf eingeschlossen. Es brutzelte und zischte, blaue Lichtblitze gleiteten über meine Arme und die Kaskade. Es war ein unglaublich erquickendes Gefühl. Die Blitze taten nicht weh, aber es sah faszinierend aus. Ich liebte diesen Moment. Neben mir hatte ich ein Glas Rotwein stehen und ich nahm einen Schluck. Diesen Moment würde ich in meinem Leben nie mehr vergessen, da war ich mir ganz sicher. Mein Sohn kam einige Minuten später die Treppe hinauf, er wollte mal sehen wie weit ich mit meinem Projekt war. Stolz zeigte ich ihm meine Kaskade. Von den blauen Blitzen erzählte ich allerdings nicht, denn ich wollte ihn nicht beunruhigen. Außerdem war es meine Schuld gewesen, ich war mal wieder zu hektisch und unkonzentriert gewesen. Wer mit Strom hantierte musste jedoch besonders vorsichtig sein. Nicht immer gingen Stromunfälle so harmlos aus. Und ich hatte vor auch die anderen Trafos zu benutzen. Mit ihnen würde der Stomfluss unter Umständen so hoch, dass elektrische Überschläge auch sehr gefährlich werden konnten.

Auf dem Boden konnte die Kaskade nicht bleiben, ich brauchte einen langen Tisch um eine vernünftige Arbeitshöhe zu haben. Heiko hatte noch ein paar alte Glastüren, die legte ich auf Böcke und simsalabim, ich hatte mein Elektronik-Labor.

Am hinteren Ende des Raumes hing ich mein Bombini auf. Dicke, gelbe 10 000 Volt Kabel verbanden das Bombini mit der Kaskade und dem Vorwiderstand. Den hatte ich auch neu gebaut. Doch schon nach dem ersten Testlauf brannten die Vorwiderstände durch. Ich musste also noch einmal in die Stadt und Werner fragen, wie ich dieses Problem in den Griff bekommen konnte.

Werner wußte wie immer zu helfen. Er fand im Lager eine Kiste mit ganz speziellen Spulenwiderständen. Sie waren eigentlich total teuer, vielleicht 5 Euro pro Widerstand. Und ich brauchte 40-50 Stück. Werner war ein wirklich großzügiger Mensch und vielleicht auch ein bisschen verliebt in mich, jedenfalls schenkte er mir die ganze Kiste. Damit würde ich genug Material für zwei Vorwiderstände haben.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt wirklich oft den Eindruck, dass der liebe Gott auf meiner Seite war. Ich bekam wirklich immer wieder die notwendige Unterstützung und das beflügelte mich. Ich begann mit meinen Messungen. Wieviel Spannung konnte ich mit der Kaskade erzielen?

Reichte sie aus um mein Bombini fliegen zu lassen?

Rene

Rene, der ehemalige Physiklehrer, kam mich so

gegen Ostern auf dem Dachboden besuchen.

Ich hatte Kuchen gekauft und einen kleinen, runden Tisch und zwei Stühle aufgestellt. Außerdem hatte ich große Packpapierbögen an die Wand gehangen, auf denen ich meine theoretischen Ideen niedergeschrieben hatte. Zusätzliche Zeichnungen sollten erläutern, wie ich mir Magnet- und Torsionsfelder bildlich vorstellte. Ich war ein Anhänger der Stringtheorie und so verband ich meine Vorstellungen von Strings mit denen der Torsionsfelder, und daraus entstand dann irgendwann die Seifenblasenphysik. Doch noch war ich in den Anfängen, mein Bild von den Bausteinen des Lebens und der Welt der Erscheinungen war noch nicht ganz vollständig. Dennoch, Rene war ziemlich beeindruckt. Mein Labor war zwar etwas provisorisch, aber es sah ganz nach kreativer Arbeit aus.

Wir starteten einen ersten Versuch.

Rene überprüfte zuvor meinen Versuchsaufbau. Ich hatte die 5 Trafos hintereinander geschaltet, so dass sich die Ausgangsspannung für die Kaskade auf 2500 Volt erhöhte. Die Kaskade selbst sollte diese Spannung dann auf 80 000 Volt erhöhen, wenn die Anlage einwandfrei funktionierte. Mein Vorwiederstand redutzierte die Spannung dann wieder auf 800 Volt, so daß mein Meßgerät hoffentlich nicht kaputt gehen würde. Dies war mir nämlich schon einmal passiert. Glücklicherweise konnte ich bei Werner das beschädigte Meßgerät gegen ein Neues austauschen. Allerdings würde dies wohl nicht noch einmal möglich sein, denn der Techniker, der sich auf Grund meiner Reklamation das Gerät angeschaut hatte, hatte durchaus gemerkt, dass ich mit einer zu großen Spannung gearbeitet haben musste. Es war reine Kulanz, dass er das Gerät zurücknahm.

Rene schloß den Stromkreis, in dem er den Schalter, den ich vor die Trafos eingebaut hatte, einschaltete. Die Kaskade begann langsam zu brutzeln, aber es traten keine Blitze aus. Die Kaskade arbeitete, das konnte man hören und mein Bombini, welches an der Decke hing begann sich ganz langsam zu einer Richtung hin wegzudrehen. Nur wenige Centimeter, aber die Bewegung war eindeutig. Sobald wir die Kaskade ausstellten fiel das Bombini in seine Ausgangsposition zurück, schalteten wir die Anlage wieder ein drehte sich das Bombini wie gehabt. Wir waren begeistert. Natürlich war die Bewegung gemessen an meinen Erwartungen nur minimal, aber sie war da. Das Meßgerät zeigte 500 Volt an, wir hatten also ca. 50 000 Volt mit der Kaskade erzielt. Doch plötzlich fiel die Spannung ab und die Kaskade schwieg. Was war passiert? Wir beugten uns über die Kondensatoren, ein leichter Ozongeruch war zu vernehmen. Rene zeigte mir, wie ich die Kondensatoren überprüfen konnte, vielleicht war einer von ihnen durchgebrannt. Oder die Diodenketten hatten etwas abbekommen.

Es würde viel Arbeit kosten die Kaskade wieder flott zu bekommen, denn es gab viele Kondensatoren und Dioden zu überprüfen. Aber ich war dennoch glücklich. Mein Bombini hatte sich bewegt. Ich war so euphorisch, dass ich zu Rene sagte: „Rene, wir haben die Gravitationskraft beeinflußt!“ Doch Rene blieb skeptisch. So einfach würde ich die Welt der Wissenschaft nicht überzeugen können. Für die Bewegung könnte auch einfach nur der Ionenwind verantwortlich sein, meinte er.

Ich glaubte das nicht. Auch bei Thomas Thaunsend Braun hatte man den Ionenwind in Verdacht gehabt, doch auch wenn er seine Fluggeräte in Schweröl lagerte, die Dinger bewegten sich. Beweise gab es jedoch keine, die lagen nach Brauns eigener Aussage alle in einem geheimen US-Staatsarchiv.

Natürlich war ich nicht nur mit dem Experiment beschäftigt.

Ich machte auch sehr viel Urlaub zu dieser Zeit, denn Heiko und ich fuhren ziemlich oft mal mit und mal ohne Kinder über das Wochenende nach Holland. Irgendwann im Februar genoss ich auch gemeinsam mit Barbara das Ferienhäuschen. Barbara lieh mir in dieser Zeit ihren neuen, gebrauchten Laptop und ich versuchte mein Bombini-Thema literarisch zu bearbeiten. Viele Stunden saß ich auf dem großen Bett, das Laptop und eine Tasse Kaffee vor mir aufgebaut und tippte in die Tasten. Ich ging auch viel spazieren, mal mit Barbara, mal ohne. Aber immer mit Mirage. Mirage war ein Golden Retriever. Heiko und ich hatten uns dieses wie ich fand etwas autistisch wirkenden Hundes angenommen, nach dem dessen Herrchen verstorben war. Mirage hatte drei Tage bei dem Verstorbenen in der Wohnung festgesessen, denn es hatte etwas gedauert, bis der Tod seines Herrchens aufgefallen war. Für den Hund musste diese Zeit sehr schrecklich gewesen sein und da Heiko ihn immer schon ganz toll gefunden hatte, sagten wir spontan Ja, als wir hörten, dass man jetzt dringend einen neuen Besitzer für ihn suchte.

Ich schloss den Hund sogleich in mein Herz.

Er sah außergewöhnlich schön aus und er hatte etwas sehr Menschliches. Ich ließ ihn viel frei herumlaufen und Mirage genoss die Strandspaziergänge an Strand und See sehr. Er blühte zusehends auf und wurde zu einem wunderbaren Begleiter. Meistens lag er mit auf dem Bett während ich schrieb. Ich habe den Text von damals leider nicht mehr, aber vielleicht war dies auch kein großer Verlust, denn als ich nach ca. einer Woche Heiko und Barbara mein Werk vorlas, da gab es am Ende nur wenig Applaus. Sie hielten meine Herangehensweise für nicht sehr überzeugend. Außerdem hatten beide von Physik nur wenig Ahnung und so konnten sie Vieles nur sehr schwer nachvollziehen. Vielleicht war ich wirklich noch nicht auf dem richtigen Weg. Mir wurde klar, ich musste noch viel besser werden, wenn ich mit meinem Bombini die Welt verändern wollte.

Ich reparierte die Kaskade und unternahm weitere Versuche, zudenen regelmäßig auch Rene vorbeikam. Aber ich probierte auch alleine herum, denn mitlerweile fühlte ich mich im Umgang mit meiner Hochspannungskaskade immer sicherer. Ich weiß heute nicht mehr genau zu sagen, wie oft dabei die Kaskade Probleme machte, ich sehe mich jedenfalls monatelang auf dem Dachboden mit dem Lötkolben oder dem Meßgerät über die Kaskade gebeugt. Doch ich machte auch direkte Versuche mit dem Bombini. Ich hing es nicht nur senkrecht, sondern auch waagerecht auf. Ich befestigte einen Kompass an einem langen Holzstiel und erforschte das starke Magnetfeld, welches sich um das Bombini bildete, sobald es unter Spannung stand. Ich klebte um das Loch des Bombinis etwas Styropor um zu sehen welche Form die Überschläge annahmen, die ich ab einer bestimmten Spannung produzierte. Ich habe das Styropor noch und man sieht daran eindeutig, dass die Magnetfeldlienien genau die Form annahmen, die ich zeichnerisch vorausgesagt hatte. Ich versuchte auch das Bombini selbst zu verbessern. Ich verwendete Glas und Plexi als Dielektrikum, ich versuchte auch Bienenwachs, aber bei dem Versuch eine entsprechende Platte aus Bienenwachs zu gießen entstand vor allen Dingen viel Sauerei. Ich versuchte es auch mit einfachen CDs, denn sie sahen eigentlich schon von Hause aus wie kleine Bombinis aus.

Ich notierte meine Versuchsergebnisse in einer großen, schwarzen Kladde und ich bemühte mich auch wirklich darum, möglichst wissenschaftlich vorzugehen. Aber ich muss zugeben, für eine echte wissenschaftliche Arbeit fehlte mir die Erfahrung. Jetzt bedauerte ich es zutiefst mein Studium nach dem Vordiplom abgebrochen zu haben. Und gerade die Physik wäre wirklich das ideale Fach gewesen, denn jetzt interessierte mich diese Seite der Naturwissenschaften wirklich sehr.

Aber, Schwamm drüber, jetzt musste ich sehen wie es auch ohne eine solche wissenschaftliche Ausbildung ging. Ich beklagte mich öfter beim lieben Gott wegen der schwierigen Bedingungen, aber seine befreundeteten Geister, die immer öfter um mich waren, hatten für mein Gejammer nur wenig Verständnis. Niocolas Tesla und Michael Faraday zum Beispiel sahen meine Situation ganz anders. Sie bewunderten mein tolles Meßgerät, meine Kondensatoren und auch die Trafos. Zu ihrer Zeit hätten sie sich solche wunderbaren Gerätschaften gewünscht, doch damals mussten sie mit noch ganz anderen, viel einfacheren Bedingungen zurecht kommen. Sie meinten zu mir: „Sei froh, Du hast doch alles was Du brauchst. Du musst Dich nur besser konzentrieren und Deine Versuchsergebnisse ordentlich notieren, dann wird Dein Experiment schon erfolgreich sein.“ Ich hatte den Eindruck, dass sie sich auf meinem Dachboden sehr wohl fühlten. Natürlich war das reine Phantasie, das war mir durchaus klar, aber ein bisschen glaubte ich auch daran, dass mir diese alten Wissenschaftler zur Seite standen. Jedenfalls hielten mich ihre Eingebungen auf Trapp und so machte ich, wie ich fand, gute Fortschritte.

Die große Party

Der Sommer kam in großen Schritten und

viele Geburtstage standen vor der Tür.

Heiko beschloss daher mit seinen Freunden eine große Party zu organisieren. Es sollte Livemusik geben, denn sein bester Freund war ein engagierter Hobbyschlagzeuger. Viele Leute standen auf der Gästeliste und es waren darum große Einkäufe notwendig. Es sollte mehrere Bleche voll Von der Leyen-Taler geben, auch wenn sie damals noch nicht so hießen. Sie bestanden aus Blätterteig, gefüllt mit Schinken, Zwiebeln und Käse. Ich hatte sie einmal für Heiko gemacht und er war von den Dingern genauso begeistert wie ich. Außerdem sollte der große Grill angeschmissen werden und viele Gäste versprachen Salate oder auch leckeren Nachtisch mitzubringen.

Die Party sollte in der Werkstatt und auf dem Platz davor stattfinden, außerdem gab es lauschige Plätzchen im Garten, die auf die Gäste warteten. Auch Heikos Mutter war für ein paar Stündchen vorbeigekommen. Sie nahm mich irgendwann zur Seite und meinte sie freue sich sehr, dass ihr Sohn nun endlich wieder eine nette Freundin habe, die auch noch gut mit den Kindern zurecht kam. Sie lernte auch meinen Sohn kennen und ich muss sagen, ich war wirklich stolz auf ihn. Er sah attraktiv aus und machte mit seiner Statur schon einen gewissen Eindruck. Heiko und er waren dicke Kumpels geworden. Es war also alles eigentlich ganz prima. Dennoch begann ich mir so langsam aber sicher auch etwas Sorgen um Heiko zu machen. Er trank eindeutig zu oft und zu viel. Und wenn er zuviel getrunken hatte, dann wurde er nicht unbedingt sympathischer. Es war schon einige Male vorgekommen, dass er mich versuchte klein zu machen, ich die keinen Job hatte, ich, die alleinerziehend war und dem Sohn nicht die Mutter war, die mein Sohn sich wünschte. Er dagegen war zwar von Kind und Kegel verlassen worden, aber er sah sich nach wie vor als den besten Vater der Welt. Seinen Alkoholkonsum sah er zwar gerade Sonntags auch etwas kritisch, denn dann war er meistens völlig fertig und konnte nur noch vor dem Fernseher abhängen, aber weniger zu trinken war ihm nicht möglich. Er brauchte die Gesellschaft in der Kneipe und so lange ich lieb und nett mittrank war alles für ihn in Ordnung. Sexuell lief nicht viel, denn seine Probleme wurden nicht besser. Ich sprach mit ihm darüber und empfahl ihm doch einmal deswegen zum Arzt zu gehen. Ich wußte nicht was man in solchen Fällen tuen konnte und ich wollte auch nichts tun. Mir war diese relativ sexlose Beziehung sehr Recht. Ich schmuste gern und küssen konnte Heiko wirklich ganz ausgezeichnet. Wir duschten auch zusammen und kuschelten uns immer fest aneinander, aber mehr war nicht drin. Von Beiden Seiten.

Doch zurück zur Party. Sie wurde zu einem vollen Erfolg. Die Menschen waren alle zahlreich gekommen, die Musik war toll, es wurde viel getanzt und das Büffet kam ebensogut an.

Ich unterhielt mich mit den unterschiedlichsten Leuten und einigen zeigte ich auch mein Experiment. Unter den zahlreichen Neugierigen, die ich mit nach oben auf den Dachboden nahm war auch jemand der etwas mehr Ahnung von Physik hatte und ich freute mich meine Theorien erklären zu können. Doch letztendlich hielt man die ganze Angelegenheit für den mehr oder weniger sinnvollen Zeitvertreib einer arbeitslosen Designerin. Wirklich ernst nahm mich niemand und das schmerzte mich schon etwas. Ich fühlte mich vereint mit den ganz großen Physikern dieser Welt, aber in meinem Umfeld wollte niemand sehen, welch großes Potential in meinem Projekt steckte. Auch Heiko ging das Experiment zunehmend auf die Nerven. Er fand das ich zu verbissen daran festhielt und dass ich damit bestimmt nie aus meiner desolaten finanziellen Situation herauskäme. Im Gegenteil, das ganze Projekt verschlang jeden Euro den ich hatte.

Glücklicherweise bezahlte Heiko Felix gut für seine Hilfe, sodaß mein Sohn eigentlich immer genügend Geld hatte um in die Savanne zu gehen und mit seinen Freunden zu feiern. Ich verstand mich gut mit meinem Sohn. Ich wollte das er seine Jugend genoss und ließ ihm darum viel Freiheit. Seine Freundin durfte natürlich bei uns schlafen und auch seine Freunde zogen schon mal für ein paar Tage zum exessiven Computerspielen bei uns ein. Ich hatte also kein schlechtes Gewissen, wenn ich mir ebenfalls ein schönes Leben machte.

Nach der Party fuhren Heiko und ich mit den Kindern mal wieder nach Holland ins Ferienhaus. Diesmal wollten wir gute zwei Wochen unterwegs sein, denn nach Holland wollten wir auch noch einen Abstecher nach Ostfriesland machen. Dort wohnten Freunde von Heiko. Es war ein superheißer Sommer und wir konnten wirklich froh sein, diese Zeit am Meer verbringen zu können. Wir fuhren jeden Tag ans Wasser und gingen mit den Kindern schwimmen.

Wenn Heiko mit seinem Kindern zusammen war, dann hielt er sich mit dem Trinken etwas zurück, aber das machte ihn nicht unbedingt entspannter. Ich fand ihn oft etwas streng mit den Kindern. Er meinte es zwar immer nur gut, aber irgendwann suchten sie Schutz bei mir vor seinem Ehrgeiz, den Kindern das Segeln beizubringen.

Doch alles in Allem war es ein schöner Urlaub und als wir nach Ostfriedland kamen waren wir alle ziemlich gut gelaunt. Es waren die Tage der Tausend Sternschnuppen und wir saßen abends zusammen draußen und zählten sie. Dabei erzählte ich dem Freund von Heiko, ich weiß leider seinen Namen nicht mehr, von meinem Bombini-Projekt. Und dieser Freund war total fasziniert. Er hörte mir gespannt zu und ließ sich die Zusammenhänge näher erleutern und nach einer Weile meinte er:“Das finde ich wirklich ganz toll, und wenn Du irgendwann Erfolg hast, dann werde ich mir sagen können: „Die Frau habe ich einmal kennengelernt!“ Deine Sache hört sich super an und ich hoffe Du findest Deinen Weg.“

Mir tat das sehr gut. Endlich mal einer der nicht nur die Unmöglichkeit sah, sondern jemand der sich auf meinen Erfolg freute. Wie gesagt, es war ein schöner Urlaub.

Doch nach dem Urlaub wurde meine Beziehung zu Heiko immer schwieriger. Ich fand, er trank zuviel und ich begann dies zu thematisieren. Ich wollte dass er damit aufhörte, zumindest mal eine ganze Weile. Ich sprach mit HaPe, einem alten Freund aus Jugenttagen darüber. Er war ein trockener Alkoholiker, der es von selbst geschafft hatte von der Flasche wegzukommen. Allerdings auch erst nach dem seine Frau ihn mit den Kindern verlassen hatte. HaPe bot sich an mit Heiko zu sprechen, doch als ich Heiko dies vorschlug lehnte er dies strickt ab. Er kannte HaPe wohl auch von früher und er war ihm nicht sympathisch. Schade, dachte ich, denn dieses Gespräch hätte Heiko vielleicht einen Weg aus der Sucht gezeigt. Denn, dass es mittlerweile eine Sucht war, dass wurde immer deutlicher. Aber Heiko wollte lieber so weiter machen, nach einem Tag ohne Alkohol wurde das Leben für ihn zu schwierig.

Ich sprach irgendwann auch mit seiner Freundin Petra darüber und auch mit Anjum kam ich auf dieses Thema. Doch beide sahen sich nicht in der Lage Einfluss auf Heiko nehmen zu können. Von seinen Freunden war diesbezüglich auch nicht viel zu erwarten, denn die tranken auch alle ganz gerne. Und mit Heiko gemeinsam zu tinken war immer sehr unterhaltsam, wer wollte da schon groß an seine Gesundheit denken.

Nach dem Urlaub ging ich wieder auf den Dachboden und machte meine Versuche. Lino und seine Schwester Rene kamen öfter zu mir herauf und leisteten mir Gesellschaft. Ich gab ihnen nicht mehr benötigte Bauteile zum Basteln und ich muss sagen, ihr Interesse an meinem Experiment machte mir Freude.

Irgendwann war Lino bei einem meiner Versuche anwesend, ich ließ die Kakade eine Weile laufen und Lino ging an der Kaskade entlang. Plötzlich meinte er: „Da ist ja kalter Wind!“ Ich wußte nicht Recht was er damit meinte und er zeigte mir die Stelle. Er stand direkt neben dem Vorwiderstand und zeigte mit seiner Hand in die Richtung. Ich bückte mich zu ihm herunter und siehe da, er hatte Recht. Von dem Vorwiderstand kam kalte Luft. Er hatte sie an der Wange gespürt weil er doch noch ein ziemlich kleiner Mann war. Wie konnte ich diesen Lufthauch erklären? Wie kam er zustande? Was hatte diese Entdeckung für eine Bedeutung für mein Experiment?

Ich lobte Lino und ich entschied, dass dieser Vorwiederstand

von nun an seinen Namen tragen sollten.

Der Lino-Widerstand

Ich war glücklich über Linos Entdeckung und

ich versuchte eine Erklärung für die kalte Luft zu finden,

Heiko jedoch war alles andere als begeistert.

Im Gegenteil, er war sehr sauer und verärgert darüber, dass ich seinen Sohn im Raum gelassen hatte als ich die Kaskade hochfuhr, ja dass dieser sogar so nah an das Experiment herangekommen war, dass er an seiner Wange einen Lufthauch verspürt hatte, und ja, ich hatte seiner Meinung nach seinen Sohn in absolute Gefahr gebracht. Und jetzt wollte er nur noch eines, ich sollte mit meinem Experiment verschwinden. Er wollte mich nicht mehr auf seinem Hof haben. Ich sollte gehen.

Das war natürlich gar nicht schön, aber der liebe Gott half mir auch aus dieser Situation, denn er schickte mir HaPe. Und HaPe lieh mir sein Auto, einen Kombi. Er konnte ihn aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit nicht benutzen und so hatte ich in den folgenden Tagen ein Auto um all meinen Kram zu mir nach Hause transportieren zu können. Denn Heiko war mit dem VW Bus für ein paar Tage weggefahren. Wenn er zurück kam, wollte er nichts mehr von meinen Sachen bei sich sehen.

Ich war zwar etwas traurig darüber, dass Heiko so verärgert war, aber ich konnte ihn auch ein bisschen verstehen. Ich war im Umgang mit meinem Experiment immer unvorsichtiger geworden, ich sah kaum noch eine Gefahr, aber bei vernünftigen Nachdenken war auch mir klar: Das war kein Kinderspiel. Auch wenn alles mal damit angefangen hatte, dass ich genau so etwas entwickeln wollte. Ein Kinderspielzeug, ein SpielzeugUFO, ein Bombini für alle.

Ich wollte mit meinem Kram in mein Gartenhäuschen, doch mein Sohn hatte dieses zu Partyzwecken ziemlich auseinandergenommen. Es waren ein paar Vorbereitungen notwendig, und auch die Stromzufuhr musste unbedingt noch zusätzlich geerdet werden. Aber ich hatte Zeit. Denn ich beschloss erst einmal eine neue Kaskade zu bauen, denn die Letzte hatte mal wieder ihren Geist aufgegeben. Kondensatoren hatte ich ja glücklicherweise zu genüge und ein neues Bombini wollte ich auch entwickeln.

Außerdem musste ich mich um die Theorie kümmern. Ich skizzierte meine Überlegungen auf einem großen Zeichenblock um meine Theorie besser erklären zu können. Und so war ich also in den darauf folgenden Wochen und Monaten sehr beschäftigt.

Heiko meldete sich ein paar Tage nachdem ich ihn und seinen Dachboden verlassen hatten. Er sehte sich nach meiner Gesellschaft und bat mich mit ihm etwas trinken zu gehen. Ich sagte nicht nein und so waren wir ab sofort eben nur noch Freunde. Für mich war das kein Problem. Heiko jedoch wollte meistens mehr, gerade wenn der Wein besonders gut schmeckte, ich aber empfand seine Trinkerei als immer problematischer. Er war ein Alkoholiker, er hatte es mittlerweile selbst gemerkt. Wir sprachen oft über Wege aus der Sucht, aber ernsthaft wollte oder konnte er sich nicht entschließen einen ersten Schritt auf diesem Weg zu gehen. Es war irgendwie zu spät um die Reißleine zu ziehen, wenn er jetzt aus seiner Problematik heraus wollte, dann würde er wohl ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Die Lino-Widerstände beschäftigten auch Steini und Rene.

Beide sprach ich darauf an und sie wollten die kalte Luft gerne mit eigenen Augen sehen und vor allen Dingen spüren. Steini schlug vor, das Experiment bei ihm in der immer noch freien Wohnung aufzubauen. Und so kam es dass Rene, Steini und ich an der Wohnungstür zu diesem Raum standen während die Kaskade hochfuhr. Steini hatte ziemlichen Respekt vor meiner Kaskade und er wollte größtmöglichen Abstand zu allem halten. Rene war da schon mutiger. Ich schaltete die Kaskade wieder aus und Rene ging zu dem Lino-Widerstand und tatsächlich, er spürte die kalte Luft. Ich hatte ein Laserthermometer besorgt und wir maßen die Temperatur der einzelnen Widerstände. An ihrem unteren Ende zeigte das Thermometer 18,6 Grad Celsius, an seinem oberen Ende war der Widerstand um ein Grad wärmer. Den Luststrom selber konnte ich nicht direkt messen, aber die Temperaturdifferenz an dem Widerstand warf doch einige Fragen auf.

Ich hatte Kuchen besorgt und Kaffee mitgebracht und so setzten wir uns an den großen Tisch, der sich in dem Raum befand. Wir überlegten hin und her, zeichneten unsere Überlegungen auf und diskutierten. Aber die kalte Lust blieb ein Rätsel. Ich hatte zwar eine Idee dazu, aber um diesen Punkt genauer zu untersuchen fehlten die technischen Möglichkeiten.

Ich machte noch einige Versuche, auch mit einer Aufhängung für mein Bombini, an der ein Laserpointer angebracht war. Damit konnte die Bewegung des Bombinis auf die Wand projeziert werden. Leider blieben es immer nur wenige Millimeter, vielleicht maximal zwei Centimeter, die sich mein Bombini bewegte. Das war einfach zu wenig um große Begeisterung zu erzeugen. Deshalb wollte ich auch ein neues Bombini bauen. Vielleicht lag es ja an meinem Zweiplattenkondensator. Er war nicht asymetrisch. Ich hatte nicht verstanden, wieso er asymetrisch sein musste und deshalb hatte ich diesen Aspekt bisher außer Acht gelassen. Ich hatte es aber mit einer Metallkuppel und einer kleinerem Metallscheibe auf der anderen Seite des Dielektrikums versucht. Die Bewegung war vielleicht etwas stärker, aber wenn dann nur minimal. Ich brauchte eine größere Bewegung. Ich dachte, wenn sich mein Bombini 10 Centimeter bewegen würde, dann würde ich vielleicht eine gewisse anerkennende Resonanz erhalten. Ich nahm mir also vor: Das nächste Bombini soll diese 10 Centimeter schaffen.

Ich begann mit meinen Planungen für eine neue Kaskade und ein neues Bombini. Und diesmal sollten die Versuchsteile wirklich schön werden. Alles sollte aus Plexi sein, die Böden für die Kaskade sowie und auch das Dielekrtikum des Bombinis. Die Metallscheiben ließ ich in einer Dreherei im Ort anfertigen. 20 Euro und ein selbstgebackener Kuchen waren der Preis dafür. Und ich fuhr nach Düsseldorf zu Werner. Er hatte einen neuen Job bei Konrad angenommen. Genau in der Abteilung, die mich interessierte. Er beriet mich immer gerne und gut und so kam ich durchaus voran, auch wenn ich nur wenig Geld für all die vielen Bananenstecker, Kabel und Dioden ausgeben konnte. Aber irgendwie reichte es immer gerade für den nächsten Arbeitsschritt.

Mein Sohn war auch immer stärker daran interessiert, dass ich Fortschritte machte, denn er wartete nun schon Jahre darauf, dass seine Mutter endlich Erfolg haben würde. Er träumte von dem vielen Geld, dass ich mit meiner Erfindung einmal verdienen würde und so war er auch gerne bereit mir zur Hand zu gehen. Tagelang war er zugegen und lötete und schraubte an meiner neuen Kaskade. Er saß bei mir am Tisch während ich das Bombini plante und auch Roland kam mit der Standbohrmaschine seines Vaters vorbei um mir bei der Lochung der Plexiplatten zu helfen.

Die Reiskur

Ich war mal wieder in Düsseldorf und stand an der Theke, hinter welcher Werner seinen Dienst versah. Er freute sich wie immer mich zu sehen und diesmal sogar ganz besonders. Er hatte nämlich Besuch von einem Freund. Er stellte ihn mir als David vor und er meinte vielleicht könne dieser mir bei meinen Plänen hilfreich sein, denn David war ein ganz ausgefallener Typ mit besonderen Qualitäten.

David trug einen ledernen Schlapphut und auch sonst sah er ziemlich augenfällig aus. Er begrüßte mich freundlich und nachdem Werner kurz erzählte womit ich mich beschäftigte kamen David und ich ins Gespräch, an dessen Ende wir uns neugierig sympathisch waren. Er lud mich ein ihn besuchen zu kommen und weil ich Zeit hatte ging ich gleich mit ihm mit. Er wohnte in der Nähe der Kiefernstraße, eine ziemlich alternative Ecke in Düsseldorf. Überrascht war ich jedoch als ich seine Wohnung sah. Er wohnte in einem ehemaligen Bürogebäude der Firma Hein Lehmann. Das war genau die Firma für die mein Großvater fast sein ganzes Leben gearbeitet hatte. Er hatte es dort zu einem sehr geachteten Direktor gebracht. Jetzt jedoch existierte dieses Hochbauunternehmen nicht mehr. Auf dem Gelände waren dafür mehrere kleinere Unternehmungen angesiedelt worden und auch die Bürogebäude wurden an die verschiedensten Geschäftemacher vermietet.

David hatte zwei kleine Zimmer unter dem Dach angemietet, dort wohnte er. Eine Etage tiefer hatte er wieder zwei Räume gemietet, dort arbeitete er und dann hatte er noch einen Raum, ein bisschen den Gang hinunter, dort empfing er seine Kunden. David fertigte Schmuck und reparierte besonders teure Uhren. Außerdem fertigte er Sonderwerkzeuge an. Damit verdiente er nicht schlecht, auch wenn sein Einkommen ziemlich schwankte. Es kam halt auf die Auftragslage an. Aber er kam zurecht, denn seine Lebensziele waren was das Materielle anging sehr bescheiden. Er war zudem auch noch Musiker, er spielte Geige oder ähnliches.

Möbel besaß er fast gar nicht, denn er lebte auf dem Teppich. Das war sein einziger Luxus. Orientalische Teppiche. Einige lagen übereinander und dienten als Sitzecke. Im Flur war so etwas wie eine Spüle, gekocht wurde auf einem alten Gasherd und in der Mitte des Raumes hatte er einen kleinen Holzkohleofen, den er jetzt befeuerte. Er machte uns einen Tee und bot mir einen Joint an. Wir erzählten uns gegenseitig von unseren Plänen und Lebensumständen. Wir verstanden uns ausgezeichnet. Ich blieb über Nacht, denn irgendwann war es zu spät für die letzte Bahn. Ich schlief auf den Teppichen und ich war davon ziemlich begeistert. Ich wollte unbedingt auch so einen schönen, weichen Teppich haben.

Darum gingen wir am nächsten Tag zu einem Teppichhändler in der Stadt. Wir suchten und suchten, ein Teppich nach dem anderen wurde ausgebreitet, bis David plötzlich meinte: „Ich finde, auf diesem hier steht Monica drauf.“ Und wirklich, der Teppich war ausgesprochen schön. Es waren Tiere und Pflanzen darauf abgebildet und auch die Farben waren sehr ansprechend. Überwiegend Dunkelrot, etwas Weiß, Hellblau und Dunkelbraun. Ich verliebte mich sofort in diesen Teppich und ich wollte ihn unbedingt haben. David kannte den Teppichhändler sehr gut und er machte für mich einen sensationellen Preis aus. 250 Euro, das war für so einen so schönen Teppich wirklich ein sehr guter Preis. Für mich war es allerdings viel zu viel. Doch David hatte mich auf eine besondere Methode zur Geldvermehrung hingewiesen. Ich sollte eine Reiskur machen. David überzeugte mich davon, eine Woche zu fasten indem ich nur Reis aß und Tee trank. Nach dieser Woche, so versprach er mir, würde das Schicksal einen Weg finden, damit ich den Teppich auch bezahlen konnte. Er versicherte mir, dass dies bei ihm eigentlich immer klappen würde. Also gingen wir in einen Bioladen und ich deckte mich mit ausreichend Naturreis und Tee ein. Damit fuhr ich dann nach Hause.

Es war Montag und ich begann mit meiner Reiskur. So eine Reiskur war nicht nur ein körperliches Erlebnis, auch die Psyche reagierte. Ich begann wie wild meine Wohnung aufzuräumen und meinen Kram zu sortieren. Viele Klamotten wanderten in Tüten, Bücher wurden aussortiert, Papiere geordnet und was es sonst noch alles zu tun gab. Gleichzeitig lief viel in meinem Kopf ab. Ich analysierte, ich meditierte, ich brachte Ordnung in mein Leben und nach einer Woche war ich nicht nur etwas schlanker, sondern auch sonst war alles im Umbruch und Neuordnung begriffen. Doch das gewünschte Geld lag am Montag darauf nicht in der Post. Damit war natürlich auch nicht zu rechnen gewesen, und ich fragte mich wie ich wohl jetzt den Teppich bezahlen sollte, den ich hatte zurücklegen lassen. Doch das war kein Problem. Das Schicksal fand tatsächlich eine Lösung.

Ich fuhr Mittwochs zu Werner ins Lager und dort lernte ich einen Freund von ihm kennen. Dieser sammelte Schallplattenspieler und Boxen. Zwölf verschiedene Plattenspieler hatte er schon zu Hause stehen und ich bot ihm den Dreizehnten an. Ich hatte von meiner Patentante, Tante Moni, ein gutes Gerät geerbt. Außerdem besaß ich zwei große Boxen aus Marmor. Der Sammler war sofort Feuer und Flamme und er kaufte mir, nachdem er sich meine Anlage angeschaut hatte, diese Dinge für 250 Euro ab. Soviel verlangte ich, denn soviel brauchte ich für den Teppich. Und so kam es, dass ich zum vereinbarten Zeitpunkt tatsächlich das Geld hatte um den Teppich zu bezahlen. Ich war mit meinem kosmischen Geschenk, denn dafür hielt ich es, überglücklich. Ich legte den Teppich auf mein Bett, denn ich wollte in Zukunft darauf schlafen.

David kam mich besuchen und ich ging mit ihm in die Savanne. Ich wollte dass er Steini kennenlernte, denn vielleicht konnte dieser ihm eine seiner Wohnungen vermieten. Doch David war nicht sonderlich begeistert von Steini, denn Alkohol war nicht gerade sein Thema. Er lebte eher von Tee. Und auch sonst schien er mit meinen Freunden nicht ganz auf einer Wellenlänge zu liegen, er war eben ein ganz besonderer Typ, der seinen eigenen Weg ging.

Aber er wollte mir bei meinem Bombini helfen. Ich zeigte ihm die Metallscheiben und diskutierte mit ihm wie ich die Kabelanschlüsse haben wollte. Dazu mussten zwei Löcher mit Gewinde in die Scheibe gebohrt werden. Allerdings wollte ich nicht, dass diese Löcher das Metall komplett durchbrachen, der Schönheit wegen. Dazu war Millimeterarbeit notwendig und dies war ganz Davids Metier. Ich brachte ihm also die Scheiben vorbei und er brachte mir die Anschlüsse daran an. Damit sahen die Scheiben schon richtig nach was aus. Jetzt brauchte ich nur noch eine 2,5cm dicke, relativ große Plexiglasscheibe als Dielekrtikum. Die Platte bestellte ich bei einem Plexigroßhandel in Düsseldorf Heerd. Sie kostete nach einigem Verhandeln 25 Euro. Damit war mein Bombini vollständig. Ich bohrte noch drei Löcher in die Plexischeibe um daran ein rotes, dünnes Seil so zu befestigen, dass ich das Bombini aufhängen konnte. Es sah wirklich wunderschön aus. Das war Design wie es mir gefiel.

Jetzt mussste mein Bombini nur noch fliegen lernen.

Der große Trafo

Je größer die Ausgangsspannung des Trafos,

desto größer die Leistung der Kaskade.

Daran hatte Werner wohl gedacht, als er mir einen besonders leistungsstarken Trafo zeigte. Es war ein Trafo für Neonreklame und der schaffte alleine schon 6000 Volt. Das war wirklich eine Hausnummer, doch leider war auch die Stromstärke sehr hoch. Und damit war dieser Trafo ziemlich gefährlich. Elektriker, die diese Geräte anschließen wollten brauchten daher auch eine zusätzliche Ausbildung. Werner war dies durchaus klar, aber was sollte er schon gegen meine schönen Augen tun, denn natürlich wollte ich diesen Trafo unbedingt haben. Werner tröstete sich damit, dass mir bei meinen Versuchen ein ehemaliger Physiklehrer zur Seite stand und so kam es dass ich dieses Gerät mein Eigen nennen durfte. Jetzt stand meinen Versuchen mit der neuen Kaskade und dem neuen Bombini nichts mehr im Wege.

Der Winter war vorbei und ich ging hinunter in den Garten und bereitete das Gartenhäuschen vor. Zunächst einmal strich ich die Wände, denn die hatte Felix mit Graffitis verhunzt. Dann stellte ich die Glastische auf und baute das Experiment auf. Diesmal sah es wirklich ziemlich beeindruckend aus. Die vielen metallenen Kondensatoren, das schöne Plexi, der große Trafo und mein wunderschönes Bombini. Ich war wirklich sehr stolz auf meine Anlage. Ich brachte einen Notausschalter an und plante die Verkabelung so, dass ich nicht direkt im Raum stehen musste, wenn ich die Anlage hochfahren wollte. Ich stellte auch meine Kamera auf. Ich hatte sie ein paar Monate zuvor von Ralfi bekommen, als Gegenleistung für ein Bild. Ein sehr großes Bild, auf dem mein Bombini in voller Fahrt dargestellt war. Ich hatte auch die für unsere Augen unsichtbaren Magnet- und Torsionsfelder darauf abgebildet. Das Bild war bei allen sehr gut angekommen und Ralfi war sogar so begeistert, dass er mir das Bild sofort abhandelte. Doch ich war mit dem Tausch ebenfalls sehr zufrieden. Ich wußte zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht, was ich alles mit der Kamera einmal aufnehmen würde, aber zur Dokumentation meines Experimentes war diese Kamera schon mal Gold wert.

Ich bereitete also alles für den großen Tag vor. Ich setzte wirklich große Hoffnungen in meine neue Kaskade, sie sollte 100 000 Volt Gleichspannung erzeugen, allerdings bei einer großen Stromstärke und damit war mein Experiment in keinster Weise mehr ein Kinderspiel. Mir war das durchaus klar und so wartete ich auch geduldig bis Rene Zeit hatte vorbeizukommen um einen ersten Test zu machen.

Zuerst einmal nahm er sich als er kam den Trafo vor. Dieses Ding war wirklich ein Monster und nach einigen Hin und Her machten wir einen ersten Versuch. Ich hatte einen Schalter vorgeschaltet, mit dem man die Stromzufuhr regeln konnte. Wir fingen ganz klein an und steigerten das Ganze bis wir 20 000 Volt erreichten, danach brachen wir die Versuche ab. Es brutzelte doch ganz schön und wir wollten keinen Schaden an der Kaskade verursachen.

Mein Bombini bewegte sich wieder nur minimal, aber wir hofften, wenn wir die Anlage bald ganz hochfuhren, dass wir mehr sehen würden. Jetzt aber hatte Rene leider nicht mehr Zeit. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag und ich blieb mit meiner wunderbaren Anlage allein zurück. Jedoch nicht lange. Mein Sohn kam vorbei und er war hoch interessiert. Jetzt würde seine Mutter bald endlich die Anerkennung bekommen, die auch er sich wünschte. Dieses Experiment würde bestimmt erfolgreich sein, schließlich hatte er ja auch daran mitgearbeitet.

Ich freute mich das Felix sich interessierte. Er probierte mit der Kamera herum und filmte den Versuchsaufbau. Dabei gab er eigene Erklärungen dazu ab. Er wollte die Anlage gerne in Funktion sehen und so sagte ich Ja, als er darum bat die Anlage doch einmal laufen zu lassen. Wir stellten also die Kamera in Position, so dass wir die mögliche Bewegung auf Film bannen würden. Wir stellten uns an die Tür und wir fuhren die Anlage hoch. Erst bis 20 000 Volt doch Felix wollte unbedingt mehr sehen und so gab ich nach und wir drehten langsam auf bis zum Maximum. Die Kaskade brutzelte, man konnte genau hören, wie die Spannung immer größer wurde. Gebannt schauten wir auf das Bombini, doch auch als wir wie auf dem Meßgerät zu sehen 80000 Volt aufgebaut hatten, das Bombini bewegte sich nur Centimeterweise. Wir versuchten es immer wieder, doch es blieb dabei, das Bombini drehte sich nur etwas zur Seite und das war es. Wir versuchten es einmal andersherum, dass heißt, wir tauschten die Kabel aus. Jetzt bekam die kleine Scheibe die hohe Spannung, doch auch das brachte keine besseren Resultate. Im Gegenteil, wenn man die Verkabelung vertauschte, dann zuckte das Bombini nur. Felix wollte jedoch nicht aufgeben und forderte mich immer wieder auf es noch einmal zu versuchen und ich gab nach. Leider rächte sich dies sehr schnell und die Kaskade blieb plötzlich still. Kein Mucks mehr, kein Brutzeln, nichts. Die Kaskade hatte mal wieder schlapp gemacht. Ich war total frustriert. Jetzt würde ich wieder wochenlang nach dem Fehler suchen müssen, und die Bewegung, die zu erwarten war, die war alles andere als beflügelnd. Mein verbessertes Bombini hielt nicht was ich mir davon versprochen hatte. Ich hatte diesmal einen asymetrischen Zweiplttenkondensator gebaut, aber die Ergebnisse waren um kein Deut besser. Ich war gescheitert. Wiedereinmal gingen meine Träume nicht in Erfüllung. Wissenschaft war wirklich ein hartes Brot. So konnte und wollte ich nicht mehr weitermachen. Ich musste einsehen, ich kam einfach nicht voran. Ich hatte zwar mittlerweile eine wunderbare Theorie, aber in der Praxis ließ sie sich nicht beweisen. So einfach wie ich mir das Ganze vorgestellt hatte war es demnach überhaupt nicht. Ich hatte Lust mich zu betrinken und so ging ich nach diesem frustrierenden Ergebnis ins Canapee, auch ein netter Laden mitten in Osterath.

Ich saß an der Theke und bestellte mir einen Uso nach dem anderen.

5 Stück hatte ich schon getrunken, als Petra, Rolands und Michaels ältere Schwester, plötzlich neben mir stand. Mir traten die Tränen in den Augen als Petra mich in den Arm nahm. Sie verstand zwar absolut überhaupt nichts von Physik, aber sie wollte mich natürlich dennoch trösten. Doch das war wirklich nicht einfach, denn ich wollte in diesem Moment alles Schwarz sehen. „Nein, ich versuche es nicht noch einmal, ich repariere die Kaskade nicht mehr, ich tue überhaupt gar nichts mehr, alles was ich tat ist sowieso verlorene Liebesmüh …“ und so weiter. Petra war irgendwann leicht genervt, sie ließ schließlich auch nie den Kopf hängen. Aber ich wollte mich jetzt einfach mal so richtig selbstbemitleiden. Ich wollte unglücklich sein, ich fand, ich hatte es mir verdient.

Mir war klar, ich musste einen anderen Weg gehen, ich brauchte eine Pause, ich brauchte neue Ideen. Aber ich wußte noch überhaupt nicht, wo ich diese her nehmen sollte.

Ja, und dann, wenige Tage später lernte ich Wolfgang bei einem Abendessen kennen, zu dem mich Leonie eingeladen hatte. Er war mir gleich sympathisch und als ich auch noch hörte, dass er Elektriker war, sogar einer, der sich explizid mit Hochspannung auskannte, da schöpfte ich neue Hoffnung. Vielleicht war ja doch noch nicht alles verloren.

Doch was dann folgte, das habe ich ja schon erzählt.

Die Seifenblasenphysik

So sieht es aus, mein Bombini- Projekt.

Hat dieses Projekt jetzt irgendetwas gebracht oder war es am Ende nur der verzweifelte und fehlgeschlagene Versuch einer arbeitslosen Designerin? Ich denke: Ja es hat sich gelohnt, auch wenn es mir nicht möglich war Thomas Thaunsend Brauns Entdeckung mit dem Flug eines Bombinis zu beweisen, eine interessante Theorie dazu habe ich auf jeden Fall immer noch. Diese Theorie hätte ich ohne meine vielfältigen praktischen Bemühungen nicht entwickelt und so ist, so sehe ich es auch heute, die Arbeit nicht umsonst gewesen. Ich werde mich wohl wirklich bald hinsetzten und auch darüber ein Buch schreiben müssen. Ein verrücktes Physikbuch. Denn an meine Seifenblasenphysik glaube ich nach wie vor.

Die Theorie ist sehr umfassend und darum nicht in wenigen Worten zu erklären. Die Grundlage ist die Stringtheorie, doch habe ich durch die Einfügung der Torsionsfelder so etwas wie einen Baukasten entwickelt, der sich verstehen läßt. Ein Baukasten, bestehend aus Elektronen, Quarks und Neutrinos. Ich habe eine Vorstellung davon entwickelt wie ein Elektron aussieht und woher seine Energie stammt. Ich habe seit meiner Arbeit an dieser Theorie diese vielfältig überprüft und ich muss sagen, sie ist mindestens so gut oder schlecht wie die Ideen anderer großer Forscher auch.

Diese Haltung regt Wolfgang allerdings ziemlich auf. Er findet es vermessen, dass ich als kleines Licht mir einbilde etwas von Wert mit dieser Theorie geschaffen zu haben. Für ihn zählen nur Formeln und Berechnungen, doch diese kann ich leider nicht liefern. Dazu hätte ich tatsächlich Physik studieren müssen. Als Laie ist es mir nur möglich meine Ideen aufzuzeichnen. Doch ich finde diese Zeichnungen sehr aufschlussreich. Insofern ist auch klar, das verrückte Physikbuch wird kaum Formeln aber dafür viele Skizzen enthalten. Rechnen wird jemand anders müssen. Ich habe Wolfgang öfter aufgefordert diese Berechnungen durchzuführen, wenn er sie doch so wichtig findet, aber daran denkt er leider gar nicht. Er möchte, dass ich das ganze Thema am Besten begrabe und dass ich mich anderen Themen zuwende, aber das will ich nicht. Noch nicht.

Die Seifenblasenphysik ist für mich so etwas wie ein Lebenswerk.

Darum war es für mich auch so fatal, als mein Kopf dieses sehr umfassende Werk scheinbar gelöscht hatte und darum bin ich heute auch so froh, dass alles in meinem Gehirn wieder an seinem Platz ist. Das caotische Durcheinander ist sortiert und mein Seifenblasen-Weltbild ist wieder aufgebaut. Doch darauf muss ich wie schon gesagt an anderer Stelle noch einmal genauer eingehen. Ich denke es lohnt sich, denn mein Seifenblasen-Universum gibt Antworten wo heute noch viele Fragen herrschen.

Doch all diese Fragen würden mich vielleicht nicht so sehr bewegt haben, wenn ich mit dem Bombini nicht auch eine mögliche Antwort auf die Frage in Händen halten würde, wie Fortbewegung im Raum ohne zusätzlichen Energieaufwand möglich sein könnte. Das heißt, wenn ich Recht haben würde, dann wäre es möglich sich in Lichtgeschwindigkeit und womöglich noch darüber hinaus zu bewegen, und die dazu notwendige Energie käme aus dem Vakuum und nicht aus irgendeiner Rakete.

Außerdem würde ein Bombini die Energieprobleme unseres Planeten lösen. Denn Vakuum gibt es im Grunde überall, dass heißt es gibt keine Quelle, die irgendjemand in Besitz hält, sondern die Quelle stünde jedem offen. Energie zum Nulltarif. Das Vakuum macht es möglich. Ist es ein Traum oder reale Chance? Nun, solange die Wissenschaft sich nicht mit dem Vakuum und seiner darin befindlichen Energie ernsthaft auseinandersetzt, solange bleibt es ein Traum, eine Vision.

Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen“, meinte Altbundeskanzler Schmidt.

Ich kann dazu nur sagen: „Ohne Visionen keinen Fortschritt, keine Zukunft.“

Und für die Zukunft habe ich mich immer schon stark machen wollen, wenn der Weg über Visionen gehen sollte, ich habe damit nach all dem was ich erlebt habe kein Problem mehr.

Der Rosenkranz

Er besteht nur noch aus einer kleinen Handvoll roter Steine,

Wolfgang entdeckte sie irgendwann in der Waschmaschine.

Er hatte sich von dem Rosenkranz nur wenig beeindrucken lassen, aber nun fand er es doch ein bisschen arg, dass ich so sorglos damit umgegangen war. Und es stimmte, der Rosenkranz war für mich mit ihm uninteressant geworden. Ich brauchte keinen Schutz vor einem Mann, denn Wolfgang war von selbst in diesen Dingen von größter Zurückhaltung. Dies war schon fast ein bisschen kränkend für die eitle Seele. Aber ich war es schließlich selbst Schuld. Ich hatte ja nicht gewollt. Zumindest lief ich mit diesem Gelübte herum.

Ich hatte zwar gewußt wie man so ein Gelübte anfing, aber wie ich es beenden sollte war mir ein Rätsel und ist es mir immer noch. Ich habe den Eindruck, dass dieses Gelübte sich verselbstständigt hat. Auch wenn ich es jetzt vielleicht gerne anders hätte, das Schicksal sagt Nein. Wolfgang meinte bei unserem letzten Gespräch dazu nur: „Wir sind halt Beide ein bisschen faul.“ Wie es auch sei, Sex spielt jedenfalls zwischen uns eine nur sehr untergeordnete Rolle. Dafür ist die Freundschaft und das gegenseitige Verständnis aber um so größer, denke ich.

Ich will damit allerdings nicht sagen, dass Sex in meiner Psychose nicht trotzdem eine große Rolle gespielt hat. Ich habe diesen Aspekt bisher weitgehend unberücksichtigt gelassen, aber im Grunde ist er auch sehr entscheidend gewesen. In vielerlei Hinsicht. Es ist klar, dass eine gewisse Zurückhaltung in diesem Punkt die ganze Angelegenheit für den Betroffenen erleichtert, deshalb ist die exuelle Abstinenz unter Physchotikern nichts besonderes. Zumindest, wenn man kein Exibitioniest ist. Denn im Zustanmd der akuten Psychose steht man einfach zu sehr unter Beobachtung, die mysteriösen Kameras sind wahrlich überall. Gott und seine Kumpanen, wer immer dies im Einzelfall auch sei, sehen einfach alles.

Diese Beobachtung, sollte sie fortdauern, ist zum Glück für mich nicht mehr spürbar. Ich kann mich in meinen Wohnräumen wieder privat und unbeobachtet fühlen, und dies ist ein großer Gewinn an Lebensqualität. Diese permanente Kontrolle war vielleicht eine der unangenehmsten Begleiterscheinung. Es ist wirklich kein Wunder, dass man in diesem Zustand überall Spione und sonstige Neugierige vermutet. Natürlich hatte ich mich die ganze Zeit gefragt wie diese Beobachtung physikalisch möglich gemacht wurde. Welche Technik hatte der liebe Gott? Oder sind es doch die „Außerirdischen“ aus der Zukunft? Wer schaut dem Psychotiker bei seinem Kampf um das Wohl der Welt zu? Denn, dies ist auch klar, der Psychotiker ist oft ein Weltentretter.

Doch ich muss sagen, ich muss nicht psychotisch

sein um die Welt retten zu wollen.

Ich wollte das schon immer.

Ist dies eine Folge dieses mysteriösen, möglicherweise eingebildeten Spiels. Hat mir da mein Unterbewußtsein etwas eingepflanzt oder war das Gespräch mit diesem Peter real. Hat es tatsächlich so oder so ähnlich stattgefunden oder hat sich mein Unterbewußtsein dieses Gespräch ausgedacht? Liebe Leute, ich weiß es nicht zu unterscheiden. Und vielleicht ist dieser Unterschied sowieso nur sehr gering. Meine Therapeutin meinte jedenfalls schon sehr früh zu mir, eigentlich gleich bei unserer ersten Begegnung: „Ist es nicht erst einmal völlig egal? Wir gehen einfach von Beidem aus.“ Es tat mit erst einmal sehr gut, dass dort jemand war der zumindest nicht direkt kategorisch ausschloß, dass meine Erlebnisse stattgefunden haben konnten. Irgendwie, irgendwo. Aber am Ende ist es mir natürlich überhaupt nicht egal. Denn in dem einen Fall hatte ich eine Gottesbegegnung und im anderen Fall habe ich sie mir nur eingebildet. Das ist schon eine wichtige Unterscheidung, zumindest wenn man auf Gottessuche war. Und das war ich ganz bestimmt. Ich wollte mich ihm anschließen und mich in seine Dienste stellen, denn auf dem ersten Arbeitsmarkt sah ich für mich nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Meine Ideen waren zwar oft sehr gut, aber für den Kunden dann vielleicht doch zu revolutionär, zu radikal. Leider, denn meistens musste ich später feststellen, die Entwicklung ging genau in die Richtung, die ich vorhergesagt hatte und der Kunde hätte, wenn er sich auf mich eingelassen hätte, ganz vorne mit dabei sein können, so aber hinkt er heute möglicherweise der Entwicklung hinterher. Es ist die Aufgabe eines Designers neue Ideen rechtzeitig zu entwickeln, und ein gutes Produkt benötigt immer auch einen gewissen Vorlauf. Es ist daher zwingend weit vorraus zu schauen. Mit meinem Bombini habe ich sehr weit hinausgeschaut, aber Leute, ich sehe tatsächlich etwas. Ich sehe eine Welt mit Bombinis. Wenn es diese Welt in unserem Universum nicht geben mag, weil unsere Physik eben nun mal nicht dazu taugt, dann gibt es aber vielleicht ein anderes Universum in dem meine Bombinis fliegen können. Eine Welt, in der der vermeintlich leere Raum sehr viel Energie enthält, die sich über geschickt gestaltete Torsionsfelder abschöpfen läßt. Dieses Universum ist meiner Überzeugung nach möglich, warum sollte es nicht unseres sein. Dies würde ich wirklich gerne mit entsprechend kundigen Wissenschaftlern diskutieren. Dazu ist es natürlich notwendig, dass ich mehr von meiner Seifenblasen-Physik erzähle. Doch dies muss warten, ich denke zuerst einmal muss ich endlich auf den Speicher und dort Platz und Ordnung schaffen.

Der Ausweg

Zu Beginn des Buches formulierte ich: „Das Buch ist ein Ausweg“

und jetzt nach fast 500 Seiten Mauskript denke ich, zeichnet

sich dieser Ausweg auch tatsächlich ab.

Ich habe mir für die Zukunft vorgenommen ein Buch über die Seifenbalsen-Physik zu schreiben und dafür viele Zeichungen anfertigen. Dies ist eine ziemlich anspruchsvolle Herausforderung, doch ich traue sie mir wieder zu. Und das ist wirklich das Allerbeste. Meine Zuversicht in meine geistigen Fähigkeiten ist zurückgekehrt. Noch lange nach dem zweiten Blitz war ich wirklich sehr verzweifelt. Meine Konzentrationsprobleme waren so massiv, dass ich schon befürchtete nun geistig behindert zu sein und zu bleiben. Meine Therapeutin meinte zu mir, das eine Psychose tatsächlich solche schlimmen Auswirkungen haben kann. In extremen Fällen jedenfalls. Ich denke so langsam: Ich habe Glück gehabt, alles wird sich wieder einrenken, mein Großvater hatte also Recht: Ich bin unsterblich, zumindest geistig. Nur, ich neige nicht dazu zu glauben, dass dies immer so sein würde. Beim nächsten Mal bleiben vielleicht wirklich Schäden zurück. Eine Psychose ist kein Kinderspiel, ganz bestimmt nicht. Aber sie ist auch aufregend, spannend, erheiternd, sie schenkt einem ungeahnte Hochgefühle und Erfahrungen spiritueller Art. Zumindest in meinem Fall sehe ich in meiner Geschichte mehr als nur geistige Verwirrung. Für mich macht das Ganze Sinn, und solange es Sinn macht, ist es eigentlich auch nicht wirklich verrückt.

Neben dem Physikbuch werde ich auch an den Filmen weiterarbeiten. Sobald ich eine vernünftige Kamera zur Verfügung habe, werde ich zum Beispiel mit der Sammlung entsprechenden Bildmaterials für den Osterath-Film beginnen. Die Idee zu diesem Film hat sich weiterentwickelt, jetzt schwebt mir ehr so etwas wie ein Video gestützter Stadtplan vor. Ich habe meinem Arge-Fallmanager, Herrn Stach, von meinen Plänen erzählt und er ist von der Entwicklung meines Konzeptes ganz angetan. Und so wird mich der Staat auch weiterhin erst einmal unterstützen. Es tut gut, wenn auch andere Menschen Hoffung in einen setzen. Das gibt Zuvertrauen und Kraft.

Aber vor allen Dingen ist es Wolfgangs konsequente Allround-Unterstützung, die so langsam Früchte trägt. Er hat mir immer wieder klar gemacht: „Es geht wieder aufwärts, wenn Du nur etwas Geduld hast. Bei mir hat das geklappt, warum dann bei Dir nicht auch?“

Wenn ich jedoch meine Monalisa-Filme und meine dafür entworfene Internetseite veröffentlichen möchte, dann werde ich entweder auf ein neues Urheberrecht warten müssen oder ich muss fast alles noch einmal überarbeiten. Vielleicht erlaubt mir ja Ralla auch für meine Monalisa-Filme seine Musik zu benutzen. Doch das ist wirklich ziemlich viel Arbeit, da kann man tatsächlich fast etwas Neues in Angriff nehmen.

Allerdings werde ich, wenn ich wieder selbst vor die Kamera möchte, mich noch etwas weiterentwickeln müssen, denn die unbekümmerte Spontanität und die Erzählfreude, welche ich in den Monalisa-Filmen zeigen konnte, ist mir noch nicht wieder gegeben. Die Psychose hatte mir tatsächlich nachhaltig die Sprache verschlagen. Wer meine Kochfilme mit den Arbeiten aus 2006 vergleicht wird den Unterschied, den es noch zu überbrücken gilt, feststellen. Ich jedenfalls sehe ihn genau und er bekümmerte mich auch wirklich sehr. Doch mittlerweile glaube ich auch dies wieder in den Griff zu bekommen. Vielleicht werde ich dabei nicht mehr ganz so flott daherkommen, dafür im Ganzen aber vielleicht etwas seriöser und gereifter. Es ist eine Herausforderung und ich denke, sobald ich die technischen Möglichkeiten habe, werde ich es zumindest ausprobieren. Denn, vor der Kamera zu stehen ist für mich eine wirklich wunderbare Erfahrung gewesen. Ich habe mir meine eigenen Filme wirklich x-mal angeschaut. Es hat mir totalen Spaß gemacht. Das war Fernsehen wie ich es mir wünschte. Intelligent und unterhaltsam. So etwas würde ich wirklich gerne wieder machen, und glücklicherweise macht es einem die moderne Technik ja auch möglich.

Jetzt jedenfalls hoffe ich, dass ich sie gut unterhalten habe und sie einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt einer Psychose haben gewinnen können. Schon kurz nach dem zweiten Blitz hatte ich mir geschworen diese ganze Geschichte irgendwann zu erzählen, der Gedanke daran war für mich Trost und Ansporn.

Ich wollte den Bösen, die mich da so hinterhältig beklämpft hatten, einen Strich durch die Rechnung machen und ihre gemeinen Machenschaften offenlegen. Gut, heute sage ich, es waren vielleicht nicht die Bösen, vielleicht war es nur mein Unterbewußtsein, aber eine interessante und vor allen Dingen wahre Geschichte ist es wie ich finde auf jeden Fall geworden.

Zum Schluss noch ein Wort zur Privatsphäre. Für mich war der Verlust dieser Sphäre während der Psychose ein echtes Problem. Ich fand es einfach unverschämt, so ausgehorcht und beobachtet zu werden. Ich fragte mich immer wieder, wie mein sprechender Fernseher nur an all die Informationen gekommen ist und ich kann wirklich sagen: Es ist ein schlimmes Gefühl. Sehr bedrohlich und sehr unangenehm. Doch wenn man selbst für die Offenlegung der intimen Geständnisse zuständig ist, dann ist diese Offenheit auch sehr befreiend. Ich habe mit diesem Manuskript sehr viel Persönliches erzählt und mich dabei, so gut wie ich mich erinnern konnte, an die Wahrheit gehalten. Ich hoffe ich habe Sie damit intelligent unterhalten und ich habe ihnen eine Vorstellung von der komplexen Welt meiner Psychose, ja meiner Schizophrenie vermitteln können.

Ganz zu Anfang, kurz nach meinem beruflichen Bankrott, da flackerte in mir einmal kurz eine Warnung aus den Tiefen meines Unterbewußtseins auf: Schiziophenie. Doch damals konnte ich mit dieser Warnung überhaupt nichts anfagen, ich wußte einfach nicht genug darüber. Doch jetzt kann ich sagen: Diese krankhafte Bewußtseinsspaltung, die habe ich vorrübergehend tatsächlich erlebt. Allerdings habe ich auch eine große Bewußtseinserweiterung erfahren, und diese Erweiterung, die hatte ich immer schon angestrebt.

Ich wollte die Erfahrung machen und heute kann ich sagen:

Ich bin froh über meine Geschichte. Ich schimpfe nicht

mehr auf den lieben Gott, sondern ich bin ihm

für diese aufregende und spannende

Zeit sehr dankbar.

ENDE